geistliches Wort

zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Ein neues Jahr hat begonnen. Die guten Wünsche, die freundlichen Gesichter, die Hoffnungen ordnen sich in den Alltag ein. Die Sorge ist wieder da und manches, was im alten Jahr nicht abgelegt werden konnte, fordert wieder Kraft. Auch die Sache mit dem Glauben. Was ist neu geworden durch den Besuch der Gottesdienste und der kirchlichen Veranstaltungen, welcher Zuspruch trägt? Kann Jesus wirklich helfen? Ein Zeitgenosse fragt sich das auch. Als Jesus die Gegend besucht, in der er lebt, bringt er vor, was ihm am Meisten Sorge macht. Sein Sohn ist krank und niemand kann ihn heilen.  Der Vater ist ratlos und verzweifelt. Zu oft erlebt er, wie sein Kind von der Krankheit gequält und zu Boden geworfen wird.  Das geht an die Substanz. „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben“ – schreit er Jesus an. Diese Sätze wählte die Herrnhuter Brüdergemeinde zur Jahreslosung für das begonnene Jahr. Sie zeigt damit auf einen spannungsgeladenen Augenblick – den Kampf zwischen Krank sein und gesund werden und die Fragen, die sich dann ergeben. Wer kann in dieser Situation gewinnen?!  Ferner: wer kann sagen, dass er in allen Lebenslagen Herr einer aussichtslosen Situation bleibt? Ich erkenne mich in dem Rufenden wieder. Und ich höre was Jesus ihm sagt: Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt. Beides gehört also zum Leben. Die Dinge, die ich nicht ablegen und verändern kann und der Ausweg, den es auch in einer solchen Situation gibt. Es ist wie ein schreiten aus dem Alten ins Neue.  Sollte ich darum im Alten verharren? Die Jahreslosung ermutig, den Schritt im Glauben bewusst zu tun. Aus dem alten ins neue Leben.  Wo Menschen mit eigener Kraft und Möglichkeit keinen Weg mehr wissen, bleibt im Glauben ein sicherer Ankerplatz und die Hinwendung zu Jesus ist nicht unbeachtet. Im neuen Jahr möchte ich öfter über diese Geschichte nachdenken. Und, dass am Ende alles gut wird – wie beim Vater, wie beim Sohn. Mit Jesu Hilfe. Natürlich weiß ich, dass nicht alle Erwartungen erfüllt werden, dennoch tut das gut, einem Helfer und seinen Worten zu vertrauen. Gottes Zuwendung zu mir bleibt eine zuverlässige Kraft.

Harald Pepel, Superintendent im Kirchenbezirk Zwickau

zum 1. Sonntag nach Epiphanias

Gnade und Wahrheit

Wir sahen seine Herrlichkeit ‒ eine voller Gnade und Wahrheit. Joh. 1,14

Wir leben in Erwartung. Das Wort passt: Wir glauben daran, aber unser Alltag zeigt oft eine andere Wirklichkeit. Wie zu Weihnachten: Ich kann die Kerzen schon entzünden. Sie leuchten schon. Aber draußen ist es kalt.

Wir ahnen mitunter etwas von der Größe und Gegenwart unseres Gottes ‒ und spüren, dass das eine die Verheißung ist, die wir haben, an die wir glauben dürfen. Das ganz andere ist oft das Erleben.

Wie bei einer Verlobung früher: Ihr gehört zusammen, aber doch wartet ihr noch aufeinander. Wie hieß es damals? Es ist noch nicht die Erfüllung.

Das ist Verlobung im Glauben:

Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn manchmal so gar nicht sehe oder erlebe.

Ich bleibe treu, auch wenn so vieles lockt und schnellen Gewinn verspricht.

Ich halte fest, auch wenn es mitunter so lukrativ ist, loszulassen, sich anderen Gesetzen und Regeln hinzugeben.

Ich freue mich auf Gott, und diese Freude verschönt und belebt mein ganz alltägliches Tun und Lassen. – Und dabei natürlich die oft ärgerliche Frage: Ist das so? Wie weit wirkt dieser mein Glaube in mein tägliches Tun hinein?

Wieder das Verlobungsbild: wie du dran bleibst und alles tust, was denkbar ist, weil du den Menschen nicht verlieren willst, den du liebst. Eine Freude, die offensichtlich darum so viel Energie entfacht, weil du noch nicht am Ziel bist – Was zugleich bedeutet:

Wer glaubt, am Ziel zu sein und es sicher zu haben, irrt. Kirchenmitgliedschaft allein ist es nicht.

Wo bleibt die Begeisterung?! Wenn ich die Balztänze unter jungen Leuten beobachte, dann freue ich mich; manchmal nervt es mich auch. Und ich denke: das wünschte ich mir für meine Kirche, diese Begeisterung… und sehe, wer balzt und sich streckt nach dem Glauben, sich bemüht – und wer abgeklärt ohne Begeisterung nur Termine wahrnimmt.

Und das flankiert von diesen unglaublichen Begriffen, die zum Kern des Glaubens gehören und eine heile Welt Gottes beschreiben: Gnade und Wahrheit.

Pfarrer Matthias Hecker, Evang.-Luth. Kirchgemeinde Kirchberg

zur Jahreswende

Geistliches Wort

Fürchtet euch nicht …

… spricht der Engel zu den Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Sie hörten es und waren tief bewegt. Auch wir hören diese Botschaft in der Weihnachtszeit. Wieso spricht der Engel so zu uns? Weiß er nicht, dass die Furcht zu unserem Leben gehört? Auch wenn wir uns bemühen so zu tun, als gäbe es die Furcht nicht, fürchten wir dennoch vieles: schwere Krankheiten zum Beispiel. Wir fürchten uns vor dem Alter, vor Bettlägerigkeit oder Demenz; wir haben Angst vor Krieg, vor der Zerstörung unserer Umwelt; wir fürchten die vielen kleinen Kriege zwischen uns Menschen; wir haben Angst vorm Sterben oder vor der Einsamkeit.

Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst.” Diese Beobachtung stimmt: Angst ist eine elementare Lebensäußerung. Die Bibel sagt: Seit damals, als der Mensch, der Adam, anfing, sich von Gott zu lösen, gibt es die Furcht: „Ich fürchte mich, denn ich bin nackt”, sagte Adam zu Gott. Unsere Furcht hat mit Nacktheit und Blöße zu tun, mit unsrer Hilflosigkeit. Unsere Angst hat damit zu tun, dass wir uns von Gott gelöst haben, dem Ursprung des Lebens. Wir haben Gott verlassen ‒ Gott aber hat uns nicht verlassen!

Denn seit die Furcht in unserem Leben ist, bemüht sich der um uns, der die Furcht überwindet. Jesus setzt den vorhin zitierten Satz ja noch fort: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.”

Gott sagt: Ich bin bei dir, hab keine Angst, sei getrost, ich habe dich erlöst, du bist mein. Ich bin es, der dich errettet! Meinen Sohn Jesus Christus habe ich dazu in die Welt geschickt! Deshalb sagt der Engel in der Weihnachtsgeschichte: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, Christus.”

Deshalb möchte ich Dich ermutigen: Fürchte Dich nicht, glaube nur. Glaube überwindet die Furcht, Glaube an den von Gott gesandten Retter, den Heiland der Welt. Fürchte Dich nicht, denn auch Dir ist der Heiland geboren!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau

zum Christfest

Weihnachtsgeheimnis

Dem Geheimnis von Weihnachten auf die Spur zu kommen, helfen mitunter kleine Geschichten. Eine solche möchte ich heute erzählen:

Zu den Hirten auf Bethlehems Feldern gehörte auch einer, der zwar groß und stark war, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen – Folgen eines Unfalls. Meist saß er nur mürrisch am Hirtenfeuer und sah zu, dass es nicht ausging. Als in der Heiligen Nacht den Hirten die Engel erschienen und ihnen die Botschaft von der Geburt des Kindes brachten, das zum Heiland der Welt werden würde, sah und hörte er nichts davon. Auch als es ihm die anderen Hirten erzählten und sich zum Stall nach Bethlehem aufmachten, ließ er sich nicht beeindrucken. Er blieb allein am Feuer zurück. „Lauft ihr nur. Was wird es anderes sein als ein Spuk, ein Traum.“ – So dachte er und rührte sich nicht. Was aber, wenn dies alles wahr wäre? Der Gedanke nagte in ihm. So raffte er sich doch auf und humpelte den Spuren der anderen nach. Der Morgen dämmerte längst, als er endlich im besagten Stall ankam. Ja, das musste der richtige Ort sein. Aber wo war das Kind, wo dessen Eltern, wo seine Kollegen? Er lachte. Nein, es gab kein Kind, keine Engel. Schadenfroh wollte er bereits umkehren. Da entdeckte er die kleine Kuhle in der Futterkrippe, dort konnte nur das in Windeln gewickelte Kind gelegen haben. Er wusste plötzlich nicht mehr, wie ihm geschah. Er kniete vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass er den Gesang der Engel nicht gehört, das Kind nicht persönlich gesehen hatte, dass er nicht mit den anderen Hirten durch Bethlehem zog, um vom Wunder der Heiligen Nacht zu erzählen. Er spürte aber etwas in seinem Herzen, eine Freude, wie er sie lange nicht mehr kannte. Mit Worten war das nicht zu beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anzünden, bevor die anderen zurückkehrten. Als er schon ein ganzes Stück gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte schon umkehren, aber wozu? So ging er einfach weiter mit immer festerem Schritt.

Ich wünsche allen Lesern, dass sie dem Geheimnis von Weihnachten (auch bei aller Skepsis) und der frohen Botschaft dieses Festes so wie dieser Hirte auf die Spur kommen: Die Botschaft lautet: „Fürchtet euch nicht; Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Pfr. Karlheinz Wohlgemuth Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Lichtentanne

zum 4. Advent

Es gibt viele Arten von edlen Bilderrahmen: moderne, von bekannten Designern entworfen und sehr teuer, aber auch alte aus erlesenen Hölzern mit reicher Verzierung. Aber wer von Ihnen würde sich einen leeren Rahmen an die Wand hängen, auch wenn er noch so schön und wertvoll wäre? Es kommt doch auf das Bild an, oder? Auch das Weihnachtsfest hat seinen Rahmen und den lassen wir uns auch etwas kosten: der schön geschmückte Weihnachtsbaum, das eine oder andere wertvolle Geschenk und natürlich die vielen kleinen Zuwendungen an die Kinder und Enkelkinder zu Weihnachten. Die Lieder, die Krippe unter dem Baum, Kerzen, Weihnachtsmärkte, die Beleuchtung der Häuser. Das ist der Rahmen. Dieser weihnachtliche Rahmen ist schön, aber das kann doch nicht alles sein! Wer nur den Rahmen betrachtet, der kann das Bild, das Wesentliche, nicht sehen. Was wäre mein Bild für Weihnachten? Ganz einfach – drei Symbole: Zuerst eine Sonne: Die Geburt des Kindes Jesus will die winterliche Kälte in unseren Herzen und in unserer Gesellschaft vertreiben. Mancher hat Sorgen, doch die Weihnachtsbotschaft lautet: „Siehe ich verkündige euch große Freude. Fürchtet euch nicht.“ Wer sich auf diese Sonne einlässt, dem schmilzt der Eispanzer vom Herzen, da werden Traurige getröstet, da erfahren Hoffnungslose vielleicht etwas Zuversicht. Als zweites ein Herz: Im Kind in der Krippe zeigt Gott sein lebendes Herz, da gibt er sein Liebstes her, seinen einzigen Sohn. Gott hätte mit Macht auftreten können, um den Mächtigen ihre Ohnmacht zu zeigen. Aber er kam als hilfloses, ohnmächtiges Kind. Seitdem zählt nicht mehr das Äußere, der Rahmen, sondern nur noch das Innere, das Herz. Als drittes eine Krippe: Nehmen wir an, Sie wären der Retter der Welt. Wo möchten sie geboren werden? Wer von uns hätte die Armut gewählt? Ich denke wohl keiner. Keiner – außer Gott. Gottes Lobby sind die Armen dieser Erde, die auch in diesem Jahr unter Krieg und Verfolgung zu leiden haben. Das Bild von Weihnachten, auf das unser Blick – gern durch einen schönen Rahmen – fallen soll, hat mit Gott zu tun und mit den Menschen, die er liebt. Wir können dieses Bild ansehen, wir können den Kopf darüber schütteln. Wir können es aber auch in unser Herz aufnehmen.

Pastor Christian Posdzich, Evangelisch-methodistische Friedenskirche Zwickau

zum 3. Advent

Mache dich auf zum Licht!

Wann haben sie das letzte Mal im Dunkel des Gartens oder am Meer unter einem wolkenlosen Sternenhimmel gesessen? Haben die Weite gespürt, vielleicht auch die Ehrfurcht Teil dieses Universums zu sein? In erinnere mich an solch eine Nacht. Ich spürte ein Gefühl tiefer Geborgenheit, ahnte etwas Wunderbares. Es gibt ein Abendlied: „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“. Darin heißt es über die Sterne: „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehle […] kennt auch dich und hat dich lieb“. In der gewaltigen Schönheit und Tiefe des sternenübersäten Universums, in diesem Dunkel hatte ich das Gefühl dazuzugehören, selber gemeint zu sein.

Es gibt aber auch das andere Dunkel. Da, wo der Blick so gar nicht erwartungsfroh ist. Wo das Gefühl vom Leben so gar nicht geborgen scheint und Sorgen, Ängste, Zweifel an einem nagen. Dunkler und dunkler wird es in diesen Zeiten – innen wie außen.

Die Hirten auf dem Feld kennen vor allem diese Dunkelheit. Sie standen als Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie hatten keinen guten Ruf und kaum Chancen auf Veränderung ihrer Situation.

Doch sie waren die ersten, denen das Licht in der Nacht erschien. Die ersten, die die Worte des Engels hörten und denen eine Zukunft eröffnet wurde. In einer ganz normalen Nacht war schlagartig alles anders. Natürlich hatten sie Angst. Es war zu gewaltig, was sie da erlebten. Aber sie hörten auch das „Fürchtet euch nicht!“ Eine Aufforderung und ein Zuspruch zugleich. Fürchtet euch nicht! Das Licht ist für alle da!

Die Sehnsucht nach Licht ist auch 2000 Jahre nach Jesu Geburt noch da. Es ist die Sehnsucht nach Veränderung, Liebe, Hoffnung, Zukunft, Freiheit.

Advent lebt sowohl von der Verheißung, als auch von der Erfahrung, dass Gott kommt. Vielleicht anders als gedacht, anders als erwartet oder gewünscht. Advent öffnet einen Raum, sich wieder neu nach diesem Licht auszustrecken und darauf zuzugehen. Das Licht – es ist längst da! Also: „Mache dich auf!“

Christine Meyer-Seifert, Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Zwickau

zum 2. Advent

Liebe Leserinnen und Leser!

Und schon sind wir wieder mitten drin in der geliebten und gehassten,  der besinnlichen und hektischen Adventszeit.  Und wir versuchen, irgendwie durchzukommen,  ein bisschen Freude zu erhaschen,  ein wenig „Himmel“ zu erspüren…

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“  So steht es über dem Monat Dezember;  ein Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja  (Kapitel 50, Vers 10).  Der Name Gottes bedeutet:  Gott ist nahe;  Gott ist da!  Und es steckt noch etwas in diesem Namen:  Gottes Möglichkeiten und Wege gehen über das hinaus, was uns Menschen möglich ist.  Darum die Einladung:  Vertraue auf den Namen des Herrn;  verlass dich auf deinen Gott!  In dem Namen Gottes steckt ein volles Programm:  ein Hilfsprogramm.  Damit ist der Sohn Gottes auf die Welt geschickt worden.  Jesus wurde dort geboren, wo es dunkel und verlassen war – im Stall von Bethlehem.  Er kam zu denen, die sich selbst überlassen waren und keine Lobby hatten – zu den Hirten.  Er kam schwach und klein – als ein Kind.  Keiner soll verloren sein.  Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der (und die) ist hier an der richtigen Stelle!  Gott bringt Licht in die Welt!  Das Hilfspaket, das Gott durch Jesus auf die Erde gebracht hat, beinhaltet Vergebung,  Erlösung,  Freude,  Versöhnung  und  Hoffnung auf das ewige Leben.  Dafür steht ER ein mit seinem Namen – Gott selbst und auch sein Sohn Jesus Christus.  Der Name Jesus bedeutet:  Gott hilft;  Gott rettet!

Ich wünsche uns allen, dass wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit herausführen lassen können aus unseren Verunsicherungen, Verbitterungen und Enttäuschungen – zu Jesus Christus.  ER sagt:  „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“  (Joh. 12,46)  Dafür steht er ein mit seinem Namen!  Lassen Sie sich herzlich einladen in die Kirchen und Gemeinden in diesen Tagen vor und um Weihnachten.  Eine frohe Adventszeit Ihnen allen!

Pfr. Michael Schünke,  Lukaskirchgemeinde Planitz

zum 1. Advent

Der dunkelste Monat des Jahres beginnt an diesem Sonntag – aber wir Menschen machen es uns hell: mit den Lichtern in den Stuben und Fenstern, an Schwibbögen, Weihnachtsbäumen und -pyramiden. Die erste Kerze am Adventskranz – übrigens eine Erfindung des Gründervaters der Diakonie, Johann Hinrich Wichern – wird entzündet.

In der dunklen Jahreszeit sehnen wir uns nach Licht, so wie wir uns in der Einsamkeit nach menschlicher Nähe, in Trauer nach Trost, in Angst nach Hoffnung, im Krieg nach Frieden, in Unsicherheit nach Vertrauen und Geborgenheit sehnen. Nicht nur das fehlende Tageslicht, sondern auch anderes also macht die Welt um mich herum dunkel oder wenigstens ab und zu düster.

Im Johannesevangelium spricht Jesus von Nazareth davon, dass er das Licht der Welt ist und seine Nachfolger Licht sein sollen für die Welt. Als Christ weiß ich darum, dass ich eine Orientierung brauche, mich ausrichten darf an Gottes Licht, der mir ein Wegzeichen für meinen Lebensweg ist. Nicht die Dunkelheit, die Angst, Trauer, Unsicherheit oder Konflikt sollen mein Leben bestimmen, sondern das Licht, die Wahrheit, Hoffnung, Glaube, Gewissheit, die Liebe.

Im Leben Jesu, so wie ich davon in der Bibel erfahre, begegnet mir das Beispiel und Vorbild Gottes, dass ich zwar in meinem Leben nie ganz erreichen werde, aber eine Annäherung findet statt, weil ER sich mir nähert, weil ich nicht mehr fliehe.

Die dunklen Momente meines Lebens verlieren ihren Schrecken, die Nacht meines Leben, die Nacht der Welt geht dem Ende zu – schon leuchtet der Morgenstern und am Horizont kündigt sich das Licht des neuen Tages -des Tages Gottes an.

Derweil mach ich mich auf und werde für andere zum Licht, durch mein Reden und Schweigen, durch mein Tun und Lassen. Fröhlich entzünde ich die erste Kerze auf dem Adventskranz und knipse den Schwibbogen im Fenster an. Dabei pfeife ich die Melodie von „Die Nacht ist vorgedrungen“, Evangelisches Gesangbuch Nr. 16.

Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Ewigkeitssonntag

Morgen am Ewigkeitssonntag bzw. Totensonntag wird in den Gottesdiensten der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Während die einen trauern, beginnen andere ihre Häuser und Wohnungen weihnachtlich zu schmücken. ‚Das macht man erst nach dem Ewigkeitssonntag!‘ sagen manche.  Wie auch immer: in keinem anderen Fest sind sich Christen und Nichtchristen in freudiger Erwartung so nah wie in Weihnachten.

„Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.“ (Ps 97,11) Die Losung des Ewigkeitssonntags weist in die Zukunft und birgt Hoffnung in sich. Ohne die Hoffnung auf das Licht und die Freude wäre unser persönliches Leid wie auch das der Welt kaum auszuhalten. Der Wochenpsalm für diese letzte Woche des Kirchenjahres ist der Psalm 126. Der Theologe Volker Mantey hat diese über zweitausend Jahre alten Worte in unsere heutige Zeit übertragen. Sie sind heute genauso aktuell, wie sie damals waren. Der Psalm beginnt in nach seiner Übersetzung so: „Ich will dir einen Traum erzählen: Gott macht ein Ende mit dem Leid der Welt.| Ich glaube, ich würde vor Freude platzen! Ich könnte nicht mehr aufhören, Gott dafür zu danken …“  Das ist schon erstaunlich: die Probleme der Menschen damals waren im Grunde dieselben wie der Menschen heute.

Das Vertrauen auf Gott, auf das immer wieder aufgehende Licht und die Freude vermag uns Hoffnung geben. Aber es kann und soll uns nicht zum Nichtstun anhalten, weil eh alles ‚schon wird‘. Gerechtigkeit ist gefordert und ein aufrichtiges Herz. Das sagt sich so leicht und nie scheint es schwerer, sich dazu zu bekennen. Angesichts einer schwindenden Gesprächskultur, wenn Menschen sich nicht mehr ausreden lassen, sich in sozialen Netzwerken beleidigen, keine anderen Meinungen tolerieren können – dann fällt es schwer positiv zu denken. Aber gerade wir Christen sollten uns nicht entmutigen lassen und immer und immer wieder mit aufrichtigem Herzen voran gehen und Stellung beziehen für Gerechtigkeit. Damit der Traum des Psalms wahr wird.

Dr. Bianka Röhr ist Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Buß- und Bettag

Was haben Bus und Bett miteinander zu tun? Ich frage mich das immer, wenn Menschen den Buß- und Bettag als Bus- und Bett-Tag bezeichnen. Klar, es ist toll, einen Feiertag zu haben, im Bett zu bleiben und auszuschlafen oder eben das Auto (oder den Bus) voll zu laden und einen Familienausflug zu machen. Aber wirklich fröhlich kommt der Tag nun wahrlich nicht daher. Buße und Gebet, das mutet uns schon schwer an. Damit will ich mich nicht unbedingt auseinandersetzen, zumal ja die fröhliche Advents- und Weihnachtszeit schon vor der Tür steht und ich mir lieber Gedanken darüber mache. Aber ich mag trotzdem diesen leisen Feiertag, weil er mir hilft, Weihnachten wirklich gelöst und voller Freude zu feiern. Der Tag lädt uns ein, all das vor Gott zu bringen, was uns belastet und uns von IHM entlasten zu lassen. Quasi in einen Bus einzusteigen und dem Fahrer vertrauen, dass er das Steuer in der Hand behält und sich vorher noch um mein Gepäck kümmert. Denn Gott meint es gut mit uns, aber da gibt es eben auch so manchen Rucksack, so manche Last in meinem Leben, die ich mit mir herumschleppe. Der Bibelvers für den Buß- und Bettag macht das noch einmal deutlich. Im Buch der Sprüche heißt es: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben.“ (Sprüche 14,34) Wenn wir an dem festhalten, was uns von Gott und Menschen trennt, die Last nicht abgeben, dann wird es immer etwas geben, was mich bindet und zurückhält. Am Buß- und Bettag sollen wir uns aber von unseren Sorgen und Belastungen nicht runterziehen lassen, sondern uns von Gottes Gerechtigkeit erhöhen lassen. Uns von IHM Gutes tun lassen. Wer weiß, vielleicht schlafe ich dann auch mal wieder tief und fest, weil ich all das losgeworden bin, was sonst meine Gedanken so festgehalten hat. Manchmal ist das nur ein kleines Gebet, ein kurzes Gespräch mit unserem Gott, das dieses Wunder bewirken kann.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

zum Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr

In einem Fernsehwerbespot ist Folgendes zu sehen: Zwei Senioren treffen sich nach Jahren wieder. Voller Stolz präsentieren sie, was sie im Leben erreicht haben: Haus, Schwimmbad, fahrbarer Untersatz – alles top. Aber ist das alles, was den Ertrag des Lebens ausmacht? Oder fehlt da noch was? Das Ende des Kirchenjahres lenkt unseren Blick auf das Ende des Lebens. Auf das, was danach kommt. Und darauf, was am Ende zählt: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, heißt es dazu in der Bibel. Am Ende geht es darum, wie Gott unser Leben beurteilt: Ob alles Gutgemeinte wirklich gut war. Welche Folgen Versäumtes hatte. Um das, was Anderen bedeutsam erschien. Und um das, was im Verborgenen geschah. Jeder ist gefragt. Denn jeder ist Gott wichtig. Er sieht nicht achtlos darüber hinweg, wie wir leben. Und er spricht das letzte Wort darüber, was Bestand hat und was vergeht. Das heißt für mich: Ich überlasse es getrost Gott, andere zu beurteilen und messe sie nicht an meinen Maßstäben. Ich frage stattdessen, ob mein eigenes Tun bei Jesus Gefallen findet. Nicht damit ich einen gnädigen Gott finde. Das ist durch Christus längst geschehen. Das darf ich einfach glauben, muss nichts dazutun. Aber ich bin gefragt, wie sich dieser Glaube in meinem Alltag konkret auswirkt. Wie ich über andere denke und mit ihnen rede. Wie ich mit denen umgehe, die mir fremd, vielleicht auch anstrengend erscheinen. Wie ich mich gegenüber Bedürftigen oder Benachteiligten verhalte. Manchmal ist ein offenes Ohr gefragt, andermal das stille Gebet. Manchmal eine klare Haltung, andermal die helfende Hand. Jesus sagt: Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Darum bin ich gefragt, ist jeder gefragt, wenn es darum geht, Gottes Liebe zu bezeugen.

Horst Kleiszmantatis Der Autor ist Pfarrer im Ehrenamt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und Leiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge Zwickau

zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, könnten mehr als 70 von ihnen nicht lesen und nur einer hätte eine weiterführende Schule besucht. Mehr als 50 wären unterernährt. Über 80 lebten in unzureichenden Unterkünften. Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, kämen 6 von ihnen aus den USA, diese 6 besäßen 59 % des gesamten Dorfeinkommens, die anderen 94 lebten vom Rest. Wie würden wohl die 6 Reichen mit ihren Nachbarn leben? Sicherlich würden sie sich bewaffnen zum Schutz gegen die 94, mit einem Verteidigungsetat pro Person, höher als das gesamte Privateinkommen der anderen. Die Welt ist ein Dorf und wir leben in ihr. Ist da nicht Krieg zwischen den Menschen vorbestimmt? Von Jesus hören wir in der Bergpredigt eine ganz andere Sicht auf die Welt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Auch Jesus kennt die Welt. Mit den Mächtigen und den Reichen darinnen, den Armen und denen, die ausgebeutet werden. Auch Jesus sieht, wie es zwischen den Menschen zugeht. Selbst vor Kollegen, Freunden und in Familien macht der Kleinkrieg keinen Halt. Jesus sieht die Situation von uns Menschen, aber er bietet auch einen neuen Weg an, um miteinander umzugehen. Wir können auf Anfeindung, Boshaftigkeit und Neid anders antworten als mit Wut oder Rache. Der großartige Friedensstifter Mahatma Gandhi reagierte auf seine politischen Feinde, indem er sich seine Wut auf die Missstände in seinem Land und in der Welt zunutze machte: „Durch bittere Erfahrung lernte ich die eine wichtigste Lektion: mit meiner Wut umzgehen. Wie Hitze durch richtige Ausnutzung zu nützlicher Energie wird, kann unsere in Bahnen gelenkte Wut in eine Kraft verwandelt werden, die die Welt bewegen kann.“ Vielleicht ist das auch für uns eine Chance im Kleinen, wie im Großen den endlosen Kreislauf der Vergeltung zu durchbrechen. Selig sind, die Frieden stiften! Das ist niemals leicht. Denn zu wählen, was schwierig ist, jeden Tag, als ob es leicht sei: das ist Glaube!

Pfarrerin Rowena Jugl, Reinsdorf

zum 19. Sonntag nach Trinitatis 27.10.2019

Für uns, die evangelischen Christen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens war das eine turbulente Woche. Sie startete mit dem Bangen um die Entscheidung ob die Kirchenleitung den Rücktritt unseres Landesbischofs annehmen wird oder ob der gemeinsame Weg doch noch fortgesetzt werden kann. Es hat Aufrufe zu Mahnwachen, zu Gebeten und in allem auch den Ruf nach Klarheit gegeben. Nun ist die Entscheidung bekannt gegeben worden und viele stehen ratlos da. War der Einsatz für ihren Bischof vergeblich? Wen diese Frage bewegt, ist mit Recht auf der Suche nach Antworten. Sie sind nicht leicht zu finden. Darum kann zurzeit nur eine helfen. Die klare Entscheidung des Landesbischofs und seine Erklärung gegenüber der Kirchenleitung, sein Amt aus eigener, freier Entscheidung zur Verfügung zu stellen, um Schaden von seiner Kirche abzuwenden. Der Landesbischof hatte, wie er es in der Erklärung ausdrückte, angesichts der öffentlichen Diskussionen um seine Person, keine Gewissheit mehr ob er der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann. Der Bischof wollte sich nicht instrumentalisieren lassen. Nicht außerkirchlich und nicht innerkirchlich. Sein Rücktritt ist ein überaus großer Preis für unsere Kirche. Zugleich aber ist er auch eine erhebliche Mahnung zum aufrichtigen Umgang miteinander. Die Lagerbildung hilft nicht weiter. Das schwarz-weiß Denken hilft nicht weiter. Sich rechts oder links verorten hilft nicht weiter. Was Wege öffnet, ist der Wille zum Frieden. An ihm muss sich die Gemeinde Jesu Christi und der Einzelne messen lassen. Dass er mit Wahrheit, Kompromissen und im Verstehen des Gegenübers ‒ oder wie die Bibel sagt, sich im Hören und Tun ereignet, dazu schenke uns Gott die nötige Kraft. Im Evangelium ist sie jedenfalls vorhanden. Wie gut, wenn dieser Geist wieder bewegt. Er gilt nicht nur einigen wenigen, sondern allen die sich für den Frieden einsetzen. In diesem Sinne gilt, besonders jetzt, die Bitte Jeremias: Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14) Sie sich zu eigen zu machen, ist auch für mich, der größere Gewinn.

Harald Pepel, Superintendent des Ev.-Luth. Kirchenbezirkes Zwickau