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Andacht für Pfingstsonntag, 31.05.2020


30. Mai 2020

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Andacht für den Pfingstsonntag, 31.05.2020

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 124,8

 

Lied EG135

  1. Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an, denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen.
  2. Lass die Zungen brennen, wenn wir Jesus nennen, führ den Geist empor; gib uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor. Gib uns Mut, du höchstes Gut, tröst uns kräftiglich von oben bei der Feinde Toben.
  3. Gib zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, führ uns ein und aus; wohn in unsrer Seele, unser Herz erwähle dir zum eignen Haus; wertes Pfand, mach uns bekannt, wie wir Jesus recht erkennen und Gott Vater nennen

 

Psalm 100

 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt!  / Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!  / Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.  / Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, / zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!  / Denn der HERR ist freundlich, / und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

 

Bibeltext: Apostelgeschichte 2,1-21

„…und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu Reden eingab. (…) Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden.“

 

Wo ist der Ort an dem Gott zuhause ist? Wo sollen wir Gott verehren? Manchem würde sofort die eigene Kirche einfallen. Da ist Gott zuhause. Da verehren wir ihn. In der kleinen Kirche in Auerbach, in der großen Marienkirche in Zwickau, in der Pauluskirche in Marienthal, in der Matthäuskirche in Bockwa, in der Markuskapelle in Pöhlau, beim Lesen dieser Andacht.  Zu gleicher Zeit kann, wer will, Online-Gottesdienst feiern, der bereits aufgenommen worden ist.

 

Ein ähnliches Bild gibt es in vielen Gemeinden. Und das nicht nur in Evangelischen, sondern auch in den Katholischen Gemeinden, den Reformierten. Und es gibt es auch über das Christliche hinaus in anderen Religionen, im Judentum, bei den Muslimen, bei den Hindus und den Buddhisten. Wir sind verortet, in der Ausprägung einer bestimmten Religion und Konfession – kommen zusammen oder bleiben getrennt. Wir wählen dafür verschiedene Orte aus und manchen treibt die Frage um: Ist es sinnvoll, wenn ich mit anderen Religionen oder Konfessionen einen gemeinsamen Gottesdienst feiere? Oder ist es besser, wenn ich ausschließlich meinen Glauben praktizieren, „meinen“ Gott feiere?

 

Auf diese Frage haben Menschen viele Antworten gefunden. Manche halten es für möglich, dass sie nicht gemeinsam aber miteinander in einem Raum beten. Andere wandern zwischen Glaubensbekenntnis und Glaubensgemeinschaft und finden so ihren Weg. Da geht der Nachbarjunge am Freitagabend mit seiner Familie in die Moschee, ein guter Bekannter besucht am Samstag die Synagoge und am Sonntag trennen sich die Wege einer kirchlich engagierten Familie. Die Jugendlichen gehen zur freien Gemeinde, die Eltern in die Evangelische Kirche, die Großeltern besuchen den katholischen Gottesdienst.

 

Wo ist nun der Ort an dem Gott zuhause ist? Wo sollen wir ihn verehren? Müsste der Eine oder Andere etwas aufgeben, wenn er selbstbewusster im Umgang mit dieser Frage wären?

Möglicherweise ja. Aber wer das bejaht, geht von dem Wirken des Glaubens aus. Müssten wir nicht eher von dem anderen Zuhause ausgehen, das außerhalb der religiösen Praxiserprobung und ihrer Verortung liegt: von Gottes versammelter Großzügigkeit, die nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch seinen Heiligen Geist geschieht? Ist es nicht dieser Geist, der Menschen Gebete in den Mund, und Kerzen in die Hände legt, damit wir erkennen können, was es mit Gottes Geist und seiner Bestimmung auf sich hat?

 

„Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll“ heißt es im Buch des Propheten Jesaja. Es ist eine Aussage, die durchdrungen ist mit einer Vision. Jesaja sieht Gott auf einem Thron sitzen. Er ist umgeben von Engeln, sie singen und jubeln Gott zu. Das ist mehr als ein liturgischer Baustein, es ist ein hineingenommen werden in die Wirklichkeit Gottes, ein Blick in den Himmel, den wir uns sehnlichst auch heute noch wünschen. Es ist faszinierend, wie ein solches Leben aussehen kann! Die Menschen in Jerusalem haben es erfahren und wir erleben es von Zeit zu Zeit auch.

 

Gott ist gegenwärtig in vielen Sprachen, in vielen Religionen und Konfessionen auch heute. Warum?! Im Pfingstereignis, dem nachösterlichen Wunder von Jerusalem wird es erklärt: damit jeder Gottes Wort hören und verstehen kann. Gott baut keine Mauern zwischen den Menschen. Er baut keine Mauern zwischen den Konfessionen oder den Religionen. Und es geht ihm auch nicht darum, dass Menschen ihn an einem richtig geglaubten Ort verorten und diesen anderen gegenüber verteidigen, sondern, dass sie in seinem Namen aufeinander hören, ihn loben und preisen in vielen Sprachen und Überzeugungen. Gottes Wirken in der Ausgießung des Heiligen Geistes ist anfänglich kein Anspruch, sondern eine Zusage!  Er will zuerst gehört und wahrgenommen werden und als nächstes erkennbar aufgenommen werden in unseren Worten. Er will aufleuchten in unseren Taten und ganz unerwartet unter uns wirken.

Wenn wir heute Pfingsten feiern, feiern wir diese Fülle. Alltagsnah, aktuell und im Erlebnis dessen, dass Gott sich dieser Welt annimmt.

 

Viele Erfahrungen machen stumm vor Schmerz. Wenn eine Katastrophe über uns hereingebrochen ist oder wenn es eigentlich unerklärbare Geschehnisse gibt, wie aktuell die Corona-Pandemie oder die Nachricht, dass wieder einmal Eltern ein Kind bis zum Tode vernachlässigt haben und niemand in der Nachbarschaft hat es bemerkt, wenn Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit sich breit machen ist uns auch ein weiter Raum geschenkt. Ein Raum der Zuwendung zu Gott und der Zuwendung Gottes zu uns. Gott ist hier zuhause. Sein Geist ist da.  Er ordnet stellvertretend das wieder, wofür mir die Kraft fehlt. Und er verändert.

Dass er mich tragen kann und dass er mein Herz so tief berührt, dass ich einen frischen Wind wahrnehme und das Leben wieder spüre, das bleibt sein Geschenk, ein kleines Zuhause, eine Freude in der Gegenwart und für die Zukunft.

 

In diesem Fall ist Anstecken erwünscht. Es bleibt ein Zeichen dafür, dass Pfingsten eine berechtigte Hoffnung erfüllt hat. Welt und Wort erneuern einander. Und dass wir, die Gleichwertigkeit aller Geistesgaben erkennen und anerkennen, darauf kommt es im Gottesdienst an. Wir sind nicht das Ganze, aber wir sind ein Teil davon. Als Christen sind wir sind einander zur Seite gestellt und aufeinander angewiesen. Und das bleiben wir im Verhältnis zu anderen Glaubenden auch. Darum helfe der eine dem Anderen in seiner Erkenntnis und tue es in Weisheit. Er tue es mit Glauben und in der Liebe zu Gott. Denn die Liebe Gottes gilt allen Menschen. Sie lässt Gott in unseren Herzen wohnen. Wer das spürt, kann schließlich mit Freude bitten: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft. / Wie der Sturm so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein! Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein.

 

 

Fürbittengebet

 

Barmherziger Gott, du Schöpfer des Lebens,

in uns tragen wir die Sehnsucht nach Lebendigkeit und innerer Erfüllung. Deshalb bitten wir: Komm mit deinem Heiligen Geist und wohne mitten unter uns. / Erneuere uns dort, wo wir uns den Verhältnissen dieser Welt gebeugt haben und unsere innere Stärke eingebüßt haben. Sei dort mit deinem Geist unter uns, wo uns die Liebe fehlt, wo wir uns nicht recht verstehen und auseinandergelebt haben. Erneuere uns mit deinem Geist, dass wir denen beistehen, die allein sind oder durch Krankheit bedingt ein gutes Wort brauchen, das sie stärkt und aufrichtet. Heilige und mit deinem Geist, dass wir an der Vision der Einheit der Kirche festhalten, dass die Konfessionen trotz aller Unterschiede gemeinsam dein Wort in aller Welt verkündigen. Hilf zu gegenseitiger Achtung unter den Religionen und lass uns mit Besonnenheit für den Frieden in der Welt wirken. Alles was uns sonst noch bewegt bringen wir vor dich in den Worten Jesu:

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Superintendent Harald Pepel, Zwickau

 

Foto: Dom St. Marien Zwickau

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