geistliches Wort

zum 15. Sonntag nach Trinitatis

Notrufnummer

Wenn ein Unfall geschieht, weiß jeder sofort, wo Hilfe zu holen ist.

Da gibt es die Notrufnummern 110 bzw. 112. Eine Tag und Nacht besetzte Notrufzentrale alarmiert in Windeseile professionelle Helfer. Rettungsdienste, Feuerwehren oder die Polizei kommen dann sofort – in der Not ist man nicht allein.

Seit dem 20. September 1973 gibt es in der alten Bundesrepublik diese einheitlichen Nummern – in der DDR bereits seit 1958. Hintergrund der Einführung waren jeweils tragische Unfälle, in der Rettungskräfte zu spät zum Unfallort kamen… Alle, die einmal die Notrufnummer in Anspruch nehmen mussten, sind sich einig, wie gut es ist, dass wir im Unglück nicht allein gelassen werden, und dass wir professionelle Hilfe in Anspruch nehmen können.

Von einer Notrufnummer anderer Art spricht der Wochenspruch für die kommende Woche. Da lesen wir in der Bibel, im 1. Petrusbrief:

„Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.“

Gott ist der Ansprechpartner und die Notrufnummer für unsere persönlichen Sorgen. Er hilft uns bei unseren Problemen und wird uns entlasten. Unsere Sorgen und Ängste können wir ihm abgeben. Seine Fürsorge wird uns kräftigen und stärken.  Wie beim Anruf der 110 oder 112 flugs ein professioneller Helfer kommt, so wird Gott in unserer seelischen Not nahe sein und professionelle Hilfe leisten. Dennoch wird nicht alles schlagartig gut werden. Auch die zum Unfall gerufenen Rettungskräfte können nur helfen und heilen. So wird auch Gott nicht alle unsere Sorgen und Nöte lösen – aber uns zur Lösung helfen.

Ich bin dankbar, dass ich mit meinen Sorgen und Nöten nicht allein bin. Ohne Gottes Fürsorge kann und möchte ich nicht leben. Das Abwerfen meiner Sorgen entlastet mich und verhilft mir zum aufrechten Gang. So kann ich unbeschwert leben, weil ich das Niederdrückende abgegeben habe. 

Übrigens: der Notruf zu Gott steht allen ohne Einschränkung offen!

Anruf genügt.

Pfarrer Andreas Merkel, Hohndorf

zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Der Psalm 103 gehört für mich zu den schönsten dieser alten  biblischen Lieder.  Und mir fallen gleich etliche  schöne Vertonungen dieses Psalms ein, die mir geholfen haben, den uralten Text zu verinnerlichen und dann nicht mehr zu vergessen. Da steht es also schwarz auf weiß: wir sollen Gott loben. Das heißt,  ihm und uns selbst dankbar zu sagen, was er alles für uns Gutes tut und bereits getan hat. Ja was denn eigentlich?  Im Psalmtext steht es:   Sünde vergeben, Gebrechen heilen, vom Verderben erlösen, fröhlich machen – so sehr, dass man sich wieder jung fühlt wie ein Adler!! Das sind echt starke Bilder.  Und dann steht  da auch:  Gerechtigkeit schaffen, Geduld schenken …  Klingt auch gut.  Habe ich das alles schon erlebt? Ich kann mich vielleicht im Augenblick gerade nicht daran erinnern. Aber je länger ich nachdenke, desto mehr fällt mir wieder ein, „was er mir Gutes getan hat“.  Aber leider vergesse ich das oft und bin dann eben nicht in der richtigen Stimmung  zum Loben und Danken. Viel eher zum Sorgen machen, zum Verzagen, zur Unzufriedenheit und  oft auch zur Undankbarkeit. „Vergiss es nicht, was er dir Gutes getan hat“  –  sagt mir der Psalm. Naja, ich versuche es. Ich nehme es mir immer wieder vor. Zum Glück gibt es da einige Hilfsmittel, die mir das Loben Gottes erleichtern, die es mir richtig schmackhaft machen können: das Singen und Musizieren beispielsweise.  Da kann ich auf Worte, Dichtungen und Kompositionen zurückgreifen, die andere genau für diesen Zweck niedergeschrieben haben – um den Herrn damit zu loben. Und wenn ich das dann praktiziere, passiert es meist, dass ich es wieder spüre und mich daran erinnere: ja, er hat mir schon so viel Gutes getan. Er tut es immer noch. Solches Gotteslob kann sehr prägend und  erhebend sein, es kann eine richtige Gotteserfahrung werden.  „Loben zieht nach oben“ sagt ein altes Sprichwort. Eine ganz einfache  Sache, aber sehr wirksam und voller Energie und voll gutem, heiligem Geist. Ich wünsche es uns, auch und besonders an solchen Tagen, die trübe aussehen und eher zum Vergessen taugen als zum dankbaren Erinnern: Vergiss es nicht, was er dir Gutes getan hat – und lobe den Herrn!!

Guido Schmiedel, Kirchenmusikdirektor,

Kirchplatz 3, 08371 Glauchau

zum 13. Sonntag nach Trinitatis

Was passt?

Wer wünscht sich das nicht? Ein erfülltes Leben? Ausgewogen. Mit Spaß, Spannung und Aktion. Zugleich wohltemperiert. Nicht zu warm und auch nicht zu kalt. Wäre das nicht super? Ein Leben, das rundum passt?

Was passt?

Mal steht die Luft. Mal zieht es. Mal scheint die Sonne zu grell. Mal regnet´s aus Kübeln. Mal reden Leute zu laut. Mal reden sie zu leise. Mal schalten Ampeln zu schnell. Mal schalten sie zu langsam. Und nun auch noch schon eine gefühlte Ewigkeit lang die alles verändernde „Corona“. Wie schön und einfach waren doch die Zeiten und Tagesabläufe davor. Da war die Welt fast noch in Ordnung. Jeder konnte und durfte dem anderen nahekommen. Ohne Mund- und Nasenbedeckung. Ohne Abstandsregeln. Mit Knoblauchfahne und ohne.

Was passt?

Im Laufe des Lebens gehen wir durch Höhen und Tiefen. Mal geht es bergauf. Mal geht es bergab.

Wie sieht ein erfülltes Leben aus? Wie gestaltet man ein Leben, das rundum passt? Im Gespräch antwortet mir jemand: „Für mich ist das Leben ein Geschenk. Wenn ich das Leben als Geschenk begreife, bin ich gesund, auch wenn ich krank bin.“ Wow, denke ich. „Das ist eine beeindruckende Haltung.“ Im Nachgang dieses Gesprächs entdecke ich, dass diese Haltung schon bereits vor über 2700 Jahren als Empfehlung in der Bibel beschrieben wird.

Am guten Tage sei guter Dinge, und am bösen Tage, da erwäge: auch diesen hat Gott ebenso wie jenen gemacht … (Prediger 7,14)

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau-Planitz

zum 12. Sonntag nach Trinitatis

Neuanfang

Umzug. Neue Arbeit. Neue Beziehung. Schulbeginn. Es gibt Momente im Leben, in denen etwas Neues beginnt und sich viel verändert. Manchmal geschieht das freiwillig, oft aber haben wir darauf keinen Einfluss.

„Was soll ich tun? Wenn ich so seh´, ich kann den Wind nicht ändern, nur die Segel drehn. Tausend Fragen schlagen Rad. Ich will kein neues Leben, nur einen neuen Tag. Was tut gut? Was tut weh? Ein Gefühl braucht keine Armee. Vor, zurück, zur Seite, ran. Herzlich willkommen Neuanfang!“ So singt Clueso in seinem Lied „Neuanfang“ über den Mut, den es für einen Neustart braucht.

Neuanfänge gehören zum Leben, fallen uns aber selten leicht. Warum? Weil jeder Neuanfang auch einen Bruch markiert. Vertrautes endet. Ungewisses beginnt. Es gibt kein Zurück mehr, aber der erste Schritt in die Zukunft ist schwer.

Geschichten über Neuanfänge finden wir in der Bibel zuhauf. Über Abraham, Paulus und viele andere erzählt sie, wie die ihr altes Leben hinter sich ließen und neu angefangen haben. Eine Geschichte erzählt vom Zöllner Zachäus, der auf Kosten anderer reich geworden war. Als er hörte, dass Jesus in die Stadt kommt, war er neugierig. Als etwas klein geratener Mann klettert er auf einen Baum, um Jesus überhaupt sehen zu können. Als der aber dort vorbei kam, blieb er stehen und lud sich bei Zachäus ein. Diese Begegnung änderte für ihn alles. Er versuchte, gut zu machen, wo er die Leute betrogen hatte, und folgte Jesus nach. Sein Leben begann neu.

Das fordert Mut, sich einzugestehen, dass man Fehler gemacht hat, Mut, sein bisheriges Leben zurückzulassen, neu zu beginnen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen. Zachäus konnte das, weil er jemanden hatte, der ihn begleitete und dem er vertrauen konnte – Jesus. Das wünsche ich allen, die in diesen Tagen einen Neuanfang wagen oder wagen müssen: Dass Sie den Mut aufbringen, ohne Angst neu zu beginnen, und dabei entdecken, dass Sie nicht allein sind, sondern Jesus als Begleiter haben. Alles Gute für Ihren Neuanfang!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau

zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Ich bin am Ende, aber Gott ist am Anfang

Ich kann mich noch gut an die Zeit unseres Examens erinnern. Wir hatten in jeweils fünf Disziplinen je zwei Prüfungen. Natürlich lernten wir wie die Verrückten, saßen in der Bibliothek oder zuhause über unsere Bücher gebeugt, fragten uns gegenseitig ab und versuchten nicht in Panik zu verfallen. Wir haben unsere Chancen ausgemalt, welche Prüfungen für uns machbar sein könnten, welche schwer und welche kritisch. Wir haben alte Examensfragen durchgearbeitet und die Jahrgänge vor uns entsprechend beneidet oder bedauert. Doch die Tage der Prüfungen kamen unaufhaltsam näher und plötzlich waren sie da. Von uns allen gefürchtet. Von manchem auch ersehnt. Gleich die erste hatte es in sich: „Altes Testament!“ Haben Sie das schon mal gelesen? Es ist ziemlich lang und darüber kann man auch ziemlich viele schwierige Fragen stellen. Doch wir hatten ja gelernt. Und wussten nun zumindest, was wir nicht wussten. Der Professor galt als streng und unberechenbar, der in den Seminaren und den Prüfungen immer wieder Studierende durchfallen lässt. Meine Nerven waren am Ende. Ich saß weinend zuhause. Wenn es überhaupt eine Chance auf Hilfe gab, dann nur bei Gott, im Beten. Gott, bis hierher hast du mich gebracht, dann kannst du mich auch da durchbringen. Sie ahnen es schon: Bestanden! Sehr gut! Am Ende und bis heute unbegreiflich meine beste Note im Examen. Und die Prüfung mit den ungewöhnlichsten Fragen, fast als hätte der Professor gewusst, worauf ich eine Antwort habe. Als würde Gott uns sagen: Wenn du auf dich selbst vertraust, dann lasse ich dich machen, mit allen deinen Fähigkeiten und deiner Begrenztheit. Aber wenn du mir vertraust, dann bin da und dann könnte leicht auch ein Wunder geschehen.

»Den Überheblichen stellt sich Gott entgegen, aber den Demütigen schenkt er seine Gnade.« 1.Petrus 5,5b (Basisbibel)

Ihre Dominique Meichsner, Vikarin der Kirchgemeinde Glauchau

zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Geistliches Wort zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Glück gehabt

Was benötigt ein Volk, damit es ihm gut geht und es glücklich ist? Ist es eine gut funktionierende Demokratie, eine prosperierende Wirtschaft, weise Politiker, Bildung für alle, ein effektives Gesundheitswesen? Dieses und sicher noch einiges mehr gehört dazu. Faszinierend ist es, dass uns in unserem Land vieles davon einfach zur Verfügung steht. Reicht das, um glücklich zu sein?

In einem alten Gebet gibt es einen genialen Tipp, um glücklich zu werden.

„Glücklich zu nennen ist das Volk, dessen Gott der Herr ist.“ (Psalm 33,12)

Warum das jetzt? Warum kommt Gott noch ins Spiel. Das ist heute für unsere Ohren ungewöhnlich. Gott erscheint sehr selten an unserem Horizont.

Ich glaube, es lohnt sich unbedingt, dieser Frage nach Gott einen Moment nachzugehen. Übertragen sagt dieser Satz nichts anderes, als das insbesondere die Menschen glücklich sind, denen Gott etwas bedeutet. Warum?

Auch schon damals wird dieser eine Spitzensatz in dem alten Gebet weiter erklärt. Zum einen sagt dieser Mensch, Gott hat diese Welt geschaffen. Das heißt also, nichts ist einfach zufällig entstanden, sondern Gott hat jeden Menschen gewollt und alles erschaffen. Darüber hinaus heißt es in diesem Gebet, die Menschen denken sich viel und planen, aber letztlich entfaltet sich der Plan Gottes. Und darüber hinaus kennt Gott die Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte eines jeden Menschen.

Gott ist demnach mit dieser Welt absolut verwoben. Er ist der Schöpfer, er lenkt am Ende die Geschicke dieser Welt und er kennt uns ganz persönlich.

Aus dieser Perspektive ist es naheliegend, diesen Gott nicht zu ignorieren. Denn er hat den Raum geschaffen, in dem sich unser Leben entfalten kann. Er begegnet denen, die ihn suchen auf sehr persönliche Weise. Das wird in diesem Gebet benannt. Gott bewahrt in schwierigen Zeiten und rettet sogar vor dem Tod. Das heißt also, Gott hat uns nicht nur in diese Welt gestellt, sondern er ist da, wenn wir ihn suchen und ihn brauchen.

Natürlich muss sich niemand auf solche Gedanken einlassen. Trotzdem ist es ein erstaunliches Phänomen, dass Menschen immer wieder anfangen, Gott zu vertrauen und dann auch erleben, Gott hilft mir. Darüber kann ich mich glücklich schätzen. Am Ende dieses alten Gebetes, wird es sehr persönlich. Menschen drücken ihre Erfahrungen und ihre Freude über Gott aus: „Denn an ihm freuen wir uns von ganzem Herzen, und wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.“ Diesen Menschen konnte Gott ein tiefes, inneres Glück schenken. Und ich glaube das dies bis heute Gottes Leidenschaft ist. Er stärt und ermutigt alle, die ihn suchen.

Pfarrer Sören Lange
Oberwiera-Schönberg

„Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt … .” | Jeremia 1,5

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

haben Sie sich schon einmal durchschaut gefühlt? Das ist kein schönes Gefühl. Nun sind Gefühle bisweilen trügerisch und spiegeln nicht unbedingt die Realität wieder. Aber allein der Verdacht „aufgeflogen zu sein“ ist beängstigend.

In unserem Bibelvers bestätigt Gott: „Du bist für mich ein offenes Buch. Vor mir gibt es keine Geheimnisse. Schon bevor Du gezeugt wurdest, wusste ich alles über Dich.“

Vor Gott lässt sich tatsächlich nichts verbergen. Was wäre das auch für ein Gott, wenn man ihn „hinter‘s Licht“ führen könnte. Das Gelungene und Misslungene meines Lebens, die gute und die böse Absicht – nichts davon  ist ihm verborgen.

Dieses Wissen um Gottes Durchblick kann sehr ernüchternd sein.

Und doch stellt sich die Frage: Wenn Gott das alles weiß, warum erwählt er mich dann? Was sieht er in mir, dass er sagt: Genau Dich will ich!

Ich weiß nicht wie sie ihren schulischen Sportunterricht erlebt haben. Ich gehörte bei so einigen Sportarten nicht zu denen, die zuerst in die Mannschaft gewählt worden, eher zu denen, die man dann halt auch noch nehmen muss.

Hier sagt Gott: „Trotz oder weil ich Dich so gut kennen, will ich Dich in meiner Mannschaft. Und nein, Du bist nicht das notwendige Übel – die Kröte, die man eben schlucken muss.“

Gott will mich, weil ich es ihm wert bin!

Ich glaube das macht das komische Gefühl, dass Gott mich durch und durch kennt, locker wieder wett.

Ich bin von Gott gewollt – das ist eine gute Nachricht!

Amen.

Thomas Fischer, Gemeinschaftspastor, Glauchau

zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Wort zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Wahrheit oder Pflicht – höre ich plötzlich und sehe in die Augen von fünf bildhübschen Prinzessinnen die sich einen Platz an unserem Tisch erobert haben. Wir sind auf dem Geburtstag eines Freundes. Im Hof sind die Tische liebevoll geschmückt. Die Kinder haben Platz und erkunden das Gelände. Die Erwachsenen haben Zeit ins Gespräch zu kommen. Die Kinderaugen schauen mich erwartungsvoll an. Wofür soll ich mich entscheiden? Nehme ich Pflicht, muss ich womöglich noch etwas tun, was mich blamieren könnte. Wähle ich Wahrheit, wird das sicherlich laut ausposaunt. Also wähle ich das kleinere Übel: Wahrheit. Prompt kommt die Frage: Hast Du schon mal was Verbotenes getan? Ach Gott! Damit habe ich nicht gerechnet. Es rattert in meinem Kopf. Was soll ich antworten? Dass ich mal beim Krippenspiel geschwänzt habe, dass ich mal den Blasebalg an der Kirchenorgel kaputtgekriegt habe, oder soll ich erzählen, wie es war, als Nachbars Fenster in die Brüche ging? In Sekundenschnelle fallen mir noch andere „Wahrheiten“ ein. Die Kinderaugen warten und ich antworte. Nachbars Fensterscheibe hat die Situation gerettet. Die Mädchen kichern und rufen „Wow, das hast Du getan?“ Schon sind sie weg und befragen den nächsten Gast.  

Lebt als Kinder des Lichts – heißt es im Wochenspruch für die kommende Woche. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Der Satz wird dem Apostel Paulus zugeschrieben. Er ist an Christen in Ephesus gerichtet, damals eine antike Stadt in der heutigen Türkei. Kinder des Lichts sind die Getauften, Christinnen und Christen, die eine Wahl getroffen haben, nämlich wie Christus zu leben. An ihrer Gemeinschaft soll sichtbar werden, dass das Dunkel seine Schrecken verloren hat, auch die tiefste Angst des Lebens, denn das Licht hat einen Namen: Christus. Wer auf seinen Namen getauft wird, macht die Erfahrung der Befreiung und der Heilung. Er tritt aus der Dunkelheit ins Licht. Die Taufe war also kein Ausstieg aus der Wirklichkeit der Welt, sondern ein Einstieg in die Aufgabe, das Licht und die Liebe Jesu in den Alltag hineinzutragen; selbst Licht und Liebe zu sein, damit die Welt sich verändert. Die Werke der Finsternis gehörten damit auch ins Licht. Keine Vertuschung, keine Geheimniskrämerei, kein Schönreden, sondern Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit sollten fortan das Lebend er Christen prägen. Selbstverständlich hat das auch heute noch seine Bedeutung denn mit diesen Werten ist die Kirche geboren. Sie ist Gottesvolk und Leib Christi geblieben und lebt vom Segen den sie von Gott erbittet. Die Kirche ist gesandt, die Frucht des Lichts zu erhalten. Sie soll Gemeinschaft von Menschen sein, die Christus bekennen und aus der Hoffnung heraus leben. Dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod und die Dunkelheit überwunden ist durch das Licht, ist frohe Botschaft mit der christliche Gemeinden leben. Das ermutigt zu kleinen Schritten, die viel bewegen können. Bis heute berühren mich die Worte des Paulus. In einem Satz bringen sie die Erfahrung zum Ausdruck, dass Glaube nichts ist, was man kompliziert ausdrücken muss sondern etwas bleiben wird, das man Zuverlässig und authentisch leben kann – jeder für sich und Viele in einer Gemeinde. Die Höhen und die Tiefen miteingeschlossen.

Harald Pepel, Superintendent    

zum 7. Sonntag nach Trinitatis

 Denkmalstürmer

Seit einiger Zeit werden Denkmäler bekannter Persönlichkeiten  beschmiert oder abgerissen, weil jene Menschen neben ihren Verdiensten  Positionen vertreten haben, die heute abgelehnt werden. Aus gleichem  Grund werden auch Straßen und Plätze umbenannt bzw. wird  leidenschaftlich gefordert, sie umzubenennen. Diese moralische Reinigungswut verdrängt erstens, dass in jeder  geschichtliche Epoche ein Zeitgeist als normierende Normalität der  herrschenden Machtverhältnisse verbreitet wird, der immer plausibel daher kommt und  dem sich die allermeisten Menschen anpassen, sei es,  dass sie nicht nachdenken oder nicht unangenehm auffallen wollen, sei  es wegen des beruflichen Erfolgs und wegen der Aussicht auf materielle  Vorteile.  Diese Denkmalstürmer, die über verstorbene Menschen, die sich vom  Zeitgeist haben leiten lassen, den Stab brechen, gehen dabei  überhaupt kein persönliches Risiko ein und erhalten obendrein noch Beifall von Anhängern des jetzigen Zeitgeistes.  Ganz anders verhält es mit Menschen, die dem Zeitgeist zu Lebzeiten  widerstanden haben. Sie wurden sehr oft von der Gesellschaft  ausgegrenzt, manche bezahlten ihr Nicht-Angepasstsein sogar mit ihrem Leben. Einer von diesen wenigen Menschen war der Schriftsteller Hans  Paasche, der als Offizier der deutschen Schutztruppe in  Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) das brutale Vorgehen gegen den  Aufstand von 1905/06 erlebt hat und dies scharf kritisierte. Und das zu einem Zeitpunkt, als fast alle Deutschen dem Zeitgeist des  Kolonialismus huldigten! Durch seine Erfahrungen im 1. Weltkrieg wurde er zudem Pazifist. Diese seine Abweichungen vom damaligen Zeitgeist  kosteten ihm das Leben. Er wurde vor 100 Jahren am 21.Mai 1920 von  Soldaten der Reichswehr vom Infanterieregiment 4/1.Btl.  vor den Augen  seiner Frau und seiner Kinder auf seinem Gut Waldfrieden in der  Neumark (jetzt  Polen) erschossen.

Natürlich gibt es Unterschiede, selbstverständlich muss man auch  differenzieren. Für Politiker wie Stalin und Hitler darf es keine  Denkmäler und Straßennamen geben. Aber man muss sich mit ihnen

auseinander setzen und danach fragen, wie jemand als Herrscher zum Verbrecher wird. Doch Persönlichkeiten vergangener Zeiten mit großen  Verdiensten jetzt an den Pranger zu stellen, weil man ihnen aus  heutiger Sicht Kolonialismus oder Rassismus vorwerfen kann, ist eine billige Moral.

Für mich ist übrigens die heutige Verachtung und Verächtlichmachung  der Mutterschaft  bzw. des Mutter-Seins genauso schlimm wie Rassismus.  Und was diese  Denkmalstürmer zweitens völlig aus acht lassen, sind  die eigenen dunklen Seiten. Jeder Mensch ist anfällig, Böses zu tun,  und die übergroße Mehrheit der Menschen passt sich, wie bereits  gesagt, unreflektiert oder ängstlich oder aus Karrieregründen dem Zeitgeist an.  Darum gilt: Nur wer ohne Sünde ist, darf aus moralischen Gründen Denkmäler einreißen oder Straßen umbenennen. Was mich jedoch immer wieder total beeindruckt, ist die Bibel, wie sie  mit ihren Helden umgeht. Der König David z.B. hatte sich viele

Verdienste um das Volk Israel erworben und besass eine  überdurchschnittliche Klugheit. Er war auch der Erste, der in einem  asymmetrischen Kampf den hochgerüsteten Riesen Goliath mit einer

schlichten Steinschleuder besiegt hat. Und noch heute singen Juden und Christen Davids Lieder! Gleichzeitig verschweigt die Bibel nicht  dessen dunkle Seite: seine Probleme mit dem sechsten Gebot “Du sollst  nicht ehebrechen” und dass er viel Blut vergossen hat.  Die Bibel ist für mich darum Vorbild, wie wir Menschen beurteilen sollen:  Die guten Seiten und die Verdienste eines Menschen sollen wir neidlos  würdigen, ohne die dunkle Seite zu verdrängen, wissend, dass auch wir  selber dunkle Seiten haben.

 Pfr. i.R. Traugott Lucke, Bernsdorf

Zum 6. Sonntag nach Trinitatis

Beim Namen gerufen

Drehen Sie sich um, wenn hinter Ihnen gerufen wird: „He, Du da?“. Nein, da kann doch jede(r) gemeint sein. Ich bin doch kein „Du-da“!

Aber wenn da mein Name zu hören ist: „Karlheinz“ oder „Herr Wohlgemuth“, da weiß ich mich doch angesprochen oder gerufen. Denn da muss jemand sein, der mich kennt; bei meinem Namen kennt. Gut, dass wir alle unsere Namen haben. Der Name ist nicht nur ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, er sagt etwas aus über unsere Familienzugehörigkeit; jeder Name hat eine besondere Bedeutung. In der Regel geben Eltern ihren Kindern einen Namen. Eine solche Namensgebung will sagen: Kind, du gehörst zu uns!

Nun heißt es dazu im biblischen Spruch der kommenden Woche: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Welch eine Freude! Auch Gott kennt mich bei meinem Namen. Ich bin ihm kein Unbekannter, ganz im Gegenteil, ich gehöre zu ihm, gehöre hinein in die Familie der Kinder Gottes. Denn nicht nur dieser biblische Spruch , sondern das Thema des ganzen Sonntags erinnert mich an die Bedeutung und die Folgen meiner Taufe. Bei der Taufe spielt mein Name ja auch eine wichtige Rolle, denn er wird dabei mit dem Namen des dreieinigen Gottes in Verbindung gebracht in der Formel: „Karlheinz Wohlgemuth, ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ An dieser Stelle kann jede(r) Getaufte seinen eigenen Namen einsetzen, sich vergewissern: Gott hat mich bei meinem Namen gerufen, ich bin sein Kind. Ich habe den allmächtigen Gott an meiner Seite. Das will mir die Furcht, die Angst im Leben nehmen. Ich bin ja nicht allein. Der, der mich kennt, der mich bei meinem Namen gerufen hat, geht mit. Und ich vertraue darauf, dass Gott meinen Namen ins Buch des Lebens geschrieben hat, da bleibt am Ende für mich mehr, als nur mein Name auf einem Grabstein.

Pfarrer Karlheinz Wohlgemuth, Ev.-Luth. St.-Martins-Kirchgemeinde Oberes Pleißental

Zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Komm!

Warum? Wohin?

Um sich auf den Weg zu machen, braucht es oft einen Grund. Einen, der es schafft, sich loszureißen. Das kann entweder etwas sehr Schönes sein, aber auch eine unerträgliche Situation, die ein Verweilen nicht mehr möglich macht.

Loszugehen, sich auf den Weg zu machen, kann bedeuten, in den Urlaub zu fahren und den Alltag für einen Augenblick hinter sich zu lassen. So, wie es viele von Ihnen sicher in den kommenden Wochen tun werden. Da braucht es auch kein Warum? Da heißt es eher Wann?

Es kann aber auch bedeuten, ganz neue Wege zu gehen. Und das ist oft weniger leicht.

Sich neu auf den Weg machen heißt nicht nur, Abschied zu nehmen von vertrauten Dingen und lieben Menschen, sondern manchmal auch von festen Meinungen und alten Gewohnheiten.

Wer sich auf den Weg macht, hat ein Ziel vor Augen. Oft genug ist es ein Wagnis, aufzubrechen und manchmal auch ganz schön schwer, sich nicht aufhalten zu lassen.

Wer unterwegs ist, muss damit rechnen, einsam zu sein, müde zu sein, unsicher zu sein. Es braucht auf dem Weg Weggefährten, die stärken, wo der Mut fehlt, die motivieren, wo es steinig wird.

Wer unterwegs ist muss aber auch lernen, anderen Weggefährte zu sein. Der oder die darf den Blick nicht immer nur nach oben richten, denn sonst besteht die Gefahr zu übersehen, was vor den Füßen liegt.

Aber nur wer unterwegs ist, kann sich führen lassen. Kann spüren, wie sich neue Begegnungen anfühlen, wie andere Perspektiven aussehen und vielleicht ganz Neues entsteht.

Einer, der ruft, ist Jesus Christus. Und er sagt:

„Kommt und seht!“ Kommt und hört! Kommt und geht! Mit mir, miteinander. Folgt mir nach in eurem Denken und Fühlen und Handeln. Ob im Urlaub oder wo auch immer. Wer Jesus folgt, entdeckt immer tiefer, wo Gott in unsrer Welt wohnt. Wer Jesus folgt, braucht sich vor neuen Wegen, Menschen und Perspektiven nicht zu fürchten. Nachfolge ist spannend. So und so.

Pastorin Christine Meyer-Seifert, Evanglisch-methodistische Gemeinden Zwickau und Planitz

Zum 4. Sonntag nach Trinitatis

von Pfr. Michael Schünke, Ev.-Luth. Versöhnungskirchgemeinde Planitz

Jeder muss sein Päckchen tragen

„Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“, so weiß es schon die Bibel (Matthäus 6,34). Ja, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Da braucht man nicht lange drüber zu reden; das ist so. Aber nun macht die Botschaft der Bibel an dieser Stelle nicht Halt. Es gibt eine höchst erstaunliche Weiterführung dieser Aussage! Als Jesus Christus seinen Jüngern und Schülern eines Tages offenbart, wie sein irdischer Lebensweg zu Ende gehen wird (dass er leiden wird und sterben muss und am dritten Tage auferstehen wird), da sagt er: „Will mir jemand nachfolgen, dann verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ (Matthäus 16,24) Das Tragen der eigenen Lebenslast – wie immer sie aussehen mag und welche Ursachen sie hat! – eröffnet dennoch eine Perspektive: Jesus Christus nachfolgen. Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht), kann in seinem Leben einen Sinn finden, indem er es einem anderen überlässt und sich von Ihm führen lässt. Und dieser Jemand ist nicht irgendjemand, sondern Jesus Christus, der die Last aller Sünde dieser Welt getragen hat – hinauf an das Holz des Kreuzes! Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht) kann einem Lastenträger folgen, der weiß, wie sich das anfühlt. Denn Jesus hat eine viel größere Last getragen: die Sünde der Welt! Und das zu unserer Ent-lastung. Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht), von dessen Schultern soll eine Last genommen sein: die eigene Schuld, das eigene Versagen. Das hat ein anderer auf sich genommen und trägt es bis heute: Jesus Christus.

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2) So wird es in vielen Kirchen an diesem Sonntag verkündet. Das klingt in diesen Zeiten wie eine Zumutung. Aber wir wissen doch, was es heißt, Lasten zu tragen. Deshalb können wir Verständnis haben für andere, die ihr Päckchen zu tragen haben wie wir. Und wir können hier und da sogar Lasten abnehmen und Linderung geben: miteinander teilen und füreinander beten!

Zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Geistliches Wort für den 27.06.2020

An einem kalten Januartag vor vielen Jahren war ich mit meiner Klasse auf einem Schulausflug. Auf dem Rückweg hatte ich extra einen „Mutti-Zettel“ bekommen, der mir erlaubte, einen anderen Zug als der Rest der Klasse zu nehmen. Geplant war, dass meine Mutter mich am Endbahnhof in Empfang nahm und wir gemeinsam zu Freunden fahren. Wie gesagt, das WAR der Plan. Leider war der Zug so voll, dass meine Mutter und ich uns gegenseitig nicht finden und nicht sehen konnten. Da ich wusste, wo sie parken und vorher einkaufen wollte, stellte ich mich ans Auto und wartete. Ich bewegte mich nicht weg. Ich blieb dort stehen. Nur dreimal machte ich mich kurz auf die Suche nach meiner Mutter. Wie sich später herausstellte, waren es genau diese drei Male, als meine Mutter auf der Suche nach mir am Auto war. Nach drei sehr kalten Stunden hatten wir uns gefunden und ich fiel voller Freude in die Arme meiner Mutter. Ich kann mir bis heute nicht ausmalen, welche Ängste sie ausgestanden haben musste. Ich war nur froh, endlich wieder bei ihr zu sein.

Dieser Sonntag und auch die kommende Woche stehen ganz unter dem Motto der offenen Arme. So wie meine Mutter mich nach einer langen Suche in die Arme geschlossen hat, so ist auch Gott. Er will nicht, dass wir verloren gehen oder einsam in der Kälte stehen bleiben. “Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.” (Lukas 19,10) Gott gibt keinen verloren, sondern er schickt seinen Sohn zu uns, damit er all die verlorenen, bibbernden, ängstlichen, hoffnungslosen Menschen findet. Keinen gibt er auf, sondern er steht mit offenen Armen bereit. Und am Ende wird ein großes Fest gefeiert – mit warmer Suppe und jeder Menge Lachen.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

Zum Johannistag

„Gott trägt keinen Mundschutz“

Den Satz habe ich kürzlich bei einer Veranstaltung gehört. Ein Freund betete und machte diese Feststellung…“Danke Herr, dass du keinen Mundschutz trägst…“  Er wollte weiterbeten, – kam aber nicht mehr dazu, weil alle Anwesenden so laut anfangen mussten zu lachen, dass es nicht mehr ging…

Auch wenn uns diese Vorstellung belustigt und amüsiert hat, dann ist sie doch genauso einleuchtend. Gott ist nicht distanziert. Er ist nicht diesen Dingen unterworfen. Sondern er will und kann uns nahe sein, und wir dürfen seine Nähe spüren und erfahren. Wenn wir uns an ihn wenden, hört er uns. Er will gerne Beziehung zu uns haben. Wollen auch wir das? Wie gut, dass wir uns in unserem Land wieder treffen dürfen, -im erweiterten Familienkreis, mit Freunden, und auch zu der ein oder anderen Veranstaltungen. Manchmal eben mit Einschränkungen… Vielleicht haben wir die Beziehungen, in den wir leben, ganz neu schätzen gelernt. Und vielleicht auch die Beziehungen, die wir bisher vernachlässigt haben. Aber wir haben auch gemerkt, dass der Kontakt zu anderen Menschen manchmal nicht möglich ist, und dass er nicht das einzige Fundament in unserem Leben sein kann. All das ist krisenanfällig. Gott ist der einzig verlässliche, der nicht unseren Krisen unter-worfen ist. Er hat keine Krankheiten, er hat keine „Unpässlich-keiten“ und er trägt auch keinen Mundschutz J

Leider ist durch die Entscheidung des Menschen ganz am Anfang das Leid und Elend, und auch die Krankheit in die Welt gekommen. Der Mensch entschied sich für die Unabhängigkeit, und für ein Leben ohne Gott, seinen Schöpfer. Sozusagen für eine „soziale Distanz nach oben“… So berichte uns die Bibel auf den ersten Seiten (1. Mose 1,26-2,24). Und dies hat den Teufel bevollmächtigt, all das in die Welt zu befördern und zu verstärken, was uns noch heute so zu schaffen macht. Den Unfrieden, das Leid und die Katastrophen. Und auch die  Krankheiten. Die Schöpfung und gute Ordnung in der Welt war nicht mehr perfekt. Aber Gott will nicht die Distanz. Er sucht unsere Nähe. Er hat sie über die Jahrhunderte immer wieder gesucht. Und er kam selber auf diese Welt, – durch Jesus. Er zeigte, wie Gott ist und er schuf einen Weg aus der Distanz heraus. Wieder in die Nähe Gottes zu kommen. Jesus trug die Strafe für unseren Aufstand gegen Gott und für unsere Gottlosigkeit. Er hat am Kreuz darüber gesiegt. Vergebung steht für uns bereit. Und damit auch der Weg in die Nähe Gottes.

Seien sie mutig und wenden sie sich an ihn. mReden sie mit Gott. Er wartet auf sie.

Ich wünsche ihnen dabei Gottes Segen, Jahn Bayer, Pastor Elimgemeinde Glauchau

zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Sommer

Ich liebe den Sommer. Und deshalb freue ich mich auf den heutigen Sommeranfang. Denn jetzt sind die Tage am längsten, Sonnenschein und Wärme erfreuen uns (meistens jedenfalls), Ferien, Urlaub und Ausflüge in die Natur – in Gottes wunderbare Schöpfung – sind für viele in den nächsten Wochen angesagt.

Im Sommer schalten wir oft einen Gang zurück. Das Leben scheint etwas langsamer zu gehen. Im Urlaub, beim Besuch des Freibades, im Garten oder auf der Terrasse nehmen wir uns eine Auszeit und tun dann das, wozu uns im ganz normalen Alltag oft nur wenig oder keine Zeit bleibt. Das ist auch gut, denn man kann schließlich nicht rund um die Uhr nur arbeiten und den vielen Alltagsverpflichtungen nachkommen.

Wer ständig ruhelos auf den Beinen ist, wer sich nicht zumindest kleine Augenblicke der Ruhe und Entspannung gönnt, der schadet auf Dauer seiner Gesund­heit.

Gott möchte, dass es uns Menschen gut geht, dass wir gesund bleiben an Leib und Seele.

Vielleicht nutzen wir die Sommer­zeit als eine Gelegenheit, wieder etwas bewusster auf uns selbst zu achten. Das tut nicht nur gut, sondern gibt neue Kraft für anstehende Aufgaben.

Der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck (1902-1968) hat es einmal so ausgedrückt: „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“

Wahrscheinlich müssen viele von uns diese Kunst immer wieder üben, manche vielleicht sogar neu lernen. Je besser uns dies gelingt, umso mehr werden wir spüren, dass wir ruhiger, gelassener und ausgeglichener sind. Das wird natürlich auch unseren Mitmenschen nicht verborgen bleiben, im besten Falle sogar auf sie abfärben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sommeranfang und eine frohe und erholsame Sommerzeit!

Der Autor ist Dekan Markus Böhme, Pfarrer der Zwickauer katholischen Pfarreien Heilige Familie, St. Franziskus, St. Johann Nepomuk, der Pfarrei Maria Königin des Friedens in Kirchberg und Dekan des Dekanates Zwickau

zum 1. Sonntag nach Trinitatis

In den letzten Wochen waren keine Gottesdienste möglich. Eine harte Zeit für manche Christen, für manche waren andere Einschränkungen härter. Ein wenig erinnert die Situation an die Anfänge des Christentums. Gottesdienste in heutiger Form gab es nicht, es waren noch nicht einmal Kirchen errichtet. Der Glaube wurde innerhalb der Familie, maximal in Hauskreisen praktiziert.

Der Glaube eines Menschen betrifft sein tiefes Inneres, jede*r muss für sich selbst die Entscheidung treffen. Die überlieferten Berichte der Menschen, die Jesus nachfolgten sowie die Schriften des Alten Testaments prägten damals den Glauben der Menschen.

Heute haben wir die gesamte Bibel in den verschiedensten Übersetzungen und noch vielfältigere Auslegungen. Auch im digitalen Raum hat die Kirche nachgerüstet und möchte über Instagram, YouTube etc. möglichst allumfassend und überall präsent sein und alle Menschen ansprechen und begeistern.

Was fehlt: die Stille. Vielleicht haben wir als Kirche zu schnell reagiert und herkömmliche Angebote durch multimediale ersetzt. Vielleicht hätten wir gleich im März aufrufen sollen, eventuell freigewordene Zeit zu nutzen: zur inneren Einkehr, zum gemeinsamen Gebet in der Familie, zum selbstständigen unangeleiteten Lesen der Bibel, zur eigenen Glaubensfindung.

Was bedeuten beispielsweise Tod und Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben? Wie strapazierfähig ist unser Bild von Gott als der, der hinter allen erklärbaren und nicht zu erklärenden Geschehnissen dieser Welt steht? Was bewirkt der Heilige Geist in uns?

Das Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist feiern wir am morgigen Sonntag Trinitatis – dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Gottesdienst vor Ort oder in stiller Einkehr für sich. Paulus segnete einst die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13) – der Spruch begleitet uns durch die kommende Woche.

Dr. Bianka Röhr, Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Trinitatis

In den letzten Wochen waren keine Gottesdienste möglich. Eine harte Zeit für manche Christen, für manche waren andere Einschränkungen härter. Ein wenig erinnert die Situation an die Anfänge des Christentums. Gottesdienste in heutiger Form gab es nicht, es waren noch nicht einmal Kirchen errichtet. Der Glaube wurde innerhalb der Familie, maximal in Hauskreisen praktiziert.

Der Glaube eines Menschen betrifft sein tiefes Inneres, jede*r muss für sich selbst die Entscheidung treffen. Die überlieferten Berichte der Menschen, die Jesus nachfolgten sowie die Schriften des Alten Testaments prägten damals den Glauben der Menschen.

Heute haben wir die gesamte Bibel in den verschiedensten Übersetzungen und noch vielfältigere Auslegungen. Auch im digitalen Raum hat die Kirche nachgerüstet und möchte über Instagram, YouTube etc. möglichst allumfassend und überall präsent sein und alle Menschen ansprechen und begeistern.

Was fehlt: die Stille. Vielleicht haben wir als Kirche zu schnell reagiert und herkömmliche Angebote durch multimediale ersetzt. Vielleicht hätten wir gleich im März aufrufen sollen, eventuell freigewordene Zeit zu nutzen: zur inneren Einkehr, zum gemeinsamen Gebet in der Familie, zum selbstständigen unangeleiteten Lesen der Bibel, zur eigenen Glaubensfindung.

Was bedeuten beispielsweise Tod und Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben? Wie strapazierfähig ist unser Bild von Gott als der, der hinter allen erklärbaren und nicht zu erklärenden Geschehnissen dieser Welt steht? Was bewirkt der Heilige Geist in uns?

Das Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist feiern wir am morgigen Sonntag Trinitatis – dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Gottesdienst vor Ort oder in stiller Einkehr für sich. Paulus segnete einst die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13) – der Spruch begleitet uns durch die kommende Woche.

Dr. Bianka Röhr, Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Pfingstsonntag

Uns geht’s gut!

In Indien und Bangladesch wütet ein Zyklon. In Afrika veranstalten Heuschrecken das große Fressen. Dazu die Herausforderungen durch Covid 19. Und was bewegt uns? Wir ringen nicht nur um gute Lösungen. Wir klagen, polarisieren, grenzen ab, schimpfen und beschimpfen… Es scheint so, als könnten wir uns das als Gesellschaft gut leisten.

Geht es uns zu gut?

Machen wirklich die auferlegten Einschränkungen unglücklich? Liegt es tatsächlich am abgesagten Urlaub, dass wir stöhnen und ächzen? Könnte es sein, dass der Grund unseres Unglücksempfindens viel tiefer liegt? Dass wir erst durch den „Verlust von Freiheiten“ entdecken, dass viele der ersehnten „Glücksbringer“ ihre Versprechen nicht halten? Dass gerade sie von dem ablenken, was wirklich zählt? Nämlich tiefe Beziehungen zu Mitmenschen und zu Gott.

Von den ersten Christen heißt es: „Die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“ (Apostelgeschichte 4,32)

Wie sind Menschen, die sich kurz zuvor noch völlig fremd waren, auf solche Ideen gekommen? Gier frisst bekanntlich Hirn auf. Was hat diese Menschen verändert? Was hat sie zu mehr Hirn und solch einer Art Leben bewegt? Der Historiker Lukas sagt: „Das war der Geist Gottes“ (Apostelgeschichte 2+4). Die Initialzündung dafür kam zu Pfingsten. Da haben die Menschen erstmalig im großen Stil das Kommen des Geistes erlebt.

Uns geht’s gut!

Denn Gottes Geist will uns heute wie damals begleiten und leiten. Er will und kann uns helfen, aufeinander zu hören, um gute Lösungen für eine gelingende Zukunft weltweit zu finden. Seit Pfingsten ist Gott bereit, uns den Geist zu senden. Lassen wir uns von Gottes Geist inspirieren. Gottes Angebot steht.

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau-Planitz

zum Sonntag Exaudi

Heute vor einer Woche gab es gleich zwei(!) Gesangswettbewerbe, sogenannte ESC`s parallel im Fernsehen.

Singen um die Wette! Gerade wir Männer lieben Wettbewerbe. Sich mit anderen messen, gewinnen – mag ich auch! Ok, um die Wette singen eher nicht, aber ein Kochduell würde ich mir durchaus zutrauen.

Wettkämpfe, zeigen, was man kann, besser als andere zu sein, ja wir wollen gewinnen – auch den Kampf gegen ein tückisches Virus.

Stolz lesen wir in der Zeitung, dass es Deutschland „am besten“ geschafft hat, das Coronavirus einzudämmen.

Harte Arbeit, die „deutsche Kämpfernatur“ und natürlich die „deutschen Tugenden“ haben uns mal wieder zu Europas Musterschüler gemacht.

Wie ist das bei Jesus?

Er sagt einmal: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

„Ich will ALLE zu mir ziehen…“, sagt Jesus. Alle! Die, die was geleistet haben, die, die nichts können, Gewinner und Loser, Fleißige und Faule, Deutsche und Migranten, Systemrelevant oder nicht… ALLE!

Jeder ist bei ihm willkommen, Jesus sehnt sich nach Gemeinschaft mit Dir und mir, ohne, dass wir vor ihm etwas leisten müssen.

„Das sagte er aber, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.“ So lautet der nächste Vers nach unserem Wochenspruch. Jesus kündigt seinen Tod am Kreuz an, einen Tod, der uns ewiges Leben schenken.

Dahin, in seine Vollkommenheit will Jesus uns ziehen, die auf Liebe und nicht auf Leistung basiert.

Bei Jesus gewinnt keiner den ersten Preis, keine Million für tapfer beantwortete Glaubensfragen. Bei Jesus geht es um das Kreuz, sein Kreuz – und meins.

Menschen, die sich zu Jesus hinziehen lassen, stehen in denselben Herausforderungen wie Jesus selbst. Sie werden abgelehnt, sie werden missverstanden und manchmal müssen sie harte Einschnitte in ihrem Leben verdauen.

Was sie in diesen Herausforderungen eint? Jesus ist da. Er zieht uns zu sich. Er ist Tröster, Heiland und Freund. Er hängt am Kreuz. Das ist etwas, das er mir abnimmt.

Gott sei Dank!

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord

zur Himmelfahrt

Himmelfahrt oder Weltflucht? Beides liegt oft nah beisammen – nicht nur am Feiertag in dieser Woche. Der wird ohnehin ganz anders als in den vergangenen Jahren. Ob das gut ist oder schlecht, hängt von den individuell gemachten Erfahrungen ab.

„Hier ist der Himmel auf Erden.“ Diesen Ausspruch habe ich in letzter Zeit schmerzlich vermisst. Er ist Ausdruck einer Erfahrung, die das Einfache und Gewöhnliche übersteigt – im positivsten Sinne. Hier ist Ruhe, Schönheit, Erhabenheit, Gesundheit, etc. Hier ist mehr als nur das Blaue, das einem so mancher versucht vom Himmel herab zu lügen. Ich sehne mich nach solchen Orten und Momenten. Als Jesus 40 Tage nach Ostern seine Freunde verlässt, schauen sie ihm in den Himmel nach. Sie ersehnen sein Wiederkommen – vielleicht bis heute. Sie ersehnen ein Wiedersehen – ganz bestimmt auch heute.

Aus diesem Sehnen wird ein Handeln. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man damals, heute oder morgen mit Hände-in-den-Schoß-Legen weiterkäme. Es würde sich auch nicht ziemen, nur in den Erinnerungen an Gewesenes zu leben. Nun heißt es, für andere und mich in dieser Welt einen Platz zu suchen oder, noch besser, einen Platz zu gestalten, wo sich gut sagen lässt: Hier ist der Himmel auf Erden.

Aber Achtung: Wenn mein Sehnen zur Sucht wird, dann wird daraus ganz schnell nicht nur Sehnsucht, sondern eben auch Weltflucht. Ich meine das Im-Ewiggestrigen-Bleiben oder das Utopische versuchen oder das Dystopische hinter allem vermuten oder schlicht auch die Realität zu verdrängen und zu verleugnen.

Den Unterschied zwischen Weltflucht und Himmelfahrt macht die Haltung, die ich habe. Als Christ ist es der gute und heilige Geist Gottes, der meine Haltung zu Themen und bei großen und kleinen Lebensentscheidungen bestimmen soll. Das tut er nicht erst am Pfingstfest, sondern immer dann, wenn ich ernstlich um diesen Geist der Liebe und des Friedens bitte und mich so verhalte, dass er nicht nur in mir sein könnte, sondern andere ihn mir auch abspüren könnten.

 Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Rogate

Ein riesiges Meerungeheuer. Es tauchte aus der Tiefe herauf und verschlang ihn. Er hatte zuvor nicht gehört. Rannte weg vor Gott und seiner Aufgabe. Er machte sich lieber aus dem Staub, stieg auf ein bemanntes Schiff und segelte weit weg von Gott – so dachte er. Doch da begann ein furchtbarer Sturm auf der hohen See. Die Seeleute fanden heraus, wer verantwortlich war für das Unheil und warfen ihn über Bord. Es ist die Geschichte von Jona und dem Walfisch. Sie zeigt uns, wie wir Menschen sind. Vor Verantwortung und Aufgaben, die wir nicht haben wollen, laufen wir oft genug lieber davon. Doch irgendwann holt uns alles ein. Spätestens wenn wir selbst mit im „Unglücks-Boot“ sitzen. So erging es uns in den vergangenen Wochen und Monaten. Wurde uns doch bewusster als zuvor, wie zerbrechlich auch unsere vermeintlich heile Welt in Deutschland sein kann. Davor können wir nicht weglaufen oder die Augen verschließen, ob es sich um Corona oder andere globale Probleme handelt, denen wir mit Verantwortung begegnen müssen. Jona überlebte seine Katastrophe, indem Gott für ihn ein “Rettungs-U-Boot” schickte, den Walfisch. Die Bibel berichtet, wie Jona in der Einsamkeit, im Bauch des Fisches, das Beten lernt. Ursprünglich bedeutet Beten: Gott anrufen! In Psalm 66,20 heißt es: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Was für eine unglaubliche Zusage ist das! Gott hört zu, wenn ich mich ihm anvertraue und es spielt keine Rolle, was ich ihm erzähle: alle Schwere, was mich belastet, meine Sorgen, mein „Wenn“ und mein „Aber“, meine Freude über Schönes, selbst Tränen dürfen sprechen und ein leises Summen darf zum Lob für Gott werden. In Notzeiten erinnern sich Menschen vermutlich mehr an Gott als sonst. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Not Gott um sich spüren und dass Sie danach nicht vergessen, wer für Sie da war. Jona erinnerte sich, wer ihn rettete: nachdem der Walfisch ihn wieder an Land spuckte, erfüllte er Gottes Auftrag.

Rowena Jugl ist Pfarrerin in der Ev.-Luth. St.-Jakobus-Kirchgemeinde Reinsdorf

zum Sonntag Kantate

Ganz neue Töne                                                                                                 

Singt dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder (Psalm 98,1)

Ein neues Lied soll gesungen werden. Ein Lied für Gott, von den Wundern, die er tut, die erlebbar sind in alltäglichen Erfahrungen: Wenn Kranke gesund werden oder Linderung spüren, steckt dahinter mehr als ärztliche Kunst. Wo Menschen im Frieden sterben und Trauernde Trost finden, erleben sie jenen Halt, der auch durch dunkle Stunden trägt. Dass Menschen wieder zueinander finden, sich die Hand zur Versöhnung reichen, versteht sich nicht von selbst. Und wer nach Zeiten voller Zweifel wieder Licht am Ende des Tunnels erblickt, Hoffnung schöpft und Vertrauen wagt, erlebt das Wunder des Glaubens ganz neu. Gottes Wunder begegnen in nahezu allem, was nicht selbstverständlich ist und weisen so auf das eigentliche und größte Wunder hin: Gottes unbeirrbare Treue und Liebe zu uns Menschen. Und weil dieses Wunder in Jesus als Mensch zur Welt kommt, erleben wir Gottes Zuwendung oft auf ganz menschliche Weise. Öfter mal innehalten, Zeit nehmen zum Nachdenken; das hilft uns, sie in unserem Leben zu entdecken. Singt dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder. Singen tut der Seele gut. Lieder erzählen Erfahrungen mit Gott, sprechen Menschen auf einer anderen, emotionalen Ebene an. Der morgige Sonntag Cantate beinhaltet für mich noch mehr: Die Grundmelodie des Lebens klingt anders, wenn ich entdecke, dass Gottes Liebe und Treue über allem steht. Dass ich gute Zeiten nicht mir selbst verdanke noch in schweren Tagen allein bin. Dass aller Menschen Zukunft in Gottes Hand liegt und keiner nur für sich selber lebt. Trotz Krise, oder gerade deshalb, sind jetzt auch neue Töne zu hören, die Hoffnung machen: Von Fürsorge und Teilen, von Rücksicht und Miteinander. Auch das ist ein Wunder. Gelobt sei Gott!

 Horst Kleiszmantatis ist Pfarrer im Ehrenamt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Leiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge in der Stadtmission Zwickau

zum Sonntag Jubilate

Monatsspruch Mai: Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petr 4,10 (E)

Dieser Spruch begleitet mich schon viele Jahre. Er ist der Leitvers der Eisenacher Brüder- und Schwesternschaft Johannes Falk, der ich angehöre. Uns verbindet der Dienst am Mitmenschen auf der Grundlage der Frohen Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen, in der Nachfolge Jesu Christi. Was verbinde ich mit diesem Leitspruch? Diakone/Diakoninnen und Mitarbeitende in diakonischen Einrichtungen leisten Dienst am Nächsten, sie wenden sich den Mitmenschen zu. Die einen pflegen Kranke, andere hören den Verzweifelten zu. Der Nächste begleitet den Sprachlosen und Unwissenden aufs Amt und wieder andere geben Gottes Wort verständlich weiter. Mancher übernimmt organisatorische Aufgaben und Mancher unterstützt Orientierungslose. Wieder andere geben Fremden Heimat und manche nutzen die Gabe zu beten. All das ist Gottesdienst. Bei der Vielfalt der „Dienenden“ in Diakonie denke ich an das Bild eines Mosaiks – ein buntes, wundervolles Kunstwerk, das im Lichte (Gottes) glänzt. Jedes noch so kleine Steinchen ist für das Ganze notwendig, das gilt auch für die Mitarbeiter in Diakonie. Egal ob Pflegekraft, Reinigungskraft, Ehrenamtlicher oder Sozialarbeiter – egal ob Christ oder Kirchenferner – alle sind mit ihren Begabungen Mitgestalter an einer friedvollen und solidarischen Gesellschaft. Und für uns Christen gilt es, dass wir dies zur Ehre Jesu tun. Ohne Neid und Vergleichen. Sicherlich – wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können an dem Platz an dem uns Gott gestellt hat, wirken mit unseren Möglichkeiten, die wir haben – und wenn es nur ein paar Zeilen der Aufmunterung sind. Es braucht oft keine großen Gesten. Wenn wir der Liebe Gottes in unserem Herzen nachspüren, dann wird uns diese Liebe öffnen für unsere Mitmenschen. Ein kleines Lächeln, eine kleine Hilfestellung kann dann zum Segen werden, nicht nur für den anderen, sondern auch für uns. Jede Gabe ist wertvoll – bitte teilen!

Gabriele Floßmann, Diakonin und Vorstandsvorsitzende des Diakonie Stadtmission Zwickau e. V.  

zum Sonntag Miserikordias Domini

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,11a.27-28a

Als Kinder stellten wir uns die Frage: Wärst du ein Tier, welches würdest du gerne sein? Das Schaf war nicht mein Favorit. Auch bei Geschwistern und Mitschülern waren Pferd und Löwe beliebter. Alle wollten stark und kein schwaches, dummes Schaf sein. Wenn Jesus seine Leute als seine Schafe bezeichnet, meint er, dass sie abhängig und auf seine Hilfe angewiesen sind. Die jetzige Lage zeigt, was Abhängigkeit und Kontrollverlust bedeuten. Zwar können wir versuchen, dem Corona-Virus durch Regelbefolgung auszuweichen, es aber nicht meiden oder vertreiben. Es ist unsichtbar und kann jeden infizieren. Das macht bescheiden und weckt Sehnsucht, geborgen und sicher zu sein.

Dass Jesus auch uns ruft, mit ihm unterwegs zu sein, kann diese Sehnsucht stillen. Es ist klug, unsere Abhängigkeit und seine Hilfe zu akzeptieren, in seiner zu Nähe bleiben. Er weiß, wo unser Herz satt wird. Bei ihm sind wir geborgen. Selbst wenn Krankheit und Leid uns treffen, können wir wissen: Unter Einsatz seines Lebens gab er uns ewiges Leben.

Er kennt dich und spricht dir zu: Du kannst meine Stimme aus der Stimmenvielfalt herauszuhören. Er redet durch Worte der Bibel, Gedanken, Menschen, Bilder, Umstände oder anders. Jedenfalls traut er uns zu, ihm zu folgen – hin zu Menschen und an Orte, zu denen er führt, tröstende Worte zu sprechen, die wir von ihm gehört, Taten zu tun, die wir bei ihm mit dem Herzen gesehen haben – im Evangelium und Wahrnehmen seines Geistes. Er nimmt die Angst, was zu verpassen. Er ist ja da, gibt jetzt schon reichlich, vermittelt Halt, wo äußere Sicherheiten wegbrechen, und hält unendliche Fülle bereit.

Geht es dir auch wie mir, dass du sagen kannst: Ich will Schaf von Jesus sein; zu diesem guten Hirten will ich gehören?

Gottfried Wachsmuth, Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Hartmannsdorf

zum Sonntag Quasimodogeniti

„Er gibt dem Müden Kraft und Stärke dem Unvermögenden.“ Jesaja 40, 29

Du musst halt richtig beten, werde ich belehrt, wo ich Zweifel äußere.

Ich bin müde – ja, steh ich überhaupt richtig im Glauben. Was darf man von mir als Christen erwarten?

„Getröstet“, so schreibt eine Witwe in die Traueranzeige und meint, als Christ müsse man das doch sein.

Skeptisch hör ich die täglichen Nachrichten. Wieso bin ich nicht zuversichtlich? Das  sollte doch wohl unser Markenzeichen sein!

Geduldig, freundlich, liebevoll, ausgeglichen, voller Verständnis… Ich bin das Ohr für die, die etwas sagen wollen; bin der Mund derer, die sich schämen, selbst zu reden; bin Hand für die, die ihre Hand nicht erheben, hab die Füße auf dem Weg zu denen, die warten; hab ein Herz voller Mitleid, das dich auf Wunsch bedauert, bin immer auf Abruf bereit…

Ein Bild eines perfekten Christen – ein Bild, das uns maßlos überfordert!

Gern sag ich: als Christ muss ich nicht jedem Recht geben.

Als Christ muss ich nicht immer für alle da sein.

Als Christ muss ich nicht tun, was du zu tun zu bequem bist.

Sie sind doch Pfarrer, besuchen sie meine Tante. „Ja,“ antworte ich, „gern. Mit ihnen gemeinsam.“ „Wieso ich, ich zahle doch Kirchensteuern.“ Sprich: da hab ich einen, der tun muss, wozu ich keine Lust hab.

Wir sind überfordert – von anderen überfordert. Manchmal auch von uns. Denn wir wollen doch dem gerecht werden, was wir glauben.

Und so rackern wir, bis wir nicht mehr können, …und zwangsläufig irgendwann erschöpft aufgeben.

Luther hat‘s vor fünfhundert Jahren schon gewusst. Müde und überfordert wie wir oft sind, übersehen wir eines: ER gibt dem Müden Kraft. Ich kann und muss nicht alles schaffen. ER schenkt die Voraussetzung, Gnade allein:

Christus ist unserem schuldhaften „Du musst“ erlegen und am Kreuz für uns gestorben. Aber Gott hat ihn auferweckt: uns zum Heil: Aus diesem Glauben lasst uns Leben gestalten: in und trotz aller Unvollkommenheit ihm fröhlich leben, gemeinsam, gleich wie „neu geboren“…

Pfarrer Matthias Hecker, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Kirchberg

zum Ostersonntag

Wer den Körper berührt, berührt immer auch die Seele

Das ist schon ein seltsames Osterfest – ohne Gottesdienste, ohne Familienfeiern oder die Begegnung mit Freunden – auf Distanz bleiben – das gilt auch für die Festtage. Mir fehlen in diesen Tagen die Umarmungen von Freunden, der Händedruck zur Begrüßung, das Nachbarskind auf dem Arm oder die mit beiden Händen gehaltene Hand meiner alten Freundin in der Seniorenresidenz. Ziemlich einsam mag sich der eine oder die andere durch den notwenigen Abstand fühlen, denn für die Gesundheit unserer Seele brauchen wir körperlichen Kontakt. Als Jesus gestorben war, wollten die Frauen ihn in seinem Grab einsalben. Auch das wäre eine Berührung geworden, die selbst nach dem Tod noch Nähe herstellen könnte. Aber sie war nicht möglich. Nicht wegen einer Seuche wie bei uns heute, sondern weil Jesus nicht mehr im Grab lag. Die Frauen, so erzählt es die Bibel, fürchteten sich und trauten sich zuerst niemandem von dieser seltsamen Begegnung zu erzählen und auch die Männer reagierten sehr ungläubig. Einer von ihnen brachte es auf den Punkt: „Ich kann erst glauben, dass Jesus tatsächlich lebt, wenn ich meine Hände in seine Hände legen und die Wunden seiner Kreuzigung anfassen kann.” Erst wenn also die Berührung stattfindet, dann wird es real. Wir brauchen Nähe und körperlichen Kontakt. An diesem Osterfest wird dies auf zwischenmenschlicher Basis nicht möglich sein, aber wir können uns dennoch berühren lassen: Ostern, das ist das Fest des neuen Lebens ‒ nicht nur von Jesus, sondern auch der Schöpfung, in der uns Gott begegnen will. Die warmen Sonnenstrahlen, der Wind oder der Regen auf der Haut sind Berührungen, die nicht nur an der Oberfläche bleiben müssen. Sie können wie menschliche Nähe auch unsere Seele berühren. Wenn sie also jetzt mal kurz das Fenster öffnen und für einen Moment die Sonne oder den Wind spüren, dann spüren sie für einen Augenblick Gottes Berührung auf ihrer Haut, denn Gott muss zu uns keine Distanz halten.

Verona Lasch,  Diplom-Theologin, Zwickau

zum Gründonnerstag

Warum ist der Gründonnerstag grün?

Der Tag vor Karfreitag (kara = Klage, Kummer, Trauer) wird in unserem Sprachraum der „Gründonnerstag“ genannt. An diesem Tag denken die Christen an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte, bevor er am nächsten Tag gekreuzigt wurde. Warum aber heißt es „Grün“Donnerstag?

Wahrscheinlich kommt das Wort „grün“ von dem alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort „gronan/grinan“, was „weinen, wehklagen“ bedeutet. Wir kennen vielleicht das Wort „greinen“ als Bezeichnung dafür, wenn jemand weint. Unklar ist, ob dieses „Weinen“ am Gründonnerstag sich auf den bevorstehenden Tod Jesu am Kreuz bezieht oder auf das Weinen der reuigen Sünder, die an diesem Tag von ihrer Schuld befreit wieder in die Gemeinde aufgenommen wurden. Außerdem wurde dieser Tag als der „Tag der Grünen“ benannt, denn die Büßer, die man auch als „dürres Holz“ bezeichnete, wurden wieder lebendig, also „grünes Holz“.

Der Gründonnerstag und das Gedächtnis an das Abendmahl erinnern uns also daran, dass wir unvollkommene Menschen sind, die unter ihren Fehlern und Verfehlungen leiden. Aber Christus hat sein Leben für uns gegeben, damit wir „grünes Holz“, also befreit von Schuld und Sünde, sein können.

Lassen Sie sich einladen, sich dieses Gebet zu eigen zu machen: Herr, heute am Gründonnerstag kann ich Dir mein Herz ausschütten und weinen über mich selbst und meine Fehler. Aber Du bist der, der für mich ans Kreuz gegangen ist und mir verzeiht. Danke, dass Du vergibst und mich frei machst. Herr, ich weine heute aber auch über die Zustände in der Welt, die gerade völlig aus den Fugen zu geraten scheint. Ich bin unsicher und habe Angst. Mir fehlen die Menschen, die ich liebhabe. Es tröstet mich, zu wissen, dass Du mir trotzdem nahe bist, auch wenn ich mein Leben nicht so führen kann, wie gewohnt. Es tröstet mich, zu wissen, dass auch Du Angst gehabt hast damals. Es tröstet mich, dass ich weiß: Du lässt mich auch jetzt nicht allein und wirst für mich da sein. Hilf mir in meiner Angst und tröste mich. Amen.

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau


zum Sonntag Palmarum

Der morgige Sonntag, liebe Leserinnen und Leser, ist in der christlichen Tradition als Palmsonntag bekannt. Die biblische Geschichte, die diesem Sonntag den Namen gab, ist der Einzug Jesu nach Jerusalem. Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem und alles lief auf ein bitteres Ende zu: Gefangennahme, Folterung, ein Schauprozess, Verurteilung, Kreuzigung. Doch am Anfang steht ein triumphaler Einzug in der Hauptstadt. Ich bezweifle, dass Jesus diesen Einzug so gewollt hat, aber das Volk hat seinen eigenen Kopf: Es empfing ihn mit Hoch-Rufen und Jubelgeschrei, mit Klatschen und Freude, es legte Palmenzweige auf den Weg oder die eigenen Mäntel – Zeichen der Ehrerbietung. Dasselbe Volk, das nur einige Zeit später „Kreuzige ihn!“ rief und diesen Jesus mit seinen Rufen verurteilte. Stimmungen können offensichtlich schwanken. Angst, Wut, Unsicherheit treibt die Menschen und lässt sie schnell vergessen. In diesen Tagen werden so einige Berufe mit viel Beifall bedacht, die sonst ein eher randständige Dasein fristen und für ihre eigenen Rechte kaum eine Lobby haben. Oder es gibt Berufe, die auch in dieser Krise kaum gesehen werden – und die doch den ganzen Laden am Laufen halten. Ich wünsche uns als Gesellschaft, dass wir ein gutes Gedächtnis haben und dass wir uns nicht nur mit Beifall bedanken, sondern damit, dass wir für gute Bedingungen in allen Berufen einstehen, damit Menschen von ihrer Arbeit gut und würdevoll leben können. Ganz im Sinne Jesu: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so  unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“ Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche – die einzelnen Stationen auf Jesu Leidensweg stehen im Mittelpunkt dieser Woche. Gerade weil Gott in Jesus dieses Leid mittrug und aushielt, ist er nun denen besonders nahe, die unter der aktuellen Situation leiden – weil sie krank sind, einsam oder unsicher, voller Angst und voller Verzweiflung, wenn sie in die Zukunft blicken. Auch hier gilt: Achten wir aufeinander – und erfüllen wir so Jesu Vorstellung, wie wir als Menschen miteinander umgehen sollen. Bleiben sie behütet.

Pastor Christian Posdzich, Evangelisch-methodistische Friedenskirchgemeinde Zwickau

zum Sonntag Judika

Glaube in Corona-Zeiten

Es sind bewegte Zeiten, in denen wir gerade leben. Täglich erreichen uns gegenwärtig neue Nachrichten, was die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Lebenseinschränkungen betrifft. Selbst unsere Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen sind davon betroffen.

In so manchen Gesprächen ist zu erleben, wie verunsichert viele Menschen sind, Befürchtungen, Ängste machen sich breit – sicherlich ist dabei einiges nicht unberechtigt. Doch bei einigen kommt gar eine Weltuntergangsstimmung auf. Ja, auch mich bewegt der Gedanke, was so ein kleines unsichtbares Virus nicht alles auszulösen vermag. Fast alle unserer bisherigen Abläufe geraten durcheinander. So manches bisher Sichere wird nun hinterfragt. Doch ich bin überzeugt, dass letztlich auch diese Krise ihre guten Seiten haben kann, wenn wir sie nur zu ergründen vermögen. Denn bei allen Unsicherheiten aber bleibt mir eine feste Sicherheit: Mein Glaube, meine Beziehung zu Gott trägt mich auch in dieser Zeit: Außerdem sind wir ja nicht die ersten, die in der Menschheitsgeschichte Krisenzeiten zu bestehen haben, sondern wir leben auch aus den Lebens- und Glaubenserfahrungen unserer Vorfahren.

Da wird zum Beispiel der Blick in die Bibel hilfreich. Dort haben Menschen aus vergangenen Zeiten ihre Erfahrungen in eigenen Krisenzeiten niedergeschrieben. Gerade in dieser 5. Woche der Passionszeit lautet hier entsprechend dem Kalender der Fastenaktion „Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus“ das Wochenthema: „Meine Zuversicht ist bei Gott.“ Und ein Text aus einem alten Gebet unserer Kirche steht dabei im Blickpunkt der geistlichen Betrachtung (Psalm 62) „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. Meine Zuversicht ist bei Gott.“

Statiker wissen, dass Hochhäuser sogar etwas wanken müssen, wenn starker Wind weht. Wichtig ist nur ein gutes Fundament, ein stabiler Untergrund auf dem das Haus fest steht. Bei uns Menschen ist das ähnlich. So sieht es auch der Psalmbeter. Sein Lebensfundament ist sein fester Glaube. Seine Sicherheit, seine Zuversicht weiß er auf diesem Grund: Wenn ich Gott unter meinen Füßen habe, können mich die Stürme des Lebens durchaus etwas zum Wanken bringen. Aber ich kann beruhigt sein, dass dies mein Leben nicht zum Einsturz bringt, denn meine Zuversicht ist bei Gott.

Dieser Glaube trägt auch in Corona-Zeiten. Ich wünsche Ihnen diesen Glaubenshalt.

Pfarrer Karlheinz Wohlgemuth, Ev.-Luth. St.-Martins-Kirchgemeinde Oberes Pleißental

zum Sonntag Lätare

Morgen hätte ich eigentlich einen Gottesdienst zu halten. Es fühlt sich komisch an, am Sonntagmorgen nicht in die Kirche zu gehen, denn der Gottesdienst gehört ganz zentral zu unserem Leben als Familie. Nicht nur zu meinem. Ich kenne viele Menschen, denen die Begegnung, das Wort und das gemeinsame Singen fehlen. Auf diese gewohnte Form im Moment zu verzichten macht mir aber keine Angst. Ganz im Gegenteil. An vielen Stellen spüren Menschen, was wirklich wichtig ist. Das gilt nicht nur für unsere kirchlichen Veranstaltungen und Gottesdienste, sondern auch für die Schulen und den ganz normalen Gang zur Arbeit. Das, was bisher normal erschien, ist nicht mehr normal und keiner weiß, wie es weitergeht und ausgeht. Ich bin keine Schwarzmalerin. So gar nicht. Aber ich bin vorsichtiger geworden. Und ich weiß um die vielen, deren Existenz auf dem Spiel steht. Und dennoch: Es gibt etwas, das ist stärker. Ein Gefühl von Hoffnung macht sich in mir breit. Ein Gefühl, dass mich ruhig, zuversichtlich und aufmerksam sein lässt. Alles was wir gerade erleben, weckt etwas in uns. Die Verbundenheit mit Anderen; Dinge, deren Normalität wir nicht mehr hinterfragt haben; wir erinnern uns an das, was für unser Leben wirklich wichtig ist. Vieles, was immer schon so war, geht nicht mehr. Ablenkung geht nicht mehr. Weglaufen geht nicht mehr. Arbeit, Schule, Kultur, Gottesdienst – unser Leben pausiert. Aber wir sind da. Mit dem, was in uns ist. Mit all dem, was wir für andere sein und anderen geben können.

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht!“ Joh 12,24

Dieser Vers steht über der kommenden Woche. Mit Jesus Christus glauben wir, dass der Tod nicht das Ende ist. Dass aus jedem Ende etwas Neues erwachsen kann. Ich bin voller Hoffnung, dass nach Abschottung, Vereinzelung und Verlust unser aller Leben reicher, tiefer und lebenswürdiger ist. Aber das ist Zukunft. Noch sind wir mittendrin. Bleiben Sie alle behütet!

Pastorin Christine Meyer-Seifert, Evangelisch-Methodistische Friedenskirche Zwickau

zum Sonntag Okuli

„Wohin?“

Manchmal möchte man den Kopf in den Sand stecken.  Immer wieder schlechte Nachrichten:  Corona-Virus,  Feuersbrunst in Australien,  überfüllte Flüchtlingslager…  Extreme Weltanschauungen und Polarisierungen auf der einen Seite;  Angst vor Gewalt, vor Armut, vor Überfremdung auf der anderen Seite.  Wo führt das alles hin?

Früher fühlte sich vieles leichter an.  Man möchte in seinen Erinnerungen baden und sehnt die gute alte Zeit herbei.  Denn es gibt wertvolle Dinge, die man in sich trägt – aus einer Zeit, die nicht wiederkommt.

Der Herr Jesus Christus mahnt an diesem Wochenende, sich auf etwas Unangenehmes einzulassen, nämlich nach vorn zu schauen, in die Zukunft (von der man nichts Gutes erwartet):  „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“.  (Lukas 9,62)

Nicht der Blick zurück macht uns und diese Welt heil.  Was die Welt heil macht, das liegt nicht hinter uns, sondern kommt uns entgegen.  Gott sei Dank:  Wir alle hatten trotz schwerer Zeiten und tragischer Erlebnisse auch Gutes, an das wir uns dankbar erinnern dürfen.  Ein dankbarer Blick auf das, was hinter uns liegt, ist heilsam für Seele und Leib!

„Wohin?“

Manchmal möchte man den Kopf in den Sand stecken.  Immer wieder schlechte Nachrichten:  Corona-Virus,  Feuersbrunst in Australien,  überfüllte Flüchtlingslager…  Extreme Weltanschauungen und Polarisierungen auf der einen Seite;  Angst vor Gewalt, vor Armut, vor Überfremdung auf der anderen Seite.  Wo führt das alles hin?

Früher fühlte sich vieles leichter an.  Man möchte in seinen Erinnerungen baden und sehnt die gute alte Zeit herbei.  Denn es gibt wertvolle Dinge, die man in sich trägt – aus einer Zeit, die nicht wiederkommt.

Der Herr Jesus Christus mahnt an diesem Wochenende, sich auf etwas Unangenehmes einzulassen, nämlich nach vorn zu schauen, in die Zukunft (von der man nichts Gutes erwartet):  „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“.  (Lukas 9,62)

Nicht der Blick zurück macht uns und diese Welt heil.  Was die Welt heil macht, das liegt nicht hinter uns, sondern kommt uns entgegen.  Gott sei Dank:  Wir alle hatten trotz schwerer Zeiten und tragischer Erlebnisse auch Gutes, an das wir uns dankbar erinnern dürfen.  Ein dankbarer Blick auf das, was hinter uns liegt, ist heilsam für Seele und Leib!

Aber wir dürfen auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  In einem Kirchenlied heißt es:  „Vertraut den neuen Wegen auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“  (K. P. Hertzsch)  Wer sich im Gestern einrichtet, kommt ins Schlingern und verpasst, was ihm heute geschenkt ist.  Gerade Furchen ziehen kann der, dessen Leben ein Ziel hat.  Und das liegt nicht in dieser Welt.  Das Ziel für unsere Welt ist schon von Gott bestimmt.  ER ist es, der sagt:  „Siehe, ich mache alles neu!“  Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.  (Offenbarung 21,4+5)  Von dort kommt uns Jesus Christus entgegen, um uns hier und jetzt zu begegnen und einzuladen, mit IHM den Weg zu gehen – in die Zukunft, die von Gott schon vorbereitet ist.  Heil wird die Welt durch Ihn!

Aber wir dürfen auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  In einem Kirchenlied heißt es:  „Vertraut den neuen Wegen auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“  (K. P. Hertzsch)  Wer sich im Gestern einrichtet, kommt ins Schlingern und verpasst, was ihm heute geschenkt ist.  Gerade Furchen ziehen kann der, dessen Leben ein Ziel hat.  Und das liegt nicht in dieser Welt.  Das Ziel für unsere Welt ist schon von Gott bestimmt.  ER ist es, der sagt:  „Siehe, ich mache alles neu!“  Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.  (Offenbarung 21,4+5)  Von dort kommt uns Jesus Christus entgegen, um uns hier und jetzt zu begegnen und einzuladen, mit IHM den Weg zu gehen – in die Zukunft, die von Gott schon vorbereitet ist.  Heil wird die Welt durch Ihn!

Pfr. Michael Schünke, Ev.-luth. Versöhnungskirchgemeinde Zwickau-Planitz

zum Sonntag Reminiszere

Mund auf!

Am 8. März beginnt die Woche der Brüderlichkeit. Seit 1952 wird sie jährlich veranstaltet von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das Motto dieses Jahr lautet „Tu deinen Mund auf für die Anderen“. Es ist Worten der Bibel entlehnt, die ein König von seiner Mutter gelehrt bekam: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen“ (Sprüche 31, 8f.). Hier spricht die gute alte Kinderstube. Im Grunde ist sie heute noch die gleiche wie damals, auch wenn seit Entstehen des Textes mehr als zweitausend Jahre vergangen sind. Haben wir Ähnliches von unseren Eltern vermittelt bekommen? Wenn ja: geben wir es gleichermaßen an unsere Kinder weiter?

Angesichts des Tonfalls in unserer Gesellschaft sollten wir unsere Kinder dringender denn je dazu zu erziehen, den Mund aufzutun und sich einzusetzen für Gerechtigkeit, die Stummen und Verlassenen.

Aber wer sind eigentlich ‚die Anderen‘? Fußballfans, Lehrer, Schüler, Eltern, Kinder, Alte, Junge, Frauen, Männer, Oberschüler, Gymnasiasten, Vegetarier, Veganer, Fleischesser, Radfahrer, Autofahrer, Christen, Moslems, Katholiken, Evangelische, Trauernde, Glückliche, … Wir sind den ganzen Tag umgeben von den Anderen. Und wir selbst sind den ganzen Tag ‚die Anderen‘. Jede*r von uns ist dankbar, wenn unser Anderssein in diesem Moment akzeptiert wird, sich jemand dann für uns einsetzt und den Mund auftut, wenn es nötig wird.

Genau darum sollten wir das auch tun. Das bedarf keiner großen Worte und noch weniger großer Taten. Beleidigungen, Verunglimpfungen, Lästereien, dumme Witze gegenüber dem ‚Anderen‘, sei es Geschlecht, Gesinnung, Religion, Herkunft, Bildung, sozialer Schicht, Ernährung, Lebensweise,… begegnen uns im Alltag, in der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen, auf Elternabenden, bei Stadionbesuchen, … Lasst uns den Mund auftun, im Sinne der Brüderlichkeit und Nächstenliebe!

Dr. Bianka Röhr ist Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Invokavit

Geschenkter Tag

Was würden wir tun, wenn uns jemand einen zusätzlichen Tag schenken würde? Mit Sicherheit fiele uns da einiges ein: mal richtig ausspannen, etwas besonders erleben, Zeit mit lieben Menschen verbringen usw.

Warum versuchen wir das heute nicht einfach? Heute ist so ein „geschenkter“ Tag. Denn den 29. Februar kennt der Kalender nur aller vier Jahre.

Freilich ist mir klar, warum es das Schaltjahr gibt. Weil die Erde für das Umkreisen der Sonne nicht exakt 365 Tage, sondern knapp sechs Stunden mehr benötigt, braucht es aller vier Jahre einen „zusätzlichen“ Tag, damit der Kalender wieder mit der Erdbewegung übereinstimmt.

Dennoch gefällt mir die Idee des „geschenkten“ Tages. Wie viele Pläne und Ideen haben wir? Und wie vieles schieben wir regelmäßig auf! Nicht selten betrauern wir dann, wenn es zu spät ist, die verpassten Chancen.

Katholische Christen haben sich am Mittwoch dieser Woche, dem Aschermittwoch, ein Kreuz mit Asche auf die Stirn zeichnen lassen. Damit werden wir an unsere Endlichkeit erinnert. Jeder von uns muss diese Erde einmal wieder verlassen.

Doch das ist kein Grund für Angst oder Panik. Denn das Kreuz macht uns deutlich, dass unsere Zeit und unser Leben in Gottes Händen liegt. Er hat uns so unendlich lieb, dass er mit uns die Ewigkeit verbringen will.

Aber er möchte auch, dass es uns jetzt schon gut geht, dass wir glücklich sind. Deshalb sollten wir unsere Prioritäten überprüfen! Dient das, was wir als wichtig erachten, wirklich dem wahren Glück? Es wäre schade, wenn wir die einmalige Lebenszeit, die uns zur Verfügung steht, verschwenden würden. Wir dürfen die von Gott geschenkte Zeit nutzen und genießen. Vielleicht fangen wir an diesem „geschenkten“ Tag ganz bewusst damit an.

Dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen!

Pfarrer Markus Böhme, Pfarrer der Zwickauer katholischen Pfarreien Heilige Familie, St. Franziskus, St. Johann Nepomuk, der Pfarrei Maria Königin des Friedens in Kirchberg und Dekan des Dekanates Zwickau

zum Sonntag Estomihi

Frischwetter

Am heutigen Tage gedenkt Zwickau, ja eine ganze Region, der verunglückten Bergleute des verheerenden Grubenunglücks vor genau 60 Jahren. Am 22. Februar 1960 starben in der 1. Abteilung des Karl-Marx-Steinkohlewerkes 123 Kumpel einen grauenhaften Tod. Den ersten Schreckensstunden folgten teils quälende Tage der Ungewissheit, abgelöst von der traurigen Gewissheit, dass von 178 eingefahrenen Bergleuten nur 55 gerettet werden konnten. Zahlreiche Familien erlebten, nur 15 Jahre nach dem Krieg, ein neues Trauma: Söhne, Ehemänner, Väter, Brüder, geliebte Menschen kamen nicht mehr lebend von unter Tage herauf. Für sie gab es kein herzliches „Glück Auf“ mehr, nur noch das traurig-trotzig-hoffende „Glück Auf“ als letztes Geleit in die Ewigkeit. Keiner dieser Verstorbenen soll vergessen werden, ihre Namen werden genannt heute in der Moritzkirche, an vielen Tagen in den Familien, in denen noch heute fehlen. Der Oberbergfürst, so wird Gott manchmal von den Bergleuten genannt, der hält unsere Klage aus, der hält den Schmerz mit uns aus, der hält unser Schweigen aus. Er hält ja sogar die vielen Worte aus, die wir gerechtfertigt oder ungerechtfertigt machen. In den verzweifeltsten Situationen unseres Lebens dürfen wir uns daran erinnern, wie sehr er uns dennoch liebt, wo er uns schon einmal getragen und getröstet hat, wie er uns neue Kraft schenkt zum Ertragen und Möglichkeiten schenkt zu vergeben und uns in Wahrheit zu begegnen. Aus dieser Erinnerung an die Güte des Oberbergfürsten erwächst eine wohltuende Leichtigkeit des Lebens und Glaubens – tragfähig für alles Kommende. Das Herz wird leichter auch wenn Narben bleiben; ich bekomme neu Luft zum Atmen, glauben, lieben. Die Bergleute unter uns wissen: Eine gute Bewetterung unter Tage ist lebensnotwendig – als Geistlicher sage ich: das ist auch hilfreich in unserem Lebensbergwerk: Frischwetter – also eine gute, dauerhafte Verbindung nach oben zu unserem himmlischen Herrn. Herzlich-hoffend Glück Auf!

Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Sexagesimä

Mir ist vor einigen Tagen bewusst geworden, wir wunderbar still es auf dem Land ist und ich habe mich an meine Zeit in Leipzig zurückerinnert.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein, denn die Stadt ist unheimlich laut.

Straßenbahnen rattern an mir vorbei, Autos schalten lautstark in den nächsten Gang, Fahrradbremsen quietschen. Neben mir an der Haltestelle sitzt ein junger Mann mit Kopfhörern, ich kann die Musik erahnen. Zwei Mädchen unterhalten sich, wie es nach dem Abitur weitergeht. Eine Frau gibt per Handy die Einkaufsliste durch. Die Werbetafel surrt und zeigt ein neues Bild. In solch einem Trubel ist es schwer, die Stimme zu hören, die mich anspricht. Vor allem, wenn sie leiser ist als alles um mich herum.

Auch Gottes Stimme ist leise, nicht gleich zu hören. Ich hätte natürlich gern die dröhnende, laute Stimme, die zu mir spricht. Das wäre eindeutig. Deshalb muss ich genau hinhören. Mich dem Lärm und Durcheinander immer mal wieder entziehen. Auch das ist keine Garantie dafür, dass ich Gott höre. Manchmal denke ich, dass ich zu sehr mit dem Trubel in meinem Leben beschäftigt bin, um mir die Zeit mit Gott zu nehmen. Da brauche ich nicht einmal das Hintergrundrauschen der Großstadt, mein Leben ist auch so manchmal laut und gehetzt. Der Hebräerbrief macht Mut, dass Gott wirklich mit mir redet. Er macht Mut, mein Herz offen zu halten für Gottes Reden: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3,15) Eine schöne Zusage, dass Gott mit mir redet, wenn ich mich auf ihn einlasse. Er ist an mir interessiert. Ich bin sein geliebtes Kind und genau deshalb will er mit mir sprechen. Jetzt. Hier.

Heute. Egal wie laut mein Leben ist, bei ihm kann ich zur Ruhe kommen, mein Herz ausschütten, alles sagen und hören, was Gott zu sagen hat.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

zum Sonntag Septuagesimä

Was kann man alles im Liegen tun? Auch ohne anzüglich zu werden, fallen mir da eine Menge Dinge ein. Angesichts des Wetters kann ich wohl bald an einem freien Nachmittag auf einer Frühlingswiese liegen, den Duft frischer Blumen einatmen und den Himmel beobachten. Nach einem langen Tag freue ich mich riesig auf mein bequemes Bett.

Neulich lag ich mit dem Kopf nach oben unter unserem Wachbecken im Bad, um den kaputten Siphon zu reparieren – nicht so angenehm. Aber schlimmer kann es ja immer kommen:

Der Bibelvers, der die christlichen Gemeinden in dieser Woche begleitet, beschreibt eine noch anstrengendere Art Liegens:

“Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.” (Daniel 9,18)

Liegen? Zum Gebet? Faltet man da nicht die Hände und schließt die Augen?

Der Mensch der diesen Satz schrieb ist zutiefst kaputtgespielt, er ist „zusammengebrochen“.

Ihm und seinen jüdischen Mitmenschen hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, er ist fertig.

Kennen Sie das? Haben Sie schon mal Ähnliches erlebt?

Der Blick richtet sich nicht in den blauen Himmel sondern auf die Erde unter mir.

Unser Beter klagt Gott seine Situation. Ich kenne das.

Und auch mir hat oft geholfen, Gott das zu sagen, was mich niedermacht, zu Boden drückt hat und ihm das gestehen, was ich schon längst weiß, mir aber oft nicht getraue, einzugestehen: Ich bin mit meinem Latein zu Ende, meine Anstrengungen reichen nicht aus, um allein wieder auf die Beine zu kommen!

Der Beter klammert sich an einen letzten Strohhalm: er vertraut. Er vertraut, dass Gott da ist, selbst wenn er ihn nicht spürt, vertraut, dass Gott barmherzig ist, von Herzen mit mir ihm durch seine Situation geht oder gar durchträgt.

Ich wünsche mir dieser Vertrauen für die nächsten niederschmetternden Erlebnisse, die sicher kommen werden, und ich wünsche ihnen dieses Vertrauen auch.

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord

zum letzten Sonntag nach Epiphanias

„Im nächsten Oktober kommen die erst wieder rein“, wurde meinem Mann als Antwort gegeben, als er in einem Baumarkt nach Ersatzlampen für unseren Schwibbogen fragte. Das war wohl das eindeutige Zeichen: Die Weihnachtszeit wird tatsächlich bald vorbei sein. Am 2. Februar – an Mariä Lichtmess – werden sicher auch die letzten Frommen ihren Christbaum loswerden, den Stall und die Pyramide gut verpackt auf dem Boden verstauen und die Lichter erst Ende des Jahres wieder anstecken. Doch komplett verabschieden möchte ich mich nicht vom Licht. Besonders nicht vom Licht der Welt, das schon der Prophet Jesaja ankündigt: „Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Jesaja prophezeit mit diesen Worten ein Licht in der Finsternis der Welt, das allen Völkern gelten soll. Wenn dieses Licht kommt, werden die Menschen vor Freude strahlen und die Herzen werden erbeben, heißt es in der Bibel. Christen glauben, dieses Versprechen hat sich in Jesus, der in Betlehem geboren wurde, erfüllt. Gott ist in diesem Kind erschienen. Das heißt, er hat sich sichtbar gemacht und sich durch Jesus den Menschen zu erkennen gegeben. Und dieser Jesus darf seitdem unser Kind sein. Ein Kind, das im Herzen wachsen darf. Ein Kind, das wir auch nach Weihnachten nicht vergessen oder es zurücklassen sollen. Sondern uns wird zugetraut, dieses Kind in uns zu tragen und es mitzunehmen. So, wie Maria und Josef im Tragetuch. So, wie die Hirten in ihrer Einfachheit mit der sie erzählten, was sie erlebten. So, wie die weisen Männer von weit her, für die ein Stern am Himmel ihre ganze Welt veränderte. Jesus mitnehmen. Daran erinnert mich die kaputte Lampe am Schwibbogen. Sie liegt jetzt auf meinem Schreibtisch. So weiß ich jedes Mal, wenn ich sie sehe, dass der Weg mit Jesus noch nicht vorbei ist. Der Bogen seiner Geschichte mit mir spannt sich durch die Fastenzeit, über sein Leiden, bis hin zu Ostern. Da wird sie sich für alle Menschen erfüllen: seine Herrlichkeit.

Pfarrerin Rowena Jugl, Ev.-luth. Kirchgemeinde Reinsdorf





zum 3. Sonntag nach Epiphanias

Der Haken mit dem Haken!

Ein Häkchen genügt. Ein Häkchen kann alles entscheiden. Eine junge Frau hat beim Versenden einer Einladung per Facebook vergessen ein Häkchen bei Facebook zu löschen und schon wurde aus ihrer kleinen Geburtstagsparty ein Megaevent. 15.000 Gäste aus ganz Deutschland haben sich daraufhin bei ihr angemeldet. Menschen, die sie überhaupt nicht einladen wollte. 1500 standen dann sogar vor der Haustür. Das war peinlich und ärgerlich! Denn in der Regel wägen wir gut ab, mit wem wir feiern wollen.

Ein Häkchen genügt. Ein Häkchen klärt, wen wir dabeihaben wollen und wen nicht. Bei der jungen Frau ist das schief gegangen. Bei Gott ist das anders. Er feiert nicht gerne im kleinen Kreis. Er fragt nicht nach Herkunft, Geschlecht, sozialem Stand, Bildung, Finanzen oder gar Rasse. Er hat eine große Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns Menschen. So hat er – bildlich gesprochen – auf seiner Einladung zu seiner „Party“ ein universales Häkchen gesetzt.

Im Leitspruch für die kommende Woche heißt es:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“(Lukas 13,29)

Wie mag es Ihnen – wie mag es mir – auf solch einer Party ergehen? Wie mag es sein, wenn Menschen mit fremder Sprache, fremden Essgewohnheiten, fremden Tischmanieren, völlig anderem Musikgeschmack… Gottes Einladung annehmen? Wie mag sich das anfühlen, wenn – wie der Leitspruch es sagt – tatsächlich Menschen aus allen Himmelsrichtungen und mit einer sehr unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben zur Party gehen? Vielleicht denken Sie: Das ist der Haken am Haken, dass Gott Gute und Böse, Bequeme und Unbequeme zu seiner Party einlädt. Dass Gott nicht vergisst, hier und da ein Häkchen zu löschen, sondern dass er sein Häkchen so unterschiedslos und bedingungslos setzt.

Wir sind eingeladen. Ein Häkchen genügt. Es liegt an uns. Gott stellt es uns frei, ob auf Gottes Einladung hin unser Häkchen setzen, ob wir uns bei Gott zurückmelden und mit auf die Party gehen.

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau Planitz

zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Ein neues Jahr hat begonnen. Die guten Wünsche, die freundlichen Gesichter, die Hoffnungen ordnen sich in den Alltag ein. Die Sorge ist wieder da und manches, was im alten Jahr nicht abgelegt werden konnte, fordert wieder Kraft. Auch die Sache mit dem Glauben. Was ist neu geworden durch den Besuch der Gottesdienste und der kirchlichen Veranstaltungen, welcher Zuspruch trägt? Kann Jesus wirklich helfen? Ein Zeitgenosse fragt sich das auch. Als Jesus die Gegend besucht, in der er lebt, bringt er vor, was ihm am Meisten Sorge macht. Sein Sohn ist krank und niemand kann ihn heilen.  Der Vater ist ratlos und verzweifelt. Zu oft erlebt er, wie sein Kind von der Krankheit gequält und zu Boden geworfen wird.  Das geht an die Substanz. „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben“ – schreit er Jesus an. Diese Sätze wählte die Herrnhuter Brüdergemeinde zur Jahreslosung für das begonnene Jahr. Sie zeigt damit auf einen spannungsgeladenen Augenblick – den Kampf zwischen Krank sein und gesund werden und die Fragen, die sich dann ergeben. Wer kann in dieser Situation gewinnen?!  Ferner: wer kann sagen, dass er in allen Lebenslagen Herr einer aussichtslosen Situation bleibt? Ich erkenne mich in dem Rufenden wieder. Und ich höre was Jesus ihm sagt: Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt. Beides gehört also zum Leben. Die Dinge, die ich nicht ablegen und verändern kann und der Ausweg, den es auch in einer solchen Situation gibt. Es ist wie ein schreiten aus dem Alten ins Neue.  Sollte ich darum im Alten verharren? Die Jahreslosung ermutig, den Schritt im Glauben bewusst zu tun. Aus dem alten ins neue Leben.  Wo Menschen mit eigener Kraft und Möglichkeit keinen Weg mehr wissen, bleibt im Glauben ein sicherer Ankerplatz und die Hinwendung zu Jesus ist nicht unbeachtet. Im neuen Jahr möchte ich öfter über diese Geschichte nachdenken. Und, dass am Ende alles gut wird – wie beim Vater, wie beim Sohn. Mit Jesu Hilfe. Natürlich weiß ich, dass nicht alle Erwartungen erfüllt werden, dennoch tut das gut, einem Helfer und seinen Worten zu vertrauen. Gottes Zuwendung zu mir bleibt eine zuverlässige Kraft.

Harald Pepel, Superintendent im Kirchenbezirk Zwickau

zum 1. Sonntag nach Epiphanias

Gnade und Wahrheit

Wir sahen seine Herrlichkeit ‒ eine voller Gnade und Wahrheit. Joh. 1,14

Wir leben in Erwartung. Das Wort passt: Wir glauben daran, aber unser Alltag zeigt oft eine andere Wirklichkeit. Wie zu Weihnachten: Ich kann die Kerzen schon entzünden. Sie leuchten schon. Aber draußen ist es kalt.

Wir ahnen mitunter etwas von der Größe und Gegenwart unseres Gottes ‒ und spüren, dass das eine die Verheißung ist, die wir haben, an die wir glauben dürfen. Das ganz andere ist oft das Erleben.

Wie bei einer Verlobung früher: Ihr gehört zusammen, aber doch wartet ihr noch aufeinander. Wie hieß es damals? Es ist noch nicht die Erfüllung.

Das ist Verlobung im Glauben:

Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn manchmal so gar nicht sehe oder erlebe.

Ich bleibe treu, auch wenn so vieles lockt und schnellen Gewinn verspricht.

Ich halte fest, auch wenn es mitunter so lukrativ ist, loszulassen, sich anderen Gesetzen und Regeln hinzugeben.

Ich freue mich auf Gott, und diese Freude verschönt und belebt mein ganz alltägliches Tun und Lassen. – Und dabei natürlich die oft ärgerliche Frage: Ist das so? Wie weit wirkt dieser mein Glaube in mein tägliches Tun hinein?

Wieder das Verlobungsbild: wie du dran bleibst und alles tust, was denkbar ist, weil du den Menschen nicht verlieren willst, den du liebst. Eine Freude, die offensichtlich darum so viel Energie entfacht, weil du noch nicht am Ziel bist – Was zugleich bedeutet:

Wer glaubt, am Ziel zu sein und es sicher zu haben, irrt. Kirchenmitgliedschaft allein ist es nicht.

Wo bleibt die Begeisterung?! Wenn ich die Balztänze unter jungen Leuten beobachte, dann freue ich mich; manchmal nervt es mich auch. Und ich denke: das wünschte ich mir für meine Kirche, diese Begeisterung… und sehe, wer balzt und sich streckt nach dem Glauben, sich bemüht – und wer abgeklärt ohne Begeisterung nur Termine wahrnimmt.

Und das flankiert von diesen unglaublichen Begriffen, die zum Kern des Glaubens gehören und eine heile Welt Gottes beschreiben: Gnade und Wahrheit.

Pfarrer Matthias Hecker, Evang.-Luth. Kirchgemeinde Kirchberg

zur Jahreswende

Geistliches Wort

Fürchtet euch nicht …

… spricht der Engel zu den Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Sie hörten es und waren tief bewegt. Auch wir hören diese Botschaft in der Weihnachtszeit. Wieso spricht der Engel so zu uns? Weiß er nicht, dass die Furcht zu unserem Leben gehört? Auch wenn wir uns bemühen so zu tun, als gäbe es die Furcht nicht, fürchten wir dennoch vieles: schwere Krankheiten zum Beispiel. Wir fürchten uns vor dem Alter, vor Bettlägerigkeit oder Demenz; wir haben Angst vor Krieg, vor der Zerstörung unserer Umwelt; wir fürchten die vielen kleinen Kriege zwischen uns Menschen; wir haben Angst vorm Sterben oder vor der Einsamkeit.

Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst.” Diese Beobachtung stimmt: Angst ist eine elementare Lebensäußerung. Die Bibel sagt: Seit damals, als der Mensch, der Adam, anfing, sich von Gott zu lösen, gibt es die Furcht: „Ich fürchte mich, denn ich bin nackt”, sagte Adam zu Gott. Unsere Furcht hat mit Nacktheit und Blöße zu tun, mit unsrer Hilflosigkeit. Unsere Angst hat damit zu tun, dass wir uns von Gott gelöst haben, dem Ursprung des Lebens. Wir haben Gott verlassen ‒ Gott aber hat uns nicht verlassen!

Denn seit die Furcht in unserem Leben ist, bemüht sich der um uns, der die Furcht überwindet. Jesus setzt den vorhin zitierten Satz ja noch fort: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.”

Gott sagt: Ich bin bei dir, hab keine Angst, sei getrost, ich habe dich erlöst, du bist mein. Ich bin es, der dich errettet! Meinen Sohn Jesus Christus habe ich dazu in die Welt geschickt! Deshalb sagt der Engel in der Weihnachtsgeschichte: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, Christus.”

Deshalb möchte ich Dich ermutigen: Fürchte Dich nicht, glaube nur. Glaube überwindet die Furcht, Glaube an den von Gott gesandten Retter, den Heiland der Welt. Fürchte Dich nicht, denn auch Dir ist der Heiland geboren!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau

zum Christfest

Weihnachtsgeheimnis

Dem Geheimnis von Weihnachten auf die Spur zu kommen, helfen mitunter kleine Geschichten. Eine solche möchte ich heute erzählen:

Zu den Hirten auf Bethlehems Feldern gehörte auch einer, der zwar groß und stark war, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen – Folgen eines Unfalls. Meist saß er nur mürrisch am Hirtenfeuer und sah zu, dass es nicht ausging. Als in der Heiligen Nacht den Hirten die Engel erschienen und ihnen die Botschaft von der Geburt des Kindes brachten, das zum Heiland der Welt werden würde, sah und hörte er nichts davon. Auch als es ihm die anderen Hirten erzählten und sich zum Stall nach Bethlehem aufmachten, ließ er sich nicht beeindrucken. Er blieb allein am Feuer zurück. „Lauft ihr nur. Was wird es anderes sein als ein Spuk, ein Traum.“ – So dachte er und rührte sich nicht. Was aber, wenn dies alles wahr wäre? Der Gedanke nagte in ihm. So raffte er sich doch auf und humpelte den Spuren der anderen nach. Der Morgen dämmerte längst, als er endlich im besagten Stall ankam. Ja, das musste der richtige Ort sein. Aber wo war das Kind, wo dessen Eltern, wo seine Kollegen? Er lachte. Nein, es gab kein Kind, keine Engel. Schadenfroh wollte er bereits umkehren. Da entdeckte er die kleine Kuhle in der Futterkrippe, dort konnte nur das in Windeln gewickelte Kind gelegen haben. Er wusste plötzlich nicht mehr, wie ihm geschah. Er kniete vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass er den Gesang der Engel nicht gehört, das Kind nicht persönlich gesehen hatte, dass er nicht mit den anderen Hirten durch Bethlehem zog, um vom Wunder der Heiligen Nacht zu erzählen. Er spürte aber etwas in seinem Herzen, eine Freude, wie er sie lange nicht mehr kannte. Mit Worten war das nicht zu beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anzünden, bevor die anderen zurückkehrten. Als er schon ein ganzes Stück gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte schon umkehren, aber wozu? So ging er einfach weiter mit immer festerem Schritt.

Ich wünsche allen Lesern, dass sie dem Geheimnis von Weihnachten (auch bei aller Skepsis) und der frohen Botschaft dieses Festes so wie dieser Hirte auf die Spur kommen: Die Botschaft lautet: „Fürchtet euch nicht; Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Pfr. Karlheinz Wohlgemuth Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Lichtentanne

zum 4. Advent

Es gibt viele Arten von edlen Bilderrahmen: moderne, von bekannten Designern entworfen und sehr teuer, aber auch alte aus erlesenen Hölzern mit reicher Verzierung. Aber wer von Ihnen würde sich einen leeren Rahmen an die Wand hängen, auch wenn er noch so schön und wertvoll wäre? Es kommt doch auf das Bild an, oder? Auch das Weihnachtsfest hat seinen Rahmen und den lassen wir uns auch etwas kosten: der schön geschmückte Weihnachtsbaum, das eine oder andere wertvolle Geschenk und natürlich die vielen kleinen Zuwendungen an die Kinder und Enkelkinder zu Weihnachten. Die Lieder, die Krippe unter dem Baum, Kerzen, Weihnachtsmärkte, die Beleuchtung der Häuser. Das ist der Rahmen. Dieser weihnachtliche Rahmen ist schön, aber das kann doch nicht alles sein! Wer nur den Rahmen betrachtet, der kann das Bild, das Wesentliche, nicht sehen. Was wäre mein Bild für Weihnachten? Ganz einfach – drei Symbole: Zuerst eine Sonne: Die Geburt des Kindes Jesus will die winterliche Kälte in unseren Herzen und in unserer Gesellschaft vertreiben. Mancher hat Sorgen, doch die Weihnachtsbotschaft lautet: „Siehe ich verkündige euch große Freude. Fürchtet euch nicht.“ Wer sich auf diese Sonne einlässt, dem schmilzt der Eispanzer vom Herzen, da werden Traurige getröstet, da erfahren Hoffnungslose vielleicht etwas Zuversicht. Als zweites ein Herz: Im Kind in der Krippe zeigt Gott sein lebendes Herz, da gibt er sein Liebstes her, seinen einzigen Sohn. Gott hätte mit Macht auftreten können, um den Mächtigen ihre Ohnmacht zu zeigen. Aber er kam als hilfloses, ohnmächtiges Kind. Seitdem zählt nicht mehr das Äußere, der Rahmen, sondern nur noch das Innere, das Herz. Als drittes eine Krippe: Nehmen wir an, Sie wären der Retter der Welt. Wo möchten sie geboren werden? Wer von uns hätte die Armut gewählt? Ich denke wohl keiner. Keiner – außer Gott. Gottes Lobby sind die Armen dieser Erde, die auch in diesem Jahr unter Krieg und Verfolgung zu leiden haben. Das Bild von Weihnachten, auf das unser Blick – gern durch einen schönen Rahmen – fallen soll, hat mit Gott zu tun und mit den Menschen, die er liebt. Wir können dieses Bild ansehen, wir können den Kopf darüber schütteln. Wir können es aber auch in unser Herz aufnehmen.

Pastor Christian Posdzich, Evangelisch-methodistische Friedenskirche Zwickau

zum 3. Advent

Mache dich auf zum Licht!

Wann haben sie das letzte Mal im Dunkel des Gartens oder am Meer unter einem wolkenlosen Sternenhimmel gesessen? Haben die Weite gespürt, vielleicht auch die Ehrfurcht Teil dieses Universums zu sein? In erinnere mich an solch eine Nacht. Ich spürte ein Gefühl tiefer Geborgenheit, ahnte etwas Wunderbares. Es gibt ein Abendlied: „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“. Darin heißt es über die Sterne: „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehle […] kennt auch dich und hat dich lieb“. In der gewaltigen Schönheit und Tiefe des sternenübersäten Universums, in diesem Dunkel hatte ich das Gefühl dazuzugehören, selber gemeint zu sein.

Es gibt aber auch das andere Dunkel. Da, wo der Blick so gar nicht erwartungsfroh ist. Wo das Gefühl vom Leben so gar nicht geborgen scheint und Sorgen, Ängste, Zweifel an einem nagen. Dunkler und dunkler wird es in diesen Zeiten – innen wie außen.

Die Hirten auf dem Feld kennen vor allem diese Dunkelheit. Sie standen als Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie hatten keinen guten Ruf und kaum Chancen auf Veränderung ihrer Situation.

Doch sie waren die ersten, denen das Licht in der Nacht erschien. Die ersten, die die Worte des Engels hörten und denen eine Zukunft eröffnet wurde. In einer ganz normalen Nacht war schlagartig alles anders. Natürlich hatten sie Angst. Es war zu gewaltig, was sie da erlebten. Aber sie hörten auch das „Fürchtet euch nicht!“ Eine Aufforderung und ein Zuspruch zugleich. Fürchtet euch nicht! Das Licht ist für alle da!

Die Sehnsucht nach Licht ist auch 2000 Jahre nach Jesu Geburt noch da. Es ist die Sehnsucht nach Veränderung, Liebe, Hoffnung, Zukunft, Freiheit.

Advent lebt sowohl von der Verheißung, als auch von der Erfahrung, dass Gott kommt. Vielleicht anders als gedacht, anders als erwartet oder gewünscht. Advent öffnet einen Raum, sich wieder neu nach diesem Licht auszustrecken und darauf zuzugehen. Das Licht – es ist längst da! Also: „Mache dich auf!“

Christine Meyer-Seifert, Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Zwickau

zum 2. Advent

Liebe Leserinnen und Leser!

Und schon sind wir wieder mitten drin in der geliebten und gehassten,  der besinnlichen und hektischen Adventszeit.  Und wir versuchen, irgendwie durchzukommen,  ein bisschen Freude zu erhaschen,  ein wenig „Himmel“ zu erspüren…

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“  So steht es über dem Monat Dezember;  ein Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja  (Kapitel 50, Vers 10).  Der Name Gottes bedeutet:  Gott ist nahe;  Gott ist da!  Und es steckt noch etwas in diesem Namen:  Gottes Möglichkeiten und Wege gehen über das hinaus, was uns Menschen möglich ist.  Darum die Einladung:  Vertraue auf den Namen des Herrn;  verlass dich auf deinen Gott!  In dem Namen Gottes steckt ein volles Programm:  ein Hilfsprogramm.  Damit ist der Sohn Gottes auf die Welt geschickt worden.  Jesus wurde dort geboren, wo es dunkel und verlassen war – im Stall von Bethlehem.  Er kam zu denen, die sich selbst überlassen waren und keine Lobby hatten – zu den Hirten.  Er kam schwach und klein – als ein Kind.  Keiner soll verloren sein.  Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der (und die) ist hier an der richtigen Stelle!  Gott bringt Licht in die Welt!  Das Hilfspaket, das Gott durch Jesus auf die Erde gebracht hat, beinhaltet Vergebung,  Erlösung,  Freude,  Versöhnung  und  Hoffnung auf das ewige Leben.  Dafür steht ER ein mit seinem Namen – Gott selbst und auch sein Sohn Jesus Christus.  Der Name Jesus bedeutet:  Gott hilft;  Gott rettet!

Ich wünsche uns allen, dass wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit herausführen lassen können aus unseren Verunsicherungen, Verbitterungen und Enttäuschungen – zu Jesus Christus.  ER sagt:  „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“  (Joh. 12,46)  Dafür steht er ein mit seinem Namen!  Lassen Sie sich herzlich einladen in die Kirchen und Gemeinden in diesen Tagen vor und um Weihnachten.  Eine frohe Adventszeit Ihnen allen!

Pfr. Michael Schünke,  Lukaskirchgemeinde Planitz

zum 1. Advent

Der dunkelste Monat des Jahres beginnt an diesem Sonntag – aber wir Menschen machen es uns hell: mit den Lichtern in den Stuben und Fenstern, an Schwibbögen, Weihnachtsbäumen und -pyramiden. Die erste Kerze am Adventskranz – übrigens eine Erfindung des Gründervaters der Diakonie, Johann Hinrich Wichern – wird entzündet.

In der dunklen Jahreszeit sehnen wir uns nach Licht, so wie wir uns in der Einsamkeit nach menschlicher Nähe, in Trauer nach Trost, in Angst nach Hoffnung, im Krieg nach Frieden, in Unsicherheit nach Vertrauen und Geborgenheit sehnen. Nicht nur das fehlende Tageslicht, sondern auch anderes also macht die Welt um mich herum dunkel oder wenigstens ab und zu düster.

Im Johannesevangelium spricht Jesus von Nazareth davon, dass er das Licht der Welt ist und seine Nachfolger Licht sein sollen für die Welt. Als Christ weiß ich darum, dass ich eine Orientierung brauche, mich ausrichten darf an Gottes Licht, der mir ein Wegzeichen für meinen Lebensweg ist. Nicht die Dunkelheit, die Angst, Trauer, Unsicherheit oder Konflikt sollen mein Leben bestimmen, sondern das Licht, die Wahrheit, Hoffnung, Glaube, Gewissheit, die Liebe.

Im Leben Jesu, so wie ich davon in der Bibel erfahre, begegnet mir das Beispiel und Vorbild Gottes, dass ich zwar in meinem Leben nie ganz erreichen werde, aber eine Annäherung findet statt, weil ER sich mir nähert, weil ich nicht mehr fliehe.

Die dunklen Momente meines Lebens verlieren ihren Schrecken, die Nacht meines Leben, die Nacht der Welt geht dem Ende zu – schon leuchtet der Morgenstern und am Horizont kündigt sich das Licht des neuen Tages -des Tages Gottes an.

Derweil mach ich mich auf und werde für andere zum Licht, durch mein Reden und Schweigen, durch mein Tun und Lassen. Fröhlich entzünde ich die erste Kerze auf dem Adventskranz und knipse den Schwibbogen im Fenster an. Dabei pfeife ich die Melodie von „Die Nacht ist vorgedrungen“, Evangelisches Gesangbuch Nr. 16.

Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Ewigkeitssonntag

Morgen am Ewigkeitssonntag bzw. Totensonntag wird in den Gottesdiensten der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Während die einen trauern, beginnen andere ihre Häuser und Wohnungen weihnachtlich zu schmücken. ‚Das macht man erst nach dem Ewigkeitssonntag!‘ sagen manche.  Wie auch immer: in keinem anderen Fest sind sich Christen und Nichtchristen in freudiger Erwartung so nah wie in Weihnachten.

„Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.“ (Ps 97,11) Die Losung des Ewigkeitssonntags weist in die Zukunft und birgt Hoffnung in sich. Ohne die Hoffnung auf das Licht und die Freude wäre unser persönliches Leid wie auch das der Welt kaum auszuhalten. Der Wochenpsalm für diese letzte Woche des Kirchenjahres ist der Psalm 126. Der Theologe Volker Mantey hat diese über zweitausend Jahre alten Worte in unsere heutige Zeit übertragen. Sie sind heute genauso aktuell, wie sie damals waren. Der Psalm beginnt in nach seiner Übersetzung so: „Ich will dir einen Traum erzählen: Gott macht ein Ende mit dem Leid der Welt.| Ich glaube, ich würde vor Freude platzen! Ich könnte nicht mehr aufhören, Gott dafür zu danken …“  Das ist schon erstaunlich: die Probleme der Menschen damals waren im Grunde dieselben wie der Menschen heute.

Das Vertrauen auf Gott, auf das immer wieder aufgehende Licht und die Freude vermag uns Hoffnung geben. Aber es kann und soll uns nicht zum Nichtstun anhalten, weil eh alles ‚schon wird‘. Gerechtigkeit ist gefordert und ein aufrichtiges Herz. Das sagt sich so leicht und nie scheint es schwerer, sich dazu zu bekennen. Angesichts einer schwindenden Gesprächskultur, wenn Menschen sich nicht mehr ausreden lassen, sich in sozialen Netzwerken beleidigen, keine anderen Meinungen tolerieren können – dann fällt es schwer positiv zu denken. Aber gerade wir Christen sollten uns nicht entmutigen lassen und immer und immer wieder mit aufrichtigem Herzen voran gehen und Stellung beziehen für Gerechtigkeit. Damit der Traum des Psalms wahr wird.

Dr. Bianka Röhr ist Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Buß- und Bettag

Was haben Bus und Bett miteinander zu tun? Ich frage mich das immer, wenn Menschen den Buß- und Bettag als Bus- und Bett-Tag bezeichnen. Klar, es ist toll, einen Feiertag zu haben, im Bett zu bleiben und auszuschlafen oder eben das Auto (oder den Bus) voll zu laden und einen Familienausflug zu machen. Aber wirklich fröhlich kommt der Tag nun wahrlich nicht daher. Buße und Gebet, das mutet uns schon schwer an. Damit will ich mich nicht unbedingt auseinandersetzen, zumal ja die fröhliche Advents- und Weihnachtszeit schon vor der Tür steht und ich mir lieber Gedanken darüber mache. Aber ich mag trotzdem diesen leisen Feiertag, weil er mir hilft, Weihnachten wirklich gelöst und voller Freude zu feiern. Der Tag lädt uns ein, all das vor Gott zu bringen, was uns belastet und uns von IHM entlasten zu lassen. Quasi in einen Bus einzusteigen und dem Fahrer vertrauen, dass er das Steuer in der Hand behält und sich vorher noch um mein Gepäck kümmert. Denn Gott meint es gut mit uns, aber da gibt es eben auch so manchen Rucksack, so manche Last in meinem Leben, die ich mit mir herumschleppe. Der Bibelvers für den Buß- und Bettag macht das noch einmal deutlich. Im Buch der Sprüche heißt es: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben.“ (Sprüche 14,34) Wenn wir an dem festhalten, was uns von Gott und Menschen trennt, die Last nicht abgeben, dann wird es immer etwas geben, was mich bindet und zurückhält. Am Buß- und Bettag sollen wir uns aber von unseren Sorgen und Belastungen nicht runterziehen lassen, sondern uns von Gottes Gerechtigkeit erhöhen lassen. Uns von IHM Gutes tun lassen. Wer weiß, vielleicht schlafe ich dann auch mal wieder tief und fest, weil ich all das losgeworden bin, was sonst meine Gedanken so festgehalten hat. Manchmal ist das nur ein kleines Gebet, ein kurzes Gespräch mit unserem Gott, das dieses Wunder bewirken kann.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

zum Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr

In einem Fernsehwerbespot ist Folgendes zu sehen: Zwei Senioren treffen sich nach Jahren wieder. Voller Stolz präsentieren sie, was sie im Leben erreicht haben: Haus, Schwimmbad, fahrbarer Untersatz – alles top. Aber ist das alles, was den Ertrag des Lebens ausmacht? Oder fehlt da noch was? Das Ende des Kirchenjahres lenkt unseren Blick auf das Ende des Lebens. Auf das, was danach kommt. Und darauf, was am Ende zählt: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, heißt es dazu in der Bibel. Am Ende geht es darum, wie Gott unser Leben beurteilt: Ob alles Gutgemeinte wirklich gut war. Welche Folgen Versäumtes hatte. Um das, was Anderen bedeutsam erschien. Und um das, was im Verborgenen geschah. Jeder ist gefragt. Denn jeder ist Gott wichtig. Er sieht nicht achtlos darüber hinweg, wie wir leben. Und er spricht das letzte Wort darüber, was Bestand hat und was vergeht. Das heißt für mich: Ich überlasse es getrost Gott, andere zu beurteilen und messe sie nicht an meinen Maßstäben. Ich frage stattdessen, ob mein eigenes Tun bei Jesus Gefallen findet. Nicht damit ich einen gnädigen Gott finde. Das ist durch Christus längst geschehen. Das darf ich einfach glauben, muss nichts dazutun. Aber ich bin gefragt, wie sich dieser Glaube in meinem Alltag konkret auswirkt. Wie ich über andere denke und mit ihnen rede. Wie ich mit denen umgehe, die mir fremd, vielleicht auch anstrengend erscheinen. Wie ich mich gegenüber Bedürftigen oder Benachteiligten verhalte. Manchmal ist ein offenes Ohr gefragt, andermal das stille Gebet. Manchmal eine klare Haltung, andermal die helfende Hand. Jesus sagt: Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Darum bin ich gefragt, ist jeder gefragt, wenn es darum geht, Gottes Liebe zu bezeugen.

Horst Kleiszmantatis Der Autor ist Pfarrer im Ehrenamt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und Leiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge Zwickau

zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, könnten mehr als 70 von ihnen nicht lesen und nur einer hätte eine weiterführende Schule besucht. Mehr als 50 wären unterernährt. Über 80 lebten in unzureichenden Unterkünften. Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, kämen 6 von ihnen aus den USA, diese 6 besäßen 59 % des gesamten Dorfeinkommens, die anderen 94 lebten vom Rest. Wie würden wohl die 6 Reichen mit ihren Nachbarn leben? Sicherlich würden sie sich bewaffnen zum Schutz gegen die 94, mit einem Verteidigungsetat pro Person, höher als das gesamte Privateinkommen der anderen. Die Welt ist ein Dorf und wir leben in ihr. Ist da nicht Krieg zwischen den Menschen vorbestimmt? Von Jesus hören wir in der Bergpredigt eine ganz andere Sicht auf die Welt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Auch Jesus kennt die Welt. Mit den Mächtigen und den Reichen darinnen, den Armen und denen, die ausgebeutet werden. Auch Jesus sieht, wie es zwischen den Menschen zugeht. Selbst vor Kollegen, Freunden und in Familien macht der Kleinkrieg keinen Halt. Jesus sieht die Situation von uns Menschen, aber er bietet auch einen neuen Weg an, um miteinander umzugehen. Wir können auf Anfeindung, Boshaftigkeit und Neid anders antworten als mit Wut oder Rache. Der großartige Friedensstifter Mahatma Gandhi reagierte auf seine politischen Feinde, indem er sich seine Wut auf die Missstände in seinem Land und in der Welt zunutze machte: „Durch bittere Erfahrung lernte ich die eine wichtigste Lektion: mit meiner Wut umzgehen. Wie Hitze durch richtige Ausnutzung zu nützlicher Energie wird, kann unsere in Bahnen gelenkte Wut in eine Kraft verwandelt werden, die die Welt bewegen kann.“ Vielleicht ist das auch für uns eine Chance im Kleinen, wie im Großen den endlosen Kreislauf der Vergeltung zu durchbrechen. Selig sind, die Frieden stiften! Das ist niemals leicht. Denn zu wählen, was schwierig ist, jeden Tag, als ob es leicht sei: das ist Glaube!

Pfarrerin Rowena Jugl, Reinsdorf

zum 19. Sonntag nach Trinitatis 27.10.2019

Für uns, die evangelischen Christen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens war das eine turbulente Woche. Sie startete mit dem Bangen um die Entscheidung ob die Kirchenleitung den Rücktritt unseres Landesbischofs annehmen wird oder ob der gemeinsame Weg doch noch fortgesetzt werden kann. Es hat Aufrufe zu Mahnwachen, zu Gebeten und in allem auch den Ruf nach Klarheit gegeben. Nun ist die Entscheidung bekannt gegeben worden und viele stehen ratlos da. War der Einsatz für ihren Bischof vergeblich? Wen diese Frage bewegt, ist mit Recht auf der Suche nach Antworten. Sie sind nicht leicht zu finden. Darum kann zurzeit nur eine helfen. Die klare Entscheidung des Landesbischofs und seine Erklärung gegenüber der Kirchenleitung, sein Amt aus eigener, freier Entscheidung zur Verfügung zu stellen, um Schaden von seiner Kirche abzuwenden. Der Landesbischof hatte, wie er es in der Erklärung ausdrückte, angesichts der öffentlichen Diskussionen um seine Person, keine Gewissheit mehr ob er der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann. Der Bischof wollte sich nicht instrumentalisieren lassen. Nicht außerkirchlich und nicht innerkirchlich. Sein Rücktritt ist ein überaus großer Preis für unsere Kirche. Zugleich aber ist er auch eine erhebliche Mahnung zum aufrichtigen Umgang miteinander. Die Lagerbildung hilft nicht weiter. Das schwarz-weiß Denken hilft nicht weiter. Sich rechts oder links verorten hilft nicht weiter. Was Wege öffnet, ist der Wille zum Frieden. An ihm muss sich die Gemeinde Jesu Christi und der Einzelne messen lassen. Dass er mit Wahrheit, Kompromissen und im Verstehen des Gegenübers ‒ oder wie die Bibel sagt, sich im Hören und Tun ereignet, dazu schenke uns Gott die nötige Kraft. Im Evangelium ist sie jedenfalls vorhanden. Wie gut, wenn dieser Geist wieder bewegt. Er gilt nicht nur einigen wenigen, sondern allen die sich für den Frieden einsetzen. In diesem Sinne gilt, besonders jetzt, die Bitte Jeremias: Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14) Sie sich zu eigen zu machen, ist auch für mich, der größere Gewinn.

Harald Pepel, Superintendent des Ev.-Luth. Kirchenbezirkes Zwickau