geistliches Wort

zum 17. Sonntag nach Trinitatis, 26. September 2021

Geistliches Wort zum  17. Sonntag nach Trinitatis

Gott sei Dank – jetzt erst recht!

Haben sie in den vergangenen Monaten auch so gestutzt wie ich, als nach vielen Jahren erstmals wieder in den Supermärkten Regale zu sehen waren, die nicht überquollen, sondern teilweise leer waren und auf Nachschub warteten ?  Dass man ab und zu manche Artikel nicht (gleich)  kaufen konnte, die ansonsten eigentlich immer vorrätig waren und die aufgrund von Lieferengpässen plötzlich einige Zeit fehlten?  Manche Leute waren darüber sehr unzufrieden und teilweise echt verärgert . Ich habe über manche Äußerungen den Kopf geschüttelt und mich dann daran erinnert, wie  vor der politischen Wende die Regale in unseren „Kaufhallen“ ausgesehen haben – und dass wir selbst damals auch nicht annähernd wussten, was eigentlich Hunger oder Entbehrung ist .  Ich  muss ehrlich gestehen, dass ich recht gerne einkaufen gehe und jedes Mal voller Dankbarkeit bin, dass wir in einem solch reichen Land leben und keinerlei existentielle Nöte zu leiden haben! Natürlich weiß ich auch, dass unser Überfluss oft einen hohen Preis hat: die Natur und auch die Menschen in der 3.Welt leiden teilweise dafür, dass es uns so gut geht. Und trotzdem will ich Gott dankbar sein!  Die letzten Monate haben uns vielleicht alle wieder einmal mehr zum tieferen Nachdenken darüber gebracht, was im Leben zählt und was wirklich für uns wichtig ist. Und hoffentlich aber auch die Erkenntnis reifen lassen, dass wir trotz allem viel Grund dazu haben, dankbar zu sein. Sicher, die Coronapandemie hat manche Sorgen und Nöte unter uns hervorgebracht und etliche Menschen leiden nach wie vor darunter: entweder im direkten Zusammenhang mit der Erkrankung – oder an den wirtschaftlichen und sozialen Begleiterscheinungen von Corona. Und doch finden sich auch in der jetzigen Zeit viele gute Gründe, um dankbar durchs Leben zu gehen – gerade in unserem Land :  wenn man keinen Hunger leiden muss, wenn es eine gute flächendeckende medizinische Versorgung gibt, wenn wir Menschen um uns herum haben, mit denen wir unseren Alltag teilen können – dankbar sein können für unsere Familie, unsere Arbeitsstelle, unsere Freunde, vielleicht auch für unsere Nachbarschaft, unseren Verein oder unsere Kirchgemeinde u.s.w. In diesen Tagen werden wieder überall in den Kirchen ERNTEDANKFESTE gefeiert. Dort geht es natürlich in erster Linie um die Dankbarkeit für die Ernte und die Nahrungsmittel . Aber es geht auch  um offene Augen für all die anderen Dinge, die wir so selbstverständlich aus Gottes Hand nehmen. Und es geht darum, dass aus dieser Dankbarkeit heraus auch das TEILEN und ANTEILNEHMEN erwächst. Lassen sie sich dazu einladen.  Jetzt erst recht –  Gott sei Dank !

KMD Guido Schmiedel, Glauchau

zum Weltkindertag am 20. September 2021

4 Dinge, die die Bibel über Kindererziehung sagt (Ein Beitrag zum Int. Kindertag am 20.09.21)

In der Bibel kommen Kinder ungefähr 600 mal vor. Wir lesen über sie in Berichten, in Gleichnissen und auch in den Psalmen. Sie bekommen aber nur selten eine Hauptrolle. Aber Jesus stellte die Kinder in den Mittelpunkt, als er über sein Reich lehrte. Wenn seine Jünger zum Reich Gottes gehören wollten, sollten sie von den Kindern lernen. Kinder haben viele Bedürfnisse und damit sie sich gesund entwickeln, ist es nicht egal, was für eine Atmosphäre zu Hause in der Familie herrscht. Gott will den Eltern helfen. Deshalb gibt er in seinem Wort Wegweisung in Bezug auf die Kindererziehung, damit die Kleinen eine schöne Kindheit haben und glücklich aufwachsen können. Es ist unmöglich, in einem kurzen Artikel über alles zu schreiben, was die Bibel dazu sagt, deshalb stehen hier jetzt nur 4 biblische Tipps zur Kindererziehung. 1. Das Kind ist nicht das Privateigentum der Eltern, sondern es ist ein Geschenk Gottes. Die ganze Erziehung ändert sich, wenn man seine Kinder aus einer anderen Perspektive sieht, dass man für sie dankbar ist und dass man sich dessen bewußt ist, dass sie Gott gehören. Der Psalmist formuliert es mit den Worten: „Auch Kinder sind ein Geschenk des HERRN; wer sie empfängt, wird damit reich belohnt.“ Ps. 127.3 2. Nicht einmal die beste Pädagogik oder das gute Beispiel der eigenen Eltern können die göttliche Weisheit in der Erziehung ersetzen. Deshalb rät uns die Bibel: „Verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand, sondern vertraue voll und ganz dem HERRN! Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg.“ Spr.3,5-6 3. Zu einer liebevollen Erziehung gehört auch die Ermutigung. Deshalb ist es besser, wenn wir solche Sätze meiden wie: „du schaffst das nicht, du bist tollpatschig, du machst alles kaputt, deine Schwester ist besser als du…“ Wenn wir unsere Kinder lieben, gehört es dazu, dass wir sie annehmen wie sie sind, auch wenn ihnen etwas nicht sofort gelingt. Die Liebe ist geduldig. Gottes Wort empfiehlt uns hier:„Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht ängstlich und mutlos werden.“ Kol.3, 21 4. Gib deinem Kind Freiraum! Einige Eltern haben ständig Angst davor, dass mit ihrem Kind etwas Schlimmes geschieht. Deshalb darf das Kind mit keinem Hund spielen, da ein Hund schon mal jemanden gebissen hat. Es darf nicht schwimmen gehen, da schon mal jemand ertrunken ist. Es darf nie allein über die Straße gehen, da schon mal jemand von einem Auto überfahren wurde. Es ist richtig, wenn wir die Aufmerksamkeit der Kinder auch auf die Gefahren lenken, damit sie lernen vorsichtig zu sein. Sie brauchen aber auch Erfahrungen und Selbstständigkeit, je nachdem, wie alt sie sind. Das Vertrauen auf Gott kann hier den immer ängstlichen Eltern helfen: „Darum wird dir nichts Böses zustoßen, kein Unglück wird dein Haus erreichen. Denn Gott wird dir seine Engel schicken, um dich zu beschützen, wohin du auch gehst.“ Ps 91.10-11

Pastor Dániel Papp Ev. – Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Karl-Marx-Straße 2, Werdau-Leubnitz

zum 16. Sonntag nach Trinitatis

Segen

„Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Dieser Vers aus dem Alten Testament ist nicht nur die Losung, also das in Herrnhut ausgeloste Bibelwort für den heutigen Samstag, sondern Teil des ältesten biblischen Segens, der bis heute verwendet wird. Oft gehen Sie am Sonntag mit dieser Segenszusage aus dem Gottesdienst:

„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ (4. Mose 6,24-26)

Segen – was genau ist das eigentlich? Mit seinem Segen sagt Gott „Ja“ zu uns Menschen. Er sagt uns zu: „Ich habe dich lieb und bin immer für dich da. Ich habe das Beste für dich. Alles Gute und Vollkommene kommt von mir.“ Segen kommt allein von Gott. Aber wir dürfen anderen Gottes Segen zusprechen. Mit einem Segensspruch oder einem Bibelvers. Beim Segnen können wir dem anderen die Hände auf den Kopf legen oder ein Kreuzeszeichen auf die Stirn oder in die Handfläche machen und so ganz bewusst zusagen, dass Gott da ist, Gutes bereithält, Stärkung gibt.

Jesus segnete die Menschen, die zu ihm kamen. Er wollte das Beste für sie, nämlich dass sie eine Beziehung zu Gott haben.

Aus dieser Quelle dürfen wir schöpfen. Wollen Sie das nicht auch – für sich selbst und für andere Menschen? Worte des Segens bewirken etwas Positives, das Sie nicht selbst machen können. Aber sie dürfen erwarten, dass Gott wirkt. Deshalb kann jeder andere segnen. Segnen Sie doch ihre Kinder, wenn sie früh aus dem Haus gehen oder am Abend vor dem Schlafen. Segnen Sie Menschen, die Ihnen nahe stehen in Zeiten von Krankheit oder anderen Nöten. Segnen Sie Ihren Ehepartner. Segnen Sie im Stillen Menschen, denen sie im Laufe des Tages begegnen und Sie den Eindruck haben, dass der andere Gottes Segen braucht.

Vielleicht werden Sie selbst durch eine Begegnung mit jemandem gesegnet und so ermutigt. Oder Sie lassen sich einen Segensvers per Smartphone o.a. zusprechen. Probieren Sie es aus auf der Website www.segen.jetzt. Sie dürfen in jedem Fall wissen – Gott  sagt „Ja“ zu Ihnen und möchte Sie mit seinem Segen beschenken.

Thomas Schmidt, Gemeindepädagoge in Ernstthal, Wüstenbrand und Oberlungwitz

zum 15. Sonntag nach Trinitatis

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1Petr 5,7)

Es gibt diese Geschichte von dem Ertrinkenden, der sich bei einer Überschwemmung auf das Dach seines Hauses rettet. Hilfe lehnt er ab er. Ein Boot, ein Rettungsboot und einen Hubschrauber schickt er nacheinander weg, damit sie anderen helfen können – ihn selbst würde Gott schon retten. Aber: er ertrinkt. Als der Mann im Himmel Gott gegenüber tritt, beschwert er sich dementsprechend. Gott wundert sich nur: „Dreimal habe ich dir Hilfe geschickt. Worauf hast du gewartet?“.

Die Geschichte steht vermeintlich im Gegensatz zum oben genannten Wochenspruch für die kommende Woche. Dabei unterstreicht sie nur, wie dieser gerade falsch verstanden werden kann. Natürlich können wir unsere Sorgen bei Gott abladen, er sorgt für uns. Nur müssen wir auch die Hilfe erkennen und annehmen können, die Gott uns schickt. Das sei jedem Menschen zugestanden, keiner von uns ist perfekt, wir alle sind aufeinander – und auf Hilfe – angewiesen.

Außerdem handeln wir unverantwortlich, wenn wir tatenlos warten und alles geschehen lassen. Das betrifft unseren Alltag im Kleinen wie das „große Ganze“. Wir stehen mit unseren Gaben und Fähigkeiten, die Gott uns gegeben hat, in der Pflicht, diese auch einzusetzen: im Umgang mit unseren Mitmenschen, beruflich wie privat. Gegenüber der Natur und damit auch unseren nachkommenden Generationen haben wir den Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Sogar mit uns selbst sollen wir in diesem Sinne achtsam umgehen – zu wertvoll ist das uns geschenkte Leben.

Aber: alles hat seine Grenzen. Wir können im Vertrauen auf Gott und in Dankbarkeit für seine Schöpfung viel erreichen. Aber die Welt werden wir nicht retten und wir werden immer wieder an Grenzen stoßen und vor neuen Problemen stehen. Dabei ist es doch tröstlich zu wissen, dass wir in aller Erschöpfung unsere Sorgen abladen können und wir auf Hilfe hoffen dürfen. Anders als der Ertrinkende aus der Geschichte müssen wir sie auch annehmen.

Dr. Bianca Röhr, Gemeindepädagogin und Historikerin

zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Beten ohne Ende?  Wie soll das gehen?, das würde ich gerne Paulus fragen. Ich muss zur Arbeit, meine Kinder warten auf mich. Meine Freunde wollen mit mir Zeit verbringen. Mein Körper verlangt nach Essen und sehnt sich nach Schlaf. Wie soll ich da ohne Unterlass beten?

Eine Aufforderung, die schnell zur Überforderung wird.

Ich lese den Text immer wieder und immer wieder und es fällt mir auf, dass dieser Satz zwischen zwei anderen Imperativen eingebettet ist:“ Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen;“

Allezeit fröhlich sein, geht das? Ja das geht! Man kann fröhlich aufstehen, fröhlich sein Tageswerk erledigen und fröhlich Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Das bedeutet keineswegs ständig zu lachen. Es ist eine Herzenshaltung und die Gewissheit, dass Gott mich auch in schweren Zeiten begleitet und trägt.

Dankbar sein in allen Dingen? Auch das geht! Man kann dankbar für die Ruhe der Nacht sein.

Man kann zur Arbeit gehen und für die Arbeit dankbar sein. Man kann für all das dankbar sein,was im Laufe des Tages erledigt wurde. Man kann dankbar sein für Familie und Freunde,  die einem das Leben schön machen.  Es ist eine Herzenshaltung und die Gewissheit, dass alles Gute von Gott kommt. Aber auch die Gewissheit, dass bei Problemen  Gott mich trägt, tröstet und Kraft gibt.

Wenn Fröhlichkeit und Dankbarkeit Herzenshaltungen sind so bedeutet auch die Aufforderung zum Beten in erster Linie nicht eine Tätigkeit sondern eine Herzenshaltung.

Es bedeutet dass Gott mir nahe ist und ich jederzeit mit ihm reden kann. Ob traurig oder fröhlich.

In seinem Kommentar zum Galaterbrief meint Martin Luther,  dass der Christ Gottes mächtig sei, dass der Christ in seinem Gebet Gott in die Wirksamkeit rufen kann.

Jeder Christ hat in seinem allgemeinen Priestertum die Kraft, Gott und das Heil für die Welt zur Wirksamkeit zu bringen. Die Kraft des Gebetes hängt davon ab, ob wir Gott etwas zutrauen, ob wir mit der Lebendigkeit Gottes rechnen. Gott wirkt!- das ist die Grundaussage der ganzen Bibel. Mit Luther gesprochen:“ Gott ist kein Gähnemaul.“ Oder wie Hegel es in der Einleitung zu seiner Rechtsphilosophie sagt: Gott ist kein „jenseitiges Gespenst“. Gott ist mit seiner Wirksamkeit da!

Werner Leich, von 1978 bis 1992 Landesbischof in Thüringen, erinnerte sich  zu den Friedensgebeten im Herbst 1989: „Die Friedensgebete, die den Demonstrationen vorausgingen, vermittelten eine geheimnisvolle Kraft. Ich wollte wir könnten etwas davon für unsere Gemeinden gewinnen.“

Luther hat Recht,  wenn er meint, dass an der Kraft des Gebets auch das Heil der Welt hängt.

Je weniger Menschen beten desto mehr hängt es an den wenigen Beterrn.

Reinhold Schneider schrieb 1936 ein wunderbares Gedicht: „Allein den Betern“

Allein den Betern kann es noch gelingen

Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten

Und diese Welt den richtenden Gewalten

Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:

Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

Was sie erneuern, über Nacht veralten,

Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,

Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt

Und in den Tiefen, die kein Aug´ entschleiert,

Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.

„…betet ohne Unterlass,“ – eine Herzenshaltung die mit der Lebendigkeit Gottes rechnet, das wünsche ich uns.

Dr. Alexander Rifert, Gemeindepädagoge aus Glauchau       

zum 13. Sonntag nach Trinitatis

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

So fragten wohl viele Christen in der jüngsten Vergangenheit.  Selbst in den schlechtesten Zeiten sind kirchliche Feste nie ausgefallen. Selbst in den schwersten Zeiten des vorigen Jahrhunderts wurden Choräle  gesungen; von den Gottesdienstbesuchern und Kirchenchören. Strengere Maßnahmen zogen auch in den Kirchen ein. Nun wurden die Regeln in den kirchlichen Veranstaltungen wieder gelockert. Wie lange wohl? Die momentanen Situationen auf der Erde lassen die lang ersehnten Freiheiten  wohl wieder kippen! Was sagte Jesus am Kreuz zu dem einen Verurteilten? „Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“, denn der rief aus: „Gott sei mir Sünder gnädig!“  Ein Trost für alle Lieben, die wir während der Epidemie  zurücklassen mussten. „Auf das wir klug werden“, heißt es immer bei den Abkündigungen eines Trauerfalls. Das soll nun keine negativen Gedanken hervorbringen; das soll uns bewusst machen, wie sehr wir anfällig sind und Gottes Zusage nötig haben. Aber der andere Gekreuzigte, der ihn verspottet hatte, wurde von Jesus ermahnt. Zu welche Gruppe wollen wir uns zählen? Das haben wir in der Hand! Schon vor 2000 Jahren wusste Jesus Christus um die eigene und die Angst anderer Mitmenschen.

Wir können oftmals keine Antwort geben. Und das nicht nur während der Zeit der Corona-Krise. Die Veränderungen im Klimawandel, die Umweltkatastrophen, die Ereignisse in Afghanistan – hat uns unser Gott doch verlassen? Auch wir Christen stehen dieser Frage oftmals gegenüber. Das soll uns auch sagen, wie eine gegenseitige Rücksichtnahme gelebt werden muss – auch für die Menschen, die meinen, alle Maßnahmen infrage zu stellen. Die Menschen sind gleichgültig geworden. Nach der ersten Welle der Hilfsbereitschaft steht jetzt das persönliche Wohl im Vordergrund. „Erst ich…“ (aber das war wohl schon immer so). Die Abstandsregeln bei Veranstaltungen sind nur äußerlich. Wir müssen lernen, wieder aufeinander zuzugehen, als eine Herde unter einem Hirten. 

Ich möchte einmal allen Mitarbeitern danken, die im vergangenen Jahr so vielfältig für das kirchliche Leben in unseren Gemeinden aktiv waren oder im „stillen Kämmerlein“ um Gottes Beistand gebeten haben. 

Kantor Ehrhard Junge, Kirchgemeinde Mülsen

zum 12. Sonntag nach Trinitatis

Seid dankbar in allen Dingen!

Der Fotograf Karsten Thormaehlen, der seit Jahren Hundertjährige porträtiert, zieht das Resümee, dass die meisten Hundertjährigen mit Dankbarkeit auf ihr Leben zurückblicken. Auch wenn Dankbarkeit nicht das Kriterium für ihr langes Leben ist, scheint es ihr Leben doch erleichtert zu haben.

Und wie ist das bei Ihnen? Empfinden Sie Dankbarkeit?

Oft wird uns erst bewusst, was wir haben, wenn es uns weggenommen wird: Die Lieblingstasche, die im Zug vergessen wurde, die Katze, die verschwunden ist, oder ein kürzlich verstorbener Partner.

Wie kann ich da Dankbarkeit empfinden?

Ja, Dankbarkeit: Dass Sie Ihre Lieblingstasche bekommen und sich an ihr gefreut haben. Dass Sie mit Ihrer Katze geschmust und sie verwöhnt haben. Dass Sie mit Ihrem Partner so viel schöne Zeit verbracht und vieles zusammen erlebt haben.

Eben einfach Dankbarkeit, dass Sie „gehabt haben“!

Wenn wir mit dieser positiven Lebenseinstellung an manchen Verlust herangehen, tauchen in diesem Rückblick viele Erinnerungen auf, Erlebnisse kommen wieder zu Tage. Der Schmerz und die Trauer bleiben zwar, aber ein positives Gefühl mischt sich bei. Wir werden uns bewusst, dass nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Diese Dankbarkeit ist in unsere Vergangenheit gerichtet, prägt aber unsere Gegenwart und Zukunft. Wir gehen sorgsamer mit unseren Beziehungen um, lernen den Wert von unseren „Besitztümern“ schätzen, genießen gemeinsame Erlebnisse bewusster.

Wir Christen können Gott danken: Für das, was wir haben, und für das, was wir „gehabt haben“. Mit dieser bejahenden Perspektive können wir auch der Zukunft hoffnungsvoller entgegentreten. Der Apostel Paulus fordert in seinem Brief an die Gemeinde in Thessalonich: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thess 5,18). Gott will, dass wir bewusst leben und fragen, wem wir etwas zu verdanken haben. Denn das meiste, was uns wichtig ist, haben wir uns nicht selbst zu verdanken. Danken wir Gott dafür!

Monika Schweikart, Prädikantin der Kirchgemeinde Lobsdorf-Niederlungwitz-Reinholdshain

Zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

So beginnt das wohl bekannteste Sommerlied aus unserer Tradition. Es stammt von Paul Gerhardt und

umfasst 15 Strophen. Ein paar davon sind inzwischen auch in den Volksliederbüchern zu finden. Es ist zum einen eine Erinnerung an die Schönheit des Hier und Jetzt, womit gleichzeitig auch die Aufgabe benannt ist, dieses Hier und Jetzt zu gestalten und nicht zu zerstören. Und gleichzeitig ist es ein Ausblick auf die Zukunft. Was gibt es nicht alles zu entdecken in diesem Sommer? Vogelgesang, blühende Gärten, eine wunderbare Natur umgibt uns – ob nun daheim in der sächsischen Heimat, am Meer, in den Bergen.

Paul Gerhardts Lied kann dabei helfen, die Schönheit des Sommers ganz bewusst zu entdecken: Den Vogelgesang, die Weite der Felder und Wälder, die blühenden Gärten und sogar das Summen der Insekten, die flirrende Sommerhitze. Mit seinen Worten würdigt er ihre Einzigartigkeit und Schönheit.

Für ihn sind das Gottes Gaben, Geschenke an uns. Obwohl er das im 17. Jahrhundert geschrieben hat. Daran wird deutlich, dass Christen immer schon der Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung verpflichtet waren, denn das ist Gottes Auftrag schon auf den ersten Seiten der Bibel. Dass wir alle daran erinnert werden, ist immer wieder notwendig.

Für Paul Gerhardt steckt noch mehr darin: All diese Sommereindrücke haben eine Botschaft für die Menschen: Sie erzählen uns von der Liebe Gottes. Seine Liebe ist bunt und vielfältig, sie zeigt sich im lauten Vogelgesang, aber auch in der Stille der weiten Wiesen und Wälder, sie lässt sich spüren in der Wärme der Sonnenstrahlen und in den belebenden Regentropfen.

Schließlich stellt Paul Gerhardt die Frage: Wenn Gott es hier schon so außerordentlich gut mit uns meint, was dürfen wir dann wohl erwarten, wenn wir einmal bei IHM, unserem himmlischen Vater, sind?

Verheißungsvoll, verlockend, voller Hoffnung ist die Perspektive auf unsere Zukunft in einer Gemeinschaft mit Gott, in der kein Leid, kein Schmerz und Geschrei mehr sein wird und unsere

Tränen von IHM, unserem Herrn, persönlich abgewischt werden.

Ein Sommer voller Verheißung für einen jeden von uns! Wir dürfen gespannt sein, was Gott mit uns vorhat. Genießen Sie den Sommer, lassen Sie sich Gottes Gaben beschenken an Leib, Geist und Seele. Gewinnen Sie neu eine Perspektive für das eigene Leben. Gott segne Sie!

Pastor Christian Posdzich, Ev.-Methodistische Friedenskirche Zwickau

Zum 10. Sonntag nach Trinitatis – Israelsonntag

Auf dem Weg vom Dom…

Auf dem Weg vom Dom zur Katharinenkirche in Zwickau laufe ich gerne den Alten Steinweg entlang. Am Jerusalemer Platz biege ich rechts ein und schon ist die Katharinenkirche in Sicht. Lange Zeit schien mir dieser Weg der Kürzere zu sein. Wahrscheinlich wählte ich deshalb die Strecke. Menschen gehen bekanntlich den kürzeren Weg zum Ziel. Heute hat meine Entscheidung eine andere Bewandtnis. Ich entdeckte die Stolpersteine. Zufällig, bei einem flüchtigen Blick nach unten, leuchteten sie mit ihrem messingartigen Glanz auf. Namen und Jahreszahlen sind darauf zu finden, jeweils einer auf einem Stein. Sie sind eine Erinnerung wider das Vergessen, wie Elie Wiesel der jüdische Schriftsteller und Überlebender des Holocaust, das in einem Roman zum Ausdruck gebracht hat. Die Stolpersteine erinnern an Zwickauer Bürger, Juden, die in unserer Stadt zuhause waren, aber von den Nationalsozialisten enteignet, gefangen genommen, deportiert und vernichtet wurden. Wie viele Schicksale sich noch unbekannterweise mit dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte verbinden ist nicht überall abschließend erforscht. Im nördlichen Siebenbürgen zum Beispiel, in der Stadt Sathmar, wo ich gerade bin, ist mir das auch vor Augen. An einer Häuserfront aus Klinker entdeckte ich etliche Namen. Auf den ersten Blick geschätzt, etwa 200 Menschen. In einer Stadtchronik wird erklärt, dass das jüdische Ghetto dort eingerichtet war und dass die Menschen nur kurz vor dem Abtransport, von ihrer bevorstehenden Deportation erfuhren. Mit Bleistift oder einem harten Gegenstand schrieben sie ihre Namen auf den Klinker oder ritzten ihn ein. Erinnerung wider das Vergessen – damals ein verzweifeltes Handeln in einer Situation äußerster Not. Was es für unsere Städte und für Europa bedeutet hätte, wenn die vertriebenen und deportierten Juden diesen tiefen Einschnitt nicht erlebt hätten, bewegt mich sehr. Ich spüre, ob in Zwickau, Sathmar, Krakau, Breslau, Budapest, Warschau, Czernowitz, Lasi, überall fehlt etwas das leider nicht mehr aufzuholen ist. Es sind die vermissten Menschen mit ihren Lebensgeschichten, ihren besonderen Charakteren und ihrer Kultur, die Vielfalt der Religionen und Berufe, die unterbliebenen Begegnungen und vieles mehr. Auch sie hätten einen guten Beitrag leisten können, wenn es um den Umgang mit Ängsten, Ressentiments und weltoffene Einstellungen geht. Morgen am Israelsonntag werden evangelische Christen in Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen daran erinnern, dass auch die Kirche bei der Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten, ihrer eigenen Schuld gedenkt. Im Mittelpunkt steht die Wurzel der gemeinsamen Glaubensgeschichte, die zum gegenseitigen Handeln und Annehmen verpflichtet. Die Erinnerung an das Geschehene wird so auch zur Erinnerung an die Zukunft und zur Anmahnung des noch Ausstehenden. Nicht leicht und vielleicht auch nicht eindeutig ist dabei die Frage zu beantworten, wer dabei die Hauptrolle übernimmt. Sie ist aber auch nicht die Wichtigste. Wichtiger ist, die Kraft der Verheißung zu spüren, mit der Gott zu den Völkern spricht. Nach seinem Willen sollen Menschen in Frieden miteinander wohnen, aufeinander zugehen, der Stadt bestes suchen und für sie beten. Immer und zu jeder Zeit bleibt diese Erinnerung ein guter Weg für ein tieferes gegenseitiges Verstehen von Christen und Juden und für alle die den Dialog wünschen.

Harald Pepel, Superintendent

zum 9. Sonntag nach Trinitatis

„Zu treuen Händen übergeben…“, das klingt nach einer vertrauensvollen Beziehung und verantwortlichem Handeln. Wer etwas in treue Hände übergibt, erwartet die Rückgabe in gleichem oder besserem Zustand. Wer etwas in treue Hände nimmt, verspricht sorgsamen Umgang und das Beste aus anvertrautem Gut zu machen oder den anvertrauten Personen die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Christen beziehen dies auf Gott und die Welt. Der Herrgott gibt den Menschen diese Welt zu treuen Händen, sie zu hegen und zu pflegen, sie zu bewahren für die eigene Lebenszeit und sie weiterzugeben an die nächsten Generationen. Ich glaube, dass wir nach dem Leben hier vor Gott in gewisser Weise Rechenschaft ablegen werden über unser Tun und Lassen in dieser Welt. Wird da gelten: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“ (Lk. 12,48)?

Ich denke nicht erst dann, sondern das gilt schon jetzt. Jeder und jedem ist eine Menge anvertraut: familiäre, partnerschaftliche, freundschaftliche Beziehungen, berufliche Verpflichtungen, sonstige Verantwortlichkeiten im Kleinen und Großen – für kürzere oder längere, manchmal dauerhafte Zeit. Das alles klingt nach großer Last, viel Pflicht und wenig Kür. Gott sei Dank ist mit seinem Leben niemand allein gelassen. Gemeinsam Lasten tragen und Freude mehren – Prinzip Hoffnung und Verantwortung also. Schluss mit lustig aber wird sein, wenn Absicht oder Ignoranz das Handeln leiten und zu Bösem führen – Gott bewahre dann und jetzt vor Heulen und Zähneklappern!

Zu treuen Händen heißt, Gottes Vertrauen und sein Zutrauen ist groß und wird immer wieder erneuert. Er sieht unsere Begrenztheit. Wenn uns aus Versehen etwas schief geht oder wir keine Kraft mehr haben oder uns die Fröhlichkeit verlässt, will er uns erquicken – also barmherzig sein. Das dürfen wir auch für andere: Begrenztheiten wahrnehmen, barmherzig sein, vergeben, vertrauen wagen, treu sein, Zukunft bewahren.

Pfarrer Frank Pauli, Kirchspiel Zwickau-Nord (Moritz, Luther, Johannis und Christophorus in Zwickau, Maria-zur-Weiden Crossen und Mosel)

zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Echte Liebe – Nur die Taten zählen

Manfred Siebald singt in einem seiner Lieder: “ Wie soll ich, Liebste, dir bloß meine Liebe beschreiben? 

Auch dieser Brief wird – fürchte ich- nur kalt und farblos bleiben. Ach, könnt ich dich nur einmal aus einem brennenden Haus befreien;  aus tosender Lava dich reißen, wenn ringsum auch 100 Vulkane speien; dein schwankendes Schifflein aus brodelnder Brandung an’s rettende Ufer führen und im rasenden Fluge aus schwindelnder Höhe den Fallschirm dir rasch reparieren!… Ich muss jetzt leider schließen, Liebste, denn es ruft die Pflicht. Bis Samstag dann im Park, vorausgesetzt, es regnet nicht“.

Die Aufzählung und der Briefschluss machen deutlich, dass diese Liebeserklärung blanke Heuchelei ist, keine echte Liebe ,sondern nur eine Karrikatur von ihr. Es sind große leere Wort, die Eindruck machen sollen. Viele Liebesbekundungen unter uns Menschen sind von ähnlicher Qualität. Sie bestehen nicht die Nagelprobe der oft harten Wirklichkeit. Deshalb zerbrechen Ehen, Familien, Freundschaften und andere gute Beziehungen unter uns. Echte und wahre Liebe zeigt sich dort, wo ich das, was ich habe und bin, gern mit anderen teile ohne zu berechnen.  Deshalb sagt der Apostel Johannes im Lehrtextwort der Herrnhuter Losung für diesen Sonntag:

„Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit“ (1.Joh.3,18).

Die Opfer der schlimmen Flutkatastrophe dieser Tage in einigen Teilen unseres Landes und darüber hinaus lediglich bedauern und Sympathie mit ihnen bekunden, hilft ihnen nicht. Doch wer auf eines der von den Medien bekanntgegebenen zuverlässigen Spendenkonten für diese in Not geratenen Menschen einen angemessenen Betrag überweist oder vor Ort Nachbarschaftshilfe leistet, dessen Anteilnahme ist glaubwürdig. Und wer außerdem als Christ betet für diese Menschen, die alles verloren haben, vielleicht sogar Angehörige, dass sie ihre Niedergeschlagenheit überwinden können und wieder neuen Lebensmut schöpfen, der tut ebenfalls etwas Sinnvolles, denn: Das Gebet zu Gott ersetzt zwar keine Tat, ist aber selbst eine Tat, die durch keine andere ersetzt werden kann.

Zeigen wir also unseren Mitmenschen die Liebe zu ihnen nicht nur durch anteilnehmende Worte, sondern auch durch Taten der Nächstenliebe! 

Pfr. i. R. Reinhold Nürnberger, Leubnitz

zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Eine unheimliche Hilfe

Wenn sie den Kopf schräg legen und mich beobachten, sind sie mir etwas unheimlich. Manche Raben gelten als Aasfresser und klauen sollen sie angeblich auch. In biblischen Erzählungen kommen Raben ganz gut weg. Der Prophet Elia hatte Ahab und Isebel, dem Königspaar, mit deutlichen Worten ins Gewissen geredet. Deswegen gibt Gott dem Elia diesen Auftrag: „Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen.“ (1. Könige 17,3+4) Elia soll für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden, während Gott auf wundersame Weise für ihn sorgt. Ein Bach stillt seinen Durst. Morgens und abends wird er von Raben mit Nahrung versorgt. Manchmal kommt Hilfe eben ganz unerwartet.

Gründe für einen Rückzug brechen oft in unser Leben herein. Menschen müssen Zeit auf einer Intensivstation oder in einem Krankenzimmer zubringen. Sich aus dem Alltag für einige Tage zurückzuziehen, kann helfen, sich zu besinnen und Klarheit für eine Entscheidung zu gewinnen. Auch im Urlaub suchen Menschen den Rückzug, wollen das Gewohnte verlassen, neu ihre Quelle finden.

Menschen können einander zu „Raben“ werden. Wo wären wir ohne Pflegerinnen und Pfleger? Wie würde es uns gehen, wenn uns nicht jemand liebevoll und fürsorglich bewirtete?

Wenn ich die Kargheit einer Lebenssituation erfahre, wenn ich im Urlaub ein Kontrastprogramm zum Alltag suche, merke ich, dass ich nicht aus mir heraus lebe. Mein Leben führe ich nicht aus einem Vorrat heraus. Ich lebe im Augenblick und immer „von der Hand in den Mund“. Im Vaterunser heißt es darum: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Der Fürsorge, Rettung und Hilfe bleibe ich bedürftig – mein Leben lang. Ich bin tagtäglich angewiesen auf „Raben“ und kann selbst zu einem solchen werden. Gott will für mich sorgen, was für ein Glück.

Pfarrer Frank Nötzold, Ernstthal-Wüstenbrand

zum 6. Sonntag nach Trinitatis

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ Dieser Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja im 43. Kapitel Vers 1 wird uns für die morgen beginnende neue Woche zugesagt. Er erinnert uns an den Beginn unseres eigenen Christseins, welches in der Taufe und den damit geschlossenen Bund zwischen Gott und uns Menschen, begonnen wurde. Zugleich ist es ein mutmachendes hoffnungsvolles Wort. Es richtet sich an alle, die Grund haben sich zu fürchten vor den vielfältigen Dingen, die täglich von vielen Seiten auf uns einströmen und will alle Lebensängste von uns nehmen. Denn Gott ruft uns bis heute, er lädt uns ein zu ihm zu kommen und spricht uns sogar mit Namen an. D.h. wir sind ihm persönlich bekannt, es ist Zeichen des Besonderen und Einmaligen, was hinter jedem und jeder einzelnen von uns steht. Wir werden von ihm Ernst genommen und er redet uns persönlich an. Ebenso verspricht er uns Rettung, Heilung und Erlösung für unser Leben. Der Grund dazu wird bereits in der Taufe gelegt, wo wir Anteil bekommen am Leben von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, was uns durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen geschenkt wird und wir einbezogen werden in Gottes erlösendes Handeln. Wir verbinden uns mit ihm und er mit uns und gehören zu ihm und werden zu seinen Kinder und stehen unter seinem Schutz und Segen. Gottes Ruf erklingt deshalb bis heute und will alle erreichen, weil wir ihm wichtig und wertvoll sind, durch unsere Einmaligkeit und Vielfältigkeit der Gaben und Begabungen, die jeder in sich trägt. Darum ist sein Ruf auch an alle persönlich gerichtet. Lassen Sie sich einladen hinzuhören, wo Gottes Ruf auch heute in unser Leben eingehen möchte und ihm folgen, denn Gott hält vieles für jeden persönlich und für unser alles Leben bereit und will uns damit reich beschenken und unsere Einmaligkeit in Anspruch nehmen. Dieser Ruf kann uns verändern und verwandeln. Dieser Ruf macht uns zu Menschen, deren Leben ein Ziel und einen Sinn bekommt. Übrigens mein Name Andreas bedeutet „ der Tapfere“. Welche Einmaligkeit kann Gott von Ihnen in Anspruch nehmen? Schauen Sie einfach einmal nach der Bedeutung Ihres Namens. Ihnen allen eine gesegnete und behütete neue Woche.

Andreas Mühler

Prädikant der Kirchgemeinde Oberwiera-Schönberg

zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Glauben gewinnt

Gespannt verfolgen in diesen Tagen viele die Europameisterschaft im Fußball. Wer wird den Titel gewinnen? Nur eine Mannschaft kann am Ende ganz oben stehen. Und schon der Zweite geht als Verlierer vom Feld. Die sportliche Leistung und ein bisschen Glück entscheiden darüber, wer der Sieger sein wird. Darin liegen Spannung und Reiz eines solchen Turniers. Und nach vier Jahren gibt es die nächste Chance.

Ganz anders ist das in unserem Verhältnis zu Gott. Hier soll es möglichst viele Gewinner geben. Die Entscheidung fällt nicht im Kampf. Entscheidend sind nicht Leistung und Glück. Allein der Glauben gewinnt. Und der ist nicht mein Verdienst. Er ist eine Gabe Gottes, eine Gnade, die mir geschenkt wird. Und das heißt für mich, ich kann Gott dankbar sein, wenn ich glauben kann und dadurch in einem engen Verhältnis zu Gott stehe. Und ich kann mich freuen, wenn noch viele andere auch zu den Gewinnern gehören und mit Gott als himmlischem Vater leben. Daran erinnert uns der Wochenspruch. Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2,8.

Anders als im Sport gibt es nicht immer wieder ein neues Spiel. Jeder hat nur ein Leben. Die Chance, durch Glauben zu gewinnen, gibt es nicht nur alle vier Jahre, sondern jeden Tag meines Lebens neu. Wenn Glauben ein Geschenk Gottes ist, besteht unsere Chance darin, offen dafür zu sein, beschenkt zu werden. Es steigert meine Gewinnaussicht erheblich, wenn ich den Kontakt zu Gott suche.

Also nehmen wir doch einfach mal an, es gibt IHN. Sagen wir IHM, was uns bewegt. Hören wir, was ER uns zu sagen hat. Feiern wir die Gemeinschaft mit IHM. Leben wir so, wie wir es vor IHM verantworten können. Und suchen wir den Austausch mit anderen über unsere Erfahrungen. Wenn Sie das tun, werden Sie entdecken, wie der Same des Glaubens in Ihnen Wurzeln schlägt und langsam wächst.

Ich finde das viel spannender und reizvoller als Fußball. Denn es ist nicht nur ein Spiel. Es ist das Leben, Ihr Leben.

Pfarrer Andreas Marosi, Stadtkirchgemeinde Zwickau und Kirchenbezirk Zwickau

zum 4. Sonntag nach Trinitatis

Rudi hat endlich wieder Arbeit. Nachdem durch Corona die Produktion seines Betriebes ein dreiviertel Jahr stillgelegen hat, brummt jetzt wieder die Auftragslage. Die Coronazeit hat er mit dem Kurzarbeitergeld gut überstanden. Der Lastenausgleich hat funktioniert. Rudi hat gut Lachen. Er ist gut durch die Krise gekommen.

Von Lastenausgleich ist momentan viel zu hören und zu lesen. Strukturschwache Regionen erwarten Hilfe. Ärmere Bundesländer bekommen von den Geberländern Ausgleichszahlungen. In der EU helfen stärkere Länder den Schwächeren. Das alles hat seinen Grund in dem Bewusstsein, dass keiner für sich allein lebt. Im Blick auf das Gemeinwohl ist ein Lastenausgleich nicht nur wünschenswert, sondern zwingend nötig. Denn wo aus egoistischen Motiven die Schwachen abgehängt werden, kippt das ganze Sozialgefüge.

Im Wochenspruch für die neue Woche wird dieser Lastenausgleich als Weg zu einem gelingenden Leben beschrieben. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ heißt es da in einem Brief, den der Apostel Paulus den Christen ans Herz legt.

Spätestens, wenn ich selbst Nutznießer dieses Lastenausgleiches bin, kann ich diese Worte verstehen. Ich möchte nicht gern in meiner Not allein gelassen werden. Als Geber sehe ich das aber manchmal anders. Da habe ich Angst, dass mir etwas weggenommen wird. Dabei ist diese Angst gänzlich unbegründet. Denn durch Teilen wird kein Mensch ärmer. Schon ein altes Sprichwort sagt: „Geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid“.

Und so möchte ich nicht als Egoist durchs Leben gehen, sondern auf meinen Mitmenschen achten. Mit ihm nicht nur die Freude und das Glück, sondern auch die Sorge und die Not teilen. Denn der Segen, der auf dem Lasten-Teilen liegt, trägt einmal mich und dann den anderen. So werden wir beide unseres Lebens froh.

Pfarrer Andreas Merkel, Hohndorf

zum Johannistag

Gedanken zum Johannistag 24.6.2021

In der Bibel steht der Satz von Johannes dem Täufer: “Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.” (Joh 3,30). Johannes war eine bedeutende biblische Gestalt. Denn er sollte im damaligen Israel auf Jesus als den kommenden Messias hinweisen. Er tat dies mit Bravour. Allein schon seine Lebensweise fand große Beachtung bei den Menschen. Er lebte in der Wüste, trug ein Gewand aus Kamelhaar mit einem ledernen Gürtel um seine Hüften, ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig. Seine Botschaft war schlicht und klar: “Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg.” Die Menschen aus Jerusalem, aus ganz Judäa und aus der Jordangegend strömten zu ihm und ließen sich von ihm taufen, um ein geläutertes Leben zu beginnen. Johannes war also nicht nur populär, sondern auch ein sehr erfolgreicher Prediger. Was macht Erfolg mit einem Menschen? Erfolg macht zufrieden und auch ein bisschen stolz, zu Recht.

Je länger der Erfolg aber anhält, desto stärker wächst die Versuchung, sich als der größte Mensch zu fühlen. Wer dieser Versuchung nachgibt, hebt ab und wird unausstehlich. Johannes widersteht dieser Versuchung und sagt über Jesus: “Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.” Diese Erkenntnis ist Johannes sicher nicht leicht gefallen. Denn wenn ein Mensch aus der ersten Reihe in die zweite oder dritte Reihe zurücktreten muss, ist das nie einfach. Wenn z.B. die Kinder erwachsen werden und ihr Leben selbstbestimmt leben wollen, kommt es oft vor, dass die Eltern sich ständig in das Leben ihrer Kinder einmischen, als wären diese noch unmündig. Viele unnötige Konflikte entstehen dadurch, dass Menschen sich nicht zurücknehmen können. Sich zurücknehmen können setzt voraus, dass ich mich als Mensch nicht von der Leistung her definiere und mich von Gott geliebt weiß, von Anfang an und über mein Ende hinaus.

Pfr. i.R. Traugott Lucke, Bernsdorf

zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Kostbar

In manchen Ländern Afrikas legen Frauen 20 km am Tag zurück, um Wasser zu holen – zu Fuß. Und das mehrmals in der Woche. Diese enorme Leistung der Frauen ist bewundernswert. Und es macht mich nachdenklich, wenn ich sehe, wie einfach ich es habe. Ein paar Schritte sind es zum nächsten Wasserhahn. Aufgedreht und schon fließt das kühle, saubere Nass zum Kaffee aufbrühen, Duschen, Baden oder Kochen.

Was würde ich tun, wenn heute kein Wasser aus der Leitung käme? Was würde mir fehlen, wenn Wasser nur eingeschränkt zu haben wäre?

Wasser ist bisher in unseren Regionen im „Über-fluss“ vorhanden. Ich übersehe den Wert dieses wichtigen Lebensmittels. Die Vereinten Nationen haben 2010 den Zugang zu sauberem Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt. Wasser ist etwas sehr Kostbares. Mensch und Natur brauchen es zum Überleben. Es ist ein Grundbaustein des Lebens. Das Wasser der Meere sorgt für die Vielfalt und den Reichtum der dortigen Tiere. Es ist ein gigantischer Wärmespeicher und sorgt mit seinen riesigen Strömungen für unser Klima. Das Wasser der Flüsse und Stauseen versorgt mich täglich mit diesem kostbaren Gut bis in meine Wohnung. Ich bin dankbar, dass ich keine 20 km zu laufen brauche, um an Trinkwasser zu kommen.

Bereits vor 800 Jahren ohne den Luxus der heutigen Wasserleitungen hatte der Heilige Franz von Assisi dieses Wunder des Wassers gespürt. Er hat in seinem Sonnengesang dankbar von der „Schwester Wasser“ gesungen: Als „erfrischender und köstlicher Quell“ lobt die Schwester in ihrer Bewegung den Schöpfer. Wasser ist ein Geschenk der Natur. Als Christ glaube ich mit Franz von Assisi, dass diese Natur ihren guten Ursprung in Gott hat.

Ich möchte mich immer wieder einmal an das kostbare Gut des Wassers erinnern und bewusst mit diesem überaus wertvollen Lebensmittel umgehen.

Pfarrer Armin Luhmer, Alt-katholische Gemeinde Werdau

zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Gute Reden

Der Apostel Paulus gab schon in der antiken Welt den Rat, so zu reden das die Menschen dadurch aufgebaut werden, aber auch die Mahnung an die Menschen gehört dazu. Aber wer lässt sich schon gern ermahnen? Doch dass der Finger in die Wunde gelegt wird und die Schwächen aufgezeigt werden, muss der Zuhörer aushalten. Eine gute Rede erkenne ich daran, dass ich sie verstehe, dass sie auf mich wirkt, und dass sie zur gegenwärtigen Situation etwas zu sagen hat. Ich darf vom Prediger auf der Kanzel erwarten, der von Pfingsten her noch vom Heiligen Geist erfüllt ist, dass ich etwas von der Kraft mitnehmen kann für die nächste Woche und Erkenntnis bekomme über so manchen Fehler auch nachzudenken. Doch ich hoffe auch für so manchen Redner auf den politischen Bühnen in der nächsten Zeit, dass er verständlich mit Weitblick etwas zur gegenwärtigen Situation sagen kann. Prophetisch reden wird oft als Voraussage von Ereignissen verstanden, am besten mit genauem Datum. Doch im eigentlichen Sinne ist eine prophetische Rede eine Rede mit Vollmacht, die die Situation erkennt und in der gesagt wird was kommen wird, wenn wir nicht mit Verantwortung handeln und zwar jetzt. Wir müssen alles im globalen Zusammenhang sehen und uns auch der Auswirkungen aller gut gemeinten Vorschläge bewusst machen. Ich erinnere mich einer Rede von Angela Merkel kurz vor der deutschen Präsidentschaft in der Europäischen Union. Sie wollte diese Zeit nutzen, um eine konzentrierte Europa-Afrika Zusammenarbeit voranzubringen. Leider kam die Pandemie dazwischen und das Thema ist von der Tagesordnung. Ich hoffe auf Wiederaufnahme des Themas als wirklicher Schritt zur Lösung der Flüchtlingsfrage. Der UN – Generalsekretär bat vor Monaten in seiner Rede im Bundestag um bezahlbaren Impfstoff für alle Menschen in der Welt. In dieser Woche scheint nun doch – zwar nach langer Zeit – etwas in Bewegung gekommen zu sein und die Finanzierung wird möglich. Predigten, aber auch Reden können und sollen etwas bewegen und uns bewegen, denn der Geist weht wo er will.

Michael Laser, Prädikant aus Glauchau

zum 1. Sonntag nach Trinitatis

Morgen ist kein besonderer Sonntag, zumindest, wenn sie in das Kirchenjahr schauen. Mit Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind alle großen christlichen Feste vorbei und erst im Herbst steht mit dem Erntedankfest wieder ein besonderer Sonntag im Kalender. Wenn sie nun anfangen zu recherchieren, was eigentlich am 6. Juni alles in der Welt passiert ist, dann werden sie sicher in den einschlägigen Verzeichnissen eine Menge wichtiger Daten finden – und ganz viele davon spiegeln politische Ereignisse wieder: Verbrennung des Reformators Jan Hus, Eingreifen von 13.000 Soldaten der schwedischen Truppen in den 30jährigen Krieg, Blanko-Bündnisverpflichtungen im Vorfeld des 1. Weltkrieges, die Unabhängigkeitserklärung Malawis und viele andere Momente mehr, die davon zeugen, wie fragil und friedlos unsere Welt ist. Auch in den letzten Tagen und Wochen wird uns das immer wieder in den Nachrichten vorgeführt: Gegenseitiger Beschuss zwischen Jüd:innen und Palästinenser:innen, Verhaftungen von unliebsamen Journalist:innen, niedergeschlagene Aufstände und Diktatoren, die ihr anvertrautes Volk unterdrücken und vieles mehr. Und in diesem Moment meldet sich ganz leise doch der Sonntag zu Wort, denn seine Worte sprechen von der Sehnsucht  des Friedens: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Und „Die zum Frieden raten, haben Freude“. … Mitten in die Nachrichten von Hass und Krieg senden diese Worte einen Lichtblick. Sie sagen: Die Tage von Zerstörung und Unterdrückung sind nicht das Einzige, was sich in unserer Welt ausbreitet. Es gibt Menschen, die sich einsetzen für Versöhnung und Frieden. Ihnen Mut zu machen ist jetzt der richtige Moment. Ihre Stimmen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Und wir können selbst zum Frieden beitragen, denn morgen ist außerdem der internationale Tag des Kusses – auch das ist ein Zeichen des Friedens. Und? Wem schicken Sie denn in Gedanken einen (Hand-)Kuss? 

Verona Lasch, Diplom-Theologin und Religionspädagogin, Ev.-methodistische Friedenskirche Zwickau

zum Trinitatisfest 2021

Wie viele Seiten hat Gott?

Weihnachten und Ostern sind bekannte Feste. Wer aber kennt Trinitatis? Was hat es mit diesem Fest auf sich? Schon der Name klingt irgendwie schwierig: Trinitatis. Dabei heißt es letztlich nichts weiter als Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit. Die 3 kommt auf jeden Fall im Namen vor. Dieser kurze Name versucht etwas auszudrücken, das schwierig zu beschreiben ist. Dieser Name erinnert daran, dass es Gott gibt, und zwar, Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist. Natürlich könnte jetzt schnell jemand fragen, glauben Christen an drei Götter? Nein, das machen sie nicht. Sie glauben an einen Gott. Vielleicht hilft ein Bild, diese Schwierigkeit zu verstehen. Was ist H2O? Wasser natürlich. Aber auch Eis und Dampf. Obwohl der chemische Stoff gleichbleibt, erscheint uns Wasser doch auf unterschiedliche Weise. Dieses Bild trifft nicht ganz ins Schwarze, aber es hilft, um unseren Blick zu weiten. Gott hat viele Seiten. Gott ist viel größer als wir denken. Er ist letztlich unbegreiflich. Und weil Gott möchte, dass wir etwas von ihm verstehen, zeigt er sich auf unterschiedliche Weise.

Im Alten Testament gibt es sogar die Ahnung, wer Gott sieht, muss sterben. Gott ist einfach größer und heiliger als wir es uns vorstellen können. Doch Gott will sich zeigen. Gott will, dass wir ihn wahrnehmen, ihn anerkennen und ihm vertrauen. Aus diesem Grund wird Gott für uns sichtbar.

Einmal als Gott, der Vater, der Schöpfer aller Dinge. Der Ursprung von allem. Der sprach und es geschah.

Dann zeigt sich Gott in Jesus Christus. Sozusagen die menschliche Seite Gottes. Jesus  Christus wurde geboren, lebte und erzählte von Gott. Immer wieder lud er Menschen ein, an Gott zu glauben. Jesus Christus, ein Gott, der sich es sein Leben kosten ließ, um uns Vergebung und Heil zu schenken. Jesus Christus, ein Gott, der ist durch seine Auferstehung zeigt, es gibt mehr als wir sehen können. Es gibt mehr als die Grenzen, die der Tod uns setzt. Es gibt Leben über Raum und Zeit hinaus.
Gott, Jesus Christus, Gottes Sohn, der richtig Mensch wurde und Gottes Nähe verkörpert und uns eindrücklich zeigt, dass Gott uns liebt.

Dazu kommt Gott, der Heilige Geist. Gott, der Menschen zum Glauben bringt. Der uns Gottes Kraft schenkt und uns im Inneren verändert.

Gott, zeigt sich auf dreifache Weise. Dass alles, damit wir ihn wahrnehmen, ihm vertrauen und ihm glauben.

Mag Trinitatis auch ein unbekanntes Fest sein, aber es ist eine Einladung, mehr von diesem unbegreiflichen Gott zu entdecken. Das braucht Zeit. Diese Zeit gibt es. Viele Sonntage tragen ab jetzt den Namen Trinitatis. In diesem Jahr gibt es 21 Sonntage nach Trinitatis. Zeit um ein paar Seiten dieses unfassbaren Gottes zu entdecken.

Pfarrer Sören Lange, Oberwiera-Schönberg mit den Gemeindeteilen Niederwiera, Pfaffroda, Tettau und Neukirchen

zum Pfingstfest 2021

Pfingsten 2021

Ein menschenfreundlicher Geist, der das Leben liebt

Wir erleben unruhige Zeiten. Zahlreiche ideologisch aufgeladene Debatten werden geführt. Ein falsches Wort und man wird von den „Gegnern“ verteufelt. Pegida, Querdenker, AfD und andere stehen auf der einen Seite. Die sogenannte Woke-Bewegung (für Genderstern, gegen Rassismus usw.) und Klimaschutzaktivisten stehen auf der anderen Seite. Dazwischen befindet sich die vermutliche Mehrheit derer, die in den Debatten keine Extremposition einnehmen und über manches den Kopf schütteln.

Um sich in unübersichtlichen Streitfragen zu orientieren, pflegen Christen von Anfang an die sogenannte „geistliche Unterscheidung“. Sie kann uns auch in unseren Zeiten bei manchen Debatten helfen.

Den einen Geist beschreibt Goethes „Faust“ in den berühmten Worten des Mephisto: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“

Der Geist des Pfingstfestes ist das Gegenteil: Er kennt durchaus scharfe Kritik, aber er streut kein Gift, sondern bringt gute Frucht. Er zerstört nicht, sondern er baut auf; er schlägt keine Wunden, sondern heilt; er murrt nicht, sondern freut sich; er ist nicht zynisch, sondern tröstlich; er trennt nicht, sondern führt zusammen; er ist nicht unversöhnlich, sondern er vergibt; er wagt Vertrauen; er liebt das Leben. Er ist kein Menschenfeind, sondern ein Menschenfreund.

Einerseits tut uns allen in den Kontroversen mehr Sachlichkeit gut, ohne den anderen moralisierend in eine „böse“ Ecke zu stellen. Andererseits kann es bei manchen Inhalten und Haltungen hilfreich sein, sich zu fragen, welcher Geist sich da bemerkbar macht: ist es ein harter, unbarmherziger Geist, der stets verneint oder ist es ein menschenfreundlicher Geist, der das Leben liebt. Der Geist Gottes ist ein freier, großzügiger Geist, der „weht, wo er will“. Er kann gerade dort zu finden sein, wo man ihn nicht vermutet.

Pfarrerin Claudia Knepper, Langenhessen-Niederalbertsdorf

zum Sonntag Exaudi, 16. Mai 2021

Bagger, Kipplaster, Betonmischer – für unseren Jüngsten gibt es nichts Spannenderes als Baustellenfahrzeuge. Besonders begeistern ihn die riesigen Kräne. Wo ich schon beim Hinsehen den Schwindel in mir aufsteigen spüre, deutet er mit seinen kleinen Fingern in die Luft und ruft: „Da hoch will ich!“ Wer keine Höhenangst hat, teilt diesen Kinderwunsch vielleicht. Für mich wäre das jedenfalls nichts. Trotzdem bewundere ich die Technik des Krans. Seine Kraft und seine Wirkweise: Mittels Hubarbeit befördert er die Baumaterialien vom Boden auf höhere Stellen. Auch in der Bibel begegnet uns dieser Vorgang. Natürlich nicht mittels eines Krans. Wenn in der Bibel von „erhöhen“ und „erhöht werden“ geredet wird, heißt das „jemanden zu Macht, Ehre und Ansehen bringen“, „ihn zum Herrscher einsetzen“. So, wie Jesus Christus, der durch seinen Tod und seine Auferweckung durch Gott von ihm zum HERRN über die Welt eingesetzt wurde. Jesus spricht von dieser Erhöhung sogar noch zu seinen Lebzeiten zu seinen Jüngern: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,32) Jesus redet hier von seinem Schicksal, das ihn das Leben kostete, nämlich von seinem Tod am Kreuz. Indem Jesus am Kreuzesstamm erhöht wird, eröffnet er uns den Himmel. Wir können wie Kinder auf Jesus blicken, begeistert von seiner Kraft sein und uns ohne Höhenangst auf ihn einlassen. Vielleicht kennen Sie Bilder oder Skulpturen von Jesus mit ausgestreckten Armen? Eine Liebesgebärde ist das, genauso wie am Kreuz. Jesus öffnet die Arme, um alle Menschen einzuladen, zu ihm zu kommen. Es ist schon ein Wunder, welche Kräfte ein Kran freisetzen kann. Vielleicht ist Gott selbst auch wie so ein Kran, der über all dem steht, was uns in der Welt auch an Unangenehmen und Baufälligem beschäftigt. Er hält alles fest und von ihm geht diese unergründbare Kraft auf unser Leben aus, die uns befreien will durch Jesus Christus, von allem, was uns beschwert.

Pfarrerin Rowena Jugl,  Reinsdorf

zu Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2021

Kein Gott im Himmel?

Vor 60 Jahren war Juri Gagarin der erste Mensch im Weltraum. „Ich habe im Himmel keinen Gott gesehen.“ soll Gagarin berichtet haben. Also kein Gott zwischen den Wolken da oben? Nein. Wenn Christen vom „Himmel“ sprechen, meinen sie etwas anderes. Himmel ist da, wo Gott ist. Da wo Gott ist, da ist es wunderschön. Da ist es himmlisch. Der „Himmel“ ist ein Bild. Dafür, dass Gott nah ist. Heute ist der Feiertag „Christ Himmelfahrt“. Jesus Christus ist vor 2000 Jahren in den Himmel gefahren. Jesus ist dabei nicht durch die Wolken gedüst, wie Gagarin. Jesus fährt nicht räumlich 100 Kilometer nach oben. Sondern Himmelfahrt heißt: Jesus begegnet Gott. Er ist Gott ganz nah. Auch nach Jesu Himmelfahrt machen Menschen immer wieder die Erfahrung, dass Gott ihnen begegnet. In alltäglichen Begegnungen, in der Stille, in den Höhen und Tiefen des Lebens. Gott ist nicht weit weg, irgendwo über den Wolken. Gott ist hier. Und er ist darauf aus, auch Ihnen zu begegnen. Ich wünsche Ihnen himmlische Momente. Wunderschöne Erfahrungen, dass Gott auch Ihnen ganz nah ist. Denn der Himmel steht auch Ihnen offen.

Pastor Antonio Israel, Ev.-Baptistische Gemeinde Glauchau

zum Sonntag Rogate

Rogate 2021

Beten – gerade auch für „die da oben“

Das Jahr 2021 ist für die politischen Parteien ein besonders wichtiges. Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten werden aufgestellt, Programme beschlossen und beworben. Die Wahlwerbungsmaschinerie wird bald auf vollen Touren arbeiten. Im September dann die Bundestagswahl, in der wir mitentscheiden, wer die Verantwortung im Land für die nächsten vier Jahre übernehmen soll.

Als Christ kann ich glücklicherweise mehr tun, als mich über „die da oben“ zu ärgern und zu schimpfen. Ich kann auch mehr tun, als mich zu informieren, eine Meinung zu bilden und am Wahltag ein paar Kreuzchen zu machen: Ich kann beten! Morgen stehen die Gottesdienste unter dem großen Thema „Gebet“. Dieser Sonntag trägt den Namen „Rogate“, zu Deutsch: „Betet!“

Beten ist das Reden mit Gott. Wie Kinder mit ihren Eltern reden, so dürfen Kinder Gottes zum himmlischen Vater kommen und ihm alles sagen, was sie auf dem Herzen tragen: Ihre Freude, ihren Kummer, ihre Bitten … alles bringen sie in ihren Gebeten vor seine Ohren.

In dem Zusammenhang erinnert verschiedene Bibelverse daran, dass ein Gebet nie selbstsüchtig sein soll. Wer betet, soll auch seine Mitmenschen im Blick haben. Dabei sind Familie, Nachbarn und Freunde gemeint, aber ausdrücklich auch die, die in unseren Dörfern, Städten und Land Verantwortung tragen (1Tim 2,1f). Für sie wird darum in jedem Gottesdienst gebetet – z.B. um Weisheit bei Entscheidungen, Ehrlichkeit, Kraft und Bereitschaft zum Frieden.

Gut, dass ich im Blick auf „die da oben“ nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich will denen ja gern vertrauen, die in politische Ämter gewählt wurden und werden. Und doch wird man da auch manchmal enttäuscht. Wie gut, dass ich ohne Vorbehalt auf Gott vertrauen kann – dem „da oben“. Die Geschicke unserer Familien, unserer Orte und unseres Landes liegen letztlich in seinen guten Händen. Er kann und will unsere Gebete treu erhören – so, dass es für uns und unsere Mitmenschen zum Guten dient. So kann ich also durch Händefalten mithelfen, Dinge zum Guten zu verändern. Auch wenn ich nicht immer gleich etwas davon merke, wie Gott Gebet erhört – ich darf der Zusage vertrauen: „Bittet, so werdet ihr nehmen!“ (Joh 16,24).

Autor: Pf. Albrecht Hoffmann (ev.-luth. Gemeinde zum Heiligen Kreuz, Crimmitschau)

zum Sonntag Kantate

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Dem Singen ist der Sonntag Kantate gewidmet. Was ist das, das Singen?

Stell dir vor, du hast einen Luftballon. Ständig wird er mit neuer Luft gefüllt. Das geht aber nicht ewig. Irgendwann platzt er.

Du sorgst also dafür, dass die Luft raus kann.

Ja, es staut sich in uns allerhand an in diesen Monaten. Täglich kommt Neues hinzu. Wann platzen wir? Beim Luftballon ist dann die Entsorgung fällig. Und bei uns?

Mach den Mund auf beim Singen – ach nein, unter der FFP2-Maske? Wie das? Es fehlt uns, das gemeinsame Singen: und wir gehen gebeugter als sonst.

Das Bibelwort – ein Auftrag:

Sicher unter Beachtung der AHA-Regeln, aber wichtig: Miteinander immer wieder das Ventil zu nutzen, damit der Ballon nicht platzt. Es gibt keine Entschuldigung, wenn wir Christen nicht präsent sind: Dass Glückliche von ihrer Erfüllung schwärmen können; dass Traurige ein offenes Ohr finden, dem sie klagen können. Dass du weißt, du kannst kommen, die Tür ist offen!

Wir singen – und Trübsal blasen ist keine geistliche Musik. Ein neues Lied zu finden bedeutet, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen loswerden können, was nicht mehr zu ertragen ist.

Wir Evangelischen werden oft Protestanten genannt: Ja, wir protestieren gegen das, was uns das Leben nehmen will: Und wie bei einem guten Protest, wir sind aufgerufen, mit Phantasie hübsche Räume zu finden, in denen wir einander Menschen sein können – bei diesen leisen, erstaunten, vertrauten Tönen sind Wasserwerfer fehl am Platz; kein rücksichtsloses lärmendes Schreien, aber ein trotz FFP2 sichtbares Lächeln der Augen.

In einer „Regierungsnotbremse“ wird Hygiene zum Gesetz gemacht. Aber offene Freundlichkeit lässt sich nicht anordnen. Handlungen kannst du verbieten, aber nicht die Gesinnung. Und dort wird gefragt werden: „Warum seid ihr so?“ – „Weil Gott uns ein neues Leben verheißen hat, eins, wo du dich wundern wirst.“ – „Und, wie macht ihr das?“ – „Ja, fällt dir da gar nichts ein?!“

Pfarrer i.R. Matthias Hecker, zuletzt Kirchberg, jetzt Luckau

zum Sonntag Jubilate

Sonntag Jubilate –  jubeln sie!
Es scheint nicht zu passen…!?

Kinder können das: voller Freude rumtoben, vor Glück jauchzen und schreien. Sie kriegen sich kaum ein! Und wir, wann haben wir das letzte Mal gejauchzt oder gejubelt? Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Aber vielleicht sie?! Als Sportfan, wenn ihr Club gewonnen hat, wenn es so richtig gut läuft! Vielleicht als Lotto-Spieler, der endlich gewonnen hat!? Und vielleicht als einer, der den Mauerfall miterlebt hat? Oder als „frische“ Mama oder Papa!?

… oder vielleicht jemand, der schlimme Zeiten überlebt hat? Vielleicht war das dann eher ein „erhebender Augenblick“, ein sprachloses Staunen, eine unaussprechlich tiefe Dankbarkeit?

Der Sonntag Jubilate lässt einen unbekannten Psalmdichter zu Wort kommen und will einladen:
„Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!“ (Psalm 66)


So ist ihnen vielleicht (schon lange) nicht zumute? Ich verstehe das gut. Wenn in dem Psalm

weiter gedichtet wird: „Kommt her und sehet an die Werke Gottes“, dann höre ich hier manchen sagen: Sieh dir an, was Gott zulässt!? Dann sehe ich leere Herzen, versteinerte Gesichter, kraftlose Hände! Wenn sie sich so fühlen, dann passt der Psalm scheinbar nicht. Aber lesen sie ihn mit mir weiter: Gott, du hast uns geprüft … du hast uns ins Gefängnis kommen lassen, du hast uns Lasten zugemutet, du hast uns niedertrampeln lassen … wir sind durch Feuer und Wasser gegangen …
Passt das eher? Das ist noch der gleiche Psalm zum Sonntag Jubilate!

Hier berichtet er, dass Gott ihm geholfen hat. Aus so tiefer Not hat er sich an IHN gewandt: Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat. Zu ihm rief ich mit meinem Munde … Gott hat mich erhört und bemerkte mein Flehen. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

Ich wünsche uns allen, dass wir – vielleicht bald wieder – froh werden, weil Gott wirklich hilft. Unsere Gebete kommen bei Gott an! Das soll alle Lande, jeder Mensch hören. Er hilft Tiefen durchzustehen, gibt Kraft zum Ertragen, um sogar daran zu reifen. Gott ist da, Jesus lebt, wir sind nicht allein!  

… und vielleicht passt dann Jubilate neu in unser Leben?! Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Gott, ich will DIR Danke sagen! Laut oder leise, staunend oder sprachlos, jubelnd oder jauchzend?! 

Gemeinschaftspastor Bernd Günther, Bereich Crimmitschau-Werdau

zum Sonntag Miserikordias Domini

Ostern – auch heute

Ostern? Das ist doch schon längst wieder Geschichte! So denken viele Zeitgenossen. Zwei Wochen nach dem Osterfest ist die Osterstimmung – so in diesem Jahr eine solche überhaupt aufkommen konnte – bereits verflogen. Ostern ist für die meisten abgehakt.

Christen feiern allerdings 50 Tage lang Ostern, und zwar bis Pfingsten. Aber auch danach machen wir nicht einfach einen Haken daran. Denn Ostern hat mit uns ganz persönlich zu tun. Jesus ist ja nicht für sich selbst gestorben und von den Toten auferstanden. Seinen Tod am Kreuz nahm er aus Liebe zu uns Menschen in Kauf, um die ganze Menschheit mit Gott zu versöhnen. Durch seine Auferstehung wird deutlich: Nicht mehr der Tod hat das letzte Wort, sondern Gott und damit das Leben.

Die Jünger Jesu, haben nach Ostern eine ganze Weile gebraucht, um zu realisieren, dass das wirklich wahr ist. Dann aber hat die Freude über die Auferstehung ihr Leben geprägt. Denn seither gibt es eine begründete Hoffnung auf Zukunft.

Unzählige Menschen haben seit damals die Osterbotschaft zum Fundament ihres Lebens gemacht. Freilich bleiben auch gläubige Christen nicht von Problemen, Leid, Krankheiten und dem Tod verschont. Wer jedoch den Ausblick hat, den der christliche Glaube anbietet, kann etwas gelassener damit umgehen und so auch schwierige Wegstrecken meistern. Glaube will nicht vertrösten. Er schenkt wirklichen Trost und neue Kraft. Das erzählen mir gerade jetzt in der Corona-Pandemie viele Gemeindemitglieder. Manche haben den Glauben auch neu für sich entdeckt. Wo bislang geglaubte Sicherheiten zusammenbrechen, kann der christliche Glaube, der seine Mitte in der Erfahrung von Ostern hat, neue Horizonte öffnen.

Sich von diesem Glauben leiten und herausfordern zu lassen, heißt als österlicher Mensch zu leben. Und das endet freilich nicht nach den Osterfeiertagen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit!

Markus Böhme

Der Autor ist Pfarrer der Römisch-katholischen Pfarrei Heilige Familie Zwickau und Dekan des Dekanats Zwickau

zum Sonntag Quasimodogeniti

Wie die neugeborenen Kinder

Wie haben Sie das Osterwochenende verbracht? Vermutlich waren die meisten zu Hause. Kurzurlaub, Feiern, Besuche, große Festgottesdienste – all das war nicht möglich. Vielleicht haben Sie ja aber wenigstens mit Kindern oder Enkeln Ostereier suchen können.

Für meine Familie und mich ist das in jedem Jahr wieder ein schöner Spaß. Irgendwie werde ich dabei an meine eigene Kindheit erinnert. Damals waren meine Eltern die Osterhasen, die für uns Kinder Kleinigkeiten im Garten versteckt haben.

Trotz zunehmenden Alters werde ich da zwischen Gartenlaube, Bäumen und Sträuchern für einen kurzen Moment wieder zum Kind, das im Garten bunte Eier und andere Aufmerksamkeiten sucht und weiß: Da hat es jemand gut mir gemeint und irgendwo etwas Nettes für mich versteckt. Wie schön!

An dieses Kindsein erinnert uns der kommenden Sonntag. Er trägt den lateinischen Namen: Quasimodogeniti, zu Deutsch: „Wie die neugeborenen Kinder.“ Als unsere Vorfahren den Sonntagen im Kirchenjahr Namen und Bedeutungen zugeschrieben haben, da war es ihnen wichtig, diesen ersten Sonntag nach Ostern mit der Unbeschwertheit im Leben eines kleinen Kindes in Verbindung zu bringen, das Liebe und Fürsorge erfährt. So kann es befreit und mutig den Weg hinein ins Leben gehen und wird gestärkt für Zeiten, in denen es selbst sorgen, gestalten oder manchmal auch nur aushalten muss.

Wie gut ist es, auch dann zu wissen: Da ist jemand, der es gut mit mir meint, den auch Gewalt, Verleumdung und Ungerechtigkeit nicht aufhalten konnten, sondern der all das am Ostermorgen überwunden hat. Ihn kann ich schon heute in meinem Leben und Alltag entdecken – auch wenn ich dafür manchmal ganz schön suchen muss. Das gibt mir Kraft, schon heute immer wieder aufzustehen und Schritte auf meinem Lebensweg zu gehen. Dabei hoffe ich wie ein neugeborenes Kind: Dieser Weg wird auch einmal zum Leben führen. Voller Vertrauen, geliebt und umsorgt, weil da jemand ist, der es gut mir meint. Gott sei Dank!

Pfarrer Matthias Große aus Glauchau, Polizeiseelsorger für die Polizeidirektion Dresden und Beauftragter für Notfallseelsorge in der Ev.-luth. Landeskirche Sachsens 

zum Osterfest 2021

Osterspaziergang

Für viele Leute gehört ein Spaziergang zum Osterfest dazu, gerade auch jetzt. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick…“, so hat es schon Goethe seinen Dr. Faust sagen lassen. Ostern – das warfür ihn der Frühling, die erwachende Natur. Und so ist es doch: Nach dem Winter atmen wir auf und erfreuen uns an dem, was zu blühen beginnt. Die Bibel berichtet von einem ganz anderen Osterspaziergang. Zwei Männer, „die auch zu dem Jesus von Nazareth gehörten“, liefen bergab von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Sie wollten nur noch weg, weil es mit ihrer Hoffnung bergab ging. Der Tod von Jesus am Kreuz hatte ihr Lebensfundament zerstört, ihre Angst war groß. Auch wenn ein paar Frauen aus ihrem Freundeskreis sagten, Jesus würde leben, sie wussten es besser. Tot ist tot. Ihr Gespräch kreiste nur um dieses Geschehen. Plötzlich lief ein Mann neben ihnen. Das war damals nicht ungewöhnlich. Er hörte ihnen zu und ergriff nach einer Weile das Wort: „Ihr habt nichts verstanden. Der Tod am Kreuz musste sein, weil einer die Schuld aller Menschen auf sich nehmen musste. Doch der Gekreuzigte blieb nicht im Grab“. Dann, beim Abendessen, erkennen sie ihn richtig: Dieser Wanderer war niemand anderes als Jesus. Er lebt, er ist nicht mehr tot! Im selben Augenblick verschwand er. Die Männer sagten sich: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns sprach? Ihre Trauer wich einer großen Freude. Sofort liefen sie zurück und sagtendiese gute Nachricht weiter. Leid und Tod sind noch nicht ausder Welt. Pandemien und Krisen setzen uns noch heftig zu. Aber sie alle haben nicht mehr das letzte Wort. Es gibt einen, der ist stärker und schenkt Hoffnung, heute und für alle Ewigkeit: Jesus, der Herr, ist auferstanden!

Ralf Gotter, CVJM Crimmitschau

zum Karfreitag, 02.04.2021

Karfreitag 2021

Die alten Texte der Passion wecken aktuelle Bilder: eine letzte Mahlzeit in großer Runde, die Fußwaschung, weinende Frauen, der gemarterte Jesus und sein Verlassenheitsschrei am Kreuz, sein Erstickungstod, die hastige Beisetzung, seine Jünger in häuslicher Isolation. Wir haben inzwischen alle eine Ahnung davon, was Angst, Einsamkeit und Verluste ohne Abschied bedeuten. Dreimal brach Jesus unter der Last des Kreuzes zusammen, ähnlich den vielen Menschen, die keine Kraft mehr haben, die Lasten der Pandemie noch länger zu tragen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Eine erschütterndere Gleichzeitigkeit von Gottesnähe und Gottesferne als der Schrei Jesu am Kreuz ist kaum vorstellbar. Gott wird geglaubt, der doch offenkundig nicht da ist und nichts tut. In diesem Jahr scheint mir zum Tod Jesu vor allem eines wichtig: Das verwundbare Kind in der Krippe ist der verwundete Gott am Karfreitag. Jesus kam als verwundbarer Mensch zu uns – wie wir selbst; er hat Schmerzen und Ohnmacht erlebt – wie wir selbst; er hatte Angst – wie wir selbst; er ist den Schlägen und dem Tod nicht ausgewichen – wie wir selber; er ist am Kreuz gestorben mit einem verzweifelten Schrei. Durch eben diese verwundbare Menschlichkeit ist er uns nah. Gott kennt unsere Angst und unser Leid, weil er in Jesus Christus selbst gelitten hat. Er kennt auch den Tod, weil er selbst gestorben ist, hinabgestiegen in das Reich des Todes. So kann der Kreuzestod Jesu für uns zumindest dies bedeuten: Dass Gott uns die Gewissheit schenkt, mit unserer Angst und unserem Leid nicht allein zu sein. Aber kann dass ein Trost sein? Reden wir in unseren Kirchen oft nicht zu schnell von Ostern, erreichen dabei aber die Menschen nicht, die keine Auferstehung erfahren? Man kann an den Karfreitagen dieser Welt verzweifeln und den Glauben verlieren. Aber wenn ich Gott verneine, weil unsere Welt so finster ist, wird sie dadurch heller? Oder wird diese Finsternis dann nicht zum Letzten und Endgültigen dieser Welt erklärt, die somit eben keinen Sinn hat? Woran glaube ich? Dass unsere durchkreuzten Hoffnungen für immer unerfüllt bleiben und unsere Todesschreie unerhört? Oder daran, dass bei Gott nichts und niemand endgültig verloren ist? Wir werden auch am Ostersonntag mit der Pandemie konfrontiert sein. Wir werden nicht am Osterfeuer zusammenstehen, kein Osterfrühstück in großer Runde feiern. Wir wissen nicht, wie lange diese Krise noch geht. Wir wissen nicht, wann endlich Ostern wird. Und vielleicht passt statt Osterjubel eher die Beklommenheit der Frauen auf dem Weg zum Grab, die nicht ahnen, dass es leer ist. Aber weil Jesus unseren Kreuzweg mitgeht, kann uns selbst unser Leid als eine Spur der Anwesenheit Gottes in unserem, in meinem Leben erfahrbar werden.

Pfr. Andreas Friese, Klinikseelsorger in Glauchau und Lichtenstein

zum Palmsonntag, 28.03.2021

Karwoche

Heute beginnt die Karwoche. Die Woche in der wir den Leidensweg von Jesus nachzeichnen. Die Woche, die in die tiefste Tiefe führt und am Karfreitag ihren bedrückenden Höhepunkt findet.

Am Palmsonntag zieht Jesus in Jerusalem ein. Die Menschen säumen die Straße, jubeln, schwenken Palmzweige und rufen: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“
Große Erwartungen hängen in der Luft: Wird Jesus sich zum König krönen lassen? Wird er die Römer endlich aus dem Land werfen?

Aber es wird alles ganz anders als erwartet.
Jesus wird verraten und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verhaftet. Und dieselben Menschen, die ihm beim Einzug in Jerusalem zujubelten, rufen wenige Tage später am Prätorium: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ Die aufgehetzte Menge erreicht, dass Pilatus wider besseren Wissens Jesu‘ Hinrichtung anordnet. Damit überdauert Pilatus als einziger Mensch neben Maria namentlich in unserem Glaubensbekenntnis.

Das, was in der Karwoche passiert, ist kein Unfall der Weltgeschichte. Als Jesus am Kreuz stirbt, besiegt er unsere größten Feinde: Sünde, Tod und Teufel. Der Sohn Gottes bahnt für uns – seine Lieblingsgeschöpfe – den Weg zum Vater und in die Ewigkeit.

Der Wochenspruch für diese Woche erinnert uns daran: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3,14b.15)

Gott möchte mit uns die Ewigkeit verbringen und er bezahlt den höchsten Preis dafür: das Blut seines geliebten Sohnes.

Dieser Weg war für Jesus kein Spaziergang. Er hat Jesus alles gekostet. Jesus nimmt Kreuz und Tod auf sich – aus Liebe zu Ihnen und zu mir. Vor seiner Verhaftung rang Jesus bis tief in die Nacht hinein mit seinem Vater im Gebet. Am Ende stellte er seinen Willen unter den Willen des Vaters. Gott schickte sogar einen Engel um ihn für den Weg zu stärken.

Ich möchte Sie einladen, sich in der kommenden Woche Zeit zu nehmen und die biblischen Berichte z.B. in Markus 14 und 15 nachzulesen und so den Ereignissen von Palmsonntag bis Karfreitag Schritt für Schritt zu folgen.

Sandra Forberger, Prädikantin im Kirchspiel Zwickau-Nord

zum Sonntag Judika, 21.03.2021

Geistliches Wort für den Sonntag Judika

Butler sind ja in unseren Breitengraden nicht gerade üblich. Aber mich faszinieren diese Menschen, die sich so ganz zurück nehmen, immer höflich sind und genau wissen, was sie wann wie zu tun haben. Butler sind Diener in einer Führungsfunktion. Sie sind nicht einer einzelnen Person zugeordnet, sondern sind für einen ganzen Hausstand inklusive der Gäste zuständig. Ein Butler verwaltet traditionell das Esszimmer, den Weinkeller und die Speisekammer. Jetzt ist Jesus natürlich kein Butler, aber er sagt etwas über das Dienen. Matthäus hat es in seinem Evangelium aufgeschrieben: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.“ (Matthäus 20,28) Gott dient uns Menschen. Er wird nicht all unsere Wünsche erfüllen, aber er will für die wesentlichen Bereiche in meinem Leben verantwortlich sein – Esszimmer, Weinkeller und Speisekammer. Im Esszimmer findet der Alltag statt. Das was mich am Tag beschäftigt, hier kann ich mich darüber austauschen. Mit dem Weinkeller verbinde ich großartige Feste und ausgelassene Freude, egal ob nun mit vielen Leuten oder einer erlesenen Schar an Vertrauten. Gottes besonderer Bereich ist aber die Speisekammer. Er schöpft aus der Fülle – Hoffnung, Gnade, Barmherzigkeit, Liebe und der unbedingten Gewissheit, dass er für mich ist. Darauf vertraue ich besonders mit Blick auf die Karwoche und auf Ostern, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, damit wir gut leben können. Vielleicht schlägt ja doch das Herz eines Butlers in seiner Brust?

Pfarrerin Sabrina Frank, Kirchgemeinde Mülsen

zum Sonntag Lätare, 14.03.2021

Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht. Johannesevangelium Kp. 12, V24

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Vers steckt zweimal das Wort „Sterben“ drin.

Insbesondere im Zusammenhang mit Corona ist uns das Sterben wieder viel „näher“ gekommen. Vielleicht möchten Sie davon eigentlich gar nichts mehr hören.

Allerdings ist uns dadurch auch wieder bewusster geworden, dass das Leben immer tödlich endet.

Und damit stellt sich auch die Frage wofür wir eigentlich leben?

Für die Kinder? Für die Familie? Für den Genuss vieler Freiheiten und Möglichkeiten? Für die Verpflichtungen?

Aber was ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind, sich die Familie aufgelöst hat, Freiheiten und Möglichkeiten schwinden und man von seinen Verpflichtungen entbunden ist?

War dann alles umsonst? Vieles daran ist vergänglich. Und was bleibt dann noch, wenn das, was Sinn gegeben hat, nicht mehr ist?

Sie haben sich investiert und manches davon hat Frucht getragen. Doch alles in allem bleibt es eine Erinnerung an die Vergangenheit.

Unser obiger Wochenvers ist ein Bild für das Ostergeschehen. Jesus Christus stirbt Karfreitag und Ostersonntag kommt er den Tod überwindend zurück.

Seine Auferstehung bringt eine „Frucht“ für mich mit. Er kann mich, wenn ich mich vertrauend an ihm wende, in diese Auferstehung mit hineinnehmen.

Damit bietet er mir ein Leben an, welches mich mit Gott versöhnt, aber auch das Irdische mit dem Ewigen verbindet.

Das eigene Sterben verliert seine Endgültigkeit und seinen Schrecken, weil es nun nur noch eine Tür in die Welt Gottes und seine sichtbare Gegenwart ist.

Außerdem bekommt die Frage nach dem Ziel meines Leben eine ganz neue Dimension. Die Lebensinhalte Familie, Kinder, Verpflichtungen, genießen können usw. bleiben wichtig und richtig, werden aber getragen von der österlichen Auferstehungskraft. So bleibt bei vielen – hoffentlich dankbaren – Rückblicken immer ein hoffnungsvoller Blick nach vorn – was auch immer kommen mag!

Noch einmal: All das ist ein Angebot, das mit dem Vertrauen in Jesus Christus verbunden ist.

Ob Sie das wollen, entscheiden Sie selbst.

Wollen Sie?

Thomas Fischer, Gemeinschaftspastor aus Glauchau

zum Sonntag Okuli, 07.03.2021

Ein Wort von Jesus begleitet uns durch die nächsten Tage, Luk.9,62:

Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. 

In unserer Zeit ist das ein Bild aus vergangenen Tagen. Pferde ziehen den Pflug, dahinter läuft der Bauer. Mit geübter Hand hält er den Pflug in der richtigen Höhe und sorgt zugleich dafür, dass die Pferde die Spur halten. Ich sehe in meiner Erinnerung wie Furche um Furche entsteht. Ich sehe die schweren, von der Arbeit geformten Hände des Bauern. Das Kontrastprogramm ist die neueste Technik.

Da zieht der Traktor nicht nur mehrere Furchen gleichzeitig, sondern er wird auch mit modernster Technik gesteuert. Über Satelliten erfährt der Traktorist auf wenige Zentimeter genau seine Position. Wenn er aus der Spur gerät, so wird es ihm gemeldet. Das ist faszinierend, fast ein wenig Hexerei, wenn man sich die technischen Dinge nicht so direkt vorstellen kann. Schwere Arbeit ist es aber immer noch. Ich freue mich mit dem Bauern über solche Arbeitserleichterungen, aber: Im Zusammenhang mit dem Wort von Jesus geht mir ein anderer Gedanke nach.

Wenn der Bauer früher das Feld pflügte, dann war er im direkten Kontakt zu seinen Tieren und zur Erde seines Feldes. Kennen Sie den Geruch eines frisch gepflügten Feldes? Vermischt mit dem Geruch der Zugtiere, denn für die ist es auch anstrengende Arbeit! In meinen Erinnerungen ist das der Geruch von Kraft, von Wachstum, von Hoffnung auf eine gute Ernte. Je nachdem wie Gott das Wetter und Gedeihen schenkt. Der Bauer schaut nach vorn, das muss er beim Pflügen, um die Furchen gerade und gleichmäßig zu ziehen. Er schaut zugleich nach vorn, weil er bei der schweren Arbeit auch die Hoffnung auf gute Ernte in sich trägt. Ohne diese Hoffnung wäre seine Arbeit umsonst, egal ob mit Pferd und Handpflug, oder GPS gesteuert. Sind nicht auch wir zu jeder Zeit Menschen, die auf dem Feld ihres Lebens ackern? Es gibt verschiedene Lebenszeiten, die sich mit der Arbeit in der Landwirtschaft vergleichen lassen. Und alles was wir tun, dass tun wir doch auch im Vertrauen, dass es Sinn ergibt. Zurzeit steht diese Frage wohl für viele von uns in ganz besonderer Weise. Manchmal gelingt es uns eine oder mehrere Furchen gut zu ziehen. Ein anderes Mal gelingt es uns weniger. Oft ist die Versuchung groß dann nach hinten zu schauen, das Mißlingen immer und immer wieder auszuwerten.

Das Wort von Jesus lädt uns ein nach vorn zuschauen. Und wo wir uns gerade nicht sicher sind, ob die Spur stimmt, unser Augenmerk auf IHN zu richten. Damit wir unser Ziel, das Reich Gottes, nicht aus den Augen verlieren.

Pfarrer Joachim Escher, Langenbernsdorf

zum Sonntag Reminiszere, 28.02.2021

Krankheit hat Macht!

Mein Kollege hält einen Vortrag. Er ist Professor. Doch das zeichnet ihn nicht vorrangig als Fachmann aus. Die Zuhörer fesselt vielmehr, dass er als Betroffener spricht. Hinter dem an Speiseröhrenkrebserkrankten liegen intensive Krankheitserfahrungen: OP, Chemotherapie, Abbruch, Bestrahlung … Was mag er durchgemacht haben?

Er erzählt, wie einem die Krankheit den Boden unter den Füßen wegziehen kann und wie diese ungefragt über Tagesabläufe – ja über das gesamte Leben – bestimmt. Langfristige Planungen sind nicht mehr möglich. Und selbst mit der Kraft, um den Alltag zu meistern, ist es oft nicht weit her.

Krankheit hat Macht! „Diese Macht der Krankheit habe ich mit Wucht und Schmerz erlebt und erlebe sie auch weiterhin so. Sie löst bei mir Trauer aus, Enttäuschung, Wut – und immer wieder Tränen.“ sagt mein Kollege. Doch dann fährt er fort: „Durch Menschen und durch meinen Glauben habe ich aber auch diese andere Erfahrung machen können: Die Krankheit hat aus mir einen veränderten Menschen gemacht – mit Achtung auf das jetzt Wichtige. Mit Respekt vor eigenen Grenzen und denen anderer. Ich erlebe Konzentration statt Ausweitung. Die Grenzen lassen meine Lebenserfahrung in die Tiefe gehen. Mein Leben wird buchstäblich gefüllt. Diese Macht der Krankheit löst bei mir Staunen aus, Freude und – ja, auch neuen Humor.“

Die Worte klingen noch lange in mir nach. Mit etwas Abstand eröffnen sie mir u.a. auch eine neue Sicht auf Corona. Könnte auch diese ungebetene „Macht“, die uns so herausfordert und „schädigt“, zu einer Neubewertung des Lebens führen? Könnte sie gar Staunen auslösen, wie es mein Kollege erlebt hat und wie es der dichtende König David beschreibt?

„Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir.“ (aus Psalm 23)

Pastor Thomas Eichin, Ev.-Freikirchliche Gemeinde Zwickau-Planitz

zum Sonntag Invokavit, 21.02.2021

Wieder einmal stehen Kerzen in manchen Fenstern – diesmal nicht initiiert von den Kirchen, sondern vom Bundespräsidenten der Republik. Das Zeichen steht wiederum für die gebotene „Mitmenschlichkeit“ – diesmal nicht mit den nach wie vor viel zu vielen Flüchtlingen, sondern mit den vielen Opfern der Covid-19-Pandemie: Deren zweite Welle ist stärker über uns gekommen als die erste vor nunmehr einem Jahr. Und eine dritte ist nicht auszuschließen. Zumindest nicht, solange die Menschen mehrheitlich so weitermachen wie bisher … Und was denken wir? Was können wir tun? Wie werden wir uns verhalten?

Solche Fragen stellen sich viele. Besonders diejenigen, die Verantwortung tragen für das Wohl oder Wehe der Menschen nicht nur in unserem Land. In Krankenhäusern und Pflegeheimen wird übermenschliches geleistet. In Regierungen und Verwaltungen oft auch. In der Wirtschaft, in Forschung und Lehre, in der Volksbildung, in Kunst und Kultur – überall stehen Menschen vor bisher nicht gekannten Herausforderungen, auf die sie mit vielen guten Ideen und neuen Entwicklungen reagieren. Wir sollten froh sein, im globalen Kampf gegen das Virus und seine Folgen die Fortschritte miterleben zu können. Wir haben allen Grund zu der Hoffnung, daß dieser Kampf gewinnbar ist. Und wir haben allen Grund zur Dankbarkeit, in diesen Zeiten in einem Land leben zu dürfen, wo solche Hoffnung begründet ist.

So gehen wir in die Passionszeit hinein. Manche mit Kerzen in den Fenstern. Und viele mit Fragen im Hinterkopf, mehr aber noch mit der Hoffnung im Herzen, die gründet in jener Erfahrung, die der Psalm für den kommenden Sonntag Invocavit besingt: Der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. (Ps 91,9.11)

Superintendent i.R. Eberhard Dittrich, Zwickau

zum Aschermittwoch, 17. Februar 2021

(Un)Endlichkeit

„Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein“, sang die Gruppe Karussell in einem ihrer Lieder. Das ist auch der Gedanke des heutigen Aschermittwochs. Jedes Jahr am Beginn der Fastenzeit werden wir daran erinnert, dass wir sterblich sind. In der Katholischen Kirche ist es üblich, sich an diesem Tag mit Asche bezeichnen zu lassen. „Bedenke, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst!“ heißt es da.

Allerdings geht es hierbei nicht darum, uns die Freude am Leben zu vermiesen oder mit bitterernster Miene durch die Gegend zu laufen. Vielmehr sind wir eingeladen, innezuhalten und zu überlegen, was unser Leben im Wesentlichen ausmacht, was ihm Weite und vor allem Tiefe verleiht. Denn alles Materielle, was wir besitzen, wird dann, wenn wir auf dieser Erde den letzten Atemzug getan haben, keine Rolle mehr spielen.

Wer um seine Sterblichkeit weiß, wird mit Sicherheit andere Prioritäten setzen als jene, die nur an sich und an das Hier und Jetzt denken.

Am Aschermittwoch beginnen wir einen Weg, der im Osterfest mündet. Zu Ostern schließlich feiern wir, dass es einen gibt, nämlich Jesus Christus, der uns eine ewige Zukunft schenken möchte.

Der Aschermittwoch will uns helfen, unser Leben vom Ende her zu betrachten. Dahinter steht die Einladung: Lebe dein Leben, das unendlich reich und schön ist, mit offenen Augen und Herzen und vor allem mit Liebe gegenüber Gott, deinen Mitmenschen und dir selbst! Denn wer das tut, der kann am letzten Tag – wann immer dieser auch sein wird – sagen: Es war ein gutes und vor allem sinnerfülltes Leben.

Bereits am Aschermittwoch werden wir auf unser Ziel verwiesen. Und dieses liegt für alle, die Gott ihr Vertrauen schenken, in seiner Ewigkeit. Ja, dieser Gott führt uns aus der Endlichkeit dieser Welt in die Unendlichkeit seines himmlischen Reiches. Vorstellen kann ich mir das nicht, wohl aber daran glauben und mich bereits heute darauf freuen.

Markus Böhme

Der Autor ist Pfarrer der Römisch-katholischen Pfarrei Heilige Familie Zwickau und Dekan des Dekanates Zwickau.

zum Sonntag Estomihi

„Was vermissen wir am meisten ?“

Was würden ich tun, wenn die Pandemie auf einmal vorbei wäre, und alle Beschränkungen plötzlich ein Ende hätten ?

Diese Frage hat sich bestimmt manch einer gestellt in den letzten Wochen und Monaten.

Und die Antwort auf diese Frage zeigt uns auch, was uns im Leben wirklich wichtig ist, und was wir im Moment an meisten vermissen…

Treffen mit Freunden oder der Familie ? In Urlaub gehen ? Einfach mal wieder das Leben unbeschwert genießen ? Etwas Kulturelles genießen oder einen Gottesdienst mit vielen anderen besuchen und dabei von Herzen singen und Gott loben ?

Was vermissen wir am meisten ? Man könnte auch fragen: Was macht unser Leben wirklich lebenswert ?

Was brauchen wir am meisten, wenn es darum geht, dass es unserem Leben Sinn gibt ?

Jesus sagte einmal einen Satz, der sehr bemerkenswert ist:

›Der Mensch lebt nicht nur von Brot; er lebt von jedem Wort, das Gott spricht.‹

Seit Monaten vermissen viele Menschen schmerzlich die Normalität ihres bisherigen Lebens. Und jeder, der die Augen offenhält, der weiß, dass wir Menschen auf Gemeinschaft mit Anderen angewiesen sind.

Es reicht eben nicht, einfach nur gesund zu bleiben, – biologisch am Leben zu sein. Wir leben von dem Miteinander und den Beziehungen, die für uns so wichtig sind. So hat uns Gott gemacht und geschaffen. Wenn wir uns nur auf den Rat von Virologen verlassen, bleiben wir vielleicht am Leben, -aber wieviel Leben bleibt noch in uns?

Aber der Satz von Jesu weißt uns auf etwas hin, was noch wichtiger ist, als diese Gemeinschaft und Beziehungen untereinander: Es ist die Beziehung zu Gott und das Hören auf ihn!

Jesus wusste und weiß, dass wir diese Botschaft von Gott brauchen, um innerlich gesund und heil zu sein, -so wie Gott es sich gedacht hat. Wir müssen von der Liebe Gottes zu uns erfahren.  Wir brauchen seine Annahme und seine Ordnungen für ein gelingendes Leben. Wir brauchen seine Lebensenergie und sein Liebe, die uns dazu befähigt etwas geben zu können.

Diese Beziehung zu Gott und der Kontakt zu ihm ist jederzeit und überall möglich, – auch in der Pandemie oder in Krisenzeiten.

Wir haben es mit einem sooo guten Gott zu tun. Durch Jesus hat er seine Liebe gezeigt und er möchte mit uns in Beziehung kommen.

Reden sie mit ihm. Schütten sie ihm ihr Herz aus und antworten sie ihm auf sein Angebot der Vergebung und der Berührung, die er uns geben möchte.

Ich wünsche ihnen dabei Gottes Segen,

Jahn Bayer

Pastor der Elimgemeinde Glauchau

zum Sonntag Sexagesimä

Liebe Leser,

kennen Sie das? Sie sitzen über einer wichtigen Arbeit am Schreibtisch, „friemeln“ gerade irgendetwas oder versuchen, das fertig zu bekommen, was Sie sich schon seit Monaten vorgenommen haben.

Da klingelt das Telefon, da stürzt jemand ins Arbeitszimmer oder die Werkstatt, da will jemand etwas ganz anderes von Ihnen. Ich bin in solchen Momenten erst einmal bedient und es fällt mir dann schwer, zuzuhören, was der andere gerade von mir will. Ja, für ihn ist das sicher superwichtig! Aber auch für mich? Ich mache dann oft „zu“ und grummele innerlich vor mich hin. Ungeduldig warte ich, was der Andere zu sagen hat, höre aber oft nur halb zu. Doch das ist gefährlich und manchmal erschrecke ich, dass ich so „dichtgemacht“ habe, weil die Sache des anderen wirklich wichtig ist, weil er meine Hilfe braucht oder einfach nur jemanden sucht, mit dem er das teilen kann, was ihm auf der Seele brennt.

Was für meine Mitmenschen gilt, das gilt auch für Gott. Ich habe schon oft erlebt, dass er mit mir „reden“ will, wenn ich eine Predigt anhöre, Bibel lese, wenn mich ein anderer Christ anspricht, wenn mir plötzlich Dinge in den Kopf schießen, die sicher von Gott kommen. Auch hier stehe ich in der Gefahr, das zu ignorieren, auszusitzen, zu verschieben oder gar abzulehnen.

Der Bibelvers, der uns in den morgigen Sonntag und die kommende Woche hinein begleiten möchte, warnt davor.

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3, 15 EU)

Wenn Gott uns anspricht ist das nicht nur ein Privileg für uns Menschen, denn der Herr des Universums, nennt uns seine Kinder – es ist auch „tagaktuell“!  HEUTE!

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Sie auf vielfältige Weise (neu) zu ihnen spricht und dass Sie das auch hören und zulassen können, selbst wenn es in einem scheinbar unmöglichen Moment passiert. Probieren Sie es aus und versetzen sich in „Hörbereitschaft“ für Gottes Stimme in Ihrem Leben.

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord          

Liebe Leser,

kennen Sie das? Sie sitzen über einer wichtigen Arbeit am Schreibtisch, „friemeln“ gerade irgendetwas oder versuchen, das fertig zu bekommen, was Sie sich schon seit Monaten vorgenommen haben.

Da klingelt das Telefon, da stürzt jemand ins Arbeitszimmer oder die Werkstatt, da will jemand etwas ganz anderes von Ihnen. Ich bin in solchen Momenten erst einmal bedient und es fällt mir dann schwer, zuzuhören, was der andere gerade von mir will. Ja, für ihn ist das sicher superwichtig! Aber auch für mich? Ich mache dann oft „zu“ und grummele innerlich vor mich hin. Ungeduldig warte ich, was der Andere zu sagen hat, höre aber oft nur halb zu. Doch das ist gefährlich und manchmal erschrecke ich, dass ich so „dichtgemacht“ habe, weil die Sache des anderen wirklich wichtig ist, weil er meine Hilfe braucht oder einfach nur jemanden sucht, mit dem er das teilen kann, was ihm auf der Seele brennt.

Was für meine Mitmenschen gilt, das gilt auch für Gott. Ich habe schon oft erlebt, dass er mit mir „reden“ will, wenn ich eine Predigt anhöre, Bibel lese, wenn mich ein anderer Christ anspricht, wenn mir plötzlich Dinge in den Kopf schießen, die sicher von Gott kommen. Auch hier stehe ich in der Gefahr, das zu ignorieren, auszusitzen, zu verschieben oder gar abzulehnen.

Der Bibelvers, der uns in den morgigen Sonntag und die kommende Woche hinein begleiten möchte, warnt davor.

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3, 15 EU)

Wenn Gott uns anspricht ist das nicht nur ein Privileg für uns Menschen, denn der Herr des Universums, nennt uns seine Kinder – es ist auch „tagaktuell“!  HEUTE!

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Sie auf vielfältige Weise (neu) zu ihnen spricht und dass Sie das auch hören und zulassen können, selbst wenn es in einem scheinbar unmöglichen Moment passiert. Probieren Sie es aus und versetzen sich in „Hörbereitschaft“ für Gottes Stimme in Ihrem Leben.

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord          

zum Letzten Sonntag nach Epiphanias

Licht der Welt

Morgen, am letzten Sonntag im Weihnachtskreis, blicken wir nochmal zurück auf Weihnachten, das uns den beschert hat, der das Licht der Welt ist.

Gleichzeitig blicken wir zurück auf ein Jahr Pandemie, die es für viele hat dunkel werden lassen.

Dabei fiel mir eine Szene ein, die schon Jahre zurückliegt:

Ich hatte in Zwickau zum Stadtfestgottesdienst auf dem Hauptmarkt gepredigt. Es ging um Jesus, um seine Auferstehung und die Hoffnung, die damit verbunden ist. Danach saß ich noch auf einer Bank und genoss die Musik, die von der Bühne schallte. Ein Mann setzte sich zu mir und fragte: Glaubst Du die Märchen, die Du da erzählt hast, eigentlich selbst? Ich bejahte. Wir sprachen darüber, was Jesus für mich bedeutet, dass ich ihn erlebt habe u.a. in der Zeit meiner Krankheit. Dass ER gerade da das Licht am Ende des Tunnels für mich war.

Ja, wir sehnen uns nach diesem Licht, danach, dass dieses Scheiß-Virus endlich verschwindet und wir wieder normal leben können. Es kann doch nicht immer so weitergehen mit der Angst vor Ansteckung oder zu sterben. Es kann doch nicht immer so weitergehen mit Einschränkungen, Distanz halten, Einsamkeit, wirtschaftlichen Ängsten.

Im 2.Petrusbrief steht:

Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unsres Herrn Jesus Christus. Ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht …

Ja, wir sehnen das Ende des Tunnels herbei. Die sinkenden Infektionszahlen lassen uns ein Licht erkennen. Wir hoffen, dass es das Ende des Tunnels ist. Wissen es aber nicht. Aber wir glauben an den, der das Licht ist. Das ist für uns kein Märchen. Wir glauben an den, der gekommen ist, um uns in der größten Dunkelheit Hoffnung und Kraft zu geben. Wir glauben an den, der uns Geduld und Stärke gibt und größer ist, als alles, was uns bedrückt. Lasst uns zuversichtlich sein und auf den blicken, der gekommen ist und einst wiederkommen wird. Lasst uns zuversichtlich sein, selbst wenn es keinen Grund dafür gibt. Denn der Morgen naht, die aufgehende Sonne. Das Licht am Ende des Tunnels ist keine Illusion, sondern unsere in Christus begründete reelle Hoffnung. Lasst diese Hoffnung und nicht die Dunkelheiten Euer Leben bestimmen!

Pastor Lutz Brückner, Ev.-meth. Kirche Kirchberg

zum 3. Sonntag nach Epiphanias

Alle an einem  Tisch

Bei einem Fest gemeinsam am Tisch sitzen, das ist ein Erlebnis, das fast alle schon bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Empfängen gemacht haben. Diese Erfahrung wird aus dem Mund Jesu zu einer Zukunftshoffnung. „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes.“ Dieser Satz ist der biblische Spruch für die kommende Woche. Er zeigt eine Vision des Friedens: Alle an einem Tisch. Jesus selber hatte Tischgemeinschaft mit extrem unterschiedlichen Leuten.  Das brachte ihm den Vorwurf ein: „Dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Sünder und Zöllner.“ Verschiedene Charaktere, unterschiedliche Hautfarben und Sprachen, Fremde, Ausländer aus allen Himmelsrichtungen, alle sitzen an einem Tisch. Kann das gut gehen? In den Augen Jesu schon. Es gleicht einem Wunder.

Derzeit müssen wir, Corona bedingt, leider allein am Tisch sitzen. Kirchgemeinden laden zum Osterfrühstück, zum Kirchenkaffee, zum Mittagessen ein. Bequem und einfach scheint es zu sein, mit Gleichgesinnten, nur mit den eigenen Freunden an einem Tisch zu sitzen. Jesus weitet den Blick und unseren engen Horizont in alle Richtungen, nach Osten und Westen, nach Süden und Norden. Wer es schon erlebt hat, z.B. mit Tschechen, Holländern, Italienern oder Finnländern an einem Tisch zu sitzen und über Fragen unseres Lebens und Glaubens zu diskutieren, weiß, welcher Gewinn in solchen Begegnungen liegt. „Runde Tische“ waren beim Übergang von der DDR zur BRD ein Instrument, um unterschiedliche Interessen auszugleichen und Wege in die Zukunft zu finden. Tischgemeinschaft unterschiedlicher Menschen ist eine kleine Geste, aber ein großes Hoffnungszeichen für die Zukunft der Welt.

Superintendent i. R. Wolfgang Gruner, Hohndorf

zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Röm 8,14

Das Leben scheint manchmal wie ein Besuch im Jobcenter. Lange, nichtssagende Gänge. Man sucht sich von Schalter zu Schalter und fragt sich beständig, ob man hier richtig ist. Immer weiter geht es, man hangelt sich von Station zu Station. Irgendwo in dem ganzen undurchsichtigen Getriebe tauchen Stühle auf, wo ich zwischen vielen anderen warten muss. Wird es was geben? Habe ich eine echte Chance oder lande ich irgendwo, wo ich nie hinwollte? Gerade in so einer chaotischen Zeit, wie der jetzigen, ist das doch nie ganz klar. Mit den Arbeitsplätzen nicht. Und schon gar nicht mit dem Leben!

Lande ich bei der Zeitarbeitsfirma der Angst, immer von einer Sorge in die nächste gestürzt und bin nur wert, was ich wieder einbringe? Werde ich dort ausgequetscht, bis ich nichts mehr geben kann. Oder treibt es mich zu einem Billiglohnanbieter des Müssens, bei dem ich mich selber abrackere bis ich nicht mehr weiß, warum ich das alles eigentlich tue? Und nicht darüber nachdenken kann, weil ich dann das Pensum nicht schaffe? Mit etwas Glück wird es das Callcenter der Selbstdarstellung. Immer im Mittelpunkt stehen und von einem Erlebnis zum nächsten springen, aber im Grunde ist es nur eine Computerstimme die mich lenkt, ohne Lebenskraft und ohne Selbst.

Was treibt mich an im Leben? Will ich mich wirklich von Angst und Sorge oder von dem ewigen Müssen und Sollen und meinem Wunsch nach Selbstinszenierung leiten lassen? Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder! Kein Zeitarbeit, sondern Kindschaft wartet bei Gott auf mich. Er ist keiner, dem ich erst beweisen muss, was ich zu leisten vermag; keiner bei dem ich nur wert bin, was ich wieder einbringe. Sondern einer der mich annimmt, wie ich komme: als erfolgreicher Unternehmer genauso wie als Unvermittelbarer.

Ihre Dominique Meichsner, Vikarin der Kirchgemeinde Glauchau

zum 1. Sonntag nach Epiphanias

Seid nicht bekümmert, denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.

„Die beste Depression der Welt“ heißt ein Buch einer Poetryslamerin, das meine Aufmerksamkeit erregte.

Ein Leben voller Sorgen und Ängste hat niemand gern. Es macht antriebslos und traurig. Aber manchmal fühlt sich das Leben eben so an und kommt mit objektiv nachvollziehbaren Gründen ausgebremst daher. Hin und wieder kann man die Probleme und Ursachen ganz einfach aus der Welt schaffen. Aber was ist wenn die eigene Machbarkeit nicht ausreicht? Was wird dann zur Quelle meiner persönlichen Stärke?
Der obige Vers ist eingebettet in ein Gemeinschaftsgeschehen: Nehemia und Esra haben das Volk Israel um sich versammelt und lesen ihnen nun in aller Ausführlichkeit das Gesetz Gottes vor und geben hilfreiche Erklärungen dazu ab. Das Volk hörte zu und antwortete auf die Lesungen mit Lobgesängen und Gebeten. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. Das Gesetz hatte ihnen wie ein Spiegel vor Augen geführt, dass sie fehlbar waren. Da hilft auch nicht unbedingt ein ablenkender Gesang – jedenfalls dann nicht wenn man in den Alltag zurückkehrt. Esra und Nehemia legen nach. Aber nicht indem sie das Volk durch geschickte Hinweise und Taten weiter erniedrigen. Vielmehr laden sie ein das Leben ganz praktisch zu genießen: gutes und reichliches Essen zu sich zu nehmen, dass man teilen kann. Nicht ständig und ausführlich vor allen anderen die eigenen Probleme und Schwächen austeilen,  sondern lieber etwas mehr schweigen. Und das alles nicht als Verdrängung sondern als Stärkung. Die Stärke steckt nicht im eigenen Gut-Sein. Sie kommt allein von Gott. Und das ist Grund zur Freude. Es gibt Tage und Zeiten, die sind ausersehen für Gott. Und Gott ist der Ursprung und Erhalter allen Lebens. Schauen wir also im Glauben getragen auf ihn und nehmen unsere Angst als Hinweisschild zu dem, der stärker ist als alles was ängstlich und traurig macht.

Dagmar Behnken, Gemeindepädagogin Stadtkirchgemeinde Zwickau

zum Neujahrstag

Ein komisches, seltsames – ein ganz anderes Jahr liegt hinter uns. Für manch einen reichen diese Beschreibungen vielleicht aus. Für andere würden negativere Beschreibungen für das Jahr 2020 sicher besser zutreffen, für manche vielleicht auch bessere. Jetzt beginnen wir ein neues Jahr. Wir wissen nicht was in diesem Jahr auf uns wartet, ob Geplantes so stattfinden kann und was unvorhergesehen auf uns zukommt. Über jedem Jahr steht ein Bibelvers, die Jahreslosung. Die Jahreslosung für das Jahr 2021 lautet: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6,36). Barmherzigkeit ist mehr als nur ein Begriff, den wir mit Gott in Verbindung bringen. Barmherzigkeit meint praktische Nächstenliebe, versuchen Gottes Herz zu verstehen, mit seinen Augen zu sehen und die uneigennützige Umsetzung dieser Dinge. Wir Menschen neigen dazu zuerst an uns selbst zu denken, aber in der Jahreslosung fordert Jesus auf, dass wir auf die anderen sehen sollen, ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten sollen, ohne von ihnen eine Gegenleistung zu erwarten. Wir sollen versuchen, so zu handeln wie Gott es machen würde, die Menschen so sehen wie er sie sieht. Da frage ich mich: „Geht das? Und wie mache ich das?“. Ich glaube bei Menschen, die wir selbst lieben, oder zumindest sympathisch finden, fällt uns das ziemlich leicht. Aber was ist mit den Menschen, die uns oder anderen Verletzungen zugefügt haben? Was ist mit den Menschen, die man nicht leiden kann oder sogar hasst? Wie kann man diese Menschen mit Gottes Augen sehen? Könnte ich diesen Menschen uneigennützig helfen, wenn sie in Not wären? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich habe auf viele meiner Fragen selbst keine Antwort. Ich vertraue darauf, dass Gott meinen Weg leiten wird, vielleicht gerade im Umgang mit den Menschen, denen ich am liebsten nie wieder begegnen würde. Ich vertraue darauf, dass Gott in diesem neuen Jahr bei mir und bei Ihnen ist und unseren Weg leiten wird und möglicherweise zu einem helleren Jahr machen wird, als es das Letzte war. Ich wünsche Ihnen diese Zuversicht und das Vertrauen auf Gott, der sie in diesem neuen Jahr begleiten wird.

Gemeindepädagogin Linda Bauch, Meerane

zum Heiligen Abend

Weihnachts-Kaleidoskop

Vor wenigen Tagen drückt mir meine jüngste Tochter ein Kaleidoskop in die Hand. Ich schaute hindurch und vor meinem Auge strahlte es plötzlich in den buntesten Farben. Sprühendes Rot und leuchtendes Gelb. Eine kurze Drehung genügt und daraus wird dunkles Grün mit einigen blauen Farbsprenkeln. Ich drehe zurück, doch schon leuchten ganz andere Farben und Formen auf.

Ist Weihnachten dieses Jahr nicht wie ein Blick durch das Kaleidoskop? Wir sehnen uns nach dem Rot, der Farbe für das Fest der Liebe, und nach Gold, nach Herrlichkeit, nach Majestät, nach Schein und überbietender Fülle. Dann ein kleiner Schlenker der Welt – und alles fällt klirrend auseinander. Wir drehen und wir wenden, aber das Bild vor unserem Auge wird nicht wieder so rein, so perfekt, wie es gewesen und herbeigesehnt ist. Wir haben es in der Hand und sind doch nicht einmal in der Lage, Glassplittern zu befehlen.

Wenn wir ehrlich sind, war auch in den Jahren davor nicht alles golden: misslungene Klöße, verschmähte Geschenke, Familienstreit. Der eine saß arbeitslos, die andere trauernd unter dem Weihnachtsbaum. Schwarze Sprenkel wie seine Hoffnungslosigkeit. Blaue Sprenkel wie ihre Tränen.

Die Original-Weihnachtsgeschichte zeigt wenig Gold und Purpur. Eher Braun, wie der Stall, der kaum genug war, um Zuhause zu heißen und doch das einzige bisschen Schutz für Maria und ihr Kind. Blau wie der einsame Nachthimmel über den Hirten, bevor ihn die Engel und ihre Botschaft mit Licht fluteten. Grau, wie die beschwerlichen Wege, auf denen die Weisen seit Wochen unterwegs waren, ohne Gewissheit, was vor ihnen liegt, und einem immer länger werdendem Rückweg.

Die Botschaft von Weihnachten ist nicht: Siehe, ich mache alles purpurn und golden. Sondern sie ist: Gott ist da! In allen Farben, die dein Leben bereithält. In braun und blau und grau und bunt. Darum: fürchte dich nicht! Für dich ist heute der Heiland geboren!

Was sehen Sie in Ihrem Weihnachts-Kaleidoskop?

 „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Ihre Dominique Meichsner, Vikarin der Kirchgemeinde Glauchau

zum 4. Advent

Wochenspruch: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!  Phil 4,4.5b

Freut Euch! – Also, wenn ich das meinen Nachbarn zurufe, werden die mir wohl den Vogel zeigen!
Wenn es gerade KEINEN Grund gibt, sich zu freuen dann ist das JETZT!

Meine Frau und ich feiern „coronabedingt“ das erste Weihnachten seit 28 Jahren, ohne dass eines unserer Kinder dabei sein kann, geschweige denn unser kleiner Enkel!

Ich bin nicht so der „Shoppingtyp“, aber die Einzelhändler und Gastronomen aus unseren Gemeinden, sind mir schon sehr nahe und die haben gerade wenig Grund zu Freude. Meine Freunde, die in Arztpraxen, Seniorenheimen und bei Pflegediensten schuften, haben auch kaum Grund zur Freude und wenn ich an unsere Weihnachtsgottesdienste denke, treibt es mir die Tränen in die Augen…

Und dann das – Paulus, ein Wanderprediger, der mehr erreicht hat als alle anderen nach ihm, schreibt diesen Satz an seine „Lieblingsgemeinde“ in Philippi, der ersten christlichen Gemeinde auf europäischem Boden. Freut Euch gefälligst!!

Naja, vielleicht sollte ich mal genau hinschauen, was der Paulus meint: „Freuet Euch in dem Herrn!“, schreibt er und so komisch das auch klingt, er meint: Schaut auf Jesus!

Weihnachten ist eben nicht (nur) das Fest der Familie (die ich unendlich liebe), der Geschenke (auf die ich mich freue!) sondern im Wesentlichen der Geburtstag von Jesus. Dieses Baby hat die Welt verändert, wie kein anderer Mensch – eine ganze Zeitrechnung ist nach ihm benannt!

Er will und muss auch nicht zwingend von uns „besucht“ werden – er kommt zu uns! In unsere Häuser und vielleicht auch in unsere Herzen als der, der die Brücke zwischen dieser Welt mit allen ihren Problemen und der neuen Welt Gottes baut, in die er uns einlädt. Haben Sie auch Lust über diese Brücke zu gehen? – Dann können wir uns wirklich gemeinsam freuen!

Pfarrer Jens Buschbeck, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum 3. Advent

Bereitet dem HERRN den Weg, denn siehe, der HERR kommt gewaltig

Jesaja 40 aus Vers 3 und 10 – Lutherbibel

Liebe Leserinnen und Leser,

können sie sich noch an die Zeiten erinnern, als Sie mit ihren Freunden Schlitten fahren waren?

Ich erinnere mich, wie wir an einem belebten Rodelhang immer wieder gerufen haben: „Bahn frei, Bahn frei!“ 

Damit war angezeigt, dass wieder ein Schlitten kommt und niemand im Weg herumstehen soll.

So ähnlich meint es der obige Ausspruch auch. Einen Weg bereiten bedeutet hier auch „die Bahn frei machen“. Es muss aus dem Weg geräumt werden, was die Durchreise des HERRN behindert.

Mit HERR ist hier Gott gemeint. Großbuchstaben werden hier verwendet, weil im Grundtext dafür der biblische Selbstname Gottes steht. Also, wie in meinem Fall nicht „Herr Fischer“, sondern der „FISCHER“.

Wenn Sie sich einmal kurz auf diesen Gedanken einlassen dass GOTT zu Ihnen kommen möchte. Was müsste dann bei Ihnen alles aus dem Weg, bzw. aufgeräumt werden? Aufräumen heißt dann nicht, einfach alles Unpässliche in die Kammer schmeißen, sondern tatsächlich Ordnung schaffen.

Denn wenn Gott Sie besuchen würde, würde er auch wissen, was Sie nur „unter den Teppich gekehrt haben“.

Dieses geordnete Aus-Dem-Weg-Räumen ist Advent. Weihnachten kommt GOTT in Jesus Christus zu uns Menschen um zu bleiben, nicht nur mal kurz auf Besuch.

Sein Weihnachtgeschenk ist himmlischer Frieden, weil er bleibt. So bescheinigt er meinem Leben: Es ist alles an seinem Platz, das Leben ist aufgeräumt. Der Sperrmüll und der Messikram an Unansehnlichkeiten, den ich zusammengetragen habe, wird von Jesus wie von einer Müllabfuhr abgeholt und endgültig aus der Welt geschafft.

Nun blitzt es fast so, wie in den himmlischen Gemächern Gottes.

Es lässt sich befreit leben.

Wenn das nicht gewaltig ist?!

Zumindest für diejenigen, in deren Leben wieder eine himmlische Frische eingezogen ist.

Also dann, nutzen Sie den restlichen Advent, um mit Gott ins „Reine“ zu kommen, dass Weihnachten werden und bleiben kann.

Thomas Fischer, Gemeinschaftspastor aus Glauchau

zum 2. Advent Tag des heiligen Nikolaus

„Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freun, lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nikolausabend da, bald ist Nikolausabend da“, so beginnt ein Kinderlied.

Am 6. Dezember denken wir an den heiligen Nikolaus, einen Freund der Kinder. Der Legende nach lebte er in der Stadt Myra, in der heutigen Türkei. Damals herrschte eine große Hungersnot. Niemand hatte mehr Geld, um damit Brot oder Lebensmittel zu kaufen. Eines Tages legte im Hafen von Myra ein Schiff an. Es war auf dem Weg nach Rom und voll mit Getreide beladen. Auf Anfrage zum Erwerb der wertvollen Ladung, verlangte der Kapitän Kinder oder Gold für das Getreide. Die Not war groß, Gold war nicht  mehr vorhanden. Sollten sie verhungern oder doch die eigenen Kinder in die Sklaverei verkaufen? Da half Bischof Nikolaus aus der Not. Er gab dem Kapitän den ganzen Kirchenschatz. Der war damit zufrieden und verteilte reichlich Getreide. Der Bischof rettete die Stadt vor der Hungersnot und die Kinder vor dem Sklavendasein. Seitdem verehrt die Kirche den heiligen Nikolaus als Beschützer und Freund der Kinder.

Es werden noch andere Geschichten über Nikolaus erzählt:

In Myra wohnte ein reicher Kaufmann. Er wollte viel, am besten alles, besitzen. Die Menschen in der Stadt meinten, er hätte ein Herz aus Stein.  Um seine Reichtümer und Schätze zu beschützen, baute der Kaufmann eine Mauer um sein Haus. Er dachte, niemand könne ihm jetzt  etwas wegnehmen.  Er war nun zwar der reichste Mann  der Stadt, gleichzeitig aber auch der einsamste Mensch in Myra.  Alle machten einen großen Bogen um ihn. Eines Tages ging Nikolaus zu dem Kaufmann und klopfte an seine Tür. Der Kaufmann ließ ihn widerwillig in sein Haus. „Ich will mit Dir nur etwas reden und Zeit verbringen“ sagte Nikolaus. “ Du bist ein armer und einsamer Mensch“. Nikolaus blieb sehr lange bei dem reichen Kaufmann hörte ihm zu und erzählte ihm über Jesus. Bevor er ging, umarmte er ihn. Der Kaufmann begann mit seinem Geld, Bettler, Kinder und Witwen zu unterstützen. Zuerst fiel ihm das schwer, doch von Tag zu Tag wurde sein Herz immer fröhlicher.  Sein Herz wurde verändert. Es war nicht mehr aus Stein. Er hatte ein lebendiges Herz.

Bischof Nikolaus konnte so handeln und zum Beispiel der christlichen Nächstenliebe werden, weil auch sein Herz von Jesus berührt und verändert wurde. Er wusste, dass Jesus ihn liebt.Wir sind in der Advents- und Weihnachtszeit. Mögen doch nicht nur die Kerzen in unseren Stuben brennen. Lassen wir auch unsere Herzen von der Liebe Jesu entzünden. Bergen wir uns in Gottes Liebe und warten auf seine Gegenwart. Statt: … first , lassen wir doch Jesus first in unserem Leben sein und so dazu beitragen, dass unsere Umgebung und das Antlitz dieser Welt freundlicher und liebenswerter wird.        

Alexander Rifert, Gemeindepädagoge, Glauchau            

zum 1. Advent

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sach 9,9b)

So lautet der Wochenspruch für die kommende Woche. Der Text aus dem Buch des Propheten Sacharja stammt aus hellenistischer Zeit, spätestens dem 3. Jh. vor Christus. Er könnte von heute sein und bei uns, die wir ihn lesen, schwingt ein seufzendes ‚Endlich!‘ mit. Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit und Hilfe, einem Universalrezept gegen ein Virus, dass unser Leben auf den Kopf gestellt hat und dessen Namen wir nicht mehr hören können.

Wir sind innerlich angespannt, genervt, leicht reizbar angesichts der Ungewissheit und der Planungsunsicherheit. Glücklich, wer Familie hat und nicht in einem Singlehaushalt lebt. Traurig, wer Angehörige im Pflegeheim hat, die nicht besucht werden dürfen. Gut, wer arbeiten kann und sein Gehalt bekommt. Schwierig, wen die Zwangspause in Existenzängste bringt. Wir sind es gewohnt, alles im Griff zu haben, unser Leben zu steuern. Und nun haben wir nicht in der Hand, wie lange der derzeitige Zustand andauern wird…

Und dennoch: wir haben ein Zuhause in Sicherheit, wissen uns medizinisch versorgt, wenn es notwendig ist, haben genug zu essen und wer es braucht, kann sich sogar Vorräte halten. Es gibt Länder, in denen Menschen durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder eine medizinische Behandlung in Verschuldung und Armut geraten. In Kriegsgebieten stellt sich für viele Menschen die Frage nach Vorratshaltung nicht, da geht es darum, die Familie in Sicherheit zu bringen und zu überleben.

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Vielleicht lässt uns der Blick auf die, denen es schlechter geht, geduldiger und demütiger werden. Denn das ist das Einzige, was uns gerade abverlangt wird: Geduld, Besonnenheit und Rücksichtnahme. Jammern und meckern hilft uns jetzt gar nicht. Advent ist eine Zeit der Vorbereitung und des Wartens – auf die Geburt des Christkindes. Der Ausblick auf die Heilige Nacht ist uns sicher – auch wenn wir sie dieses Jahr anders begehen als sonst.

Dr. Bianka Röhr, Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Ewigkeitssonntag

Totensonntag / Ewigkeitssonntag – wenn es heißt, Abschied zu nehmen

Es war vor ungefähr vier Wochen. Ich bin mit dem Auto unterwegs Richtung Dresden. Zwischen Siebenlehn und Dreieck Nossen plötzlich Stau. Nichts geht mehr. Nicht vor, nicht zurück. Kurze Zeit später die Durchsage im Radio: Autobahn gesperrt. Schwerer Unfall. Nach gut 1h im Stau bewegt sich langsam wieder etwas. Irgendwann die Unfallstelle: Ein Transporter ist auf einen LKW aufgefahren. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Sichtschutz. Das Internet verrät: Ein Fahrer hat den Unfall nicht überlebt.

Plötzlich ist der Tod, den ich sooft verdränge, ganz nah. Ich erschrecke. Wenn nun ich? Und doch gerät der Unfall schnell wieder in Vergessenheit.

Morgen ist Totensonntag. Viele Menschen besuchen in diesen Tagen die Gräber der Menschen, von denen sie in der Vergangenheit Abschied nehmen mussten. Erinnerungen werden wach, Erinnerungen an Erlebnisse mit ihnen. Und dann spüren sie wieder mehr als sonst, wo er oder sie fehlt. Plötzlich und unerwartet. So lese ich es oft in Zeitung.

Wir Christen sagen zu diesem Sonntag auch Ewigkeitssonntag. Wir vertrauen darauf, dass diejenigen, die uns im Glauben vorangegangen sind, nun geborgen sind Gottes Ewigkeit. Nicht Grab, Urne, Baum oder Meer sind der Zielpunkt meines Lebens. Vielmehr ist mir Ruhe und Frieden in Gottes Ewigkeit verheißen.

Darauf setze ich mein Vertrauen und versuche, mein Leben so zu gestalten, dass ich diesen Blick über diese Welt hinaus behalte – auch wenn es manchmal schwer fällt. Doch das befreit mich und macht meine Leben leichter.

Und dann bete ich die alten Worte aus einem Gebet des Volkes Israel: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

Ich muss die Vergänglichkeit meines Lebens nicht verdrängen oder so tun, als würde mein Leben niemals vergehen. Ich kann mich dieser Wahrheit meines Lebens stellen und habe dennoch eine Zukunft vor Augen. Das befreit mich, meinen Lebensweg klug zu gehen.

Und dann bin ich wieder mit meinem Auto unterwegs oder stehe am Grab eines lieben Menschen. Ich spüre: Ich bin gehalten und geführt – schon heute, wo ich auch dem Tod begegne, und in Ewigkeit.

Pfarrer Matthias Große, Glauchau

zum Buß- und Bettag

Das sollst du mir büßen!

„Das sollst du mir büßen“ ruft der kleine Klaus seinem Bruder zu, der ihm die LEGO-Burg zerstört hat. Der rennt schnell weg und hofft, dass sich Klaus bald wieder beruhigt. Dabei weiß er ganz genau, dass er seinen Bruder sehr geärgert hat…

Der Ruf nach Buße wird immer dann laut, wenn Unrecht geschieht. Der Betrogene oder Geschädigte fordert Rache oder Wiedergutmachung.

Klaus wurde absichtlich geärgert. Manchmal geschieht das aber auch aus Unachtsamkeit oder Gedankenlosigkeit. In beiden Fällen ist aber die Erkenntnis und Einsicht: „Ich habe etwas falsch gemacht“ nicht leicht. Die Fehler der Anderen sieht man meist viel schneller als die Eigenen. Für echte Reue braucht man Mut und Selbstbewusstsein.

Am Mittwoch ist Bußtag. Als einziges Bundesland begehen wir in Sachsen diesen Tag als Feiertag. Diese bewusste Unterbrechung des Alltages gibt uns die Möglichkeit, unser eigenes Leben zu reflektieren. Denn wir sind für unser Tun und Lassen verantwortlich: vor Gott und unserer Umwelt. Wir müssen nachdenken, an welchen Stellen wir bewusst oder unbewusst andere verletzt, geschädigt oder betrogen haben. Das erfordert Mühe und Eigenverantwortlichkeit und tut manchmal weh. Denn viele Ungerechtigkeiten und Verzerrungen bestimmen unseren Alltag. Da ist Selbsterkenntnis und der Wille zur Umkehr nötig.

In der Bibel lesen wir: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute verderben.“ Wenn in einem Volk  Fairness und Gerechtigkeit erstrebenswerte Ziele sind, wird das für alle positive Früchte tragen. Wenn aber Egoismus und Dummdreistigkeit siegen, werden sich chaotische Zustände breitmachen.

Ich möchte den Bußtag nutzen, um mein Leben zu überdenken. Denn ich habe nicht nur LEGO-Burgen, sondern auch viel Wichtigeres zerstört.

Ich muss einsehen, dass ich vieles falsch gemacht habe. Aber mit Gottes Hilfe kann ich mein Leben ändern. Und das ist für mich selbst und meine Umwelt ein Segen.

Pfarrer Andreas Merkel, Hohndorf und Rödlitz-Heinrichsort

zum Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres

„Gott trägt keinen Mundschutz“

Den Satz habe ich vor einiger Wochen bei einer Veranstaltung gehört. Ein Freund betete und machte diese Feststellung…“Danke Herr, dass du keinen Mundschutz trägst…“ 

Er wollte weiterbeten, – kam aber nicht mehr dazu, weil alle Anwesenden so laut anfangen mussten zu lachen, dass es nicht mehr ging…

Auch wenn uns diese Vorstellung belustigt und amüsiert hat, dann ist sie doch genauso einleuchtend. Gott ist nicht distanziert. Er ist nicht diesen Dingen unterworfen. Sondern er will und kann uns nahe sein, und wir dürfen seine Nähe spüren und erfahren.

Wenn wir uns an ihn wenden, hört er uns. Er will gerne Beziehung zu uns haben. Wollen auch wir das ?

Wir Menschen können auf Dauer nicht in Distanz leben. Wir brauchen Kontakte und wir brauchen tiefe und ehrliche Beziehungen. Da sitzen wir alle im selben Boot. Dazu sind wir geschaffen. Auch wenn wir uns schon an soziale Distanz im öffentlichen Leben gewöhnt haben, so brauchen wir die Nähe im persönlichen Bereich. Und doch sind menschliche Beziehung oft so wenig verlässlich und so krisenanfällig…

Gott ist der einzig verlässliche, der nicht unseren Krisen unter-worfen ist. Er hat keine Krankheiten, er hat keine „Unpässlich-keiten“ und er trägt auch keinen Mundschutz J

Leider ist durch die Entscheidung des Menschen ganz am Anfang das Leid und Elend, und auch die Krankheit in die Welt gekommen. Der Mensch entschied sich für die Unabhängigkeit, und für ein Leben ohne Gott, seinen Schöpfer. Sozusagen für eine „soziale Distanz nach oben“…

So berichtet uns die Bibel auf den ersten Seiten (1. Mose 1,26-2,24). Und dies hat den Teufel bevollmächtigt, all das in die Welt zu befördern und zu verstärken, was uns noch heute so zu schaffen macht. Den Unfrieden, das Leid und die Katastrophen. Und auch die  Krankheiten. Die Schöpfung und gute Ordnung in der Welt war nicht mehr perfekt.

Aber Gott will nicht die Distanz. Er sucht unsere Nähe. Er hat sie über die Jahrhunderte immer wieder gesucht. Und er kam selber auf diese Welt, – durch Jesus. Er zeigte, wie Gott ist und er schuf einen Weg aus der Distanz heraus. Wieder in die Nähe Gottes zu kommen. Jesus trug die Strafe für unseren Aufstand gegen Gott und für unsere Gottlosigkeit. Er hat am Kreuz darüber gesiegt. Vergebung steht für uns bereit. Und damit auch der Weg in die Nähe Gottes.

Seien sie mutig und wenden sie sich an ihn.

Reden sie mit Gott. Er wartet auf sie.

Ich wünsche ihnen dabei Gottes Segen,

Jahn Bayer

Evangelische Christengemeinschaft Elim Glauchau

zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Wahl 

Die Tage der vergangenen Woche forderten eine besondere Aufmerksamkeit. Am Samstag, Reformationstag, stellte sich eine neue Pfarrerin für die Stadtkirchgemeinde vor. Am Sonntag feierte ich Kirchweihgottesdienst in Bockwa, am Montag trat die neue Corona-Schutzverordnung in Kraft. Kurz gesagt, am Wochenende war noch ziemlich alles „normal“, am Montag bereits alles anders. Aber nicht nur mir ging es so, sondern auch vielen Mitmenschen. Am Wochenende waren noch einige unterwegs. Es war Betrieb in der Stadt, auf den Straßen und in den Gaststätten. Am Montag wurde es ziemlich still. Die Gaststätten wurden geschlossen. Und während ich noch am Vermitteln und am Klären war, was die Schutzverordnung für die Kirchgemeinden bedeutet, versorgte mich das Smartphone mit Push-Nachrichten zur Präsidentenwahl in den USA und mit Meldungen welche die Sinnhaftigkeit der neuen Verordnung interpretierten. Einmütigkeit gab es nicht. Nicht in den Berichten aus den USA, nicht in den Berichten im Umgang mit der neuen Schutzverordnung. Die Welt stellte sich dar wie sie ist: bunt und in machen Entwicklungen gegenläufig. Sie ist auf der Suche nach dem was notwendig ist und durchträgt und auf dem Weg mit dem, was sich entwickelt und trotzdem nicht abschließend geklärt werden kann. Am Abend dann plötzlich eine weitere Meldung: Attentat in Wien. Stadt im Ausnahmezustand. Was soll ich tun? Ich spüre, wie mich das alles aufwühlt. Warum können Amerikaner nicht endlich vernünftig sein und Präsidenten wählen, die diesen Namen verdienen? Warum gibt es Terror und Gewalt? Warum leugnen manche dass es Corona gibt wo doch Menschen daran sterben. Die Stimme einer jungen Amerikanerin klingt ermutigend nach: So erziehen wir doch unsere Kinder nicht! Liebe, Wahrheit, Frieden, Achtung der Menschenwürde und Gerechtigkeit, das wollen wir ihnen mitgeben. „Amerika ist eine starke Demokratie“ erklärte der Bundesaußenminister Heiko Maaß am Mittwoch. Die Institutionen des Landes und der Rechtsstaat hätten schon „mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie auch in schwierigen Situationen funktionieren und kritische Fragen im Sinne demokratischer Prinzipien klären können. Wir müssen nun Geduld haben.“ Ich wünsche, dass er Recht behält und höre in mich hinein. Worte des Apostels Paulus fallen mir dabei ein. Sie sind der Wochenspruch und haben mich in den vergangenen Wochentagen in manchen Entscheidungen und Beratungen begleitet: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römerbrief 12,21) Das ermutigt mich Gutes anzunehmen und das Gute weiterzudenken. Dass es Menschen gibt, die auch in der Krise für Grundwerte streiten und auf andere Acht haben gibt mir Kraft. Dass es Menschen gibt, die andere schützen und sogar ihr Leben für sie einsetzen, macht mich demütig. Und dass es Gott gibt, von dessen Liebe und Wort ich für den Alltag lernen kann, macht mich zuversichtlich.

Das Böse, das uns so einschüchtert und manchmal so unüberwindbar scheint, wartet – so sagen es die Mystiker – eigentlich darauf erlöst zu werden. Es wartet darauf, mutig durchschaut, entwaffnet und umarmt zu werden. Vielleicht hilft uns dieser Gedanke durch die kommenden Tage denn eine Wahl haben wir immer.

Superintendent Harald Pepel, Kirchenbezirk Zwickau

zum Reformationsfest 2020

Am Reformationstag wird an Luthers Thesenanschlag 1517 in Wittenberg erinnert, an seinen Protest gegen die Praxis, man könne das Heil mit Geld erwerben, an seine Erkenntnis, dass Gottes Gnade den Menschen erlöst und nicht seine Leistung. Gnade, dieses zentrale Wort für Luther, ist uns heute eher fremd. Aber das Gefühl des Nicht-gewollt-Seins, des Nicht-Genügens und das daraus resultierende ständige Streben nach Anerkennung kennen viele. Einerseits stehen wir unter dem permanenten Zwang zur Selbstoptimierung, denn der Grad an Unverwechselbarkeit und der Marktwert sind immer noch steigerbar. Andererseits kann, ja soll der Einzelne den Ansprüchen gar nicht genügen. Denn nur die Diskrepanz von Erreichtem und Verlangtem bringt die entscheidende Motivation zur steten Selbstverbesserung hervor. Die Überforderung ist gewollt, erzeugt sie doch jene fortwährende Anspannung, die den Einzelnen niemals zur Ruhe kommen lässt. Siegeszwang und Konkurrenzkampf, Schönheitskult und Diätstress, Handysucht und Beachtungswahn – so sind alle ständig mit sich und ihren Leistungen beschäftigt, um ihre innere Not nicht spüren zu müssen: Bin ich willkommen, akzeptiert und geliebt, gehöre ich dazu, so, wie ich bin, allein deshalb, weil es mich gibt? Wann reicht „es“ denn endlich mal? Was in der Regel heißt: Wann reiche ich denn endlich? „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1 Kor 15). Mag sein, dass dieses Wort für viele von uns zu fern klingt. Ein jeder Mensch aber lebt von einer Akzeptanz, einem Wohlwollen, einer Bestätigung, die unbedingt ihm gelten muss, die er sich nicht erst erkämpft, erarbeitet, erleistet, abquält. Der Gott des Marktes „erlöst“ nur jene, die sich seiner als würdig erweisen und (sich) ihm opfern. „Jeder ist seines Glückes Schmied“ heißt ja umgekehrt: „Jeder ist an seinem Versagen selber schuld“. Wenn ich morgen zu alt, zu langsam oder krank bin, kann mir die Gnade entzogen werden. Vertraue ich den gnadenlosen Leistungsimperativen, bleibe ich auf Selbstoptimierung, Arbeit und Konsum fixiert und werde nie zur Ruhe kommen.

Wo und durch wen erfahre ich Gnade in einer gnadenlosen Welt? Der Glaube daran, von Gott vorbehaltlos angenommen zu sein, ermöglicht es, aus dem Reizklima des Rechthabenmüssens und der Selbstaufrüstung auszusteigen, sich den eigenen Schatten zu stellen und sich doch nicht darauf festgelegt zu wissen.

Pfarrer Andreas Friese, Krankenhausseelsorger Rudolf-Virchow-Klinikum Glauchau und DRK-Krankenhaus Lichtenstein

zum 20. Sonntag nach Trinitatis

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Mi 6,8

Wenn du die Welt retten willst, musst du nur …

Wünschen Sie sich manchmal auch ein Handbuch für das Leben? „100 Schritte für die perfekte Work-Life-Balance“ oder „99 Punkte zum Familienglück“ oder „In 100 Tagen zur Selbstoptimierung“? Ich fürchte, wir haben manchmal einen ganz schönen Anspruch, wie unser perfektes Leben auszusehen hat. Und ich habe ihn auch. In meiner Wunschvorstellung sitze ich abends nach der – mich vollkommen erfüllenden – Arbeit mit einem Cocktail in der Hand hinter unserem wunderschönen Haus und unsere wunderbaren Kinder springen singend und lachend und wie aus dem Ei gepellt durch den gepflegten Garten, während mir eine kreative Idee nach der nächsten kommt. Doch wie ein böser Feind schleicht sich der Anspruch der anderen von hinten an: Mach mal noch dieses und jenes! Nichts mit Cocktail und Entspannung! Sei mehr wie Mutter Theresa oder Superman oder am besten beides! Geh mal schnell die Welt retten! Es kostet einige Anstrengung diese Vorstellung wieder beiseite zu schieben. Doch stellen Sie sich vor, jetzt kommt auch noch Gott daher, spaziert einfach in meinen Gartentraum und spricht zu mir wie im Michabuch beschrieben: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“Nichts als das! Als wenn das die leichteste Aufgabe der Welt wäre: Gottes Wort halten, Liebe austeilen, in Demut bei Gott sein. Jeder dieser drei Punkte ist für sich schon eine Riesenaufgabe. Doch als ich in meinem Tagtraum gerade seufzend den Cocktail neben mir abstellen will, sagt Gott noch was: „Ich habe dich schon frei gemacht. Von allen Erwartungen. Wie du die drei Punkte schaffen kannst, das zeig ich dir. Aber jetzt reich mir doch erstmal einen Cocktail rüber!“ Und setzt sich neben mich.

Ihre Dominique Meichsner, Vikarin der Kirchgemeinde Glauchau

zum 19. Sonntag nach Trinitatis

Was macht eigentlich Gott?

„Mama, was macht eigentlich Gott?“: fragte kürzlich eine Tochter ihre Mutter. Die Mutter war etwas hilflos und wusste auch nicht so recht, was sie darauf sagen sollte. Lässt sich diese Frage überhaupt beantworten?

Bei Jesus Christus lässt sich leicht erkennen, was er tat. Jesus erzählt den Menschen etwas von Gott. Gott ist da, er liebt sie. Er sucht ihr Vertrauen und lädt alle Menschen ein, Gottes Welt zu entdecken. Er sprach sogar von einem großen Fest, dass Gott ausrichtet und bei dem es sich lohnt dabei zu sein, denn dieses Fest geht sozusagen bis in alle Ewigkeit. Was macht Jesus noch? Er tat noch etwas sehr Ungewöhnliches. Er heilte viele kranke Menschen. Gerade deshalb versammelten sich oft Menschenmassen um ihn, damit sie persönlich diese Heilung erfahren. Für Jesus schien das sehr wichtig zu sein. Er zeigt damit, Gott will dein Heil und das bedeutet weit mehr als nur einfach gesund sein. Er will dein Heil an deinem Körper, deiner Seele und deinem Geist. Damals war da richtig viel los. Die Menschen hörten auf das, was Jesus zu sagen hatte und richtig viele Menschen wurden durch ihn gesund. Heute können wir davon zu mindestens in der Bibel nachlesen. Dort stehen noch mehr Geschichten, die verraten, was Gott tut. So zum Beispiel wird ganz am Ende der Bibel erzählt, dass Gott einmal alles neu macht und es nicht einmal mehr Tränen, Leid und Tod gibt.

Und auch lange vor Jesus wussten schon einige, was Gott so macht. Und deshalb beten sie zu ihm und sagen: Heile du mich Herr, so werde ich Heil; hilfst du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm. Hier kennt einer Gott und er weiß, am liebsten macht Gott alles heil.

Wenn mir also wieder jemand begegnet, der fragt: Was macht endlich Gott? Dann kann ich sagen, Gott wartet auf deine Bitte und dann hilft er dir und dies sogar überraschender, als du es erwartet hast.

Pfarrer Sören Lange
Oberwiera-Schönberg

zum 18. Sonntag nach Trinitatis

Denkt an das Gebot, das Gott uns gegeben hat: Wer Gott liebt, ist verpflichtet, auch die Geschwister zu lieben.

1.Johannes 4,21 – Neue Genfer Übersetzung

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe und Verpflichtung sind Begriffe, die heute immer seltener in einem Zusammenhang gesehen werden.Unter Liebe verortet man heute eher Sex und das Gefühlige. Beides hat natürlich auch unter der Überschrift „Liebe“ seinen Platz.

Aber zu aller erst ist Liebe die Entscheidung, einem Menschen bejahend und wohlwollend zu begegnen. Sympathie hilft dabei, ist aber nicht zwingende Voraussetzung.

Eine Verpflichtung bindet mich an etwas; sie legt mich auf etwas fest. Pflicht scheint Freiheit einzuschränken. Das ist nichts, was in unseren Tagen hoch im Kurs steht.

Ist dieser mahnende Bibelvers also nichts für unser „Heute“? Ein Satz aus dem Gestern für das Gestern?

Diese Aussage spricht ja diejenigen an, die Gott lieben. Gott zu lieben ist eine von mir getroffene Entscheidung. Warum ich ich so entschieden habe, hat viel mit der Entdeckung zu tun, dass Gott sehr viel in mich investiert hat.

Als ich das erkannt habe, hat mich das ganz und gar nicht kalt gelassen.

Investition in einen Menschen um dessen willen ist Ausdruck von Liebe.

Dieses Lieben Gottes hat in mir Liebe geweckt.

Nun habe nicht nur ich angefangen, Gott bejahend zu begegnen und ihn ernst zu nehmen, sondern auch viele andere Menschen.

So entsteht Familie Gottes – die christliche Gemeinde. Weil Christen den selben himmlischen Papa haben, werden sie Geschwister.

Familie zu haben ist meistens großartig. Aber manchmal nervt es auch. Da knallen Türen, man redet nicht miteinander, brüllt sich an, stänkert rum, hintergeht sich. Ich vermute Sie wissen wie das sein kann … .

Wenn sich Geschwister streiten, müssen die Eltern manchmal ein Machtwort sprechen und die Lage klären.

Gott macht das ganz ähnlich. Er verweist auf die Familienbeziehung, deren Zentrum er selbst ist.

Alle haben eine Liebesbeziehung zu Gott und Gott liebt jeden Einzelnen dieser Familie.

Liebe ich z.B meine Frau, dann werde ich nicht gering schätzen und verächtlich machen, was ihr liebenswert und wichtig ist. Wer Gott liebt, wird darum auch den seltsameren Mitchristen bejahend begegnen.

Nun erzählt uns die Bibel auch, dass für Gott alle Menschen liebenswert sind … . Spätestens hier merke ich, wie sehr ich Gottes Hilfe und Zuwendung brauche, wenn es wohlwollend unter uns zugehen soll.

Thomas Fischer, Gemeinschaftspastor aus Glauchau

zum 17. Sonntag nach Trinitatis

„Wer nicht genießt, ist ungenießbar“

Mit dieser Liedzeile aus dem Jahr 1978 gibt Konstantin Wecker der Sinnlichkeit und Körperlichkeit Ausdruck. Menschen sind Wesen aus Leib, Seele und Geist. „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ Diese Weisheit bleibt nicht im Notwendigen der Nahrungsaufnahme stecken. „Das Auge isst mit.“ – Schmecket und sehet. Gutes Essen und Trinken ist Inbegriff der Kultur, steht in Verbindung mit den Pflanz-Kulturen in Gärten und auf Äckern, aber auch mit dem Kultus, dem Gottesdienst.

„Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!“ (Psalm 34,9) Die Freundlichkeit und Güte lässt sich schmecken, ich kann sie mir auf der Zunge zergehen lassen. Erntedank wird in diesen Tagen in christlichen Gemeinden gefeiert. Es ist nicht nur Fleiß und Mühe nötig, um eine Ernte oder Früchte des Erfolgs einzufahren. Unser Leben bleibt unverfügbar. Wir haben es nicht in der Hand. Das alte Gebet Israels setzt den Genuss guter Gaben in Beziehung zu Gott. Ohne den Segen Gottes würden Anstrengungen verpuffen. Verlässt sich ein Mensch auf Gott, dann bleibt er mit dem Ewigen und Lebendigen verbunden.

Seit 30 Jahren ist unser Volk wiedervereinigt. Glücksgefühle sind verblasst. Schwere Einschnitte haben die Einen bitter gemacht, andere drohen durch materielle Sattheit träge zu werden. Wer dankt, denkt an das, was war und was ist. Genuss und gelingendes Leben lassen sich schmecken und sehen. Der Geschmack des Bitteren und der Not gibt den Auftrag, Lebensmöglichkeiten solidarisch zu teilen und sich kultiviert mitzuteilen. Unsere mit der Friedlichen Revolution gewonnene Freiheit ist ein hohes, aber unbequemes Gut. Freiheit lässt sich nicht in komfortabler Sicherheit besitzen, sondern muss Tag für Tag errungen werden. Die Freundlichkeit Gottes und der Menschen werden wir schmecken, wenn wir unser Miteinander gemeinsam gestalten und Verächtern unserer freiheitlichen Demokratie keinen Raum geben!

Pfarrer Frank Nötzold, Kirchgemeinde Ernstthal-Wüstenbrand

zum 16. Sonntag nach Trinitatis

Herausforderung Manche Situationen fordern uns gewaltig heraus. Im Beruf, in der Familie oder beim ehrenamtlichen Engagement müssen wir uns gelegentlich solchen Herausforderungen stellen. Wer sich nicht davor drückt, der kann daran auch wachsen. An diesem Sonntag stehen katholische Christen in der Region vor einer gewaltigen Herausforderung: aus den drei Zwickauer Gemeinden, den Gemeinden in Kirchberg, Werdau, Crimmitschau, Glauchau, Meerane, Waldenburg und Hohenstein-Ernstthal wird eine neue Pfarrei gegründet. Diese ist flächenmäßig fast so groß wie die Stadt Berlin und hat knapp 8.000 Katholiken. Unter dem Namen „Heilige Familie“ soll diese neue Pfarrei mit zehn Gemeinden in die Zukunft gehen. Skepsis und Ablehnung sind einige Reaktionen darauf. Doch auch hier gilt: Wer sich dieser Herausforderung stellt, kann das Ganze auch als Chance begreifen. Denn es geht ja schließlich nicht darum, nur die eigenen katholischen Gemeinden zu „bedienen“. Vielmehr sollen wir Kirche für alle Menschen sein, weil Gott einen jeden von uns lieb hat und retten, d.h. eine Zukunft schenken möchte. Die Frohe Botschaft weiterzusagen kann uns keine große „Zentralpfarrei“ abnehmen, das müssen wir vor Ort tun, dort wo uns Gott hingestellt hat. Und das ist nicht nur eine Aufgabe von Katholiken, sondern aller Christen. Wer den Auftrag Jesu, allen Menschen durch Wort und überzeugendes Beispiel die frohmachende Botschaft zu verkünden, wirklich ernst nimmt, den können selbst solche großen Veränderungen, wie wir sie derzeit in unserer Kirche mitmachen, nicht erschüttern. Der darf sich vielmehr auf seine Zusage verlassen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28,20). Mit dieser Zusicherung können wir uns getrost dieser neuen Herausforderung stellen. Und wir werden mit Sicherheit daran wachsen.  

Markus Böhme, Pfarrer der römisch-katholischen Pfarrei Heilige Familie

Zwickau und Dekan des Dekanates Zwickau

zum 15. Sonntag nach Trinitatis

Notrufnummer

Wenn ein Unfall geschieht, weiß jeder sofort, wo Hilfe zu holen ist.

Da gibt es die Notrufnummern 110 bzw. 112. Eine Tag und Nacht besetzte Notrufzentrale alarmiert in Windeseile professionelle Helfer. Rettungsdienste, Feuerwehren oder die Polizei kommen dann sofort – in der Not ist man nicht allein.

Seit dem 20. September 1973 gibt es in der alten Bundesrepublik diese einheitlichen Nummern – in der DDR bereits seit 1958. Hintergrund der Einführung waren jeweils tragische Unfälle, in der Rettungskräfte zu spät zum Unfallort kamen… Alle, die einmal die Notrufnummer in Anspruch nehmen mussten, sind sich einig, wie gut es ist, dass wir im Unglück nicht allein gelassen werden, und dass wir professionelle Hilfe in Anspruch nehmen können.

Von einer Notrufnummer anderer Art spricht der Wochenspruch für die kommende Woche. Da lesen wir in der Bibel, im 1. Petrusbrief:

„Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.“

Gott ist der Ansprechpartner und die Notrufnummer für unsere persönlichen Sorgen. Er hilft uns bei unseren Problemen und wird uns entlasten. Unsere Sorgen und Ängste können wir ihm abgeben. Seine Fürsorge wird uns kräftigen und stärken.  Wie beim Anruf der 110 oder 112 flugs ein professioneller Helfer kommt, so wird Gott in unserer seelischen Not nahe sein und professionelle Hilfe leisten. Dennoch wird nicht alles schlagartig gut werden. Auch die zum Unfall gerufenen Rettungskräfte können nur helfen und heilen. So wird auch Gott nicht alle unsere Sorgen und Nöte lösen – aber uns zur Lösung helfen.

Ich bin dankbar, dass ich mit meinen Sorgen und Nöten nicht allein bin. Ohne Gottes Fürsorge kann und möchte ich nicht leben. Das Abwerfen meiner Sorgen entlastet mich und verhilft mir zum aufrechten Gang. So kann ich unbeschwert leben, weil ich das Niederdrückende abgegeben habe. 

Übrigens: der Notruf zu Gott steht allen ohne Einschränkung offen!

Anruf genügt.

Pfarrer Andreas Merkel, Hohndorf

zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, 2

Der Psalm 103 gehört für mich zu den schönsten dieser alten  biblischen Lieder.  Und mir fallen gleich etliche  schöne Vertonungen dieses Psalms ein, die mir geholfen haben, den uralten Text zu verinnerlichen und dann nicht mehr zu vergessen. Da steht es also schwarz auf weiß: wir sollen Gott loben. Das heißt,  ihm und uns selbst dankbar zu sagen, was er alles für uns Gutes tut und bereits getan hat. Ja was denn eigentlich?  Im Psalmtext steht es:   Sünde vergeben, Gebrechen heilen, vom Verderben erlösen, fröhlich machen – so sehr, dass man sich wieder jung fühlt wie ein Adler!! Das sind echt starke Bilder.  Und dann steht  da auch:  Gerechtigkeit schaffen, Geduld schenken …  Klingt auch gut.  Habe ich das alles schon erlebt? Ich kann mich vielleicht im Augenblick gerade nicht daran erinnern. Aber je länger ich nachdenke, desto mehr fällt mir wieder ein, „was er mir Gutes getan hat“.  Aber leider vergesse ich das oft und bin dann eben nicht in der richtigen Stimmung  zum Loben und Danken. Viel eher zum Sorgen machen, zum Verzagen, zur Unzufriedenheit und  oft auch zur Undankbarkeit. „Vergiss es nicht, was er dir Gutes getan hat“  –  sagt mir der Psalm. Naja, ich versuche es. Ich nehme es mir immer wieder vor. Zum Glück gibt es da einige Hilfsmittel, die mir das Loben Gottes erleichtern, die es mir richtig schmackhaft machen können: das Singen und Musizieren beispielsweise.  Da kann ich auf Worte, Dichtungen und Kompositionen zurückgreifen, die andere genau für diesen Zweck niedergeschrieben haben – um den Herrn damit zu loben. Und wenn ich das dann praktiziere, passiert es meist, dass ich es wieder spüre und mich daran erinnere: ja, er hat mir schon so viel Gutes getan. Er tut es immer noch. Solches Gotteslob kann sehr prägend und  erhebend sein, es kann eine richtige Gotteserfahrung werden.  „Loben zieht nach oben“ sagt ein altes Sprichwort. Eine ganz einfache  Sache, aber sehr wirksam und voller Energie und voll gutem, heiligem Geist. Ich wünsche es uns, auch und besonders an solchen Tagen, die trübe aussehen und eher zum Vergessen taugen als zum dankbaren Erinnern: Vergiss es nicht, was er dir Gutes getan hat – und lobe den Herrn!!

Guido Schmiedel, Kirchenmusikdirektor,

Kirchplatz 3, 08371 Glauchau

zum 13. Sonntag nach Trinitatis

Was passt?

Wer wünscht sich das nicht? Ein erfülltes Leben? Ausgewogen. Mit Spaß, Spannung und Aktion. Zugleich wohltemperiert. Nicht zu warm und auch nicht zu kalt. Wäre das nicht super? Ein Leben, das rundum passt?

Was passt?

Mal steht die Luft. Mal zieht es. Mal scheint die Sonne zu grell. Mal regnet´s aus Kübeln. Mal reden Leute zu laut. Mal reden sie zu leise. Mal schalten Ampeln zu schnell. Mal schalten sie zu langsam. Und nun auch noch schon eine gefühlte Ewigkeit lang die alles verändernde „Corona“. Wie schön und einfach waren doch die Zeiten und Tagesabläufe davor. Da war die Welt fast noch in Ordnung. Jeder konnte und durfte dem anderen nahekommen. Ohne Mund- und Nasenbedeckung. Ohne Abstandsregeln. Mit Knoblauchfahne und ohne.

Was passt?

Im Laufe des Lebens gehen wir durch Höhen und Tiefen. Mal geht es bergauf. Mal geht es bergab.

Wie sieht ein erfülltes Leben aus? Wie gestaltet man ein Leben, das rundum passt? Im Gespräch antwortet mir jemand: „Für mich ist das Leben ein Geschenk. Wenn ich das Leben als Geschenk begreife, bin ich gesund, auch wenn ich krank bin.“ Wow, denke ich. „Das ist eine beeindruckende Haltung.“ Im Nachgang dieses Gesprächs entdecke ich, dass diese Haltung schon bereits vor über 2700 Jahren als Empfehlung in der Bibel beschrieben wird.

Am guten Tage sei guter Dinge, und am bösen Tage, da erwäge: auch diesen hat Gott ebenso wie jenen gemacht … (Prediger 7,14)

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau-Planitz

zum 12. Sonntag nach Trinitatis

Neuanfang

Umzug. Neue Arbeit. Neue Beziehung. Schulbeginn. Es gibt Momente im Leben, in denen etwas Neues beginnt und sich viel verändert. Manchmal geschieht das freiwillig, oft aber haben wir darauf keinen Einfluss.

„Was soll ich tun? Wenn ich so seh´, ich kann den Wind nicht ändern, nur die Segel drehn. Tausend Fragen schlagen Rad. Ich will kein neues Leben, nur einen neuen Tag. Was tut gut? Was tut weh? Ein Gefühl braucht keine Armee. Vor, zurück, zur Seite, ran. Herzlich willkommen Neuanfang!“ So singt Clueso in seinem Lied „Neuanfang“ über den Mut, den es für einen Neustart braucht.

Neuanfänge gehören zum Leben, fallen uns aber selten leicht. Warum? Weil jeder Neuanfang auch einen Bruch markiert. Vertrautes endet. Ungewisses beginnt. Es gibt kein Zurück mehr, aber der erste Schritt in die Zukunft ist schwer.

Geschichten über Neuanfänge finden wir in der Bibel zuhauf. Über Abraham, Paulus und viele andere erzählt sie, wie die ihr altes Leben hinter sich ließen und neu angefangen haben. Eine Geschichte erzählt vom Zöllner Zachäus, der auf Kosten anderer reich geworden war. Als er hörte, dass Jesus in die Stadt kommt, war er neugierig. Als etwas klein geratener Mann klettert er auf einen Baum, um Jesus überhaupt sehen zu können. Als der aber dort vorbei kam, blieb er stehen und lud sich bei Zachäus ein. Diese Begegnung änderte für ihn alles. Er versuchte, gut zu machen, wo er die Leute betrogen hatte, und folgte Jesus nach. Sein Leben begann neu.

Das fordert Mut, sich einzugestehen, dass man Fehler gemacht hat, Mut, sein bisheriges Leben zurückzulassen, neu zu beginnen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen. Zachäus konnte das, weil er jemanden hatte, der ihn begleitete und dem er vertrauen konnte – Jesus. Das wünsche ich allen, die in diesen Tagen einen Neuanfang wagen oder wagen müssen: Dass Sie den Mut aufbringen, ohne Angst neu zu beginnen, und dabei entdecken, dass Sie nicht allein sind, sondern Jesus als Begleiter haben. Alles Gute für Ihren Neuanfang!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau

zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Ich bin am Ende, aber Gott ist am Anfang

Ich kann mich noch gut an die Zeit unseres Examens erinnern. Wir hatten in jeweils fünf Disziplinen je zwei Prüfungen. Natürlich lernten wir wie die Verrückten, saßen in der Bibliothek oder zuhause über unsere Bücher gebeugt, fragten uns gegenseitig ab und versuchten nicht in Panik zu verfallen. Wir haben unsere Chancen ausgemalt, welche Prüfungen für uns machbar sein könnten, welche schwer und welche kritisch. Wir haben alte Examensfragen durchgearbeitet und die Jahrgänge vor uns entsprechend beneidet oder bedauert. Doch die Tage der Prüfungen kamen unaufhaltsam näher und plötzlich waren sie da. Von uns allen gefürchtet. Von manchem auch ersehnt. Gleich die erste hatte es in sich: „Altes Testament!“ Haben Sie das schon mal gelesen? Es ist ziemlich lang und darüber kann man auch ziemlich viele schwierige Fragen stellen. Doch wir hatten ja gelernt. Und wussten nun zumindest, was wir nicht wussten. Der Professor galt als streng und unberechenbar, der in den Seminaren und den Prüfungen immer wieder Studierende durchfallen lässt. Meine Nerven waren am Ende. Ich saß weinend zuhause. Wenn es überhaupt eine Chance auf Hilfe gab, dann nur bei Gott, im Beten. Gott, bis hierher hast du mich gebracht, dann kannst du mich auch da durchbringen. Sie ahnen es schon: Bestanden! Sehr gut! Am Ende und bis heute unbegreiflich meine beste Note im Examen. Und die Prüfung mit den ungewöhnlichsten Fragen, fast als hätte der Professor gewusst, worauf ich eine Antwort habe. Als würde Gott uns sagen: Wenn du auf dich selbst vertraust, dann lasse ich dich machen, mit allen deinen Fähigkeiten und deiner Begrenztheit. Aber wenn du mir vertraust, dann bin da und dann könnte leicht auch ein Wunder geschehen.

»Den Überheblichen stellt sich Gott entgegen, aber den Demütigen schenkt er seine Gnade.« 1.Petrus 5,5b (Basisbibel)

Ihre Dominique Meichsner, Vikarin der Kirchgemeinde Glauchau

zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Geistliches Wort zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Glück gehabt

Was benötigt ein Volk, damit es ihm gut geht und es glücklich ist? Ist es eine gut funktionierende Demokratie, eine prosperierende Wirtschaft, weise Politiker, Bildung für alle, ein effektives Gesundheitswesen? Dieses und sicher noch einiges mehr gehört dazu. Faszinierend ist es, dass uns in unserem Land vieles davon einfach zur Verfügung steht. Reicht das, um glücklich zu sein?

In einem alten Gebet gibt es einen genialen Tipp, um glücklich zu werden.

„Glücklich zu nennen ist das Volk, dessen Gott der Herr ist.“ (Psalm 33,12)

Warum das jetzt? Warum kommt Gott noch ins Spiel. Das ist heute für unsere Ohren ungewöhnlich. Gott erscheint sehr selten an unserem Horizont.

Ich glaube, es lohnt sich unbedingt, dieser Frage nach Gott einen Moment nachzugehen. Übertragen sagt dieser Satz nichts anderes, als das insbesondere die Menschen glücklich sind, denen Gott etwas bedeutet. Warum?

Auch schon damals wird dieser eine Spitzensatz in dem alten Gebet weiter erklärt. Zum einen sagt dieser Mensch, Gott hat diese Welt geschaffen. Das heißt also, nichts ist einfach zufällig entstanden, sondern Gott hat jeden Menschen gewollt und alles erschaffen. Darüber hinaus heißt es in diesem Gebet, die Menschen denken sich viel und planen, aber letztlich entfaltet sich der Plan Gottes. Und darüber hinaus kennt Gott die Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte eines jeden Menschen.

Gott ist demnach mit dieser Welt absolut verwoben. Er ist der Schöpfer, er lenkt am Ende die Geschicke dieser Welt und er kennt uns ganz persönlich.

Aus dieser Perspektive ist es naheliegend, diesen Gott nicht zu ignorieren. Denn er hat den Raum geschaffen, in dem sich unser Leben entfalten kann. Er begegnet denen, die ihn suchen auf sehr persönliche Weise. Das wird in diesem Gebet benannt. Gott bewahrt in schwierigen Zeiten und rettet sogar vor dem Tod. Das heißt also, Gott hat uns nicht nur in diese Welt gestellt, sondern er ist da, wenn wir ihn suchen und ihn brauchen.

Natürlich muss sich niemand auf solche Gedanken einlassen. Trotzdem ist es ein erstaunliches Phänomen, dass Menschen immer wieder anfangen, Gott zu vertrauen und dann auch erleben, Gott hilft mir. Darüber kann ich mich glücklich schätzen. Am Ende dieses alten Gebetes, wird es sehr persönlich. Menschen drücken ihre Erfahrungen und ihre Freude über Gott aus: „Denn an ihm freuen wir uns von ganzem Herzen, und wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.“ Diesen Menschen konnte Gott ein tiefes, inneres Glück schenken. Und ich glaube das dies bis heute Gottes Leidenschaft ist. Er stärt und ermutigt alle, die ihn suchen.

Pfarrer Sören Lange
Oberwiera-Schönberg

„Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt … .“ | Jeremia 1,5

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

haben Sie sich schon einmal durchschaut gefühlt? Das ist kein schönes Gefühl. Nun sind Gefühle bisweilen trügerisch und spiegeln nicht unbedingt die Realität wieder. Aber allein der Verdacht „aufgeflogen zu sein“ ist beängstigend.

In unserem Bibelvers bestätigt Gott: „Du bist für mich ein offenes Buch. Vor mir gibt es keine Geheimnisse. Schon bevor Du gezeugt wurdest, wusste ich alles über Dich.“

Vor Gott lässt sich tatsächlich nichts verbergen. Was wäre das auch für ein Gott, wenn man ihn „hinter‘s Licht“ führen könnte. Das Gelungene und Misslungene meines Lebens, die gute und die böse Absicht – nichts davon  ist ihm verborgen.

Dieses Wissen um Gottes Durchblick kann sehr ernüchternd sein.

Und doch stellt sich die Frage: Wenn Gott das alles weiß, warum erwählt er mich dann? Was sieht er in mir, dass er sagt: Genau Dich will ich!

Ich weiß nicht wie sie ihren schulischen Sportunterricht erlebt haben. Ich gehörte bei so einigen Sportarten nicht zu denen, die zuerst in die Mannschaft gewählt worden, eher zu denen, die man dann halt auch noch nehmen muss.

Hier sagt Gott: „Trotz oder weil ich Dich so gut kennen, will ich Dich in meiner Mannschaft. Und nein, Du bist nicht das notwendige Übel – die Kröte, die man eben schlucken muss.“

Gott will mich, weil ich es ihm wert bin!

Ich glaube das macht das komische Gefühl, dass Gott mich durch und durch kennt, locker wieder wett.

Ich bin von Gott gewollt – das ist eine gute Nachricht!

Amen.

Thomas Fischer, Gemeinschaftspastor, Glauchau

zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Wort zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Wahrheit oder Pflicht – höre ich plötzlich und sehe in die Augen von fünf bildhübschen Prinzessinnen die sich einen Platz an unserem Tisch erobert haben. Wir sind auf dem Geburtstag eines Freundes. Im Hof sind die Tische liebevoll geschmückt. Die Kinder haben Platz und erkunden das Gelände. Die Erwachsenen haben Zeit ins Gespräch zu kommen. Die Kinderaugen schauen mich erwartungsvoll an. Wofür soll ich mich entscheiden? Nehme ich Pflicht, muss ich womöglich noch etwas tun, was mich blamieren könnte. Wähle ich Wahrheit, wird das sicherlich laut ausposaunt. Also wähle ich das kleinere Übel: Wahrheit. Prompt kommt die Frage: Hast Du schon mal was Verbotenes getan? Ach Gott! Damit habe ich nicht gerechnet. Es rattert in meinem Kopf. Was soll ich antworten? Dass ich mal beim Krippenspiel geschwänzt habe, dass ich mal den Blasebalg an der Kirchenorgel kaputtgekriegt habe, oder soll ich erzählen, wie es war, als Nachbars Fenster in die Brüche ging? In Sekundenschnelle fallen mir noch andere „Wahrheiten“ ein. Die Kinderaugen warten und ich antworte. Nachbars Fensterscheibe hat die Situation gerettet. Die Mädchen kichern und rufen „Wow, das hast Du getan?“ Schon sind sie weg und befragen den nächsten Gast.  

Lebt als Kinder des Lichts – heißt es im Wochenspruch für die kommende Woche. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Der Satz wird dem Apostel Paulus zugeschrieben. Er ist an Christen in Ephesus gerichtet, damals eine antike Stadt in der heutigen Türkei. Kinder des Lichts sind die Getauften, Christinnen und Christen, die eine Wahl getroffen haben, nämlich wie Christus zu leben. An ihrer Gemeinschaft soll sichtbar werden, dass das Dunkel seine Schrecken verloren hat, auch die tiefste Angst des Lebens, denn das Licht hat einen Namen: Christus. Wer auf seinen Namen getauft wird, macht die Erfahrung der Befreiung und der Heilung. Er tritt aus der Dunkelheit ins Licht. Die Taufe war also kein Ausstieg aus der Wirklichkeit der Welt, sondern ein Einstieg in die Aufgabe, das Licht und die Liebe Jesu in den Alltag hineinzutragen; selbst Licht und Liebe zu sein, damit die Welt sich verändert. Die Werke der Finsternis gehörten damit auch ins Licht. Keine Vertuschung, keine Geheimniskrämerei, kein Schönreden, sondern Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit sollten fortan das Lebend er Christen prägen. Selbstverständlich hat das auch heute noch seine Bedeutung denn mit diesen Werten ist die Kirche geboren. Sie ist Gottesvolk und Leib Christi geblieben und lebt vom Segen den sie von Gott erbittet. Die Kirche ist gesandt, die Frucht des Lichts zu erhalten. Sie soll Gemeinschaft von Menschen sein, die Christus bekennen und aus der Hoffnung heraus leben. Dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod und die Dunkelheit überwunden ist durch das Licht, ist frohe Botschaft mit der christliche Gemeinden leben. Das ermutigt zu kleinen Schritten, die viel bewegen können. Bis heute berühren mich die Worte des Paulus. In einem Satz bringen sie die Erfahrung zum Ausdruck, dass Glaube nichts ist, was man kompliziert ausdrücken muss sondern etwas bleiben wird, das man Zuverlässig und authentisch leben kann – jeder für sich und Viele in einer Gemeinde. Die Höhen und die Tiefen miteingeschlossen.

Harald Pepel, Superintendent    

zum 7. Sonntag nach Trinitatis

 Denkmalstürmer

Seit einiger Zeit werden Denkmäler bekannter Persönlichkeiten  beschmiert oder abgerissen, weil jene Menschen neben ihren Verdiensten  Positionen vertreten haben, die heute abgelehnt werden. Aus gleichem  Grund werden auch Straßen und Plätze umbenannt bzw. wird  leidenschaftlich gefordert, sie umzubenennen. Diese moralische Reinigungswut verdrängt erstens, dass in jeder  geschichtliche Epoche ein Zeitgeist als normierende Normalität der  herrschenden Machtverhältnisse verbreitet wird, der immer plausibel daher kommt und  dem sich die allermeisten Menschen anpassen, sei es,  dass sie nicht nachdenken oder nicht unangenehm auffallen wollen, sei  es wegen des beruflichen Erfolgs und wegen der Aussicht auf materielle  Vorteile.  Diese Denkmalstürmer, die über verstorbene Menschen, die sich vom  Zeitgeist haben leiten lassen, den Stab brechen, gehen dabei  überhaupt kein persönliches Risiko ein und erhalten obendrein noch Beifall von Anhängern des jetzigen Zeitgeistes.  Ganz anders verhält es mit Menschen, die dem Zeitgeist zu Lebzeiten  widerstanden haben. Sie wurden sehr oft von der Gesellschaft  ausgegrenzt, manche bezahlten ihr Nicht-Angepasstsein sogar mit ihrem Leben. Einer von diesen wenigen Menschen war der Schriftsteller Hans  Paasche, der als Offizier der deutschen Schutztruppe in  Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) das brutale Vorgehen gegen den  Aufstand von 1905/06 erlebt hat und dies scharf kritisierte. Und das zu einem Zeitpunkt, als fast alle Deutschen dem Zeitgeist des  Kolonialismus huldigten! Durch seine Erfahrungen im 1. Weltkrieg wurde er zudem Pazifist. Diese seine Abweichungen vom damaligen Zeitgeist  kosteten ihm das Leben. Er wurde vor 100 Jahren am 21.Mai 1920 von  Soldaten der Reichswehr vom Infanterieregiment 4/1.Btl.  vor den Augen  seiner Frau und seiner Kinder auf seinem Gut Waldfrieden in der  Neumark (jetzt  Polen) erschossen.

Natürlich gibt es Unterschiede, selbstverständlich muss man auch  differenzieren. Für Politiker wie Stalin und Hitler darf es keine  Denkmäler und Straßennamen geben. Aber man muss sich mit ihnen

auseinander setzen und danach fragen, wie jemand als Herrscher zum Verbrecher wird. Doch Persönlichkeiten vergangener Zeiten mit großen  Verdiensten jetzt an den Pranger zu stellen, weil man ihnen aus  heutiger Sicht Kolonialismus oder Rassismus vorwerfen kann, ist eine billige Moral.

Für mich ist übrigens die heutige Verachtung und Verächtlichmachung  der Mutterschaft  bzw. des Mutter-Seins genauso schlimm wie Rassismus.  Und was diese  Denkmalstürmer zweitens völlig aus acht lassen, sind  die eigenen dunklen Seiten. Jeder Mensch ist anfällig, Böses zu tun,  und die übergroße Mehrheit der Menschen passt sich, wie bereits  gesagt, unreflektiert oder ängstlich oder aus Karrieregründen dem Zeitgeist an.  Darum gilt: Nur wer ohne Sünde ist, darf aus moralischen Gründen Denkmäler einreißen oder Straßen umbenennen. Was mich jedoch immer wieder total beeindruckt, ist die Bibel, wie sie  mit ihren Helden umgeht. Der König David z.B. hatte sich viele

Verdienste um das Volk Israel erworben und besass eine  überdurchschnittliche Klugheit. Er war auch der Erste, der in einem  asymmetrischen Kampf den hochgerüsteten Riesen Goliath mit einer

schlichten Steinschleuder besiegt hat. Und noch heute singen Juden und Christen Davids Lieder! Gleichzeitig verschweigt die Bibel nicht  dessen dunkle Seite: seine Probleme mit dem sechsten Gebot “Du sollst  nicht ehebrechen” und dass er viel Blut vergossen hat.  Die Bibel ist für mich darum Vorbild, wie wir Menschen beurteilen sollen:  Die guten Seiten und die Verdienste eines Menschen sollen wir neidlos  würdigen, ohne die dunkle Seite zu verdrängen, wissend, dass auch wir  selber dunkle Seiten haben.

 Pfr. i.R. Traugott Lucke, Bernsdorf

Zum 6. Sonntag nach Trinitatis

Beim Namen gerufen

Drehen Sie sich um, wenn hinter Ihnen gerufen wird: „He, Du da?“. Nein, da kann doch jede(r) gemeint sein. Ich bin doch kein „Du-da“!

Aber wenn da mein Name zu hören ist: „Karlheinz“ oder „Herr Wohlgemuth“, da weiß ich mich doch angesprochen oder gerufen. Denn da muss jemand sein, der mich kennt; bei meinem Namen kennt. Gut, dass wir alle unsere Namen haben. Der Name ist nicht nur ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, er sagt etwas aus über unsere Familienzugehörigkeit; jeder Name hat eine besondere Bedeutung. In der Regel geben Eltern ihren Kindern einen Namen. Eine solche Namensgebung will sagen: Kind, du gehörst zu uns!

Nun heißt es dazu im biblischen Spruch der kommenden Woche: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Welch eine Freude! Auch Gott kennt mich bei meinem Namen. Ich bin ihm kein Unbekannter, ganz im Gegenteil, ich gehöre zu ihm, gehöre hinein in die Familie der Kinder Gottes. Denn nicht nur dieser biblische Spruch , sondern das Thema des ganzen Sonntags erinnert mich an die Bedeutung und die Folgen meiner Taufe. Bei der Taufe spielt mein Name ja auch eine wichtige Rolle, denn er wird dabei mit dem Namen des dreieinigen Gottes in Verbindung gebracht in der Formel: „Karlheinz Wohlgemuth, ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ An dieser Stelle kann jede(r) Getaufte seinen eigenen Namen einsetzen, sich vergewissern: Gott hat mich bei meinem Namen gerufen, ich bin sein Kind. Ich habe den allmächtigen Gott an meiner Seite. Das will mir die Furcht, die Angst im Leben nehmen. Ich bin ja nicht allein. Der, der mich kennt, der mich bei meinem Namen gerufen hat, geht mit. Und ich vertraue darauf, dass Gott meinen Namen ins Buch des Lebens geschrieben hat, da bleibt am Ende für mich mehr, als nur mein Name auf einem Grabstein.

Pfarrer Karlheinz Wohlgemuth, Ev.-Luth. St.-Martins-Kirchgemeinde Oberes Pleißental

Zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Komm!

Warum? Wohin?

Um sich auf den Weg zu machen, braucht es oft einen Grund. Einen, der es schafft, sich loszureißen. Das kann entweder etwas sehr Schönes sein, aber auch eine unerträgliche Situation, die ein Verweilen nicht mehr möglich macht.

Loszugehen, sich auf den Weg zu machen, kann bedeuten, in den Urlaub zu fahren und den Alltag für einen Augenblick hinter sich zu lassen. So, wie es viele von Ihnen sicher in den kommenden Wochen tun werden. Da braucht es auch kein Warum? Da heißt es eher Wann?

Es kann aber auch bedeuten, ganz neue Wege zu gehen. Und das ist oft weniger leicht.

Sich neu auf den Weg machen heißt nicht nur, Abschied zu nehmen von vertrauten Dingen und lieben Menschen, sondern manchmal auch von festen Meinungen und alten Gewohnheiten.

Wer sich auf den Weg macht, hat ein Ziel vor Augen. Oft genug ist es ein Wagnis, aufzubrechen und manchmal auch ganz schön schwer, sich nicht aufhalten zu lassen.

Wer unterwegs ist, muss damit rechnen, einsam zu sein, müde zu sein, unsicher zu sein. Es braucht auf dem Weg Weggefährten, die stärken, wo der Mut fehlt, die motivieren, wo es steinig wird.

Wer unterwegs ist muss aber auch lernen, anderen Weggefährte zu sein. Der oder die darf den Blick nicht immer nur nach oben richten, denn sonst besteht die Gefahr zu übersehen, was vor den Füßen liegt.

Aber nur wer unterwegs ist, kann sich führen lassen. Kann spüren, wie sich neue Begegnungen anfühlen, wie andere Perspektiven aussehen und vielleicht ganz Neues entsteht.

Einer, der ruft, ist Jesus Christus. Und er sagt:

„Kommt und seht!“ Kommt und hört! Kommt und geht! Mit mir, miteinander. Folgt mir nach in eurem Denken und Fühlen und Handeln. Ob im Urlaub oder wo auch immer. Wer Jesus folgt, entdeckt immer tiefer, wo Gott in unsrer Welt wohnt. Wer Jesus folgt, braucht sich vor neuen Wegen, Menschen und Perspektiven nicht zu fürchten. Nachfolge ist spannend. So und so.

Pastorin Christine Meyer-Seifert, Evanglisch-methodistische Gemeinden Zwickau und Planitz

Zum 4. Sonntag nach Trinitatis

von Pfr. Michael Schünke, Ev.-Luth. Versöhnungskirchgemeinde Planitz

Jeder muss sein Päckchen tragen

„Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“, so weiß es schon die Bibel (Matthäus 6,34). Ja, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Da braucht man nicht lange drüber zu reden; das ist so. Aber nun macht die Botschaft der Bibel an dieser Stelle nicht Halt. Es gibt eine höchst erstaunliche Weiterführung dieser Aussage! Als Jesus Christus seinen Jüngern und Schülern eines Tages offenbart, wie sein irdischer Lebensweg zu Ende gehen wird (dass er leiden wird und sterben muss und am dritten Tage auferstehen wird), da sagt er: „Will mir jemand nachfolgen, dann verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ (Matthäus 16,24) Das Tragen der eigenen Lebenslast – wie immer sie aussehen mag und welche Ursachen sie hat! – eröffnet dennoch eine Perspektive: Jesus Christus nachfolgen. Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht), kann in seinem Leben einen Sinn finden, indem er es einem anderen überlässt und sich von Ihm führen lässt. Und dieser Jemand ist nicht irgendjemand, sondern Jesus Christus, der die Last aller Sünde dieser Welt getragen hat – hinauf an das Holz des Kreuzes! Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht) kann einem Lastenträger folgen, der weiß, wie sich das anfühlt. Denn Jesus hat eine viel größere Last getragen: die Sünde der Welt! Und das zu unserer Ent-lastung. Wer sein Päckchen zu tragen hat (und wer hat das nicht), von dessen Schultern soll eine Last genommen sein: die eigene Schuld, das eigene Versagen. Das hat ein anderer auf sich genommen und trägt es bis heute: Jesus Christus.

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2) So wird es in vielen Kirchen an diesem Sonntag verkündet. Das klingt in diesen Zeiten wie eine Zumutung. Aber wir wissen doch, was es heißt, Lasten zu tragen. Deshalb können wir Verständnis haben für andere, die ihr Päckchen zu tragen haben wie wir. Und wir können hier und da sogar Lasten abnehmen und Linderung geben: miteinander teilen und füreinander beten!

Zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Geistliches Wort für den 27.06.2020

An einem kalten Januartag vor vielen Jahren war ich mit meiner Klasse auf einem Schulausflug. Auf dem Rückweg hatte ich extra einen „Mutti-Zettel“ bekommen, der mir erlaubte, einen anderen Zug als der Rest der Klasse zu nehmen. Geplant war, dass meine Mutter mich am Endbahnhof in Empfang nahm und wir gemeinsam zu Freunden fahren. Wie gesagt, das WAR der Plan. Leider war der Zug so voll, dass meine Mutter und ich uns gegenseitig nicht finden und nicht sehen konnten. Da ich wusste, wo sie parken und vorher einkaufen wollte, stellte ich mich ans Auto und wartete. Ich bewegte mich nicht weg. Ich blieb dort stehen. Nur dreimal machte ich mich kurz auf die Suche nach meiner Mutter. Wie sich später herausstellte, waren es genau diese drei Male, als meine Mutter auf der Suche nach mir am Auto war. Nach drei sehr kalten Stunden hatten wir uns gefunden und ich fiel voller Freude in die Arme meiner Mutter. Ich kann mir bis heute nicht ausmalen, welche Ängste sie ausgestanden haben musste. Ich war nur froh, endlich wieder bei ihr zu sein.

Dieser Sonntag und auch die kommende Woche stehen ganz unter dem Motto der offenen Arme. So wie meine Mutter mich nach einer langen Suche in die Arme geschlossen hat, so ist auch Gott. Er will nicht, dass wir verloren gehen oder einsam in der Kälte stehen bleiben. „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10) Gott gibt keinen verloren, sondern er schickt seinen Sohn zu uns, damit er all die verlorenen, bibbernden, ängstlichen, hoffnungslosen Menschen findet. Keinen gibt er auf, sondern er steht mit offenen Armen bereit. Und am Ende wird ein großes Fest gefeiert – mit warmer Suppe und jeder Menge Lachen.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

Zum Johannistag

„Gott trägt keinen Mundschutz“

Den Satz habe ich kürzlich bei einer Veranstaltung gehört. Ein Freund betete und machte diese Feststellung…“Danke Herr, dass du keinen Mundschutz trägst…“  Er wollte weiterbeten, – kam aber nicht mehr dazu, weil alle Anwesenden so laut anfangen mussten zu lachen, dass es nicht mehr ging…

Auch wenn uns diese Vorstellung belustigt und amüsiert hat, dann ist sie doch genauso einleuchtend. Gott ist nicht distanziert. Er ist nicht diesen Dingen unterworfen. Sondern er will und kann uns nahe sein, und wir dürfen seine Nähe spüren und erfahren. Wenn wir uns an ihn wenden, hört er uns. Er will gerne Beziehung zu uns haben. Wollen auch wir das? Wie gut, dass wir uns in unserem Land wieder treffen dürfen, -im erweiterten Familienkreis, mit Freunden, und auch zu der ein oder anderen Veranstaltungen. Manchmal eben mit Einschränkungen… Vielleicht haben wir die Beziehungen, in den wir leben, ganz neu schätzen gelernt. Und vielleicht auch die Beziehungen, die wir bisher vernachlässigt haben. Aber wir haben auch gemerkt, dass der Kontakt zu anderen Menschen manchmal nicht möglich ist, und dass er nicht das einzige Fundament in unserem Leben sein kann. All das ist krisenanfällig. Gott ist der einzig verlässliche, der nicht unseren Krisen unter-worfen ist. Er hat keine Krankheiten, er hat keine „Unpässlich-keiten“ und er trägt auch keinen Mundschutz J

Leider ist durch die Entscheidung des Menschen ganz am Anfang das Leid und Elend, und auch die Krankheit in die Welt gekommen. Der Mensch entschied sich für die Unabhängigkeit, und für ein Leben ohne Gott, seinen Schöpfer. Sozusagen für eine „soziale Distanz nach oben“… So berichte uns die Bibel auf den ersten Seiten (1. Mose 1,26-2,24). Und dies hat den Teufel bevollmächtigt, all das in die Welt zu befördern und zu verstärken, was uns noch heute so zu schaffen macht. Den Unfrieden, das Leid und die Katastrophen. Und auch die  Krankheiten. Die Schöpfung und gute Ordnung in der Welt war nicht mehr perfekt. Aber Gott will nicht die Distanz. Er sucht unsere Nähe. Er hat sie über die Jahrhunderte immer wieder gesucht. Und er kam selber auf diese Welt, – durch Jesus. Er zeigte, wie Gott ist und er schuf einen Weg aus der Distanz heraus. Wieder in die Nähe Gottes zu kommen. Jesus trug die Strafe für unseren Aufstand gegen Gott und für unsere Gottlosigkeit. Er hat am Kreuz darüber gesiegt. Vergebung steht für uns bereit. Und damit auch der Weg in die Nähe Gottes.

Seien sie mutig und wenden sie sich an ihn. mReden sie mit Gott. Er wartet auf sie.

Ich wünsche ihnen dabei Gottes Segen, Jahn Bayer, Pastor Elimgemeinde Glauchau

zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Sommer

Ich liebe den Sommer. Und deshalb freue ich mich auf den heutigen Sommeranfang. Denn jetzt sind die Tage am längsten, Sonnenschein und Wärme erfreuen uns (meistens jedenfalls), Ferien, Urlaub und Ausflüge in die Natur – in Gottes wunderbare Schöpfung – sind für viele in den nächsten Wochen angesagt.

Im Sommer schalten wir oft einen Gang zurück. Das Leben scheint etwas langsamer zu gehen. Im Urlaub, beim Besuch des Freibades, im Garten oder auf der Terrasse nehmen wir uns eine Auszeit und tun dann das, wozu uns im ganz normalen Alltag oft nur wenig oder keine Zeit bleibt. Das ist auch gut, denn man kann schließlich nicht rund um die Uhr nur arbeiten und den vielen Alltagsverpflichtungen nachkommen.

Wer ständig ruhelos auf den Beinen ist, wer sich nicht zumindest kleine Augenblicke der Ruhe und Entspannung gönnt, der schadet auf Dauer seiner Gesund­heit.

Gott möchte, dass es uns Menschen gut geht, dass wir gesund bleiben an Leib und Seele.

Vielleicht nutzen wir die Sommer­zeit als eine Gelegenheit, wieder etwas bewusster auf uns selbst zu achten. Das tut nicht nur gut, sondern gibt neue Kraft für anstehende Aufgaben.

Der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck (1902-1968) hat es einmal so ausgedrückt: „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“

Wahrscheinlich müssen viele von uns diese Kunst immer wieder üben, manche vielleicht sogar neu lernen. Je besser uns dies gelingt, umso mehr werden wir spüren, dass wir ruhiger, gelassener und ausgeglichener sind. Das wird natürlich auch unseren Mitmenschen nicht verborgen bleiben, im besten Falle sogar auf sie abfärben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sommeranfang und eine frohe und erholsame Sommerzeit!

Der Autor ist Dekan Markus Böhme, Pfarrer der Zwickauer katholischen Pfarreien Heilige Familie, St. Franziskus, St. Johann Nepomuk, der Pfarrei Maria Königin des Friedens in Kirchberg und Dekan des Dekanates Zwickau

zum 1. Sonntag nach Trinitatis

In den letzten Wochen waren keine Gottesdienste möglich. Eine harte Zeit für manche Christen, für manche waren andere Einschränkungen härter. Ein wenig erinnert die Situation an die Anfänge des Christentums. Gottesdienste in heutiger Form gab es nicht, es waren noch nicht einmal Kirchen errichtet. Der Glaube wurde innerhalb der Familie, maximal in Hauskreisen praktiziert.

Der Glaube eines Menschen betrifft sein tiefes Inneres, jede*r muss für sich selbst die Entscheidung treffen. Die überlieferten Berichte der Menschen, die Jesus nachfolgten sowie die Schriften des Alten Testaments prägten damals den Glauben der Menschen.

Heute haben wir die gesamte Bibel in den verschiedensten Übersetzungen und noch vielfältigere Auslegungen. Auch im digitalen Raum hat die Kirche nachgerüstet und möchte über Instagram, YouTube etc. möglichst allumfassend und überall präsent sein und alle Menschen ansprechen und begeistern.

Was fehlt: die Stille. Vielleicht haben wir als Kirche zu schnell reagiert und herkömmliche Angebote durch multimediale ersetzt. Vielleicht hätten wir gleich im März aufrufen sollen, eventuell freigewordene Zeit zu nutzen: zur inneren Einkehr, zum gemeinsamen Gebet in der Familie, zum selbstständigen unangeleiteten Lesen der Bibel, zur eigenen Glaubensfindung.

Was bedeuten beispielsweise Tod und Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben? Wie strapazierfähig ist unser Bild von Gott als der, der hinter allen erklärbaren und nicht zu erklärenden Geschehnissen dieser Welt steht? Was bewirkt der Heilige Geist in uns?

Das Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist feiern wir am morgigen Sonntag Trinitatis – dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Gottesdienst vor Ort oder in stiller Einkehr für sich. Paulus segnete einst die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13) – der Spruch begleitet uns durch die kommende Woche.

Dr. Bianka Röhr, Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Trinitatis

In den letzten Wochen waren keine Gottesdienste möglich. Eine harte Zeit für manche Christen, für manche waren andere Einschränkungen härter. Ein wenig erinnert die Situation an die Anfänge des Christentums. Gottesdienste in heutiger Form gab es nicht, es waren noch nicht einmal Kirchen errichtet. Der Glaube wurde innerhalb der Familie, maximal in Hauskreisen praktiziert.

Der Glaube eines Menschen betrifft sein tiefes Inneres, jede*r muss für sich selbst die Entscheidung treffen. Die überlieferten Berichte der Menschen, die Jesus nachfolgten sowie die Schriften des Alten Testaments prägten damals den Glauben der Menschen.

Heute haben wir die gesamte Bibel in den verschiedensten Übersetzungen und noch vielfältigere Auslegungen. Auch im digitalen Raum hat die Kirche nachgerüstet und möchte über Instagram, YouTube etc. möglichst allumfassend und überall präsent sein und alle Menschen ansprechen und begeistern.

Was fehlt: die Stille. Vielleicht haben wir als Kirche zu schnell reagiert und herkömmliche Angebote durch multimediale ersetzt. Vielleicht hätten wir gleich im März aufrufen sollen, eventuell freigewordene Zeit zu nutzen: zur inneren Einkehr, zum gemeinsamen Gebet in der Familie, zum selbstständigen unangeleiteten Lesen der Bibel, zur eigenen Glaubensfindung.

Was bedeuten beispielsweise Tod und Auferstehung von Jesus Christus für unser eigenes Leben? Wie strapazierfähig ist unser Bild von Gott als der, der hinter allen erklärbaren und nicht zu erklärenden Geschehnissen dieser Welt steht? Was bewirkt der Heilige Geist in uns?

Das Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist feiern wir am morgigen Sonntag Trinitatis – dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Gottesdienst vor Ort oder in stiller Einkehr für sich. Paulus segnete einst die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13) – der Spruch begleitet uns durch die kommende Woche.

Dr. Bianka Röhr, Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Pfingstsonntag

Uns geht’s gut!

In Indien und Bangladesch wütet ein Zyklon. In Afrika veranstalten Heuschrecken das große Fressen. Dazu die Herausforderungen durch Covid 19. Und was bewegt uns? Wir ringen nicht nur um gute Lösungen. Wir klagen, polarisieren, grenzen ab, schimpfen und beschimpfen… Es scheint so, als könnten wir uns das als Gesellschaft gut leisten.

Geht es uns zu gut?

Machen wirklich die auferlegten Einschränkungen unglücklich? Liegt es tatsächlich am abgesagten Urlaub, dass wir stöhnen und ächzen? Könnte es sein, dass der Grund unseres Unglücksempfindens viel tiefer liegt? Dass wir erst durch den „Verlust von Freiheiten“ entdecken, dass viele der ersehnten „Glücksbringer“ ihre Versprechen nicht halten? Dass gerade sie von dem ablenken, was wirklich zählt? Nämlich tiefe Beziehungen zu Mitmenschen und zu Gott.

Von den ersten Christen heißt es: „Die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“ (Apostelgeschichte 4,32)

Wie sind Menschen, die sich kurz zuvor noch völlig fremd waren, auf solche Ideen gekommen? Gier frisst bekanntlich Hirn auf. Was hat diese Menschen verändert? Was hat sie zu mehr Hirn und solch einer Art Leben bewegt? Der Historiker Lukas sagt: „Das war der Geist Gottes“ (Apostelgeschichte 2+4). Die Initialzündung dafür kam zu Pfingsten. Da haben die Menschen erstmalig im großen Stil das Kommen des Geistes erlebt.

Uns geht’s gut!

Denn Gottes Geist will uns heute wie damals begleiten und leiten. Er will und kann uns helfen, aufeinander zu hören, um gute Lösungen für eine gelingende Zukunft weltweit zu finden. Seit Pfingsten ist Gott bereit, uns den Geist zu senden. Lassen wir uns von Gottes Geist inspirieren. Gottes Angebot steht.

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau-Planitz

zum Sonntag Exaudi

Heute vor einer Woche gab es gleich zwei(!) Gesangswettbewerbe, sogenannte ESC`s parallel im Fernsehen.

Singen um die Wette! Gerade wir Männer lieben Wettbewerbe. Sich mit anderen messen, gewinnen – mag ich auch! Ok, um die Wette singen eher nicht, aber ein Kochduell würde ich mir durchaus zutrauen.

Wettkämpfe, zeigen, was man kann, besser als andere zu sein, ja wir wollen gewinnen – auch den Kampf gegen ein tückisches Virus.

Stolz lesen wir in der Zeitung, dass es Deutschland „am besten“ geschafft hat, das Coronavirus einzudämmen.

Harte Arbeit, die „deutsche Kämpfernatur“ und natürlich die „deutschen Tugenden“ haben uns mal wieder zu Europas Musterschüler gemacht.

Wie ist das bei Jesus?

Er sagt einmal: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

„Ich will ALLE zu mir ziehen…“, sagt Jesus. Alle! Die, die was geleistet haben, die, die nichts können, Gewinner und Loser, Fleißige und Faule, Deutsche und Migranten, Systemrelevant oder nicht… ALLE!

Jeder ist bei ihm willkommen, Jesus sehnt sich nach Gemeinschaft mit Dir und mir, ohne, dass wir vor ihm etwas leisten müssen.

„Das sagte er aber, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.“ So lautet der nächste Vers nach unserem Wochenspruch. Jesus kündigt seinen Tod am Kreuz an, einen Tod, der uns ewiges Leben schenken.

Dahin, in seine Vollkommenheit will Jesus uns ziehen, die auf Liebe und nicht auf Leistung basiert.

Bei Jesus gewinnt keiner den ersten Preis, keine Million für tapfer beantwortete Glaubensfragen. Bei Jesus geht es um das Kreuz, sein Kreuz – und meins.

Menschen, die sich zu Jesus hinziehen lassen, stehen in denselben Herausforderungen wie Jesus selbst. Sie werden abgelehnt, sie werden missverstanden und manchmal müssen sie harte Einschnitte in ihrem Leben verdauen.

Was sie in diesen Herausforderungen eint? Jesus ist da. Er zieht uns zu sich. Er ist Tröster, Heiland und Freund. Er hängt am Kreuz. Das ist etwas, das er mir abnimmt.

Gott sei Dank!

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord

zur Himmelfahrt

Himmelfahrt oder Weltflucht? Beides liegt oft nah beisammen – nicht nur am Feiertag in dieser Woche. Der wird ohnehin ganz anders als in den vergangenen Jahren. Ob das gut ist oder schlecht, hängt von den individuell gemachten Erfahrungen ab.

„Hier ist der Himmel auf Erden.“ Diesen Ausspruch habe ich in letzter Zeit schmerzlich vermisst. Er ist Ausdruck einer Erfahrung, die das Einfache und Gewöhnliche übersteigt – im positivsten Sinne. Hier ist Ruhe, Schönheit, Erhabenheit, Gesundheit, etc. Hier ist mehr als nur das Blaue, das einem so mancher versucht vom Himmel herab zu lügen. Ich sehne mich nach solchen Orten und Momenten. Als Jesus 40 Tage nach Ostern seine Freunde verlässt, schauen sie ihm in den Himmel nach. Sie ersehnen sein Wiederkommen – vielleicht bis heute. Sie ersehnen ein Wiedersehen – ganz bestimmt auch heute.

Aus diesem Sehnen wird ein Handeln. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man damals, heute oder morgen mit Hände-in-den-Schoß-Legen weiterkäme. Es würde sich auch nicht ziemen, nur in den Erinnerungen an Gewesenes zu leben. Nun heißt es, für andere und mich in dieser Welt einen Platz zu suchen oder, noch besser, einen Platz zu gestalten, wo sich gut sagen lässt: Hier ist der Himmel auf Erden.

Aber Achtung: Wenn mein Sehnen zur Sucht wird, dann wird daraus ganz schnell nicht nur Sehnsucht, sondern eben auch Weltflucht. Ich meine das Im-Ewiggestrigen-Bleiben oder das Utopische versuchen oder das Dystopische hinter allem vermuten oder schlicht auch die Realität zu verdrängen und zu verleugnen.

Den Unterschied zwischen Weltflucht und Himmelfahrt macht die Haltung, die ich habe. Als Christ ist es der gute und heilige Geist Gottes, der meine Haltung zu Themen und bei großen und kleinen Lebensentscheidungen bestimmen soll. Das tut er nicht erst am Pfingstfest, sondern immer dann, wenn ich ernstlich um diesen Geist der Liebe und des Friedens bitte und mich so verhalte, dass er nicht nur in mir sein könnte, sondern andere ihn mir auch abspüren könnten.

 Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Rogate

Ein riesiges Meerungeheuer. Es tauchte aus der Tiefe herauf und verschlang ihn. Er hatte zuvor nicht gehört. Rannte weg vor Gott und seiner Aufgabe. Er machte sich lieber aus dem Staub, stieg auf ein bemanntes Schiff und segelte weit weg von Gott – so dachte er. Doch da begann ein furchtbarer Sturm auf der hohen See. Die Seeleute fanden heraus, wer verantwortlich war für das Unheil und warfen ihn über Bord. Es ist die Geschichte von Jona und dem Walfisch. Sie zeigt uns, wie wir Menschen sind. Vor Verantwortung und Aufgaben, die wir nicht haben wollen, laufen wir oft genug lieber davon. Doch irgendwann holt uns alles ein. Spätestens wenn wir selbst mit im „Unglücks-Boot“ sitzen. So erging es uns in den vergangenen Wochen und Monaten. Wurde uns doch bewusster als zuvor, wie zerbrechlich auch unsere vermeintlich heile Welt in Deutschland sein kann. Davor können wir nicht weglaufen oder die Augen verschließen, ob es sich um Corona oder andere globale Probleme handelt, denen wir mit Verantwortung begegnen müssen. Jona überlebte seine Katastrophe, indem Gott für ihn ein „Rettungs-U-Boot“ schickte, den Walfisch. Die Bibel berichtet, wie Jona in der Einsamkeit, im Bauch des Fisches, das Beten lernt. Ursprünglich bedeutet Beten: Gott anrufen! In Psalm 66,20 heißt es: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Was für eine unglaubliche Zusage ist das! Gott hört zu, wenn ich mich ihm anvertraue und es spielt keine Rolle, was ich ihm erzähle: alle Schwere, was mich belastet, meine Sorgen, mein „Wenn“ und mein „Aber“, meine Freude über Schönes, selbst Tränen dürfen sprechen und ein leises Summen darf zum Lob für Gott werden. In Notzeiten erinnern sich Menschen vermutlich mehr an Gott als sonst. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Not Gott um sich spüren und dass Sie danach nicht vergessen, wer für Sie da war. Jona erinnerte sich, wer ihn rettete: nachdem der Walfisch ihn wieder an Land spuckte, erfüllte er Gottes Auftrag.

Rowena Jugl ist Pfarrerin in der Ev.-Luth. St.-Jakobus-Kirchgemeinde Reinsdorf

zum Sonntag Kantate

Ganz neue Töne                                                                                                 

Singt dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder (Psalm 98,1)

Ein neues Lied soll gesungen werden. Ein Lied für Gott, von den Wundern, die er tut, die erlebbar sind in alltäglichen Erfahrungen: Wenn Kranke gesund werden oder Linderung spüren, steckt dahinter mehr als ärztliche Kunst. Wo Menschen im Frieden sterben und Trauernde Trost finden, erleben sie jenen Halt, der auch durch dunkle Stunden trägt. Dass Menschen wieder zueinander finden, sich die Hand zur Versöhnung reichen, versteht sich nicht von selbst. Und wer nach Zeiten voller Zweifel wieder Licht am Ende des Tunnels erblickt, Hoffnung schöpft und Vertrauen wagt, erlebt das Wunder des Glaubens ganz neu. Gottes Wunder begegnen in nahezu allem, was nicht selbstverständlich ist und weisen so auf das eigentliche und größte Wunder hin: Gottes unbeirrbare Treue und Liebe zu uns Menschen. Und weil dieses Wunder in Jesus als Mensch zur Welt kommt, erleben wir Gottes Zuwendung oft auf ganz menschliche Weise. Öfter mal innehalten, Zeit nehmen zum Nachdenken; das hilft uns, sie in unserem Leben zu entdecken. Singt dem HERRN ein neues Lied; denn er tut Wunder. Singen tut der Seele gut. Lieder erzählen Erfahrungen mit Gott, sprechen Menschen auf einer anderen, emotionalen Ebene an. Der morgige Sonntag Cantate beinhaltet für mich noch mehr: Die Grundmelodie des Lebens klingt anders, wenn ich entdecke, dass Gottes Liebe und Treue über allem steht. Dass ich gute Zeiten nicht mir selbst verdanke noch in schweren Tagen allein bin. Dass aller Menschen Zukunft in Gottes Hand liegt und keiner nur für sich selber lebt. Trotz Krise, oder gerade deshalb, sind jetzt auch neue Töne zu hören, die Hoffnung machen: Von Fürsorge und Teilen, von Rücksicht und Miteinander. Auch das ist ein Wunder. Gelobt sei Gott!

 Horst Kleiszmantatis ist Pfarrer im Ehrenamt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Leiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge in der Stadtmission Zwickau

zum Sonntag Jubilate

Monatsspruch Mai: Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petr 4,10 (E)

Dieser Spruch begleitet mich schon viele Jahre. Er ist der Leitvers der Eisenacher Brüder- und Schwesternschaft Johannes Falk, der ich angehöre. Uns verbindet der Dienst am Mitmenschen auf der Grundlage der Frohen Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen, in der Nachfolge Jesu Christi. Was verbinde ich mit diesem Leitspruch? Diakone/Diakoninnen und Mitarbeitende in diakonischen Einrichtungen leisten Dienst am Nächsten, sie wenden sich den Mitmenschen zu. Die einen pflegen Kranke, andere hören den Verzweifelten zu. Der Nächste begleitet den Sprachlosen und Unwissenden aufs Amt und wieder andere geben Gottes Wort verständlich weiter. Mancher übernimmt organisatorische Aufgaben und Mancher unterstützt Orientierungslose. Wieder andere geben Fremden Heimat und manche nutzen die Gabe zu beten. All das ist Gottesdienst. Bei der Vielfalt der „Dienenden“ in Diakonie denke ich an das Bild eines Mosaiks – ein buntes, wundervolles Kunstwerk, das im Lichte (Gottes) glänzt. Jedes noch so kleine Steinchen ist für das Ganze notwendig, das gilt auch für die Mitarbeiter in Diakonie. Egal ob Pflegekraft, Reinigungskraft, Ehrenamtlicher oder Sozialarbeiter – egal ob Christ oder Kirchenferner – alle sind mit ihren Begabungen Mitgestalter an einer friedvollen und solidarischen Gesellschaft. Und für uns Christen gilt es, dass wir dies zur Ehre Jesu tun. Ohne Neid und Vergleichen. Sicherlich – wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können an dem Platz an dem uns Gott gestellt hat, wirken mit unseren Möglichkeiten, die wir haben – und wenn es nur ein paar Zeilen der Aufmunterung sind. Es braucht oft keine großen Gesten. Wenn wir der Liebe Gottes in unserem Herzen nachspüren, dann wird uns diese Liebe öffnen für unsere Mitmenschen. Ein kleines Lächeln, eine kleine Hilfestellung kann dann zum Segen werden, nicht nur für den anderen, sondern auch für uns. Jede Gabe ist wertvoll – bitte teilen!

Gabriele Floßmann, Diakonin und Vorstandsvorsitzende des Diakonie Stadtmission Zwickau e. V.  

zum Sonntag Miserikordias Domini

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,11a.27-28a

Als Kinder stellten wir uns die Frage: Wärst du ein Tier, welches würdest du gerne sein? Das Schaf war nicht mein Favorit. Auch bei Geschwistern und Mitschülern waren Pferd und Löwe beliebter. Alle wollten stark und kein schwaches, dummes Schaf sein. Wenn Jesus seine Leute als seine Schafe bezeichnet, meint er, dass sie abhängig und auf seine Hilfe angewiesen sind. Die jetzige Lage zeigt, was Abhängigkeit und Kontrollverlust bedeuten. Zwar können wir versuchen, dem Corona-Virus durch Regelbefolgung auszuweichen, es aber nicht meiden oder vertreiben. Es ist unsichtbar und kann jeden infizieren. Das macht bescheiden und weckt Sehnsucht, geborgen und sicher zu sein.

Dass Jesus auch uns ruft, mit ihm unterwegs zu sein, kann diese Sehnsucht stillen. Es ist klug, unsere Abhängigkeit und seine Hilfe zu akzeptieren, in seiner zu Nähe bleiben. Er weiß, wo unser Herz satt wird. Bei ihm sind wir geborgen. Selbst wenn Krankheit und Leid uns treffen, können wir wissen: Unter Einsatz seines Lebens gab er uns ewiges Leben.

Er kennt dich und spricht dir zu: Du kannst meine Stimme aus der Stimmenvielfalt herauszuhören. Er redet durch Worte der Bibel, Gedanken, Menschen, Bilder, Umstände oder anders. Jedenfalls traut er uns zu, ihm zu folgen – hin zu Menschen und an Orte, zu denen er führt, tröstende Worte zu sprechen, die wir von ihm gehört, Taten zu tun, die wir bei ihm mit dem Herzen gesehen haben – im Evangelium und Wahrnehmen seines Geistes. Er nimmt die Angst, was zu verpassen. Er ist ja da, gibt jetzt schon reichlich, vermittelt Halt, wo äußere Sicherheiten wegbrechen, und hält unendliche Fülle bereit.

Geht es dir auch wie mir, dass du sagen kannst: Ich will Schaf von Jesus sein; zu diesem guten Hirten will ich gehören?

Gottfried Wachsmuth, Pfarrer, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Hartmannsdorf

zum Sonntag Quasimodogeniti

„Er gibt dem Müden Kraft und Stärke dem Unvermögenden.“ Jesaja 40, 29

Du musst halt richtig beten, werde ich belehrt, wo ich Zweifel äußere.

Ich bin müde – ja, steh ich überhaupt richtig im Glauben. Was darf man von mir als Christen erwarten?

„Getröstet“, so schreibt eine Witwe in die Traueranzeige und meint, als Christ müsse man das doch sein.

Skeptisch hör ich die täglichen Nachrichten. Wieso bin ich nicht zuversichtlich? Das  sollte doch wohl unser Markenzeichen sein!

Geduldig, freundlich, liebevoll, ausgeglichen, voller Verständnis… Ich bin das Ohr für die, die etwas sagen wollen; bin der Mund derer, die sich schämen, selbst zu reden; bin Hand für die, die ihre Hand nicht erheben, hab die Füße auf dem Weg zu denen, die warten; hab ein Herz voller Mitleid, das dich auf Wunsch bedauert, bin immer auf Abruf bereit…

Ein Bild eines perfekten Christen – ein Bild, das uns maßlos überfordert!

Gern sag ich: als Christ muss ich nicht jedem Recht geben.

Als Christ muss ich nicht immer für alle da sein.

Als Christ muss ich nicht tun, was du zu tun zu bequem bist.

Sie sind doch Pfarrer, besuchen sie meine Tante. „Ja,“ antworte ich, „gern. Mit ihnen gemeinsam.“ „Wieso ich, ich zahle doch Kirchensteuern.“ Sprich: da hab ich einen, der tun muss, wozu ich keine Lust hab.

Wir sind überfordert – von anderen überfordert. Manchmal auch von uns. Denn wir wollen doch dem gerecht werden, was wir glauben.

Und so rackern wir, bis wir nicht mehr können, …und zwangsläufig irgendwann erschöpft aufgeben.

Luther hat‘s vor fünfhundert Jahren schon gewusst. Müde und überfordert wie wir oft sind, übersehen wir eines: ER gibt dem Müden Kraft. Ich kann und muss nicht alles schaffen. ER schenkt die Voraussetzung, Gnade allein:

Christus ist unserem schuldhaften „Du musst“ erlegen und am Kreuz für uns gestorben. Aber Gott hat ihn auferweckt: uns zum Heil: Aus diesem Glauben lasst uns Leben gestalten: in und trotz aller Unvollkommenheit ihm fröhlich leben, gemeinsam, gleich wie „neu geboren“…

Pfarrer Matthias Hecker, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Kirchberg

zum Ostersonntag

Wer den Körper berührt, berührt immer auch die Seele

Das ist schon ein seltsames Osterfest – ohne Gottesdienste, ohne Familienfeiern oder die Begegnung mit Freunden – auf Distanz bleiben – das gilt auch für die Festtage. Mir fehlen in diesen Tagen die Umarmungen von Freunden, der Händedruck zur Begrüßung, das Nachbarskind auf dem Arm oder die mit beiden Händen gehaltene Hand meiner alten Freundin in der Seniorenresidenz. Ziemlich einsam mag sich der eine oder die andere durch den notwenigen Abstand fühlen, denn für die Gesundheit unserer Seele brauchen wir körperlichen Kontakt. Als Jesus gestorben war, wollten die Frauen ihn in seinem Grab einsalben. Auch das wäre eine Berührung geworden, die selbst nach dem Tod noch Nähe herstellen könnte. Aber sie war nicht möglich. Nicht wegen einer Seuche wie bei uns heute, sondern weil Jesus nicht mehr im Grab lag. Die Frauen, so erzählt es die Bibel, fürchteten sich und trauten sich zuerst niemandem von dieser seltsamen Begegnung zu erzählen und auch die Männer reagierten sehr ungläubig. Einer von ihnen brachte es auf den Punkt: „Ich kann erst glauben, dass Jesus tatsächlich lebt, wenn ich meine Hände in seine Hände legen und die Wunden seiner Kreuzigung anfassen kann.“ Erst wenn also die Berührung stattfindet, dann wird es real. Wir brauchen Nähe und körperlichen Kontakt. An diesem Osterfest wird dies auf zwischenmenschlicher Basis nicht möglich sein, aber wir können uns dennoch berühren lassen: Ostern, das ist das Fest des neuen Lebens ‒ nicht nur von Jesus, sondern auch der Schöpfung, in der uns Gott begegnen will. Die warmen Sonnenstrahlen, der Wind oder der Regen auf der Haut sind Berührungen, die nicht nur an der Oberfläche bleiben müssen. Sie können wie menschliche Nähe auch unsere Seele berühren. Wenn sie also jetzt mal kurz das Fenster öffnen und für einen Moment die Sonne oder den Wind spüren, dann spüren sie für einen Augenblick Gottes Berührung auf ihrer Haut, denn Gott muss zu uns keine Distanz halten.

Verona Lasch,  Diplom-Theologin, Zwickau

zum Gründonnerstag

Warum ist der Gründonnerstag grün?

Der Tag vor Karfreitag (kara = Klage, Kummer, Trauer) wird in unserem Sprachraum der „Gründonnerstag“ genannt. An diesem Tag denken die Christen an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte, bevor er am nächsten Tag gekreuzigt wurde. Warum aber heißt es „Grün“Donnerstag?

Wahrscheinlich kommt das Wort „grün“ von dem alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort „gronan/grinan“, was „weinen, wehklagen“ bedeutet. Wir kennen vielleicht das Wort „greinen“ als Bezeichnung dafür, wenn jemand weint. Unklar ist, ob dieses „Weinen“ am Gründonnerstag sich auf den bevorstehenden Tod Jesu am Kreuz bezieht oder auf das Weinen der reuigen Sünder, die an diesem Tag von ihrer Schuld befreit wieder in die Gemeinde aufgenommen wurden. Außerdem wurde dieser Tag als der „Tag der Grünen“ benannt, denn die Büßer, die man auch als „dürres Holz“ bezeichnete, wurden wieder lebendig, also „grünes Holz“.

Der Gründonnerstag und das Gedächtnis an das Abendmahl erinnern uns also daran, dass wir unvollkommene Menschen sind, die unter ihren Fehlern und Verfehlungen leiden. Aber Christus hat sein Leben für uns gegeben, damit wir „grünes Holz“, also befreit von Schuld und Sünde, sein können.

Lassen Sie sich einladen, sich dieses Gebet zu eigen zu machen: Herr, heute am Gründonnerstag kann ich Dir mein Herz ausschütten und weinen über mich selbst und meine Fehler. Aber Du bist der, der für mich ans Kreuz gegangen ist und mir verzeiht. Danke, dass Du vergibst und mich frei machst. Herr, ich weine heute aber auch über die Zustände in der Welt, die gerade völlig aus den Fugen zu geraten scheint. Ich bin unsicher und habe Angst. Mir fehlen die Menschen, die ich liebhabe. Es tröstet mich, zu wissen, dass Du mir trotzdem nahe bist, auch wenn ich mein Leben nicht so führen kann, wie gewohnt. Es tröstet mich, zu wissen, dass auch Du Angst gehabt hast damals. Es tröstet mich, dass ich weiß: Du lässt mich auch jetzt nicht allein und wirst für mich da sein. Hilf mir in meiner Angst und tröste mich. Amen.

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau


zum Sonntag Palmarum

Der morgige Sonntag, liebe Leserinnen und Leser, ist in der christlichen Tradition als Palmsonntag bekannt. Die biblische Geschichte, die diesem Sonntag den Namen gab, ist der Einzug Jesu nach Jerusalem. Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem und alles lief auf ein bitteres Ende zu: Gefangennahme, Folterung, ein Schauprozess, Verurteilung, Kreuzigung. Doch am Anfang steht ein triumphaler Einzug in der Hauptstadt. Ich bezweifle, dass Jesus diesen Einzug so gewollt hat, aber das Volk hat seinen eigenen Kopf: Es empfing ihn mit Hoch-Rufen und Jubelgeschrei, mit Klatschen und Freude, es legte Palmenzweige auf den Weg oder die eigenen Mäntel – Zeichen der Ehrerbietung. Dasselbe Volk, das nur einige Zeit später „Kreuzige ihn!“ rief und diesen Jesus mit seinen Rufen verurteilte. Stimmungen können offensichtlich schwanken. Angst, Wut, Unsicherheit treibt die Menschen und lässt sie schnell vergessen. In diesen Tagen werden so einige Berufe mit viel Beifall bedacht, die sonst ein eher randständige Dasein fristen und für ihre eigenen Rechte kaum eine Lobby haben. Oder es gibt Berufe, die auch in dieser Krise kaum gesehen werden – und die doch den ganzen Laden am Laufen halten. Ich wünsche uns als Gesellschaft, dass wir ein gutes Gedächtnis haben und dass wir uns nicht nur mit Beifall bedanken, sondern damit, dass wir für gute Bedingungen in allen Berufen einstehen, damit Menschen von ihrer Arbeit gut und würdevoll leben können. Ganz im Sinne Jesu: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so  unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“ Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche – die einzelnen Stationen auf Jesu Leidensweg stehen im Mittelpunkt dieser Woche. Gerade weil Gott in Jesus dieses Leid mittrug und aushielt, ist er nun denen besonders nahe, die unter der aktuellen Situation leiden – weil sie krank sind, einsam oder unsicher, voller Angst und voller Verzweiflung, wenn sie in die Zukunft blicken. Auch hier gilt: Achten wir aufeinander – und erfüllen wir so Jesu Vorstellung, wie wir als Menschen miteinander umgehen sollen. Bleiben sie behütet.

Pastor Christian Posdzich, Evangelisch-methodistische Friedenskirchgemeinde Zwickau

zum Sonntag Judika

Glaube in Corona-Zeiten

Es sind bewegte Zeiten, in denen wir gerade leben. Täglich erreichen uns gegenwärtig neue Nachrichten, was die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Lebenseinschränkungen betrifft. Selbst unsere Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen sind davon betroffen.

In so manchen Gesprächen ist zu erleben, wie verunsichert viele Menschen sind, Befürchtungen, Ängste machen sich breit – sicherlich ist dabei einiges nicht unberechtigt. Doch bei einigen kommt gar eine Weltuntergangsstimmung auf. Ja, auch mich bewegt der Gedanke, was so ein kleines unsichtbares Virus nicht alles auszulösen vermag. Fast alle unserer bisherigen Abläufe geraten durcheinander. So manches bisher Sichere wird nun hinterfragt. Doch ich bin überzeugt, dass letztlich auch diese Krise ihre guten Seiten haben kann, wenn wir sie nur zu ergründen vermögen. Denn bei allen Unsicherheiten aber bleibt mir eine feste Sicherheit: Mein Glaube, meine Beziehung zu Gott trägt mich auch in dieser Zeit: Außerdem sind wir ja nicht die ersten, die in der Menschheitsgeschichte Krisenzeiten zu bestehen haben, sondern wir leben auch aus den Lebens- und Glaubenserfahrungen unserer Vorfahren.

Da wird zum Beispiel der Blick in die Bibel hilfreich. Dort haben Menschen aus vergangenen Zeiten ihre Erfahrungen in eigenen Krisenzeiten niedergeschrieben. Gerade in dieser 5. Woche der Passionszeit lautet hier entsprechend dem Kalender der Fastenaktion „Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus“ das Wochenthema: „Meine Zuversicht ist bei Gott.“ Und ein Text aus einem alten Gebet unserer Kirche steht dabei im Blickpunkt der geistlichen Betrachtung (Psalm 62) „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. Meine Zuversicht ist bei Gott.“

Statiker wissen, dass Hochhäuser sogar etwas wanken müssen, wenn starker Wind weht. Wichtig ist nur ein gutes Fundament, ein stabiler Untergrund auf dem das Haus fest steht. Bei uns Menschen ist das ähnlich. So sieht es auch der Psalmbeter. Sein Lebensfundament ist sein fester Glaube. Seine Sicherheit, seine Zuversicht weiß er auf diesem Grund: Wenn ich Gott unter meinen Füßen habe, können mich die Stürme des Lebens durchaus etwas zum Wanken bringen. Aber ich kann beruhigt sein, dass dies mein Leben nicht zum Einsturz bringt, denn meine Zuversicht ist bei Gott.

Dieser Glaube trägt auch in Corona-Zeiten. Ich wünsche Ihnen diesen Glaubenshalt.

Pfarrer Karlheinz Wohlgemuth, Ev.-Luth. St.-Martins-Kirchgemeinde Oberes Pleißental

zum Sonntag Lätare

Morgen hätte ich eigentlich einen Gottesdienst zu halten. Es fühlt sich komisch an, am Sonntagmorgen nicht in die Kirche zu gehen, denn der Gottesdienst gehört ganz zentral zu unserem Leben als Familie. Nicht nur zu meinem. Ich kenne viele Menschen, denen die Begegnung, das Wort und das gemeinsame Singen fehlen. Auf diese gewohnte Form im Moment zu verzichten macht mir aber keine Angst. Ganz im Gegenteil. An vielen Stellen spüren Menschen, was wirklich wichtig ist. Das gilt nicht nur für unsere kirchlichen Veranstaltungen und Gottesdienste, sondern auch für die Schulen und den ganz normalen Gang zur Arbeit. Das, was bisher normal erschien, ist nicht mehr normal und keiner weiß, wie es weitergeht und ausgeht. Ich bin keine Schwarzmalerin. So gar nicht. Aber ich bin vorsichtiger geworden. Und ich weiß um die vielen, deren Existenz auf dem Spiel steht. Und dennoch: Es gibt etwas, das ist stärker. Ein Gefühl von Hoffnung macht sich in mir breit. Ein Gefühl, dass mich ruhig, zuversichtlich und aufmerksam sein lässt. Alles was wir gerade erleben, weckt etwas in uns. Die Verbundenheit mit Anderen; Dinge, deren Normalität wir nicht mehr hinterfragt haben; wir erinnern uns an das, was für unser Leben wirklich wichtig ist. Vieles, was immer schon so war, geht nicht mehr. Ablenkung geht nicht mehr. Weglaufen geht nicht mehr. Arbeit, Schule, Kultur, Gottesdienst – unser Leben pausiert. Aber wir sind da. Mit dem, was in uns ist. Mit all dem, was wir für andere sein und anderen geben können.

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht!“ Joh 12,24

Dieser Vers steht über der kommenden Woche. Mit Jesus Christus glauben wir, dass der Tod nicht das Ende ist. Dass aus jedem Ende etwas Neues erwachsen kann. Ich bin voller Hoffnung, dass nach Abschottung, Vereinzelung und Verlust unser aller Leben reicher, tiefer und lebenswürdiger ist. Aber das ist Zukunft. Noch sind wir mittendrin. Bleiben Sie alle behütet!

Pastorin Christine Meyer-Seifert, Evangelisch-Methodistische Friedenskirche Zwickau

zum Sonntag Okuli

„Wohin?“

Manchmal möchte man den Kopf in den Sand stecken.  Immer wieder schlechte Nachrichten:  Corona-Virus,  Feuersbrunst in Australien,  überfüllte Flüchtlingslager…  Extreme Weltanschauungen und Polarisierungen auf der einen Seite;  Angst vor Gewalt, vor Armut, vor Überfremdung auf der anderen Seite.  Wo führt das alles hin?

Früher fühlte sich vieles leichter an.  Man möchte in seinen Erinnerungen baden und sehnt die gute alte Zeit herbei.  Denn es gibt wertvolle Dinge, die man in sich trägt – aus einer Zeit, die nicht wiederkommt.

Der Herr Jesus Christus mahnt an diesem Wochenende, sich auf etwas Unangenehmes einzulassen, nämlich nach vorn zu schauen, in die Zukunft (von der man nichts Gutes erwartet):  „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“.  (Lukas 9,62)

Nicht der Blick zurück macht uns und diese Welt heil.  Was die Welt heil macht, das liegt nicht hinter uns, sondern kommt uns entgegen.  Gott sei Dank:  Wir alle hatten trotz schwerer Zeiten und tragischer Erlebnisse auch Gutes, an das wir uns dankbar erinnern dürfen.  Ein dankbarer Blick auf das, was hinter uns liegt, ist heilsam für Seele und Leib!

„Wohin?“

Manchmal möchte man den Kopf in den Sand stecken.  Immer wieder schlechte Nachrichten:  Corona-Virus,  Feuersbrunst in Australien,  überfüllte Flüchtlingslager…  Extreme Weltanschauungen und Polarisierungen auf der einen Seite;  Angst vor Gewalt, vor Armut, vor Überfremdung auf der anderen Seite.  Wo führt das alles hin?

Früher fühlte sich vieles leichter an.  Man möchte in seinen Erinnerungen baden und sehnt die gute alte Zeit herbei.  Denn es gibt wertvolle Dinge, die man in sich trägt – aus einer Zeit, die nicht wiederkommt.

Der Herr Jesus Christus mahnt an diesem Wochenende, sich auf etwas Unangenehmes einzulassen, nämlich nach vorn zu schauen, in die Zukunft (von der man nichts Gutes erwartet):  „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“.  (Lukas 9,62)

Nicht der Blick zurück macht uns und diese Welt heil.  Was die Welt heil macht, das liegt nicht hinter uns, sondern kommt uns entgegen.  Gott sei Dank:  Wir alle hatten trotz schwerer Zeiten und tragischer Erlebnisse auch Gutes, an das wir uns dankbar erinnern dürfen.  Ein dankbarer Blick auf das, was hinter uns liegt, ist heilsam für Seele und Leib!

Aber wir dürfen auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  In einem Kirchenlied heißt es:  „Vertraut den neuen Wegen auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“  (K. P. Hertzsch)  Wer sich im Gestern einrichtet, kommt ins Schlingern und verpasst, was ihm heute geschenkt ist.  Gerade Furchen ziehen kann der, dessen Leben ein Ziel hat.  Und das liegt nicht in dieser Welt.  Das Ziel für unsere Welt ist schon von Gott bestimmt.  ER ist es, der sagt:  „Siehe, ich mache alles neu!“  Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.  (Offenbarung 21,4+5)  Von dort kommt uns Jesus Christus entgegen, um uns hier und jetzt zu begegnen und einzuladen, mit IHM den Weg zu gehen – in die Zukunft, die von Gott schon vorbereitet ist.  Heil wird die Welt durch Ihn!

Aber wir dürfen auch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  In einem Kirchenlied heißt es:  „Vertraut den neuen Wegen auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“  (K. P. Hertzsch)  Wer sich im Gestern einrichtet, kommt ins Schlingern und verpasst, was ihm heute geschenkt ist.  Gerade Furchen ziehen kann der, dessen Leben ein Ziel hat.  Und das liegt nicht in dieser Welt.  Das Ziel für unsere Welt ist schon von Gott bestimmt.  ER ist es, der sagt:  „Siehe, ich mache alles neu!“  Gott wird abwischen alle Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.  (Offenbarung 21,4+5)  Von dort kommt uns Jesus Christus entgegen, um uns hier und jetzt zu begegnen und einzuladen, mit IHM den Weg zu gehen – in die Zukunft, die von Gott schon vorbereitet ist.  Heil wird die Welt durch Ihn!

Pfr. Michael Schünke, Ev.-luth. Versöhnungskirchgemeinde Zwickau-Planitz

zum Sonntag Reminiszere

Mund auf!

Am 8. März beginnt die Woche der Brüderlichkeit. Seit 1952 wird sie jährlich veranstaltet von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das Motto dieses Jahr lautet „Tu deinen Mund auf für die Anderen“. Es ist Worten der Bibel entlehnt, die ein König von seiner Mutter gelehrt bekam: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen“ (Sprüche 31, 8f.). Hier spricht die gute alte Kinderstube. Im Grunde ist sie heute noch die gleiche wie damals, auch wenn seit Entstehen des Textes mehr als zweitausend Jahre vergangen sind. Haben wir Ähnliches von unseren Eltern vermittelt bekommen? Wenn ja: geben wir es gleichermaßen an unsere Kinder weiter?

Angesichts des Tonfalls in unserer Gesellschaft sollten wir unsere Kinder dringender denn je dazu zu erziehen, den Mund aufzutun und sich einzusetzen für Gerechtigkeit, die Stummen und Verlassenen.

Aber wer sind eigentlich ‚die Anderen‘? Fußballfans, Lehrer, Schüler, Eltern, Kinder, Alte, Junge, Frauen, Männer, Oberschüler, Gymnasiasten, Vegetarier, Veganer, Fleischesser, Radfahrer, Autofahrer, Christen, Moslems, Katholiken, Evangelische, Trauernde, Glückliche, … Wir sind den ganzen Tag umgeben von den Anderen. Und wir selbst sind den ganzen Tag ‚die Anderen‘. Jede*r von uns ist dankbar, wenn unser Anderssein in diesem Moment akzeptiert wird, sich jemand dann für uns einsetzt und den Mund auftut, wenn es nötig wird.

Genau darum sollten wir das auch tun. Das bedarf keiner großen Worte und noch weniger großer Taten. Beleidigungen, Verunglimpfungen, Lästereien, dumme Witze gegenüber dem ‚Anderen‘, sei es Geschlecht, Gesinnung, Religion, Herkunft, Bildung, sozialer Schicht, Ernährung, Lebensweise,… begegnen uns im Alltag, in der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen, auf Elternabenden, bei Stadionbesuchen, … Lasst uns den Mund auftun, im Sinne der Brüderlichkeit und Nächstenliebe!

Dr. Bianka Röhr ist Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Invokavit

Geschenkter Tag

Was würden wir tun, wenn uns jemand einen zusätzlichen Tag schenken würde? Mit Sicherheit fiele uns da einiges ein: mal richtig ausspannen, etwas besonders erleben, Zeit mit lieben Menschen verbringen usw.

Warum versuchen wir das heute nicht einfach? Heute ist so ein „geschenkter“ Tag. Denn den 29. Februar kennt der Kalender nur aller vier Jahre.

Freilich ist mir klar, warum es das Schaltjahr gibt. Weil die Erde für das Umkreisen der Sonne nicht exakt 365 Tage, sondern knapp sechs Stunden mehr benötigt, braucht es aller vier Jahre einen „zusätzlichen“ Tag, damit der Kalender wieder mit der Erdbewegung übereinstimmt.

Dennoch gefällt mir die Idee des „geschenkten“ Tages. Wie viele Pläne und Ideen haben wir? Und wie vieles schieben wir regelmäßig auf! Nicht selten betrauern wir dann, wenn es zu spät ist, die verpassten Chancen.

Katholische Christen haben sich am Mittwoch dieser Woche, dem Aschermittwoch, ein Kreuz mit Asche auf die Stirn zeichnen lassen. Damit werden wir an unsere Endlichkeit erinnert. Jeder von uns muss diese Erde einmal wieder verlassen.

Doch das ist kein Grund für Angst oder Panik. Denn das Kreuz macht uns deutlich, dass unsere Zeit und unser Leben in Gottes Händen liegt. Er hat uns so unendlich lieb, dass er mit uns die Ewigkeit verbringen will.

Aber er möchte auch, dass es uns jetzt schon gut geht, dass wir glücklich sind. Deshalb sollten wir unsere Prioritäten überprüfen! Dient das, was wir als wichtig erachten, wirklich dem wahren Glück? Es wäre schade, wenn wir die einmalige Lebenszeit, die uns zur Verfügung steht, verschwenden würden. Wir dürfen die von Gott geschenkte Zeit nutzen und genießen. Vielleicht fangen wir an diesem „geschenkten“ Tag ganz bewusst damit an.

Dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen!

Pfarrer Markus Böhme, Pfarrer der Zwickauer katholischen Pfarreien Heilige Familie, St. Franziskus, St. Johann Nepomuk, der Pfarrei Maria Königin des Friedens in Kirchberg und Dekan des Dekanates Zwickau

zum Sonntag Estomihi

Frischwetter

Am heutigen Tage gedenkt Zwickau, ja eine ganze Region, der verunglückten Bergleute des verheerenden Grubenunglücks vor genau 60 Jahren. Am 22. Februar 1960 starben in der 1. Abteilung des Karl-Marx-Steinkohlewerkes 123 Kumpel einen grauenhaften Tod. Den ersten Schreckensstunden folgten teils quälende Tage der Ungewissheit, abgelöst von der traurigen Gewissheit, dass von 178 eingefahrenen Bergleuten nur 55 gerettet werden konnten. Zahlreiche Familien erlebten, nur 15 Jahre nach dem Krieg, ein neues Trauma: Söhne, Ehemänner, Väter, Brüder, geliebte Menschen kamen nicht mehr lebend von unter Tage herauf. Für sie gab es kein herzliches „Glück Auf“ mehr, nur noch das traurig-trotzig-hoffende „Glück Auf“ als letztes Geleit in die Ewigkeit. Keiner dieser Verstorbenen soll vergessen werden, ihre Namen werden genannt heute in der Moritzkirche, an vielen Tagen in den Familien, in denen noch heute fehlen. Der Oberbergfürst, so wird Gott manchmal von den Bergleuten genannt, der hält unsere Klage aus, der hält den Schmerz mit uns aus, der hält unser Schweigen aus. Er hält ja sogar die vielen Worte aus, die wir gerechtfertigt oder ungerechtfertigt machen. In den verzweifeltsten Situationen unseres Lebens dürfen wir uns daran erinnern, wie sehr er uns dennoch liebt, wo er uns schon einmal getragen und getröstet hat, wie er uns neue Kraft schenkt zum Ertragen und Möglichkeiten schenkt zu vergeben und uns in Wahrheit zu begegnen. Aus dieser Erinnerung an die Güte des Oberbergfürsten erwächst eine wohltuende Leichtigkeit des Lebens und Glaubens – tragfähig für alles Kommende. Das Herz wird leichter auch wenn Narben bleiben; ich bekomme neu Luft zum Atmen, glauben, lieben. Die Bergleute unter uns wissen: Eine gute Bewetterung unter Tage ist lebensnotwendig – als Geistlicher sage ich: das ist auch hilfreich in unserem Lebensbergwerk: Frischwetter – also eine gute, dauerhafte Verbindung nach oben zu unserem himmlischen Herrn. Herzlich-hoffend Glück Auf!

Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Sonntag Sexagesimä

Mir ist vor einigen Tagen bewusst geworden, wir wunderbar still es auf dem Land ist und ich habe mich an meine Zeit in Leipzig zurückerinnert.

Der Gegensatz könnte nicht größer sein, denn die Stadt ist unheimlich laut.

Straßenbahnen rattern an mir vorbei, Autos schalten lautstark in den nächsten Gang, Fahrradbremsen quietschen. Neben mir an der Haltestelle sitzt ein junger Mann mit Kopfhörern, ich kann die Musik erahnen. Zwei Mädchen unterhalten sich, wie es nach dem Abitur weitergeht. Eine Frau gibt per Handy die Einkaufsliste durch. Die Werbetafel surrt und zeigt ein neues Bild. In solch einem Trubel ist es schwer, die Stimme zu hören, die mich anspricht. Vor allem, wenn sie leiser ist als alles um mich herum.

Auch Gottes Stimme ist leise, nicht gleich zu hören. Ich hätte natürlich gern die dröhnende, laute Stimme, die zu mir spricht. Das wäre eindeutig. Deshalb muss ich genau hinhören. Mich dem Lärm und Durcheinander immer mal wieder entziehen. Auch das ist keine Garantie dafür, dass ich Gott höre. Manchmal denke ich, dass ich zu sehr mit dem Trubel in meinem Leben beschäftigt bin, um mir die Zeit mit Gott zu nehmen. Da brauche ich nicht einmal das Hintergrundrauschen der Großstadt, mein Leben ist auch so manchmal laut und gehetzt. Der Hebräerbrief macht Mut, dass Gott wirklich mit mir redet. Er macht Mut, mein Herz offen zu halten für Gottes Reden: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3,15) Eine schöne Zusage, dass Gott mit mir redet, wenn ich mich auf ihn einlasse. Er ist an mir interessiert. Ich bin sein geliebtes Kind und genau deshalb will er mit mir sprechen. Jetzt. Hier.

Heute. Egal wie laut mein Leben ist, bei ihm kann ich zur Ruhe kommen, mein Herz ausschütten, alles sagen und hören, was Gott zu sagen hat.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

zum Sonntag Septuagesimä

Was kann man alles im Liegen tun? Auch ohne anzüglich zu werden, fallen mir da eine Menge Dinge ein. Angesichts des Wetters kann ich wohl bald an einem freien Nachmittag auf einer Frühlingswiese liegen, den Duft frischer Blumen einatmen und den Himmel beobachten. Nach einem langen Tag freue ich mich riesig auf mein bequemes Bett.

Neulich lag ich mit dem Kopf nach oben unter unserem Wachbecken im Bad, um den kaputten Siphon zu reparieren – nicht so angenehm. Aber schlimmer kann es ja immer kommen:

Der Bibelvers, der die christlichen Gemeinden in dieser Woche begleitet, beschreibt eine noch anstrengendere Art Liegens:

„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18)

Liegen? Zum Gebet? Faltet man da nicht die Hände und schließt die Augen?

Der Mensch der diesen Satz schrieb ist zutiefst kaputtgespielt, er ist „zusammengebrochen“.

Ihm und seinen jüdischen Mitmenschen hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, er ist fertig.

Kennen Sie das? Haben Sie schon mal Ähnliches erlebt?

Der Blick richtet sich nicht in den blauen Himmel sondern auf die Erde unter mir.

Unser Beter klagt Gott seine Situation. Ich kenne das.

Und auch mir hat oft geholfen, Gott das zu sagen, was mich niedermacht, zu Boden drückt hat und ihm das gestehen, was ich schon längst weiß, mir aber oft nicht getraue, einzugestehen: Ich bin mit meinem Latein zu Ende, meine Anstrengungen reichen nicht aus, um allein wieder auf die Beine zu kommen!

Der Beter klammert sich an einen letzten Strohhalm: er vertraut. Er vertraut, dass Gott da ist, selbst wenn er ihn nicht spürt, vertraut, dass Gott barmherzig ist, von Herzen mit mir ihm durch seine Situation geht oder gar durchträgt.

Ich wünsche mir dieser Vertrauen für die nächsten niederschmetternden Erlebnisse, die sicher kommen werden, und ich wünsche ihnen dieses Vertrauen auch.

Pfarrer Jens Buschbeck, Kirchspiel Zwickau-Nord

zum letzten Sonntag nach Epiphanias

„Im nächsten Oktober kommen die erst wieder rein“, wurde meinem Mann als Antwort gegeben, als er in einem Baumarkt nach Ersatzlampen für unseren Schwibbogen fragte. Das war wohl das eindeutige Zeichen: Die Weihnachtszeit wird tatsächlich bald vorbei sein. Am 2. Februar – an Mariä Lichtmess – werden sicher auch die letzten Frommen ihren Christbaum loswerden, den Stall und die Pyramide gut verpackt auf dem Boden verstauen und die Lichter erst Ende des Jahres wieder anstecken. Doch komplett verabschieden möchte ich mich nicht vom Licht. Besonders nicht vom Licht der Welt, das schon der Prophet Jesaja ankündigt: „Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Jesaja prophezeit mit diesen Worten ein Licht in der Finsternis der Welt, das allen Völkern gelten soll. Wenn dieses Licht kommt, werden die Menschen vor Freude strahlen und die Herzen werden erbeben, heißt es in der Bibel. Christen glauben, dieses Versprechen hat sich in Jesus, der in Betlehem geboren wurde, erfüllt. Gott ist in diesem Kind erschienen. Das heißt, er hat sich sichtbar gemacht und sich durch Jesus den Menschen zu erkennen gegeben. Und dieser Jesus darf seitdem unser Kind sein. Ein Kind, das im Herzen wachsen darf. Ein Kind, das wir auch nach Weihnachten nicht vergessen oder es zurücklassen sollen. Sondern uns wird zugetraut, dieses Kind in uns zu tragen und es mitzunehmen. So, wie Maria und Josef im Tragetuch. So, wie die Hirten in ihrer Einfachheit mit der sie erzählten, was sie erlebten. So, wie die weisen Männer von weit her, für die ein Stern am Himmel ihre ganze Welt veränderte. Jesus mitnehmen. Daran erinnert mich die kaputte Lampe am Schwibbogen. Sie liegt jetzt auf meinem Schreibtisch. So weiß ich jedes Mal, wenn ich sie sehe, dass der Weg mit Jesus noch nicht vorbei ist. Der Bogen seiner Geschichte mit mir spannt sich durch die Fastenzeit, über sein Leiden, bis hin zu Ostern. Da wird sie sich für alle Menschen erfüllen: seine Herrlichkeit.

Pfarrerin Rowena Jugl, Ev.-luth. Kirchgemeinde Reinsdorf





zum 3. Sonntag nach Epiphanias

Der Haken mit dem Haken!

Ein Häkchen genügt. Ein Häkchen kann alles entscheiden. Eine junge Frau hat beim Versenden einer Einladung per Facebook vergessen ein Häkchen bei Facebook zu löschen und schon wurde aus ihrer kleinen Geburtstagsparty ein Megaevent. 15.000 Gäste aus ganz Deutschland haben sich daraufhin bei ihr angemeldet. Menschen, die sie überhaupt nicht einladen wollte. 1500 standen dann sogar vor der Haustür. Das war peinlich und ärgerlich! Denn in der Regel wägen wir gut ab, mit wem wir feiern wollen.

Ein Häkchen genügt. Ein Häkchen klärt, wen wir dabeihaben wollen und wen nicht. Bei der jungen Frau ist das schief gegangen. Bei Gott ist das anders. Er feiert nicht gerne im kleinen Kreis. Er fragt nicht nach Herkunft, Geschlecht, sozialem Stand, Bildung, Finanzen oder gar Rasse. Er hat eine große Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns Menschen. So hat er – bildlich gesprochen – auf seiner Einladung zu seiner „Party“ ein universales Häkchen gesetzt.

Im Leitspruch für die kommende Woche heißt es:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“(Lukas 13,29)

Wie mag es Ihnen – wie mag es mir – auf solch einer Party ergehen? Wie mag es sein, wenn Menschen mit fremder Sprache, fremden Essgewohnheiten, fremden Tischmanieren, völlig anderem Musikgeschmack… Gottes Einladung annehmen? Wie mag sich das anfühlen, wenn – wie der Leitspruch es sagt – tatsächlich Menschen aus allen Himmelsrichtungen und mit einer sehr unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben zur Party gehen? Vielleicht denken Sie: Das ist der Haken am Haken, dass Gott Gute und Böse, Bequeme und Unbequeme zu seiner Party einlädt. Dass Gott nicht vergisst, hier und da ein Häkchen zu löschen, sondern dass er sein Häkchen so unterschiedslos und bedingungslos setzt.

Wir sind eingeladen. Ein Häkchen genügt. Es liegt an uns. Gott stellt es uns frei, ob auf Gottes Einladung hin unser Häkchen setzen, ob wir uns bei Gott zurückmelden und mit auf die Party gehen.

Pastor Thomas Eichin, Baptistengemeinde Zwickau Planitz

zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Ein neues Jahr hat begonnen. Die guten Wünsche, die freundlichen Gesichter, die Hoffnungen ordnen sich in den Alltag ein. Die Sorge ist wieder da und manches, was im alten Jahr nicht abgelegt werden konnte, fordert wieder Kraft. Auch die Sache mit dem Glauben. Was ist neu geworden durch den Besuch der Gottesdienste und der kirchlichen Veranstaltungen, welcher Zuspruch trägt? Kann Jesus wirklich helfen? Ein Zeitgenosse fragt sich das auch. Als Jesus die Gegend besucht, in der er lebt, bringt er vor, was ihm am Meisten Sorge macht. Sein Sohn ist krank und niemand kann ihn heilen.  Der Vater ist ratlos und verzweifelt. Zu oft erlebt er, wie sein Kind von der Krankheit gequält und zu Boden geworfen wird.  Das geht an die Substanz. „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben“ – schreit er Jesus an. Diese Sätze wählte die Herrnhuter Brüdergemeinde zur Jahreslosung für das begonnene Jahr. Sie zeigt damit auf einen spannungsgeladenen Augenblick – den Kampf zwischen Krank sein und gesund werden und die Fragen, die sich dann ergeben. Wer kann in dieser Situation gewinnen?!  Ferner: wer kann sagen, dass er in allen Lebenslagen Herr einer aussichtslosen Situation bleibt? Ich erkenne mich in dem Rufenden wieder. Und ich höre was Jesus ihm sagt: Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt. Beides gehört also zum Leben. Die Dinge, die ich nicht ablegen und verändern kann und der Ausweg, den es auch in einer solchen Situation gibt. Es ist wie ein schreiten aus dem Alten ins Neue.  Sollte ich darum im Alten verharren? Die Jahreslosung ermutig, den Schritt im Glauben bewusst zu tun. Aus dem alten ins neue Leben.  Wo Menschen mit eigener Kraft und Möglichkeit keinen Weg mehr wissen, bleibt im Glauben ein sicherer Ankerplatz und die Hinwendung zu Jesus ist nicht unbeachtet. Im neuen Jahr möchte ich öfter über diese Geschichte nachdenken. Und, dass am Ende alles gut wird – wie beim Vater, wie beim Sohn. Mit Jesu Hilfe. Natürlich weiß ich, dass nicht alle Erwartungen erfüllt werden, dennoch tut das gut, einem Helfer und seinen Worten zu vertrauen. Gottes Zuwendung zu mir bleibt eine zuverlässige Kraft.

Harald Pepel, Superintendent im Kirchenbezirk Zwickau

zum 1. Sonntag nach Epiphanias

Gnade und Wahrheit

Wir sahen seine Herrlichkeit ‒ eine voller Gnade und Wahrheit. Joh. 1,14

Wir leben in Erwartung. Das Wort passt: Wir glauben daran, aber unser Alltag zeigt oft eine andere Wirklichkeit. Wie zu Weihnachten: Ich kann die Kerzen schon entzünden. Sie leuchten schon. Aber draußen ist es kalt.

Wir ahnen mitunter etwas von der Größe und Gegenwart unseres Gottes ‒ und spüren, dass das eine die Verheißung ist, die wir haben, an die wir glauben dürfen. Das ganz andere ist oft das Erleben.

Wie bei einer Verlobung früher: Ihr gehört zusammen, aber doch wartet ihr noch aufeinander. Wie hieß es damals? Es ist noch nicht die Erfüllung.

Das ist Verlobung im Glauben:

Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn manchmal so gar nicht sehe oder erlebe.

Ich bleibe treu, auch wenn so vieles lockt und schnellen Gewinn verspricht.

Ich halte fest, auch wenn es mitunter so lukrativ ist, loszulassen, sich anderen Gesetzen und Regeln hinzugeben.

Ich freue mich auf Gott, und diese Freude verschönt und belebt mein ganz alltägliches Tun und Lassen. – Und dabei natürlich die oft ärgerliche Frage: Ist das so? Wie weit wirkt dieser mein Glaube in mein tägliches Tun hinein?

Wieder das Verlobungsbild: wie du dran bleibst und alles tust, was denkbar ist, weil du den Menschen nicht verlieren willst, den du liebst. Eine Freude, die offensichtlich darum so viel Energie entfacht, weil du noch nicht am Ziel bist – Was zugleich bedeutet:

Wer glaubt, am Ziel zu sein und es sicher zu haben, irrt. Kirchenmitgliedschaft allein ist es nicht.

Wo bleibt die Begeisterung?! Wenn ich die Balztänze unter jungen Leuten beobachte, dann freue ich mich; manchmal nervt es mich auch. Und ich denke: das wünschte ich mir für meine Kirche, diese Begeisterung… und sehe, wer balzt und sich streckt nach dem Glauben, sich bemüht – und wer abgeklärt ohne Begeisterung nur Termine wahrnimmt.

Und das flankiert von diesen unglaublichen Begriffen, die zum Kern des Glaubens gehören und eine heile Welt Gottes beschreiben: Gnade und Wahrheit.

Pfarrer Matthias Hecker, Evang.-Luth. Kirchgemeinde Kirchberg

zur Jahreswende

Geistliches Wort

Fürchtet euch nicht …

… spricht der Engel zu den Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Sie hörten es und waren tief bewegt. Auch wir hören diese Botschaft in der Weihnachtszeit. Wieso spricht der Engel so zu uns? Weiß er nicht, dass die Furcht zu unserem Leben gehört? Auch wenn wir uns bemühen so zu tun, als gäbe es die Furcht nicht, fürchten wir dennoch vieles: schwere Krankheiten zum Beispiel. Wir fürchten uns vor dem Alter, vor Bettlägerigkeit oder Demenz; wir haben Angst vor Krieg, vor der Zerstörung unserer Umwelt; wir fürchten die vielen kleinen Kriege zwischen uns Menschen; wir haben Angst vorm Sterben oder vor der Einsamkeit.

Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst.” Diese Beobachtung stimmt: Angst ist eine elementare Lebensäußerung. Die Bibel sagt: Seit damals, als der Mensch, der Adam, anfing, sich von Gott zu lösen, gibt es die Furcht: „Ich fürchte mich, denn ich bin nackt”, sagte Adam zu Gott. Unsere Furcht hat mit Nacktheit und Blöße zu tun, mit unsrer Hilflosigkeit. Unsere Angst hat damit zu tun, dass wir uns von Gott gelöst haben, dem Ursprung des Lebens. Wir haben Gott verlassen ‒ Gott aber hat uns nicht verlassen!

Denn seit die Furcht in unserem Leben ist, bemüht sich der um uns, der die Furcht überwindet. Jesus setzt den vorhin zitierten Satz ja noch fort: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.”

Gott sagt: Ich bin bei dir, hab keine Angst, sei getrost, ich habe dich erlöst, du bist mein. Ich bin es, der dich errettet! Meinen Sohn Jesus Christus habe ich dazu in die Welt geschickt! Deshalb sagt der Engel in der Weihnachtsgeschichte: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, Christus.”

Deshalb möchte ich Dich ermutigen: Fürchte Dich nicht, glaube nur. Glaube überwindet die Furcht, Glaube an den von Gott gesandten Retter, den Heiland der Welt. Fürchte Dich nicht, denn auch Dir ist der Heiland geboren!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Kirchberg/Wilkau-Haßlau

zum Christfest

Weihnachtsgeheimnis

Dem Geheimnis von Weihnachten auf die Spur zu kommen, helfen mitunter kleine Geschichten. Eine solche möchte ich heute erzählen:

Zu den Hirten auf Bethlehems Feldern gehörte auch einer, der zwar groß und stark war, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen – Folgen eines Unfalls. Meist saß er nur mürrisch am Hirtenfeuer und sah zu, dass es nicht ausging. Als in der Heiligen Nacht den Hirten die Engel erschienen und ihnen die Botschaft von der Geburt des Kindes brachten, das zum Heiland der Welt werden würde, sah und hörte er nichts davon. Auch als es ihm die anderen Hirten erzählten und sich zum Stall nach Bethlehem aufmachten, ließ er sich nicht beeindrucken. Er blieb allein am Feuer zurück. „Lauft ihr nur. Was wird es anderes sein als ein Spuk, ein Traum.“ – So dachte er und rührte sich nicht. Was aber, wenn dies alles wahr wäre? Der Gedanke nagte in ihm. So raffte er sich doch auf und humpelte den Spuren der anderen nach. Der Morgen dämmerte längst, als er endlich im besagten Stall ankam. Ja, das musste der richtige Ort sein. Aber wo war das Kind, wo dessen Eltern, wo seine Kollegen? Er lachte. Nein, es gab kein Kind, keine Engel. Schadenfroh wollte er bereits umkehren. Da entdeckte er die kleine Kuhle in der Futterkrippe, dort konnte nur das in Windeln gewickelte Kind gelegen haben. Er wusste plötzlich nicht mehr, wie ihm geschah. Er kniete vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass er den Gesang der Engel nicht gehört, das Kind nicht persönlich gesehen hatte, dass er nicht mit den anderen Hirten durch Bethlehem zog, um vom Wunder der Heiligen Nacht zu erzählen. Er spürte aber etwas in seinem Herzen, eine Freude, wie er sie lange nicht mehr kannte. Mit Worten war das nicht zu beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anzünden, bevor die anderen zurückkehrten. Als er schon ein ganzes Stück gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte schon umkehren, aber wozu? So ging er einfach weiter mit immer festerem Schritt.

Ich wünsche allen Lesern, dass sie dem Geheimnis von Weihnachten (auch bei aller Skepsis) und der frohen Botschaft dieses Festes so wie dieser Hirte auf die Spur kommen: Die Botschaft lautet: „Fürchtet euch nicht; Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Pfr. Karlheinz Wohlgemuth Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Lichtentanne

zum 4. Advent

Es gibt viele Arten von edlen Bilderrahmen: moderne, von bekannten Designern entworfen und sehr teuer, aber auch alte aus erlesenen Hölzern mit reicher Verzierung. Aber wer von Ihnen würde sich einen leeren Rahmen an die Wand hängen, auch wenn er noch so schön und wertvoll wäre? Es kommt doch auf das Bild an, oder? Auch das Weihnachtsfest hat seinen Rahmen und den lassen wir uns auch etwas kosten: der schön geschmückte Weihnachtsbaum, das eine oder andere wertvolle Geschenk und natürlich die vielen kleinen Zuwendungen an die Kinder und Enkelkinder zu Weihnachten. Die Lieder, die Krippe unter dem Baum, Kerzen, Weihnachtsmärkte, die Beleuchtung der Häuser. Das ist der Rahmen. Dieser weihnachtliche Rahmen ist schön, aber das kann doch nicht alles sein! Wer nur den Rahmen betrachtet, der kann das Bild, das Wesentliche, nicht sehen. Was wäre mein Bild für Weihnachten? Ganz einfach – drei Symbole: Zuerst eine Sonne: Die Geburt des Kindes Jesus will die winterliche Kälte in unseren Herzen und in unserer Gesellschaft vertreiben. Mancher hat Sorgen, doch die Weihnachtsbotschaft lautet: „Siehe ich verkündige euch große Freude. Fürchtet euch nicht.“ Wer sich auf diese Sonne einlässt, dem schmilzt der Eispanzer vom Herzen, da werden Traurige getröstet, da erfahren Hoffnungslose vielleicht etwas Zuversicht. Als zweites ein Herz: Im Kind in der Krippe zeigt Gott sein lebendes Herz, da gibt er sein Liebstes her, seinen einzigen Sohn. Gott hätte mit Macht auftreten können, um den Mächtigen ihre Ohnmacht zu zeigen. Aber er kam als hilfloses, ohnmächtiges Kind. Seitdem zählt nicht mehr das Äußere, der Rahmen, sondern nur noch das Innere, das Herz. Als drittes eine Krippe: Nehmen wir an, Sie wären der Retter der Welt. Wo möchten sie geboren werden? Wer von uns hätte die Armut gewählt? Ich denke wohl keiner. Keiner – außer Gott. Gottes Lobby sind die Armen dieser Erde, die auch in diesem Jahr unter Krieg und Verfolgung zu leiden haben. Das Bild von Weihnachten, auf das unser Blick – gern durch einen schönen Rahmen – fallen soll, hat mit Gott zu tun und mit den Menschen, die er liebt. Wir können dieses Bild ansehen, wir können den Kopf darüber schütteln. Wir können es aber auch in unser Herz aufnehmen.

Pastor Christian Posdzich, Evangelisch-methodistische Friedenskirche Zwickau

zum 3. Advent

Mache dich auf zum Licht!

Wann haben sie das letzte Mal im Dunkel des Gartens oder am Meer unter einem wolkenlosen Sternenhimmel gesessen? Haben die Weite gespürt, vielleicht auch die Ehrfurcht Teil dieses Universums zu sein? In erinnere mich an solch eine Nacht. Ich spürte ein Gefühl tiefer Geborgenheit, ahnte etwas Wunderbares. Es gibt ein Abendlied: „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“. Darin heißt es über die Sterne: „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehle […] kennt auch dich und hat dich lieb“. In der gewaltigen Schönheit und Tiefe des sternenübersäten Universums, in diesem Dunkel hatte ich das Gefühl dazuzugehören, selber gemeint zu sein.

Es gibt aber auch das andere Dunkel. Da, wo der Blick so gar nicht erwartungsfroh ist. Wo das Gefühl vom Leben so gar nicht geborgen scheint und Sorgen, Ängste, Zweifel an einem nagen. Dunkler und dunkler wird es in diesen Zeiten – innen wie außen.

Die Hirten auf dem Feld kennen vor allem diese Dunkelheit. Sie standen als Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie hatten keinen guten Ruf und kaum Chancen auf Veränderung ihrer Situation.

Doch sie waren die ersten, denen das Licht in der Nacht erschien. Die ersten, die die Worte des Engels hörten und denen eine Zukunft eröffnet wurde. In einer ganz normalen Nacht war schlagartig alles anders. Natürlich hatten sie Angst. Es war zu gewaltig, was sie da erlebten. Aber sie hörten auch das „Fürchtet euch nicht!“ Eine Aufforderung und ein Zuspruch zugleich. Fürchtet euch nicht! Das Licht ist für alle da!

Die Sehnsucht nach Licht ist auch 2000 Jahre nach Jesu Geburt noch da. Es ist die Sehnsucht nach Veränderung, Liebe, Hoffnung, Zukunft, Freiheit.

Advent lebt sowohl von der Verheißung, als auch von der Erfahrung, dass Gott kommt. Vielleicht anders als gedacht, anders als erwartet oder gewünscht. Advent öffnet einen Raum, sich wieder neu nach diesem Licht auszustrecken und darauf zuzugehen. Das Licht – es ist längst da! Also: „Mache dich auf!“

Christine Meyer-Seifert, Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Zwickau

zum 2. Advent

Liebe Leserinnen und Leser!

Und schon sind wir wieder mitten drin in der geliebten und gehassten,  der besinnlichen und hektischen Adventszeit.  Und wir versuchen, irgendwie durchzukommen,  ein bisschen Freude zu erhaschen,  ein wenig „Himmel“ zu erspüren…

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“  So steht es über dem Monat Dezember;  ein Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja  (Kapitel 50, Vers 10).  Der Name Gottes bedeutet:  Gott ist nahe;  Gott ist da!  Und es steckt noch etwas in diesem Namen:  Gottes Möglichkeiten und Wege gehen über das hinaus, was uns Menschen möglich ist.  Darum die Einladung:  Vertraue auf den Namen des Herrn;  verlass dich auf deinen Gott!  In dem Namen Gottes steckt ein volles Programm:  ein Hilfsprogramm.  Damit ist der Sohn Gottes auf die Welt geschickt worden.  Jesus wurde dort geboren, wo es dunkel und verlassen war – im Stall von Bethlehem.  Er kam zu denen, die sich selbst überlassen waren und keine Lobby hatten – zu den Hirten.  Er kam schwach und klein – als ein Kind.  Keiner soll verloren sein.  Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht scheint, der (und die) ist hier an der richtigen Stelle!  Gott bringt Licht in die Welt!  Das Hilfspaket, das Gott durch Jesus auf die Erde gebracht hat, beinhaltet Vergebung,  Erlösung,  Freude,  Versöhnung  und  Hoffnung auf das ewige Leben.  Dafür steht ER ein mit seinem Namen – Gott selbst und auch sein Sohn Jesus Christus.  Der Name Jesus bedeutet:  Gott hilft;  Gott rettet!

Ich wünsche uns allen, dass wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit herausführen lassen können aus unseren Verunsicherungen, Verbitterungen und Enttäuschungen – zu Jesus Christus.  ER sagt:  „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“  (Joh. 12,46)  Dafür steht er ein mit seinem Namen!  Lassen Sie sich herzlich einladen in die Kirchen und Gemeinden in diesen Tagen vor und um Weihnachten.  Eine frohe Adventszeit Ihnen allen!

Pfr. Michael Schünke,  Lukaskirchgemeinde Planitz

zum 1. Advent

Der dunkelste Monat des Jahres beginnt an diesem Sonntag – aber wir Menschen machen es uns hell: mit den Lichtern in den Stuben und Fenstern, an Schwibbögen, Weihnachtsbäumen und -pyramiden. Die erste Kerze am Adventskranz – übrigens eine Erfindung des Gründervaters der Diakonie, Johann Hinrich Wichern – wird entzündet.

In der dunklen Jahreszeit sehnen wir uns nach Licht, so wie wir uns in der Einsamkeit nach menschlicher Nähe, in Trauer nach Trost, in Angst nach Hoffnung, im Krieg nach Frieden, in Unsicherheit nach Vertrauen und Geborgenheit sehnen. Nicht nur das fehlende Tageslicht, sondern auch anderes also macht die Welt um mich herum dunkel oder wenigstens ab und zu düster.

Im Johannesevangelium spricht Jesus von Nazareth davon, dass er das Licht der Welt ist und seine Nachfolger Licht sein sollen für die Welt. Als Christ weiß ich darum, dass ich eine Orientierung brauche, mich ausrichten darf an Gottes Licht, der mir ein Wegzeichen für meinen Lebensweg ist. Nicht die Dunkelheit, die Angst, Trauer, Unsicherheit oder Konflikt sollen mein Leben bestimmen, sondern das Licht, die Wahrheit, Hoffnung, Glaube, Gewissheit, die Liebe.

Im Leben Jesu, so wie ich davon in der Bibel erfahre, begegnet mir das Beispiel und Vorbild Gottes, dass ich zwar in meinem Leben nie ganz erreichen werde, aber eine Annäherung findet statt, weil ER sich mir nähert, weil ich nicht mehr fliehe.

Die dunklen Momente meines Lebens verlieren ihren Schrecken, die Nacht meines Leben, die Nacht der Welt geht dem Ende zu – schon leuchtet der Morgenstern und am Horizont kündigt sich das Licht des neuen Tages -des Tages Gottes an.

Derweil mach ich mich auf und werde für andere zum Licht, durch mein Reden und Schweigen, durch mein Tun und Lassen. Fröhlich entzünde ich die erste Kerze auf dem Adventskranz und knipse den Schwibbogen im Fenster an. Dabei pfeife ich die Melodie von „Die Nacht ist vorgedrungen“, Evangelisches Gesangbuch Nr. 16.

Pfarrer Frank Pauli, Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Ewigkeitssonntag

Morgen am Ewigkeitssonntag bzw. Totensonntag wird in den Gottesdiensten der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Während die einen trauern, beginnen andere ihre Häuser und Wohnungen weihnachtlich zu schmücken. ‚Das macht man erst nach dem Ewigkeitssonntag!‘ sagen manche.  Wie auch immer: in keinem anderen Fest sind sich Christen und Nichtchristen in freudiger Erwartung so nah wie in Weihnachten.

„Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.“ (Ps 97,11) Die Losung des Ewigkeitssonntags weist in die Zukunft und birgt Hoffnung in sich. Ohne die Hoffnung auf das Licht und die Freude wäre unser persönliches Leid wie auch das der Welt kaum auszuhalten. Der Wochenpsalm für diese letzte Woche des Kirchenjahres ist der Psalm 126. Der Theologe Volker Mantey hat diese über zweitausend Jahre alten Worte in unsere heutige Zeit übertragen. Sie sind heute genauso aktuell, wie sie damals waren. Der Psalm beginnt in nach seiner Übersetzung so: „Ich will dir einen Traum erzählen: Gott macht ein Ende mit dem Leid der Welt.| Ich glaube, ich würde vor Freude platzen! Ich könnte nicht mehr aufhören, Gott dafür zu danken …“  Das ist schon erstaunlich: die Probleme der Menschen damals waren im Grunde dieselben wie der Menschen heute.

Das Vertrauen auf Gott, auf das immer wieder aufgehende Licht und die Freude vermag uns Hoffnung geben. Aber es kann und soll uns nicht zum Nichtstun anhalten, weil eh alles ‚schon wird‘. Gerechtigkeit ist gefordert und ein aufrichtiges Herz. Das sagt sich so leicht und nie scheint es schwerer, sich dazu zu bekennen. Angesichts einer schwindenden Gesprächskultur, wenn Menschen sich nicht mehr ausreden lassen, sich in sozialen Netzwerken beleidigen, keine anderen Meinungen tolerieren können – dann fällt es schwer positiv zu denken. Aber gerade wir Christen sollten uns nicht entmutigen lassen und immer und immer wieder mit aufrichtigem Herzen voran gehen und Stellung beziehen für Gerechtigkeit. Damit der Traum des Psalms wahr wird.

Dr. Bianka Röhr ist Historikerin und Gemeindepädagogin im Ev.-Luth. Kirchspiel Zwickau Nord

zum Buß- und Bettag

Was haben Bus und Bett miteinander zu tun? Ich frage mich das immer, wenn Menschen den Buß- und Bettag als Bus- und Bett-Tag bezeichnen. Klar, es ist toll, einen Feiertag zu haben, im Bett zu bleiben und auszuschlafen oder eben das Auto (oder den Bus) voll zu laden und einen Familienausflug zu machen. Aber wirklich fröhlich kommt der Tag nun wahrlich nicht daher. Buße und Gebet, das mutet uns schon schwer an. Damit will ich mich nicht unbedingt auseinandersetzen, zumal ja die fröhliche Advents- und Weihnachtszeit schon vor der Tür steht und ich mir lieber Gedanken darüber mache. Aber ich mag trotzdem diesen leisen Feiertag, weil er mir hilft, Weihnachten wirklich gelöst und voller Freude zu feiern. Der Tag lädt uns ein, all das vor Gott zu bringen, was uns belastet und uns von IHM entlasten zu lassen. Quasi in einen Bus einzusteigen und dem Fahrer vertrauen, dass er das Steuer in der Hand behält und sich vorher noch um mein Gepäck kümmert. Denn Gott meint es gut mit uns, aber da gibt es eben auch so manchen Rucksack, so manche Last in meinem Leben, die ich mit mir herumschleppe. Der Bibelvers für den Buß- und Bettag macht das noch einmal deutlich. Im Buch der Sprüche heißt es: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben.“ (Sprüche 14,34) Wenn wir an dem festhalten, was uns von Gott und Menschen trennt, die Last nicht abgeben, dann wird es immer etwas geben, was mich bindet und zurückhält. Am Buß- und Bettag sollen wir uns aber von unseren Sorgen und Belastungen nicht runterziehen lassen, sondern uns von Gottes Gerechtigkeit erhöhen lassen. Uns von IHM Gutes tun lassen. Wer weiß, vielleicht schlafe ich dann auch mal wieder tief und fest, weil ich all das losgeworden bin, was sonst meine Gedanken so festgehalten hat. Manchmal ist das nur ein kleines Gebet, ein kurzes Gespräch mit unserem Gott, das dieses Wunder bewirken kann.

Pfarrerin Sabrina Frank, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Mülsen

zum Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr

In einem Fernsehwerbespot ist Folgendes zu sehen: Zwei Senioren treffen sich nach Jahren wieder. Voller Stolz präsentieren sie, was sie im Leben erreicht haben: Haus, Schwimmbad, fahrbarer Untersatz – alles top. Aber ist das alles, was den Ertrag des Lebens ausmacht? Oder fehlt da noch was? Das Ende des Kirchenjahres lenkt unseren Blick auf das Ende des Lebens. Auf das, was danach kommt. Und darauf, was am Ende zählt: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, heißt es dazu in der Bibel. Am Ende geht es darum, wie Gott unser Leben beurteilt: Ob alles Gutgemeinte wirklich gut war. Welche Folgen Versäumtes hatte. Um das, was Anderen bedeutsam erschien. Und um das, was im Verborgenen geschah. Jeder ist gefragt. Denn jeder ist Gott wichtig. Er sieht nicht achtlos darüber hinweg, wie wir leben. Und er spricht das letzte Wort darüber, was Bestand hat und was vergeht. Das heißt für mich: Ich überlasse es getrost Gott, andere zu beurteilen und messe sie nicht an meinen Maßstäben. Ich frage stattdessen, ob mein eigenes Tun bei Jesus Gefallen findet. Nicht damit ich einen gnädigen Gott finde. Das ist durch Christus längst geschehen. Das darf ich einfach glauben, muss nichts dazutun. Aber ich bin gefragt, wie sich dieser Glaube in meinem Alltag konkret auswirkt. Wie ich über andere denke und mit ihnen rede. Wie ich mit denen umgehe, die mir fremd, vielleicht auch anstrengend erscheinen. Wie ich mich gegenüber Bedürftigen oder Benachteiligten verhalte. Manchmal ist ein offenes Ohr gefragt, andermal das stille Gebet. Manchmal eine klare Haltung, andermal die helfende Hand. Jesus sagt: Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Darum bin ich gefragt, ist jeder gefragt, wenn es darum geht, Gottes Liebe zu bezeugen.

Horst Kleiszmantatis Der Autor ist Pfarrer im Ehrenamt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen und Leiter der Ökumenischen TelefonSeelsorge Zwickau

zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, könnten mehr als 70 von ihnen nicht lesen und nur einer hätte eine weiterführende Schule besucht. Mehr als 50 wären unterernährt. Über 80 lebten in unzureichenden Unterkünften. Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, kämen 6 von ihnen aus den USA, diese 6 besäßen 59 % des gesamten Dorfeinkommens, die anderen 94 lebten vom Rest. Wie würden wohl die 6 Reichen mit ihren Nachbarn leben? Sicherlich würden sie sich bewaffnen zum Schutz gegen die 94, mit einem Verteidigungsetat pro Person, höher als das gesamte Privateinkommen der anderen. Die Welt ist ein Dorf und wir leben in ihr. Ist da nicht Krieg zwischen den Menschen vorbestimmt? Von Jesus hören wir in der Bergpredigt eine ganz andere Sicht auf die Welt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Auch Jesus kennt die Welt. Mit den Mächtigen und den Reichen darinnen, den Armen und denen, die ausgebeutet werden. Auch Jesus sieht, wie es zwischen den Menschen zugeht. Selbst vor Kollegen, Freunden und in Familien macht der Kleinkrieg keinen Halt. Jesus sieht die Situation von uns Menschen, aber er bietet auch einen neuen Weg an, um miteinander umzugehen. Wir können auf Anfeindung, Boshaftigkeit und Neid anders antworten als mit Wut oder Rache. Der großartige Friedensstifter Mahatma Gandhi reagierte auf seine politischen Feinde, indem er sich seine Wut auf die Missstände in seinem Land und in der Welt zunutze machte: „Durch bittere Erfahrung lernte ich die eine wichtigste Lektion: mit meiner Wut umzgehen. Wie Hitze durch richtige Ausnutzung zu nützlicher Energie wird, kann unsere in Bahnen gelenkte Wut in eine Kraft verwandelt werden, die die Welt bewegen kann.“ Vielleicht ist das auch für uns eine Chance im Kleinen, wie im Großen den endlosen Kreislauf der Vergeltung zu durchbrechen. Selig sind, die Frieden stiften! Das ist niemals leicht. Denn zu wählen, was schwierig ist, jeden Tag, als ob es leicht sei: das ist Glaube!

Pfarrerin Rowena Jugl, Reinsdorf

zum 19. Sonntag nach Trinitatis 27.10.2019

Für uns, die evangelischen Christen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens war das eine turbulente Woche. Sie startete mit dem Bangen um die Entscheidung ob die Kirchenleitung den Rücktritt unseres Landesbischofs annehmen wird oder ob der gemeinsame Weg doch noch fortgesetzt werden kann. Es hat Aufrufe zu Mahnwachen, zu Gebeten und in allem auch den Ruf nach Klarheit gegeben. Nun ist die Entscheidung bekannt gegeben worden und viele stehen ratlos da. War der Einsatz für ihren Bischof vergeblich? Wen diese Frage bewegt, ist mit Recht auf der Suche nach Antworten. Sie sind nicht leicht zu finden. Darum kann zurzeit nur eine helfen. Die klare Entscheidung des Landesbischofs und seine Erklärung gegenüber der Kirchenleitung, sein Amt aus eigener, freier Entscheidung zur Verfügung zu stellen, um Schaden von seiner Kirche abzuwenden. Der Landesbischof hatte, wie er es in der Erklärung ausdrückte, angesichts der öffentlichen Diskussionen um seine Person, keine Gewissheit mehr ob er der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann. Der Bischof wollte sich nicht instrumentalisieren lassen. Nicht außerkirchlich und nicht innerkirchlich. Sein Rücktritt ist ein überaus großer Preis für unsere Kirche. Zugleich aber ist er auch eine erhebliche Mahnung zum aufrichtigen Umgang miteinander. Die Lagerbildung hilft nicht weiter. Das schwarz-weiß Denken hilft nicht weiter. Sich rechts oder links verorten hilft nicht weiter. Was Wege öffnet, ist der Wille zum Frieden. An ihm muss sich die Gemeinde Jesu Christi und der Einzelne messen lassen. Dass er mit Wahrheit, Kompromissen und im Verstehen des Gegenübers ‒ oder wie die Bibel sagt, sich im Hören und Tun ereignet, dazu schenke uns Gott die nötige Kraft. Im Evangelium ist sie jedenfalls vorhanden. Wie gut, wenn dieser Geist wieder bewegt. Er gilt nicht nur einigen wenigen, sondern allen die sich für den Frieden einsetzen. In diesem Sinne gilt, besonders jetzt, die Bitte Jeremias: Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14) Sie sich zu eigen zu machen, ist auch für mich, der größere Gewinn.

Harald Pepel, Superintendent des Ev.-Luth. Kirchenbezirkes Zwickau

zum Osterfest 2021

Für viele Leute gehört ein Spaziergang zum Osterfest dazu, gerade auch jetzt. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick…“, so hat es schon Goethe seinen Dr. Faust sagen lassen. Ostern – das warfür ihn der Frühling, die erwachende Natur. Und so ist es doch: Nach dem Winter atmen wir auf und erfreuen uns an dem, was zu blühen beginnt. Die Bibel berichtet von einem ganz anderen Osterspaziergang. Zwei Männer, „die auch zu dem Jesus von Nazareth gehörten“, liefen bergab von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Sie wollten nur noch weg, weil es mit ihrer Hoffnung bergab ging. Der Tod von Jesus am Kreuz hatte ihr Lebensfundament zerstört, ihre Angst war groß. Auch wenn ein paar Frauen aus ihrem Freundeskreis sagten, Jesus würde leben, sie wussten es besser. Tot ist tot. Ihr Gespräch kreiste nur um dieses Geschehen. Plötzlich lief ein Mann neben ihnen. Das war damals nicht ungewöhnlich. Er hörte ihnen zu und ergriff nach einer Weile das Wort: „Ihr habt nichts verstanden. Der Tod am Kreuz musste sein, weil einer die Schuld aller Menschen auf sich nehmen musste. Doch der Gekreuzigte blieb nicht im Grab“. Dann, beim Abendessen, erkennen sie ihn richtig: Dieser Wanderer war niemand anderes als Jesus. Er lebt, er ist nicht mehr tot! Im selben Augenblick verschwand er. Die Männer sagten sich: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns sprach? Ihre Trauer wich einer großen Freude. Sofort liefen sie zurück und sagtendiese gute Nachricht weiter. Leid und Tod sind noch nicht ausder Welt. Pandemien und Krisen setzen uns noch heftig zu. Aber sie alle haben nicht mehr das letzte Wort. Es gibt einen, der ist stärker und schenkt Hoffnung, heute und für alle Ewigkeit: Jesus, der Herr, ist auferstanden!

Ralf Gotter, CVJM Crimmitschau